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Veröffentlicht am 07.07.2024

Absolut fesselnd

Der Familiensammler (Thriller)
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Eine junge Frau liegt mit durchschnittener Kehle auf ihrem Esstisch - den Kriminaloberkommissaren Emma Bajetzky und Alex Kuper bietet sich ein grauenhaftes Bild. Von ihren kleinen Kindern fehlt jede Spur, ...

Eine junge Frau liegt mit durchschnittener Kehle auf ihrem Esstisch - den Kriminaloberkommissaren Emma Bajetzky und Alex Kuper bietet sich ein grauenhaftes Bild. Von ihren kleinen Kindern fehlt jede Spur, auch ist der Vater und Ehemann nicht auffindbar. Die beiden Ermittler tappen vollkommen im Dunkeln. Als dann kurz darauf eine zweite Leiche gefunden wird, ebenfalls eine junge Mutter mit durchschnittener Kehle, auch ihre Kinder sind verschwunden, gehen sie von einem Serientäter aus.

Es ist nicht mein erster Thriller, den ich von Gunnar Schwarz gelesen habe und es wird auch nicht mein letzter sein, denn er versteht es bestens, seine Leser regelrecht durch die Seiten zu peitschen. „Der Familiensammler“ ist spannend ab Seite eins und lässt auch nicht nach, um gegen Ende zu die Dramatik nochmal extrem zu steigern. Bei den Leichen tauchen Zitate aus Peter Pan auf – was hat es damit auf sich? Die Ermittler durchleuchten die jeweiligen Familienstrukturen, die Lebensweise der Eheleute wird sichtbarer und bei jedem neuen Fall sind es die Kinder, die weg sind. Unauffindbar. Die Zeit läuft ihnen davon, denn wer weiß, ob sie die Kleinen retten können. Was treibt den Täter an? Ist es einer oder sind es mehrere? Verdächtige gibt es einige, sie gehen jeder Spur nach und doch verlaufen viele davon im Sande.

Für Gunnar Schwarz nehme ich mir immer einige freie, ungestörte Stunden, um im Geschehen bleiben zu können. Denn einmal angefangen, drängt es mich einfach, weiterzulesen. Auch hier war es wiederum dramatisch, sehr spannend und absolut fesselnd. Und beim nächsten Fall um das sympathische Ermittler-Duo werde ich ganz bestimmt wieder dabei sein, so viel ist gewiss.

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Veröffentlicht am 03.07.2024

Bad Oeynhausen während der Nachkriegsjahre 1945 bis 1947

Don't kiss Tommy. Eine Liebe in der Stunde Null
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Bad Oeynhausen hat sich ergeben. Die Panzer rollen. Die Briten besetzen die Stadt. Und nicht nur das, die Bevölkerung wird aus ihren Häusern vertrieben, sie muss sich am Rande der Stadt irgendwie einrichten, ...

Bad Oeynhausen hat sich ergeben. Die Panzer rollen. Die Briten besetzen die Stadt. Und nicht nur das, die Bevölkerung wird aus ihren Häusern vertrieben, sie muss sich am Rande der Stadt irgendwie einrichten, denn die Innenstadt ist verbotene Zone, sie wird mit einem Stacheldrahtzaun abgeriegelt und strengstens bewacht.

Anne muss mit ihrer Mutter und ihrer Schwester mit Familie ihr Hotel verlassen und auch Rosalie, deren Freundschaft mit Anne schon vor etlicher Zeit einen tiefen Riss bekam, verliert ihr Zuhause. Beide Frauen trauern um ihre Lieben, bei Anne sind es ihr Vater, ihr Bruder und ihr Verlobter, die im Krieg ihr Leben lassen mussten, Rosalies Mutter und ihr Bruder wurden bei einem Bombenanschlag getötet. Und nun müssen sie irgendwie überleben, es ist die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, Deutschland liegt in Trümmern.

