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Veröffentlicht am 12.07.2024

Olivia

Eve
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In den 1930ern macht sich Evelyn Ross auf den Weg nach Los Angeles. Sie hat ihrem Freund den Laufpass gegeben und verlässt New York. In Los Angeles trifft sie aktuelle und gewesene Hollywoodgrößen. Olivia ...

In den 1930ern macht sich Evelyn Ross auf den Weg nach Los Angeles. Sie hat ihrem Freund den Laufpass gegeben und verlässt New York. In Los Angeles trifft sie aktuelle und gewesene Hollywoodgrößen. Olivia de Haviland ist gerade besonders gefragt. Sie soll in der Verfilmung von „Vom Winde verweht“ eine Rolle übernehmen. Wenn die beiden Damen unterwegs sind, ist es für Olivia zum Glück etwas entspannter als unter den Filmleuten. Doch überhaupt fällt Evelyn auf. Sie weckt Neugier, weil sie sich eher zurückhaltend gibt. Evelyn lässt sich allerdings nicht in die Karten schauen.

Die Welt der großen Hollywood Studios in den 1930ern wird vielleicht aus heutiger Zeit etwas verklärt gesehen. Und so wirft der Autor einen ein wenig anderen Blick auf die Begebenheiten. Die Studios rangeln sich um die Stars und diese müssen sich loyal zu ihren Arbeitgebern zeigen. Eine Ausleihe ist schon besonders. Da kann eine Abend in einem Lokal quasi unter Mädels sehr entspannend sein. Doch auch schon damals konnte es geschehen, dass um eine Ecke ein Journalist oder ein Fotograf lauerte. Es muss nicht sein, aber es war nicht so viel anders als heute. Man musste vorsichtig sein und durfte keine Schwächen zeigen.

Mit seinem neuen Roman zaubert der Autor wieder eine Geschichte, die mit ihrer Vielschichtigkeit überzeugt. Auch wenn die Handlung zu Beginn etwas dahin mäandert, werden die Ereignisse doch immer spannender, sobald sich langsam herauskristallisiert, wie die Ansätze zueinander passen. Es eigenständige Frau, die vielleicht ihrer Zeit voraus war. Eine Schauspielerin, die im Zentrum des Interesses steht. Und einige andere, deren Anwesenheit sich durch die Handlung erklärt. Es macht Spaß zu lesen, wie Leute meinen, dass sie Oberhand haben, nur um kurz darauf zu merken, dass andere doch schlauer sind. Und auch die Schilderung des Geschäfts des Filmemachers, die Intrigen, die durchzustehen sind, der Respekt, der sich verdient wird. Ein Roman, der sich nach und nach erschließt, dann aber richtig.

Das Evelyn Ross eine geheimnisvolle Persönlichkeit ist, kann auch schon am Cover erkannt werden. Die vorgestreckte Schulter und der gesenkte Blick wirken so als ob sie ihre Gedanken für sich behält.

Der Roman ist im Original bereits im Jahr 2013 als Nachfolger zu „Eine Frage der Höflichkeit“ erschienen.

Veröffentlicht am 09.07.2024

Meerjungfrauen

Bretonische Sehnsucht
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Diesmal wird Kommissar Dupin direkt vom Präfekten auf die Mission Aufklärung seltsamer Todesumstände geschickt. Dieser will sicherstellen, dass seine Nichte nicht mit dem Tod eines Musikers in Verbindung ...

Diesmal wird Kommissar Dupin direkt vom Präfekten auf die Mission Aufklärung seltsamer Todesumstände geschickt. Dieser will sicherstellen, dass seine Nichte nicht mit dem Tod eines Musikers in Verbindung gebracht wird. Dieser wurde am Ufer seiner Heimatinsel Quessant angespült. Er war ein Kenner der keltischen Musik. Überhaupt haben viele Inselbewohner mit Musik zu tun, sie spielen Instrumente, singen, tanzen. Mehrere Musikfestivals finden pro Jahr statt. Kein Wunder, dass man kurz vor solch einer Veranstaltung keinen ungeklärten Todesfall gebrauchen kann. Dupin wird sofort von der ätherischen Stimmung auf der Insel gefangen genommen.

Sein dreizehnter Fall führt Kommissar Georges Dupin mal wieder an einen außergewöhnlichen Ort. Die Insel Quessant liegt am äußersten Ende der Bretagne. Hier haben Sagen und Fabeln ihre Daseinsberechtigung oder vielleicht sogar ihren Ursprung. Besonders verbunden sind die Bewohner mit der Musik. Keltische Melodien und Gesänge insbesondere. Rayenne Ker lebte einige Zeit im Ausland. Vor kurzem jedoch ist sie auf die Insel zurückgekehrt. Ihr ersten bekannten Lieder hat sie dem Toten zu verdanken. Ob das etwas zu bedeuten hat? Und ausgerechnet jetzt ist Nolwenn auf einem Segeltörn und auf ihre Expertise kann Dupin nicht zurückgreifen. Riwal, sein wandelndes Lexikon, ist eine große Hilfe, wenn es um die Volkssagen und Ausdrücke geht.

