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Veröffentlicht am 14.07.2024

Ich empfand etliche Längen und über weite Strecken kaum Spannung

Ruthless Vows
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Nachdem mir der erste Teil „Divine Rivals“ ganz gut gefallen hatte und mit einem Cliffhanger endete, wollte ich wissen, wie es mit der Geschichte weitergeht. Dieser Nachfolger stand also bereits auf meiner ...

Nachdem mir der erste Teil „Divine Rivals“ ganz gut gefallen hatte und mit einem Cliffhanger endete, wollte ich wissen, wie es mit der Geschichte weitergeht. Dieser Nachfolger stand also bereits auf meiner Wunschliste, als er bei NetGalley als Rezensionsexemplar angeboten wurde. Meine Anfrage dort war erfolgreich und ich freute mich, dass ich es kurze Zeit später als E-Book auf meinem Kindle lesen konnte.

Iris ist zurück in Oath und arbeitet weiter bei der Inkridden Tribune, für die sie zuletzt gemeinsam mit Attie und Roman als Kriegsberichterstatterin tätig war. Einerseits ist sie sehr froh, ihren Bruder wieder bei sich zu haben. Andererseits wartet sie verzweifelt auf ein Lebenszeichen ihrer großen Liebe Roman, der inzwischen auch ihr Ehemann ist und den sie, genau wie ihre Schreibmaschine, nach dem Angriff von Dacres Schergen in Avalon Bluff zurücklassen musste.

Als sie durch einen von ihm geschriebenen Artikel in der Oath Gazette erfährt, dass Roman noch lebt, ist sie darüber zwar erst einmal froh. Sie fürchtet jedoch auch, dass er, wie einst ihr Bruder, unter Dacres Einfluss steht und sich nicht mehr an sie erinnern kann. Aus der Verzweiflung heraus stiehlt sie die andere magische Schreibmaschine und versucht über diese wieder mit Roman in Kontakt zu treten. Als endlich eine Antwort von ihm eintrifft, bestätigt das ihre Befürchtung zwar, aber der geheime Austausch von Briefen geht weiter. Wird es Roman helfen, seine Erinnerungen zurückbekommen?

Für das Lesen dieser Fortsetzung brauchte ich deutlich mehr Zeit, als für den ersten Teil. Das lag vor allem daran, dass ich diesmal sehr viele Längen empfand, über weite Strecken kaum Spannung verspürte und mich nach dem ersten Viertel lange Zeit ziemlich durch das Buch quälte. Im Vorgänger empfand ich die fantastischen Elemente und die eine göttliche Seite zwar deutlich unterrepräsentiert, empfand jedoch wegen der ständigen Weiterentwicklung der Charaktere und der ziemlich realistisch dargestellten Bedrohung durch den Krieg eine permanent vorhandene Grundspannung, die mich nahezu am Buch kleben ließ.

Auch diesmal war Dacre deutlich präsenter als Enva. Mit Beschreibungen des Unterreiches und der Erwähnung von Leylinien kamen zwar weitere düstere fantastische Aspekte hinzu und es gab auch eine Erklärung dafür, warum Enva nie selbst bei ihren eigenen Truppen war. Ich hatte jedoch lange Zeit das Gefühl, dass jeglicher Anflug von Spannung – egal, ob es um den Krieg der Götter oder auch um eigentlich romantische Aspekte ging - sofort wieder zerredet wurde und sich auch die Charaktere längere Zeit nicht mehr wirklich weiterentwickelten.

Erst ab ungefähr des letzten Viertels empfand ich endlich wieder etwas Spannung und keine Längen mehr. Allerdings wirkte da auf mich auch wieder alles deutlich realistischer – die grauenvollen Bilder, die mir da beim Lesen kamen, sieht man ja leider momentan auch permanent in den Nachrichten – auf mich. Nicht wirklich gefiel mir jedoch, dass Iris töten musste und richtig verstanden habe ich auch nicht, dass sich die Widerstandsgruppe, die Oath in Atem hielt, bevor es zum finalen Schlag Dacres kam und die eigentlich gar keine Götter mehr wollte, dann sofort auf der Seite von Envas übrig gebliebenen Truppen war.