Theresia Graw erzählt von den Nachkriegsjahren 1945 bis 1947. Stellvertretend für die vielen Schicksale lässt sie ihre Figuren diese Jahre erleben und bindet die fiktive Handlung in die historisch verbürgten Tatsachen ein. Die Menschen hatten damals neben dem stets nagenden Hunger mit einem schlimmen Hochwasser zu kämpfen, ein Dürresommer und ein strenger Winter waren eine Herausforderung, die nicht jeder überlebte. Das wenige, das sie noch hatten, wurde gegen ein Stück Brot getauscht, der Schwarzhandel blühte trotz des strengen Verbotes. Wer einen Arbeitsplatz in der Besatzungszone bei den Briten ergattern konnte, war fein heraus. Hier gab es alles – Zigaretten, Kaffee und viele unerschwingliche Luxusartikel, die wiederum begehrte Tauschobjekte waren.

Auch Rosalie, die bei einem Bauern und seinem Sohn Unterschlupf findet, kellnert am Wochenende bei den Briten, sie träumt davon, eines Tages mit einem schmucken Soldaten nach England zu gehen. Anne dagegen will lange nichts von den Tommys wissen, haben sie doch ihren Margarethenhof, ihr geliebtes Hotel, besetzt, während sie in einer zugigen Baracke haust. Die Umstände zwingen sie dann doch, als Dolmetscherin für die Besatzer zu arbeiten.

„Don´t kiss Tommy. Eine Liebe in der Stunde null“ erzählt von der Zeit danach. Der Krieg ist verloren, die Briten führen ein strenges Regiment. Und sie leben gut, ihnen mangelt es an nichts, im Gegensatz zur deutschen Bevölkerung. Ist der Kontakt zwischen den Deutschen und den Briten anfangs noch strengstens verboten, wird es zunehmend lockerer.

Das Buch hat mich tief berührt. Die Autorin beleuchtet diese Zeit durchaus kritisch, sie erzählt im Wechsel von Anne und von Rosalie und bindet diese fiktiven Elemente in die bestens recherchierte Historie ein. Gewaltsame Übergriffe gehören ebenso dazu wie eine Liebe, die aber weit entfernt von jeglicher Romantisierung ist. Dieser historische Roman ist ein beeindruckendes, ein rundum gelungenes Stück Zeitgeschichte, einfühlsam erzählt.

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Veröffentlicht am 30.06.2024

Welchem Muster folgen diese grausam in Szene gesetzten Morde?

Der Betrachter: Thriller
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Eine abgelegene Lagerhalle dient einem Obdachlosen wie so oft auch heute als Schlafplatz. Eine Kiste erregt seine Aufmerksamkeit und in der Hoffnung, etwas Verwertbares darin zu finden, hebelt er sie auf ...

Eine abgelegene Lagerhalle dient einem Obdachlosen wie so oft auch heute als Schlafplatz. Eine Kiste erregt seine Aufmerksamkeit und in der Hoffnung, etwas Verwertbares darin zu finden, hebelt er sie auf und – lässt sofort wieder die Finger davon. Eine Frau liegt in der relativ kleinen Kiste, hineingepfercht, zusammengerollt wie eine Kugel. Nur gut, dass ihm ein Kumpel sein mobiles Telefon überlassen hat und so meldet er diesen grausamen Fund. Die Spezialermittlerin Laura Kern vom LKA Berlin ist bald darauf mit Max, ihrem Kollegen, vor Ort. Ein bunter Schmetterlingsflügel fällt ihnen bei näherer Betrachtung ins Auge, die Tote hält ihn zwischen ihren Fingern.

Über die Krankenschwester Monika Nowak hagelt es Beschwerden, da sie einzelnen Patienten viel zu viel Zeit widmet, vom Arbeitsplan abweicht und dadurch ihren Kollegen zu viel Arbeit aufbürdet. Die Patientin Lilly, die seit sieben Jahren in der Psychiatrischen Klinik und davon das letzte halbe Jahr in der Geschlossenen untergebracht ist, hat es ihr besonders angetan. Lilly ist verstummt, auch ist sie komplett in sich gekehrt. Ihre Aquarelle sind ihr Lebenselixier, so scheint es. Es sind exakte Darstellungen der Blumen im Klinikgarten, sie sind einzigartige Kunstwerke und so manches Blatt hat sie ihrer Pflegerin Monika schon geschenkt. Zwischen diesen Blumenbildern findet Monika Verstörendes. Eine tote Frau in einer Holzkiste ist genau so dargestellt, wie sie in der Realität vorgefunden wird. Ohne die Klinikleitung vorher zu informieren, verständigt Monika das LKA. Laura erkennt sofort den Zusammenhang, die akribische Kleinarbeit beginnt.