Ein wenig ist es bei Kommissar Dupin wie nach hause kommen. Auch wenn Claire auf Geschäftsreise ist und sich Nolwenn im Urlaub befindet. Das macht den Roman anders, aber auch so hat es seinen Reiz. Auch der Bezug zur keltischen Mythologie macht die Handlung geheimnisvoll und interessant. Dazu kommen kleine unaufdringliche Reisebeschreibungen von Leuchttürmen, Landschaften, Inselpfaden, urigen Kneipen und immer wieder die Musik. Schmunzeln möchte man, wenn Dupin zum eBike Fahrer bekehrt wird. Mit dem Rad kommt man einfach besser überall hin. Und so erspürt der Kommissar seinen Fall, der schließlich eine Wendung nimmt, mit der so nicht zu rechnen ist. Der Gedanke an einen Urlaub ist mal wieder geweckt und vergnügliche Lesestunden sind garantiert. Und sicher gibt es für jeden Leser oder jede Leserin unterschiedliche Dinge zu entdecken.

Veröffentlicht am 30.06.2024

Die vier Rosen

Geheimnisvolle Garrigue
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Die Freundin von Brigadier Sylvain ist verschwunden. Sie war mit dem Rad an einem Kanal unterwegs, an dem vor über zwanzig Jahren schon einmal ein eine junge Frau verschwand. Und wie damals ist das Einzige, ...

Die Freundin von Brigadier Sylvain ist verschwunden. Sie war mit dem Rad an einem Kanal unterwegs, an dem vor über zwanzig Jahren schon einmal ein eine junge Frau verschwand. Und wie damals ist das Einzige, was zurückbleibt, ein linker Schuh. Capitaine Roger Blanc und sein Team beginnen mit den Ermittlungen. Doch alles ist anders als gewohnt, es kommen Meldungen von einer seltsamen Krankheit herein und die Krankenstationen füllen sich. Bald schon ist das ganze Land geprägt von Maßnehmen, von denen wohl kaum ein Politiker je geglaubt hätte, dass er sie treffen müsste.

In seinem neunten Fall muss Capitaine Roger Blanc unter sehr ungewöhnlichen Bedingungen ermitteln. Es ist März und die ersten Corona-Fälle treten auf. Die Suche nach der verschwundenen Studentin, der Freundin seines Kollegen Sylvain, sollte doch Vorrang vor allem anderen haben. Doch ein großer Teil der Mannschaft wird zu Straßenkontrollen abkommandiert, um die Einhaltung der Corona-Maßnahmen zu überprüfen. Blanc und seine Kollegen stehen vor einem Rätsel. Sollte die Mordserie von vor 23 Jahren wieder von Neuem begonnen haben? Doch wieso dann diese Lücke? Möglicherweise ist in den Unterlagen zu dem alten Fall ein Hinweis zu finden. Und Roger Blanc muss sich beeilen bevor der Täter noch einmal zuschlägt.

Gut wie selbstverständlich der Autor die Pandemie in seine Krimihandlung einbaut. Es gibt dem Roman einen speziellen Touch, weil so beleuchtet wird, vor was für Problemen die Menschen und eben auch die Polizisten plötzlich standen. Etwas schwierig ist es dann allerdings mit dem Zeitgefüge, dass dadurch deutlich wird. Roger Blanc ist noch nicht einmal ein Jahr in der Provence. Es dauert eine Weile bis der Fall Fahrt aufnimmt. So recht will zunächst nichts zusammen passen. Und manchmal gewinnt man den Eindruck, dass die Beschreibungen von Umgebung und markanten Punkten doch ein wenig ausführlich geraten sind. Doch so langsam treten Details ans Tageslicht, die den Fall so richtig spannend werden lassen. Und die Lösung kommt schließlich aus einer Richtung, die einem selbst garnicht in den Sinn gekommen wäre. So soll ein guter Krimi sein.

Veröffentlicht am 29.06.2024

Dank an Rebecca

Drehbuch des Todes
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Nach dem letzten belastenden Fall hat inzwischen der zweite Weltkrieg begonnen. Die Autorin Josephine Tey hat sich kurzfristig entschlossen, ihrer Freundin Marta Fox in die USA nachzufolgen. Dazu überquert ...

Nach dem letzten belastenden Fall hat inzwischen der zweite Weltkrieg begonnen. Die Autorin Josephine Tey hat sich kurzfristig entschlossen, ihrer Freundin Marta Fox in die USA nachzufolgen. Dazu überquert sie den Atlantik auf der Queen Mary II. Das Schiff bietet so viele Annehmlichkeiten, dass es in Anbetracht der Lage kaum zu glauben ist. Josephine freut sich sehr auf das Wiedersehen mit Marta, die dem Regisseur Alfred Hitchcock bei den Arbeiten an der Verfilmung von Rebecca helfen soll. Zufällig trifft Josephine auf Alfreds Frau Alma und seine Tochter. Inzwischen wird in England eine Frau ermordet aufgefunden und Archie Penrose übernimmt die Ermittlungen.

