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Veröffentlicht am 08.12.2024

Ein ungewöhnliches Trio auf der Flucht – oder auf der Jagd?

Wir finden Mörder (Wir finden Mörder-Serie 1)
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„Wir finden Mörder“ von Richard Osman ist der Auftakt einer Krimi-Reihe voller Humor, einer Jagd um die Welt, gefährlichen Situationen und überraschenden Plot-Twists. Einfach spannend und unterhaltsam.

Um ...

„Wir finden Mörder“ von Richard Osman ist der Auftakt einer Krimi-Reihe voller Humor, einer Jagd um die Welt, gefährlichen Situationen und überraschenden Plot-Twists. Einfach spannend und unterhaltsam.

Um was geht es?
Amy Wheeler ist Personenschützerin, nur scheint sie in letzter Zeit Unglück magisch anzuziehen. Egal wo sie im Einsatz war, in ihrer Nähe wurden bereits drei Klienten ihres Chefs, allesamt Influencer, öffentlichkeitswirksam ermordet. Plötzlich wird auf Amy, gerade als Personenschützerin bei der Thrillerautorin Rosie D’Antonio im Einsatz, geschossen und die beiden fliehen. Amy muss herausfinden, was los ist und benötigt dafür dringend Hilfe. Da ist niemand geeigneter als ihr Schwiegervater Steve Wheeler, einst Polizist bei der Met, der seinen beschaulichen Wohnort nicht gerne verlässt. Doch was tut man nicht alles für die Schwiegertochter. Und schon ist das Trio zu Dritt auf der Flucht und gleichzeitig auf der Jagd nach der Wahrheit und einem Phantom mit dem Namen Francois Loubet – einmal rund um die Welt.

Das Buch beglückt uns gleich mit drei ganz besonderen Protagonisten, jeder einzigartig und mit Macken gesegnet. Da ist zum einen Amy Wheeler, Personenschützerin mit schwieriger Vergangenheit und eine echte Kämpfernatur. Gerne will sie auch mal mit dem Kopf durch die Wand, statt denselbigen anzustrengen. Dafür hat sie ihren Schwiegervater Steve. Die beiden sind ein Herz und eine Seele, reden mehr miteinander als mit Ehemann bzw. Sohn Adam. Steve ist Witwer, sehr eigen, verlässt ungern sein Dörfchen, liebt seine Routinen und macht nur für Amy eine Ausnahme. Zähneknirschend akzeptiert er also Privatflugzeuge, Sushi, Sonne und Sauna. Und dann ist da noch Rosie D’Antonio, eine echte Diva, exzentrisch, rebellisch, energisch … man kann sie kaum beschreiben, man muss sie erleben. Die drei ergänzen sich perfekt auf der Jagd nach dem Phantom, denn jeder steuert etwas wichtiges bei: Kampfgeist, ermittlerischen Spürsinn und Unmengen an Geld 😊 So finden sie in jeder noch so seltsamen Situation, in die sie geraten, einen Ausweg.

Das Buch ist gespickt mit witzigen Dialogen, actiongeladenen Szenen, skurrilen Situationen, überraschenden Plot-Twists, exotischen Orten, ländlicher Idylle, interessanten Nebencharakteren und rasanten Entwicklungen. Es liest sich flüssig und macht einen wahnsinnigen Spaß. Die vielen unterschiedlichen Namen und die Beziehungen untereinander, sei es privat oder geschäftlich haben mir am Anfang beim Lesen viele Schwierigkeiten bereitet. Ich bin schnell dazu übergegangen, mir ein Personenverzeichnis anzulegen und ich kann das auch jedem Leser nur ans Herz legen. Schade, dass der Verlag selbst nicht auf diese Idee gekommen ist. Das ist ein kleiner Wermutstropfen bei einem sonst toll verfassten, mit liebevollen Schilderungen und tollen Charakteren gespickten Buch.

Fazit:
„Wir finden Mörder“ ist ein ganz und gar ungewöhnlicher Auftakt einer neuen Krimireihe, die durch witzige Dialoge, exotische Orte, spannende Begebenheiten, viele Reisen und drei tolle Protagonisten geprägt ist. Es wird ermittelt, gekämpft, geflohen, mitgefiebert, ausgespielt und am Ende natürlich die Geschichte aufgelöst. Wer eine gute Krimikomödie zu schätzen weiß, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Ich lege allerdings jedem Leser ans Herz, am Anfang ein Personenverzeichnis zu führen. Denn die Vielzahl der Charaktere können sonst die Leselust schnell in Lesefrust umschlagen lassen.