Catherine Shepherd hat mir nicht nur eine schlaflose Nacht beschert, sie hat mich auch ganz schön in die Irre geführt. Dass hier der erschreckenden Realität inform der Bilder - die Lilly entgegen ihrer Gewohnheit mit Buntstiften gemalt hat - vorgegriffen wird, ist so verblüffend wie nicht nachvollziehbar. Es bleibt nicht bei der einen Zeichnung, in Lillys Zimmer finden sich weitere. Bleibt die bange Frage, wie diesem erschreckenden Szenario ein Ende gesetzt werden kann, noch bevor ein weiterer grausamer Mord geschieht. Laura, Max und das gesamte Team geben ihr Bestes – aber ist das genug? Kann der Mörder dingfest gemacht werden?

Täter hätte ich so etliche ausgemacht, fast allesamt waren sie mir nicht nur unsympathisch, ich hätte denen durchaus diese direkt spürbare Eiseskälte zugetraut. Alle Figuren, auch die sympathischen, sind fein gezeichnet, ihre Charaktereigenschaften werden zunehmend sichtbar und neben der äußerst schwierigen Ermittlungsarbeit blitzt auch ein wenig Privatleben durch. Hier ist es eher Max und seine Ehe, aber viel Zeit bleibt nicht, der Fall ist zu komplex, als dass sie nachlässig sein dürften. Gefühlt laufen sie den Ereignissen hinterher, das raffiniert ausgeklügelte Ende setzt dann einen perfekten Schlusspunkt.

Der mittlerweile neunte Fall für Laura Kern ist brillant, voller Spannung und überraschenden Wendungen, die Aufklärung so gar nicht vorhersehbar. Und nun heißt es wiederum warten, dem zehnten Fall fiebere ich schon jetzt voller Vorfreude entgegen.

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Veröffentlicht am 30.06.2024

Absolut lesenswert

Der nächste Redner ist eine Dame
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„Der nächste Redner ist eine Dame.“ Heute mutet diese Ankündigung befremdlich an, damals jedoch, als der Bundestagspräsident Erich Köhler die Theologin und CDU-Abgeordnete Anne Marie Heiler am 12. Mai ...

„Der nächste Redner ist eine Dame.“ Heute mutet diese Ankündigung befremdlich an, damals jedoch, als der Bundestagspräsident Erich Köhler die Theologin und CDU-Abgeordnete Anne Marie Heiler am 12. Mai 1950 als Rednerin ankündigt, war es keine Selbstverständlichkeit, eine Frau ans Rednerpult zu lassen. Fünf Minuten Redezeit steht jedem zu, ihre Fraktionskollegen haben diese weidlich ausgenutzt und überschritten, sodass für sie noch magere drei Minuten übrig bleiben. Großzügig erhöht Köhler um eine Minute auf stolze vier Minuten. Ganze 64 Sitzungen hat Heiler abwarten müssen, bis ihr erstmals das Wort erteilt wird. Dies ist eine der kleinen Anekdoten, die auch dazu gehören, die von den Pionierinnen des Deutschen Bundestages erzählen. Das Buch ist aber sehr viel mehr, es stellt wegweisende Pionierinnen unserer parlamentarischen Demokratie vor, zeichnet ihren Lebensweg und ihr politisches Wirken nach.

Bärbel Bas, die Präsidentin des Deutschen Bundestages, hat das ausführliche, sehr lesenswerte Vorwort verfasst, die Schriftstellerinnen Helene Bukowski, Julia Franck, Shelly Kupferberg, Terézia Mora und Juli Zeh stellen je eine Abgeordnete vor, alle Porträts berichten von starken, unerschrockenen Frauen, die an ihre Sache geglaubt und dafür gekämpft haben. 38 Kurzbiographien schließen sich an.