Das Ende der Geschichte von Iris und Roman war dann allerdings irgendwie versöhnlich. Insgesamt empfinde ich die Geschichte auch durchaus als abgeschlossen. Beim Epilog hatte ich jedoch das Gefühl, dass sich die Autorin den Weg für eine weitere Fortsetzung trotzdem offenlässt. Sollte diese kommen, weiß ich momentan allerdings nicht, ob ich sie überhaupt noch lesen möchte.

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Veröffentlicht am 01.07.2024

Deutlich schwächer als der Vorgänger, aber immer noch interessant

Armistice – Schweigen der Waffen
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Nachdem ich von „Amberlough – Stadt der Sünde“ zwar nicht ganz das bekam, was ich vom Klappentext erwartet hatte, aber dennoch äußerst positiv überrascht wurde, wollte ich die Fortsetzung - „Armistice ...

Nachdem ich von „Amberlough – Stadt der Sünde“ zwar nicht ganz das bekam, was ich vom Klappentext erwartet hatte, aber dennoch äußerst positiv überrascht wurde, wollte ich die Fortsetzung - „Armistice – Das Schweigen der Waffen“ - auf jeden Fall ebenfalls lesen. Da auch hier das E-Book bei NetGalley als Rezensionsexemplar angeboten wurde, fragte ich es an und freute mich riesig, dass ich es schon kurze Zeit später auf meinem Kindle lesen konnte.

Cordelia Lehane, die nach ihrer Folter zu einer führenden Persönlichkeit der Widerstandsgruppe „Laufsteg“ in Gedda wurde, ist auf der Flucht vor des Ospies und gerade in Porachis angekommen. Dort landete sie erst einmal bei zwei ihr bekannten Frauen, denen sie selbst schon einmal behilflich war, die sie jedoch nicht erkennen und die auch nicht bereit sind, sie länger als eine Nacht zu beherbergen. In einer Zeitung entdeckt sie ein Foto von Aristide Makricosta, der nach seiner dramatischen Flucht aus Amberlough inzwischen als Filmregisseur in Porachis in den Studios seiner alten Freundin und ehemaligen Geschäftspartnerin Pulan Satri tätig ist. Ihn direkt zu kontaktieren und um Hilfe zu bitten, hält sie für zu gefährlich. Die Information bringt sie jedoch auf die Idee, sich ebenfalls nach einem Job in der Filmbranche umzusehen. Ihr Vortanzen endet zwar in einem Desaster, aber Ari wird dadurch auf sie aufmerksam und hilft ihr, allen Gefahren zum Trotz.

Ari ist allerdings nicht mehr der Mann von einst. Er ist nicht glücklich, trinkt zu viel, kümmert sich nicht um Nachrichten und macht auch, um sein Exil in Porachis nicht zu gefährden, keinerlei illegalen Geschäfte mehr. Bereits die Arbeit am letzten Film über den Gewürzkrieg und Margaretta DePaul hat ihm sehr zugesetzt. Als er bei der Premiere dann aber Lillian DePaul begegnet, die ihrem vermeintlich toten Bruder Cyril extrem ähnlichsieht, geht es ihm noch schlechter. Lillian ist so ziemlich die einzige Diplomatin der geddischen Botschaft in Porachis, die nach der Machtübernahme der Ospies in Gedda nicht ausgetauscht wurden. Allerdings liegt das nicht an der wirklich guten Arbeit, die sie leistet, sondern an der Tatsache, dass sie mit dem Leben ihres Sohnes, der in Gedda eine Internatsschule besucht, erpressbar ist und damit definitiv auf Kurs bleiben wird. Doch irgendwann reicht es und als es endlich eine Möglichkeit gibt, ihren Sohn aus der Gefahrenlage zu befreien, tut sie alles dafür, dass es gelingt…