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Veröffentlicht am 18.11.2024

Zum Mörder gemacht

The Killer Profile
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Ein bestialischer Serienmörder, ein Einstufungstest und eine Analytikerin – „The Killer Profile“ verspricht harte Lesestunden und ist nichts für schwache Nerven.

Um was geht es?
Midnight Jones wertet ...

Ein bestialischer Serienmörder, ein Einstufungstest und eine Analytikerin – „The Killer Profile“ verspricht harte Lesestunden und ist nichts für schwache Nerven.

Um was geht es?
Midnight Jones wertet psychometrische Tests für ihren Arbeitgeber Necto Corporation aus. Eigentlich sollen diese zeigen, ob Bewerber für bestimmte Studiengänge oder Stellen geeignet sind. Doch dann kommt Midnight eine „Anomalie“ unter – ein Profil K. Fest davon überzeugt, dass das ein Systemfehler ist, überprüft Midnight den Test und sieht Bilder des Grauens, auf die der Getestete scheinbar kaum reagiert. Sofort schlägt sie in der Chefetage von Necto Alarm, die Midnight umgehend mundtot macht und subtil mit Kündigung droht. Dann passiert in ihrer Nachbarschaft der erste bestialische Mord …

Protagonistin des Buches ist die Psychologin Midnight Jones, eine zielstrebige junge Frau mit enormem Verantwortungsbewusstsein. Denn neben ihrem Job bei Necto kümmert sie sich aufopferungsvoll um ihre geistig behinderte Zwillingsschwester Dawn. Zur Loyalität zu ihrem Arbeitgeber durch ihr gutes, zum Leben notwendiges Gehalt bei Necto „gezwungen“, gerät sie in Konflikt mit ihrem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und Gewissen. Denn dieses „Killer Profil“ darf in ihren Augen nicht frei herumlaufen. Sie sieht nur einen Ausweg aus ihrer inneren Zerrissenheit, sie muss selbst ermitteln. An dieser Stelle zeigt sich auch manchmal ihre Naivität, scheint sie sich der Gefahren für sich und ihre Schwester so gar nicht bewusst. Als Nebencharakter sticht vor allem unser Killer hervor – der Bewerber – den wir im Verlauf des Buches immer besser kennenlernen. Und DI Ruskin, der Ermittler des LAPD in der Mordserien, pflichtbewusst, gerecht, idealistisch, dadurch aber auch irgendwie frustriert. Es ist interessant, diese drei Charaktere zu beobachten und nach und nach herauszufinden, warum sie tun was sie tun und sind wie sie sind.

Die Geschichte wird aus Sicht von Midnight Jones erzählt, ab und an unterbrochen durch kurze Abschnitte aus Sicht der Nebencharaktere: DI Ruskin, der Bewerber und den Opfern. Gerade die Sicht der Opfer jagt einem als Leser kalte Schauer über den Rücken, die Sicht des Bewerbers gibt Einblicke in seine abnorme Gefühlswelt. Und DI Ruskin lernen wir als abgestumpften Polizisten kennen, der einfach in seinem Leben schon zu viel Grauen gesehen hat. Das Buch liest sich flüssig und ist spannend geschrieben. Am Anfang hat das Buch etwas gebraucht, bis es Schwung aufgenommen hat, aber dann ist man förmlich durch die Seiten geflogen. Bei der Auflösung kam mir DI Ruskin, den man über den Verlauf des Buches doch sehr gut kennenlernt, zu kurz. Aber das ist meine persönliche Meinung.

Fazit:
„The Killer Profile“ ist von der ersten bis zur letzten Seite ein spannender Psychothriller mit einem interessanten Plot, dessen Basis psychometrischen Tests und Veranlagungen bilden. Clever konstruiert und mit interessanten Charakteren. Wer mit grafischen Darstellungen von Gewalt Probleme hat, sollte besser die Finger von dem Buch lassen. Zwar sind das nur wenige Stellen, aber dennoch sind diese in meinen Augen zwingend notwendig, um die Story „rund“ zu machen.

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Veröffentlicht am 20.10.2024

Most Wanted aus Versehen?