Im elften Band der Reihe um Josephine Tey, wobei auf Deutsch noch nicht alle Bände erschienen sind, kann Josephine Tey dem Krieg entfliehen und sich mit Marta in Los Angeles treffen. Sie ahnt nicht, dass sie Archie Penrose bei seinen Ermittlungen helfen kann. Allem Anschein nach geht der auf Ereignisse aus dem ersten Weltkrieg zurück und einer der damaligen Beteiligten ist heute in der Filmcrew. Doch zunächst muss Archie Nachforschungen in dem Herrenhaus anstellen, dass inzwischen wieder für militärische Zwecke genutzt wird. Und so sind Josephine Tey und Archie Penrose diesmal durch den großen Teich getrennt und bei ihren Untersuchungen doch irgendwie vereint.

Wenn man den Roman Rebecca gelesen hat und auch Gelegenheit hatte die Verfilmung von Hitchcock zu schauen, findet man die Idee eines Kriminalromans in diesem Setting natürlich klasse. Am Rande wird sogar die Autorin Daphne du Maurier eingebunden, was sehr gelungen ist. Zwar reißt dieser Band nicht so mit wie der vorherige, dennoch ist die Handlung sehr ausgeklügelt. Josephine und Marta sind gut zusammen. Auf der Überfahrt nach Amerika und auch bei den Passagen in England spürt man die Bedrohung durch den Krieg. Trotzdem müssen die Menschen weiter funktionieren. Widerlsinnig, aber notwendig. Das macht den Roman über die Krimihandlung hinaus sehr eindringlich.

Zum einen macht diese Reihe Lust auf mehr, zum anderen macht sie auch neugierig auf ein Buch von Josephine Tey.

Veröffentlicht am 22.06.2024

Bibliotherapeut

Ich töte wen ich will
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Das will man nicht erleben. Beim nach Hause kommen entdeckt Vince Corso, dass sein kleines Apartment aufgebrochen wurde, seine Bücher aus den Regalen gerissen, seine Platten zerstört. Und sein kleiner ...

Das will man nicht erleben. Beim nach Hause kommen entdeckt Vince Corso, dass sein kleines Apartment aufgebrochen wurde, seine Bücher aus den Regalen gerissen, seine Platten zerstört. Und sein kleiner Hund Django liegt schwer gezeichnet in der Wohnung. Vergiftet? Vince ist entsetzt. Wer sollte einen Grund haben, ihm so etwas anzutun. Alles wäre erträglich, aber sein unschuldiger kleiner Django, das ist zu viel. Seine Tätigkeit, die er selbst als Blibliotherapeut bezeichnet, kann er so kaum ausüben. Lieber ist er in der Tierklinik, um sich nach seinem Hund zu erkundigen. Gleichzeitig geschehen in Vince Corsos Quartier seltsame Morde und Vince ist immer in der Nähe.

Durch die Morde, die Vince vor ein Rätsel stellen, wird Vince auch zum Ermittler. Als Bibliotherapeut möchte er eigentlich nichts mit Verbrechen zu tun haben. Oder wenn jedenfalls nur, im Roman. Lieber empfiehlt er seinen Klienten oder Klientinnen Bücher, die ihm am besten zu einer Situation zu passen scheinen. Meist sind es Frauen, die ihn aufsuchen. Und Vince bemüht sich, ihnen mit seinen Ratschlägen und einem Buch zu helfen. Mord ist nicht sein Geschäft. Doch in der momentanen Situation fragt er sich, ob er überhaupt noch ein Geschäft hat.

Für einen passionierten Leser kann es doch kaum eine bessere Leseempfehlung geben, als einen Roman, in dem es sich jemand zur Aufgabe gemacht hat, Bücher zu empfehlen. Wenn das Ganze noch in einen Krimi mündet, kann eigentlich nichts besseres passieren. Doch ganz so einfach ist es nicht mit Vince Corso. Die Hinweise erschließen sich nicht durch eine klassische Ermittlung, sondern eher durch sein literarisches Wissen. Wenn man da, wie man möglicherweise zugeben muss, nicht mithalten kann, geht Einiges beim Lesen an einem vorbei. Dadurch wirken die Gedanken von Vince sehr nach innen gerichtet und einige Begegnungen ohne Zusammenhang. Erst zum Schluss wird alles offenbart und auch das ist schon recht weit hergeholt. Immerhin wird alles geklärt und wegen der tollen Idee bleibt man gerne am Ball.

Im italienischen Original handelt es sich um eine bisher dreiteilige Reihe, wobei dieses wohl der dritte Band ist. Natürlich ist die Entscheidung für einen Verlag nicht leicht, ob eine Serie in der richtigen Reihenfolge veröffentlicht wird oder ob man mit dem ersten Band anfängt. Inwieweit die Bände um Vince Corso aufeinander aufbauen, ist nicht bekannt. Hervorzuheben ist aber die herausragende Aufmachung des Buches, die schöne Farbgestaltung, das glatte schwere Papier und nicht zu vergessen ein Lesebändchen.