Für das Lesen dieses Buches habe ich deutlich länger gebraucht, als es vor einigen Monaten bei „Amberlough“ der Fall war. Leider ist es der Autorin diesmal nämlich nicht gelungen, die permanent bedrohliche Grundspannung, die sie im ersten Teil so geschickt erzeugte, auch in dieser Fortsetzung aufrecht zu erhalten. Sie bringt zwar durchaus einige interessante Charaktere wieder oder neu mit ins Spiel, verwurstelt sich diesmal meiner Meinung nach aber viel zu sehr in langatmigen politischen Ausführungen. Auch sich ständig wiederholende Flüche von den Protagonisten oder nervige Übersetzungserklärungen missfielen mir. Dass es manchmal nicht leicht ist, bestimmte Wortbedeutungen in einer fremden Sprache richtig rüberzubringen, ist mir durchaus bekannt. Hier wurde in Dialogen das Wechseln für einzelne Worte zurück in die Muttersprache aber so übertrieben, dass es richtig störend auf mich wirkte.

Dem Buch ist wieder eine Karte vorangestellt, auf der ich aber z. B. das Land Porachis überhaupt nicht fand. Fantastisch waren für mich auch diesmal lediglich die geografischen Namen und vielleicht noch das Gesetz, dass es in Porachis Witwern nicht erlaubt ist, sich nochmals zu binden. Alles andere wirkte durchaus wieder realistisch. In „Armistice“ kam für mich jedoch, wahrscheinlich durch den tropischen Ort, aber auch das 1930er Jahre Feeling nicht so vorstellbar rüber, wie in „Amberlough“. Von der glamourösen Filmindustrie wurde gab es lediglich die Filmpremiere am Anfang, die allerdings so beschrieben war, dass sie genauso gut auch im hier und jetzt hätte stattfinden können. Dann gab es noch das Vortanzen sowie einmal die kurze Sequenz einer Tanzprobe und das war es dann aber auch schon. Auch die Beschreibungen des Anwesens von Pulan oder die der Hotelzimmer versetzten mich nicht wirklich zurück in diese Zeit.

Bei den Charakteren überzeugte mich Ari diesmal nicht wirklich. Es kommt zwar gut rüber, dass er Cyril schmerzlich vermisst, aber sein Ausrasten, als er entdeckt, dass Pulan ihre nicht legalen Geschäfte weiterbetreibt, noch bevor er erfährt, dass es Memmediv war, der Cyrill verriet, verstand ich ehrlich gesagt überhaupt nicht. Letztendlich hat er sie ja auf Basis solcher Geschäfte einst kennengelernt und nachgefragt, ob sie noch immer in diesen Bereichen arbeitet, hat er vorher nie. Cordelia, Lillian und andere Charaktere empfand ich homogener.

Doch obwohl ich mich in diesem Buch durch etliche Längen quälte und auch ein paar Mal mehr pausieren musste, als es beim Vorgänger der Fall war, hat sich die Geschichte durchaus interessant weiterentwickelt und ich möchte auch das für den August angekündigte Finale der Trilogie „Amnesty – Ruf nach Gerechtigkeit“ gern noch lesen. Ein Lesen von „Armistice“ ohne Kenntnis von „Amberlough“ empfehle ich nicht.

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Veröffentlicht am 19.06.2024

Nicht wirklich schlecht, aber eben auch nicht rund

Refugium
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Auf dieses Auftaktbuch zur Mittsommer-Trilogie wurde ich erst kürzlich aufmerksam, weil ich gefühlt überall im Internet Werbung für den bald erscheinenden zweiten Teil gesehen habe. Empfohlen wurde er ...

Auf dieses Auftaktbuch zur Mittsommer-Trilogie wurde ich erst kürzlich aufmerksam, weil ich gefühlt überall im Internet Werbung für den bald erscheinenden zweiten Teil gesehen habe. Empfohlen wurde er für alle Fans der Millenium Reihe und skandinavischer Spannung. Ich mag skandinavische Krimis und Thriller, hatte mit Solchen schon sehr viele spannende Lesestunden und die noch vom leider viel zu früh verstorbenen Stieg Larsson geschriebenen ersten drei Bücher der Millenium Reihe habe ich vor etlichen Jahren nahezu verschlungen.