Broken Crystal
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Ein Undercover-Einsatz, eine Milliardärstochter und eine militante Umweltorganisation – das ist der Stoff des neuesten Thrillers „Broken Crystal“ des Autors Tobias Miller.

Um was geht es?
Ein deutscher ...

Ein Undercover-Einsatz, eine Milliardärstochter und eine militante Umweltorganisation – das ist der Stoff des neuesten Thrillers „Broken Crystal“ des Autors Tobias Miller.

Um was geht es?
Ein deutscher Journalist fliegt für ein besonderes Interview nach Istanbul. Dort trifft er einen Mann, der behauptet, irrtümlicherweise gleich zweimal auf der Most-Wanted-Liste des FBI zu stehen. Fasziniert hört er sich dessen Geschichte an, die Monate vorher begann als der Ex-Soldat von einem sechsmonatigen Auslandseinsatz in Dakar für die private Sicherheitsfirma Stealth Parachute nach Boston zurückkehrt. Er will aussteigen und ein normales Leben beginnen. Da bittet ihn sein Chef Trevor Wilson einen letzten Auftrag zu übernehmen. Er soll die Milliardärstochter Crystal McCray aus den Fängen der Umweltaktivistengruppe Eternal-Earth-Group befreien. Undercover schleust er sich in die Gruppe ein und erkennt bald, dass Crystal weit mehr als ein einfaches Mitglied der Gruppe und die Gruppe gefährlicher als gedacht ist.

Protagonist des Buches ist der Ex-Soldat und Legionär, dessen richtigen Namen wir im Verlauf des kompletten Buches nicht erfahren. Das sagt eigentlich schon alles über ihn aus: ein Vollprofi, der seine Ziele ohne jeden Skrupel verfolgt, prinzipientreu, heimatlos, ein Chamäleon, das sich überall einschleusen kann, sich schnell auf neue Situationen einstellt, aber sich langsam nach mehr Konstanz in seinem Leben sehnt. Immer darauf bedacht, seine Identität zu schützen und mit Hang zum Perfektionismus, ärgert ihn jeder kleine Fehler. In seiner Arbeit unterstützt in Special Agent Brenda Collins vom FBI, die sich zielstrebig aus dem nichts nach oben gearbeitet hat, aber förmlich um Anerkennung durch ihren Chef bettelt. Doch je mehr sie sich bemüht, umso weniger scheint sie diese zu bekommen und umso unzufriedener wird sie. Weitere Nebencharaktere finden sich in der Eternal-Earth-Group. Crystal McCray, reiche Milliardärstochter auf Koks, ist es gewohnt, dass jeder nach ihrer Pfeife tanzt. Als Leser bekommt man den Eindruck, dass sie durch Drogenkonsum und ihren Umweltaktivismus nur gegen ihre Eltern rebellieren will. Mickey, ihr Freund, ist brutal, skrupellos, ausnützig und gefährlich. Die Beziehungen unseres Protagonisten zu den Nebencharakteren sind angespannt, ändern sich rasant und lassen viele spannende Entwicklungen zu.

Das Buch selbst ist in der Ego-Perspektive aus Sicht des Ex-Soldaten / Legionärs geschrieben. Somit erfahren wir hautnah, wie er die unterschiedlichen Situationen erlebt, was ihn zu seinen Entscheidungen bewegt und wie er selbst hin- und hergerissen ist zwischen der Pflichttreue seinen Auftrag zu erfüllen und sich selbst zu schützen. Der Thriller lässt sich leicht und flüssig lesen, ist strukturiert aufgebaut und hält immer wieder überraschende Wendungen bereit, die die Spannung bis zur letzten Seite aufrechterhalten.

Fazit:
Bei „Broken Crystal“ handelt es sich um einen spannenden Undercover-Thriller, der im Bereich des Umweltaktivismus angesiedelt ist – ein großes Thema unserer Zeit. Den Leser erwartet eine solide, gut strukturierte Story mit einigen Überraschungen, die ohne große Brutalität auskommt und trotzdem wahnsinnig spannend ist. Sollten Sie als Thriller-Leser aber grafische Beschreibungen von Verbrechen bzw. Morden oder Serienkiller vorziehen, werden Sie mit diesem Buch nicht glücklich werden.