Da die Frauen durchweg hintere Listenplätze innehaben, rücken sie erst dann nach, wenn ein Abgeordneter stirbt oder aus anderen Gründen ausscheidet. Diese Nachrückerinnen werden wenig despektierlich Sarghüpfer genannt. Auch diese Episode verdeutlicht den Stellenwert der Frauen, die sich gegen die nicht nur zahlenmäßig überlegenen männlichen Abgeordneten behaupten mussten. So einige davon sind mir schon ein Begriff, viele jedoch sind heute vergessen, dieses Buch setzt ihnen ein Denkmal und sollte unbedingt gelesen werden. Neben ihrem unermüdlichen Einsatz und ihrem politischen Wirken ist es ein informatives, interessantes und dazu gut zu lesendes Zeugnis einer Zeit, in der unsere Demokratie fest verankert wurde.

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Veröffentlicht am 28.06.2024

Künstliche Intelligenz – ist das die schöne neue Welt?

Sakura - KIrschblüte
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Künstliche Intelligenz – eine schöne neue Welt, ein Hilfsmittel, um für Anderes den Kopf frei zu haben? Oder eher eines für Blender, für talentfreie Schriftsteller? Diese Fragen stellen sich mir während ...

Künstliche Intelligenz – eine schöne neue Welt, ein Hilfsmittel, um für Anderes den Kopf frei zu haben? Oder eher eines für Blender, für talentfreie Schriftsteller? Diese Fragen stellen sich mir während des Lesens. Und nicht nur diese sind es, der ganze Roman wirft viele Fragen auf.

Stefan Hohl will an seine früheren Erfolge anknüpfen, aber ihm fällt so gar nichts ein. Sein Verleger drängt ihn, endlich das neue Manuskript vorzulegen. Was tun? KI ist in aller Munde, auch Stefan sucht sich entsprechende Seiten, gibt einige Stichworte ein und siehe da - die Seiten flutschen nur so. Die ersten acht davon sind frei zugänglich, Stefan ist begeistert. Der Anfang ist gemacht, das Weiterschreiben gar nicht so einfach wie zunächst gedacht, die restlichen der insgesamt 56 Seiten kann er schließlich nach Eingabe seiner Bankdaten erwerben. Gesagt, getan. Das Um- und Weiterschreiben wird danach bestimmt klappen, so redet er es sich ein, schließlich hat er schon zwei Erfolgsbücher vorzuweisen.

Schon bin ich mittendrin, bin in Tokyo und sehe sie – Sakura. Nicht nur ich bin von ihr angetan, auch Paul ist es, er verliebt sich sofort in sie. Parallel dazu sind es auch Stefan und Ayame, die ähnliches erleben. Eine Liebesgeschichte – oder sind es zwei? – traumhaft schön. KI hat sie vorgegeben, zumindest die eine Geschichte um Sakura und Paul. Wer ist diese geheimnisvolle japanische Schönheit, diese Sakura? Und ist Stefan und Ayames Geschichte, eingebettet in jene, die KI erzeugt hat, ein und dieselbe? Sind sie alle eher Traum? Von KI angetrieben, weitergesponnen? Erst mal musste ich meine Gedanken sortieren, um dann umso genüsslicher weiterlesen zu können.

Sakura und Paul, Ayame und Stefan - beide Stories sind reizvoll und doch nicht so recht fassbar, eher surral, sie fesseln mich, sind aufregend und charmant zugleich, sind verführerisch, ja unwiderstehlich. Die Idee, eine „Story in der Story“ zu schreiben, ist so faszinierend wie gut umgesetzt. Die beiden Geschichten laufen nebeneinander her, überschneiden sich, sie regen meine Phantasie an.

Sabine Mayr hat KI thematisiert, sie hat einen Roman voller Leben vorgelegt, in dem es nicht nur um Liebe geht, es wird dramatisch - nuanciert und facettenreich umgesetzt. Gelebt, erträumt, real oder auch nicht, wer weiß es schon so genau. Das Ende ist voller Magie – so zauberhaft und passend. Ich bin begeistert.

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