Auch die Fortsetzungen von David Lagercrantz hatte ich mir während der Pandemie gekauft. Zu „Verschwörung“ fand ich damals jedoch keinen Zugang, brach ab und habe mich der Reihe seitdem nicht mehr gewidmet. Dennoch war es vor allem der Millenium-Vergleich, der mein Interesse an der Mittsommer-Reihe geweckt hatte und ich begann „Refugium“ mit großen Erwartungen zu lesen.

Julia Malmros ist eine ziemlich bekannte schwedische Krimiautorin, die inzwischen vom Schreiben leben kann und deshalb vor 5 Jahren ihre langjährige Arbeit als Polizistin aufgab. Im Zuge der Recherchen für ihr neues Buch lernt sie den wesentlich jüngeren Kim Ribbing kennen und beginnt mit ihm eine Affäre. Kim ist ein reicher Erbe und ein begabter Cracker, der im Darknet massiv gegen Kinderschänder vorgeht, im Umgang mit anderen Menschen aber sehr ungeübt.

Als Julia und Kim am Mittsommerabend auf der Terrasse von Julias Ferienhaus auf der Schäreninsel Tärnö sitzen, hören sie aus Richtung des Grundstücks des erfolgreichen Unternehmers Olof Helander, ein Freund aus Julias Kindheit, Maschinengewehrsalven. Als sie mit Julias Boot dort ankommen bietet sich ein Bild des Grauens. Der Unternehmer, die Ehefrau und ihre Gäste wurden regelrecht niedergemäht. Lediglich der 14-jährigen Astrid können sie helfen. Das Mädchen überlebte den Anschlag wie durch ein Wunder.

Die Ermittlungen zur Aufklärung des Massakers leitet Julias Ex-Ehemann Jonny Munther. Allerdings lassen die Geschehnisse auch Julia und Kim aus verschiedenen Gründen keine Ruhe und so versuchen sie den Fall ebenfalls zu lösen. Noch vor der Polizei finden sie Spuren die nach Shanghai und Kuba führen…

Aufgrund des flüssigen und bildhaften Schreibstils des Autors konnte ich diese in der dritten Person, aus verschiedenen Perspektiven unter Nutzung verschiedener Zeitebenen verfasste Geschichte zwar in einer relativ kurzen Zeit lesen. Allerdings bin ich wohl mit deutlich zu hohen Erwartungen rangegangen, denn die erhoffte permanente Hochspannung, in die ich nach der Einführungsphase versetzt wurde, als ich damals die ersten drei Teile der Millenium Reihe las, kam bei mir hier so nicht auf.

Der Anfang gefiel mir richtig gut. Wahrscheinlich weil der Autor da mit der Figur von Julia etwas erzählte, was er selbst erlebt hatte (ich fand auf Youtube ein Interview mit dem Autor, welches mir das bestätigte), das im Buch wirklich sehr authentisch rüberkam und mit Kim eine weitere sehr interessante Figur anlegte, die der Lisbeth Salander aus Millenium zwar irgendwie ähnelte, aber trotzdem ganz anders war. Ich begann beide sehr zu mögen, auch mit der beginnenden Affäre der beiden konnte ich sehr gut umgehen. Das beschriebene Massaker und das was ich zu Kims Hintergrund erfuhr erschütterten mich.

Leider war es danach jedoch so, dass gerade die Figur der Julia für mich lange Zeit ihren Biss verlor und sogar begann, mich zu nerven. Sie fing zwar selbst an, in dem Fall zu ermitteln und erkannte auch einen guten Teil der wirtschaftlichen und politischen Verstrickungen, fragte sich für meine Begriffe aber deutlich zu oft, warum sie das überhaupt tat, verlor wegen eines übergriffigen Verhaltens einen großen Teil meiner Achtung und ging mir mit ihrem häufigen Gejammer über verschiedene Dinge danach ziemlich auf den Keks. Ehrlich gesagt wunderte es mich, dass Kim überhaupt noch mit ihr kommunizierte.