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Veröffentlicht am 27.06.2024

Geheimdienst-Action mit einer alten Bekannten in Paris und Barcelona

Das falsche Blut (Ishikli-Caner-Serie 2)
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Ishikli Caner kehrt zurück in Band 2 der gleichnamigen Reihe – gewohnt actiongeladene Spannung voller Intrigen, Geheimdienste und kriminelle Organisationen.

Um was geht es?
Ein kleines Mädchen wird nachts ...

Ishikli Caner kehrt zurück in Band 2 der gleichnamigen Reihe – gewohnt actiongeladene Spannung voller Intrigen, Geheimdienste und kriminelle Organisationen.

Um was geht es?
Ein kleines Mädchen wird nachts auf einer Pariser Straße gefunden, voller Blut, stumm und mit einem Bild von Ishikli Caner in der Hand. Ishikli, mittlerweile Mitarbeiterin des MAD, genießt ihr aktuell ruhiges und unerkanntes Leben in Paris bis ihr Chef Kopetzky sich bei ihr meldet und von dem Vorfall berichtet. Doch wer ist das Mädchen, das Ishikli bis jetzt unbekannt war? Zeitgleich wird ein Tatort mit mehreren Toten entdeckt, der durch den unkonventionellen Ermittler Thierry Meissner und seiner Partnerin Yvonne Cassél untersucht wird. Stammt das Mädchen von dort? Und was hat ein Pharmakonzern mit all dem zu tun? Beide Seiten ermitteln und werden in einen Strudel aus Ereignissen gezogen, den sie nicht für möglich gehalten hätten.

Protagonistin ist, wie schon in Band 1, Ishikli Caner. Mittlerweile zum MAD gewechselt, gehört sie immer noch zu den besten Kämpfern, Mördern, Agenten und ist genauso zielstrebig wie früher. Auch wenn es diesmal für sie sehr persönlich wird, behält sie immer einen ruhigen Kopf und findet selbst in scheinbar ausweglosen Situationen eine Lösung. Mit Hauptkommissar Thierry Meissner, erhält sie unkonventionelle Unterstützung aus den Reihen der Pariser Polizei. Bestens vernetzt, auch in kriminelle Kreise, und selbst mit einer kämpferischen Vergangenheit, ergänzen Ishikli und er sich perfekt. Zahlreiche interessante und sehr unterschiedliche Nebencharaktere aus den unterschiedlichen Organisationen, schwarz wie weiß, führen zu vielen unkonventionellen Wendungen, spannenden Interaktionen und konfliktträchtigen „Beziehungen“.

Der Thriller ist unglaublich spannend geschrieben – ein Actionfilm in Buchform. Ständig passiert irgendetwas, überschlagen sich die Ereignisse, findet der nächste kleine oder große Kampf, die geheime oder offensive Ermittlung statt. Trotz allem geht die Handlung nie in den actiongeladenen Geschehnissen unter, ganz im Gegenteil. Sie wird durch die Dynamik vorangetrieben, lässt den Leser in atemberaubender Geschwindigkeit weiterblättern und bildet ein großes Ganzes.

Auch wenn es sich bei dem Thriller um Band 2 der Ishikli-Caner-Reihe handelt, so kann er meiner Meinung nach auch sehr gut Stand-Alone gelesen werden. Lediglich die Protagonistin Ishikli und ihr Chef Kopetzky kamen bereits in Band 1 vor. Natürlich ist es schön, den Hintergrund von Ishikli zu kennen und wie sie in Paris gelandet ist. Zwingend notwendig ist es aber in meinen Augen nicht, da man die Hauptperson Ishikli Caner auch im Rahmen dieses Thrillers gut kennenlernt und ihr Hintergrund, zumindest soweit nötig, auch in Band 2 noch einmal kurz umrissen wird.

Fazit:
Wer actiongeladene Thriller mit Geheimdiensten, kriminellen Organisationen und bösen Machenschaften mit einem Hauch „Mission Impossible“ liebt, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Die Ermittlungen sind unkonventionell, manchmal brutal, aber zielgerichtet. Wer konventionelle Ermittlerarbeit und Realismus sucht und kein Fan von Action ist, sollte lieber die Finger von diesem Thriller lassen.

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Veröffentlicht am 14.04.2024

Verloren in einem verlassenen Bergdorf – gibt es ein Entkommen?

Das Resort
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„Das Resort – Du kannst nicht entkommen“ ist das zweite in Deutschland erschienene Buch der Thrillerautorin Sarah Goodwin. In diesem vermixt sie eine schaurige Location, eine düstere Atmosphäre und eine ...