Abwechslung brachten hier zwar die Wechsel zwischen Szenen mit Julia und Szenen mit den Ermittlern. Doch obwohl sich das Geschriebene weiterhin durchaus flüssig lesen ließ, empfand ich etliche Längen, weil mir Eifersüchteleien, verbale Grabenkämpfe, das aufs Korn nehmen eines Namens oder immer wieder betonte Eigenheiten von bestimmten Figuren als Spannungsfaktoren einfach nicht ausreichten. Spannung empfand ich über eine lange Zeit hinweg eigentlich nur noch, wenn Kim irgendwie agierte und Gefallen, wenn Julia mit der älteren Autorenkollegin kommunizierte. Und beides war streckenweise ziemlich selten.

Gegen Ende nahm die Geschichte dann zwar noch mal einiges an Fahrt auf und ein Cliffhanger sorgte dafür, dass ich mich demnächst nicht widerwillig das Lesen des zweiten Teils setzen werde, sondern wirklich wissen möchte, wie es weitergeht. Als wirklich rund empfand ich dieses Auftaktbuch jedoch nicht und zumindest hinter den ersten drei Büchern der Millenium Reihe bleibt es für mich deutlich zurück.

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Veröffentlicht am 15.06.2024

Hat meinen Geschmack nicht gänzlich getroffen

Wenn sie lügt
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Als ich diesen Thriller hier kürzlich bei NetGalley entdeckte, war er bereits erschienen. Ich fand den Klappentext interessant. Nach dem Lesen der bei Amazon veröffentlichten Leseprobe, die mir ebenfalls ...

Als ich diesen Thriller hier kürzlich bei NetGalley entdeckte, war er bereits erschienen. Ich fand den Klappentext interessant. Nach dem Lesen der bei Amazon veröffentlichten Leseprobe, die mir ebenfalls sehr zusagte, fragte ich ein Rezensionsexemplar an und freute mich, es kurze Zeit später auf meinen Kindle laden zu können. Für mich war es der erste Lesekontakt mit dem Autor Linus Geschke.

2004: Goran, Rolaf, Norah, Peggy, Daniel, Lisa und Marcel waren als Jugendliche eine nahezu unzertrennliche Clique im kleinen beschaulichen Dorf Waldesroda im Thüringer Wald. Dann verliebte sich Norah in den 4 Jahre älteren David und zog sich aus der Clique zurück. Die Beziehung hielt zwar nicht lange, aber nach der Trennung ermordete David ein junges Pärchen auf einem Parkplatz und starb auf der Flucht. Goran zog von einem Tag auf den anderen nach Berlin und hielt nur noch zu Norahs Mutter Kontakt. Auch Norah, die nach den Morden den Stempel „Die Freundin des Killers“ aufgedrückt bekam, verließ das Dorf, kam aber später wegen ihrer Mutter zurück.

2023: Goran wurde von Norahs Mutter gebeten zurück nach Waldesroda zu kommen, um ihrer Tochter beizustehen. Norah erhält seit einiger Zeit Drohbriefe, deren Inhalt klingt, als ob sie vom totgeglaubten David kommen. Um herauszufinden, wer dahintersteckt, müssen sie sich an die Geschehnisse in der Vergangenheit erinnern und das ist für keinen von beiden angenehm…

Nun habe ich das Buch ausgelesen und bleibe ziemlich zwiegespalten zurück. Einerseits ließ es sich über weite Strecken durchaus flüssig lesen und ich merkte auch, dass der Autor kein Neuling auf dem Gebiet des Schreibens ist. Andererseits haben mich die Charaktere und die Geschichte an sich nicht gänzlich überzeugt. Erzählt wird in der dritten Person aus den Perspektiven von Goran und Norah in der Gegenwart und von Geschehnissen in der Vergangenheit. Auch der bis kurz vor dem Ende anonym bleibende Briefeschreiber kommt gelegentlich zu Wort und dann gibt es immer mal eingeschobene Statistiken zu Gewaltverbrechen in Deutschland.

Die Grundidee, dass etwas aus der Vergangenheit Folgen bis in die Gegenwart hat, finde ich nach wie vor sehr gut. Mir gefiel auch, dass der Autor das Thema Fremdenhass, der in Deutschland leider weitverbreitet ist, nebenbei mitbehandelte. Die Norah der Gegenwart nervte mich allerdings häufiger mit ihren unausgesprochenen Geheimnissen und Selbstvorwürfen. Und das, was ich von Gorans undurchsichtigen Geschäften in Berlin erfuhr, empfand ich irgendwie als Klischeehaft. Die eingeschobenen Statistiken waren zwar durchaus interessant, ich konnte aber nur selten einen direkten Zusammenhang zum gerade Gelesenen oder dem gleich darauffolgenden Geschehen im Buch herstellen.

Bis ungefähr zur Hälfte des Buches empfand ich noch eine durchgängige Grundspannung. Leider verpuffte diese dann aber nach und nach. Ich hatte nämlich nicht das Gefühl, dass der Autor bei der Suche von Goran und Norah nach dem Briefeschreiber verschiedene Spuren legte, sondern eine Neue Spur immer erst dann ins Geschehen einwarf, wenn die Vorherige sich als falsch erwiesen hatte. Dabei empfand ich auch etliche Längen, weil ich irgendwann anhand meines Lesefortschritts schon die jeweils gerade behandelte Verdachtsperson ausschließen konnte. Die zunehmende Brutalität erschütterte mich zwar trotzdem noch, aber die fesselnde Spannung war irgendwie verpufft.

Als dann Norahs letztes Geheimnis auf den Tisch gebracht wurde, wusste ich sofort, dass das nun endlich die richtige Spur ist und empfand auch den Zeitdruck vor dem Showdown durchaus noch einmal spannend. Ich bin bin aber von der Aufklärung und dem Ausgang trotzdem enttäuscht. Mir ist nicht klar, wie der Kontakt mit Peggy in der Vergangenheit überhaupt zustande kommen konnte und das letzte, vermutlich als versöhnlicher Ausklang gemeinte Kapitel, war mir als Ende irgendwie nicht genug.

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Veröffentlicht am 12.06.2024

Hat mich nicht gänzlich überzeugt, in meine Sammlung kommt diese Graphic Novell daher nicht

Stolz und Vorurteil - Die Graphic Novel nach Jane Austen
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Liebesromane lese ich ziemlich selten. Das ist auch einer der Gründe, warum es mich bislang noch nie reizte, den wohl berühmtesten Liebesroman der Weltliteratur von Jane Austen „Stolz und Vorurteil“, von ...

Liebesromane lese ich ziemlich selten. Das ist auch einer der Gründe, warum es mich bislang noch nie reizte, den wohl berühmtesten Liebesroman der Weltliteratur von Jane Austen „Stolz und Vorurteil“, von dem ich durchaus schon viel gehört habe, zu lesen. Allerdings liebe ich Graphic Novells und habe da auch schon eine durchaus beträchtliche Sammlung. Als ich bei NetGalley die Chance bekam, diese hier bereits vor dem Erscheinungstermin als PDF am Rechner lesen und anzuschauen zu können, nahm ich diese sehr gern wahr.

Die Familie Bennet hat 5 Töchter. Sie gehört wohl zum verarmten Landadel und sollte der Vater sterben, könnte sein Cousin die Töchter aus dem Haus werfen. Daher setzt die Mutter alles in die Bemühungen, sie gut zu verheiraten. Als der vermögende Mr. Bingley in ein benachbartes Anwesen zieht, ist sie außer sich vor Freude. Und tatsächlich ist dieser sehr umgänglich und interessiert sich für ihre Tochter Jane. Sein Freund, der ebenfalls vermögende Mr. Darcy, wirkt dagegen hochmütig und arrogant. Elisabeth – genannt Lizzy – hält daher nicht viel von ihm und weißt seine späteren Annäherungsversuche brüsk zurück. Dann passiert etwas, das sie ihre Haltung gegenüber dem jungen Mann überdenken lässt. Aber für eine gemeinsame Zukunft ist es wohl zu spät...