„Das Resort – Du kannst nicht entkommen“ ist das zweite in Deutschland erschienene Buch der Thrillerautorin Sarah Goodwin. In diesem vermixt sie eine schaurige Location, eine düstere Atmosphäre und eine von Ängsten und Selbstzweifeln geplagte Protagonistin und erschafft so einen Thriller mit einer einzigartig spannungsgeladenen Atmosphäre.

Um was geht es?
Mila ist gemeinsam mit ihrem Mann Ethan auf dem Weg zu einer Hochzeit. Ihre Schwester Jess möchte ihren Mann Pete in einem luxuriösen Resort in den Alpen heiraten. Auf ihrem Weg bleibt der Mietwagen während eines Schneegestöbers liegen. Mila und Ethan haben keine andere Wahl und machen sich auf den Weg, Hilfe zu suchen. Als die Nacht reinbricht landen die beiden im verlassenen Dorf Witwerberg und beschließen dort zu übernachten, insbesondere da Mila sich den Fuß verstaucht hat. Am nächsten Morgen ist Ethan spurlos verschwunden und Mila muss sich nun der Einsamkeit und ihren Ängsten stellen und ums Überleben kämpfen. Zu allem Überfluss, scheint sie nicht allein zu sein …

Faszinierend ist an dem Buch, dass es mit so wenig auskommt. So haben wir zum Beispiel nur eine Protagonistin, Mila. Eine junge von Ängsten und Selbstzweifeln geplagte Frau, immer mit einem schlechten Gewissen ihrer großen Schwester gegenüber, die von ihrer gemeinsamen Mutter ungerecht behandelt wurde. Im Laufe des Buches erfahren wir viel über Milas psychische Probleme, aber wir erleben auch ihre Weiterentwicklung und das eine oder andere Mal überrascht sie den Leser wirklich, wenn sie wider Erwarten aktiv wird. Zudem gibt es noch ein paar Nebencharaktere – ihren Mann Ethan und ihre Schwester Jess – über die wir ebenfalls Stück für Stück mehr erfahren, die aber über weite Teile der Handlung wenig greifbar sind.

Obwohl der Großteil des Buches sich auf Mila und die Location Witwerberg bezieht, schafft es Sarah Goodwin, durch ihre düsteren Beschreibungen der Atmosphäre und Schilderung der Ängste von Mila eine unheimliche Atmosphäre zu erzeugen, die den Leser in Atem hält, obwohl wenig passiert. Die Haupthandlung wird immer wieder durch kurze Rückblenden unterbrochen. In diesen erfahren wir Stück für Stück, woher das schlechte Gewissen von Mila gegenüber Jess kommt und welcher große Streit die Schwestern entzweit hat. Diese Rückblenden lassen aber auch immer neue Spekulationen zur Haupthandlung zu. Insgesamt erleben wir über das ganze Buch ein großes Psychospiel, dass aber nicht offensichtlich ist.

Wer „Stranded – Die Insel“ gelesen hat, wird auch in „Das Resort“ den speziellen Schreibstil von Sarah Goodwin erkennen, die auch hier wieder psychische Abgründe zum Kern ihrer Handlung macht. Trotz allem hat mich persönlich „Stranded – Die Insel“ damals noch mehr gefesselt und im Nachhinein beschäftigt. „Das Resort“ ist ein würdiger Nachfolger, erreicht aber die große Klasse des Debütromans von Sarah Goodwin nicht. Gerade das erste Drittel des Buches war geprägt durch viele Wiederholungen, was es für mich als Leser phasenweise langatmig gemacht hat. Die letzten beiden Drittel des Buches haben aber richtig Fahrt aufgenommen und mich für die Längen in Abschnitt 1 mehr als entschädigt. Kleine Logikfehler sind im Buch vorhanden, haben aber meine Lesefreude in keinster Weise getrübt.

Fazit:
Wer gerne Thriller liest, die sich vor allem mit psychischen Abgründen und Problemen beschäftigen und damit spielen, ist bei diesem Buch perfekt aufgehoben. Der Thriller kommt mit wenig „Drumherum“ aus und fokussiert komplett auf den Protagonisten. Wer aber Thriller mit Ermittlungsarbeit, actiongeladener Spannung oder viel Abwechslung sucht, sollte von „Das Resort“ die Finger lassen.

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