Es ist gewiss nicht leicht einen deutlich mehr als 400 seitigen Roman in eine Graphic Novell umzusetzen. So hat sich die Autorin Claudia Kühn, die, wie ich gelesen habe, großer Fan der Werke von Jane Austen ist, sich wohl die ihr liebsten Szenen herausgepickt und diese dann zusammen mit der niederländischen Illustratorin Tara Spruit auf 243 kolorierten Seiten in eine Romanze mit Hindernissen umgesetzt. Als Bonus gibt es noch 5 Seiten vom Skizzenblock in schwarz/weiß.

Die Geschichte in dieser Graphic Novell ist an sich leicht zu verstehen. Sie ist absolut jugendfrei, so, dass ich kein Problem damit hätte, sie einem zwölfjährigen Kind (die Altersempfehlung des Verlages ist ab 12) in die Hand zu geben. Sie spielt im frühen 19. Jahrhundert, eine Zeit, in der Ehen noch hauptsächlich von den Eltern arrangiert wurden. Allerdings lese ich aus ihr nicht das heraus, was ich – ohne das Original von Jane Austen zu kennen – über diesen Roman gelesen habe.

Wie sehr Lizzy gegen die damals geltenden gesellschaftlichen Normen verstößt, kommt meiner Meinung nach genauso wenig zur Geltung, wie der Skandal, der das Verhalten ihrer Schwester Lydia damals ausgelöst haben muss. Mir war auch nicht klar, wer Charlotte ist. Als diese erstmals ins Spiel kam, unterhielt sie sich zwar mit Lizzy, wurde von mir aber nicht weiter beachtet, da ich nichts Wichtiges über sie erfuhr. Später nahm ich dann erst mal an, sie wäre eine der Bennet-Schwestern.

Dass die Namen der anderen beiden früher schon mal kurz erwähnt wurden, hatte ich vergessen und mir fiel erst auf, dass ich mit Charlotte falsch lag, als ich die Namen von drei der Schwestern durch einprägsam geschilderte Ereignisse kannte und die Namen der anderen beiden von der Mutter noch mal erwähnt wurden. Um den Überblick zu behalten, hätte ich ein voran gestelltes Personenregister als hilfreich gefunden.

Aber auch bei den Zeichnungen war mir nicht immer sofort klar, wer denn da gerade zu sehen ist. Die Gesichter der jungen Frauen, waren mir persönlich alle viel zu ähnlich. Oft konnte ich nur anhand der unterschiedlichen Kleidung oder an den Sprechblasen ausmachen, wer da gerade zu sehen ist. Auch die Mimik empfand ich auf den kolorierten Seiten der Geschichte nicht immer passend. Da empfand ich die weiblichen Gesichter von den Seiten aus dem Skizzenblock deutlich aussagekräftiger.

Die Gesichter der Herren waren meistens viel besser zu unterscheiden, aber auch hier hätte ich mir manchmal eine der Situation besser angepasste Mimik gewünscht. An den Zeichnungen der Kleidung, der Landschaften, der Häuser und ihrer Einrichtung hatte ich nichts auszusetzen, die erschienen mir der Zeit angemessen und auch die Farbgebung empfand ich als passend.

Insgesamt ist das für mich zwar keine schlechte Graphic Novell und ich kann mir auch gut vorstellen, dass ein romantisch veranlagtes junges Mädchen, die hier dargestellte unschuldige Romanze mit Hindernissen zwischen Lissy und Mr. Darcy mögen wird und auch, dass jemand, der die Romanvorlage kennt, sicher weniger Zuordnungsprobleme bei den Figuren hat. Dennoch haben mich weder die Geschichte, noch die Zeichnungen so überzeugt, dass ich sie in der gebundenen Ausgabe meiner doch ganz umfangreichen Sammlung von Graphic Novells hinzufügen möchte.

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