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Veröffentlicht am 09.02.2025

Liebeserklärung an die Elbe

Flusslinien
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In Katharina Hagenas neuem Roman “Flusslinien“ geht es um drei Personen, die in Hamburg leben. Da ist einmal die 102jährige Margrit, die noch lange als Stimmbildnerin aktiv war und erst seit gut einem ...

In Katharina Hagenas neuem Roman “Flusslinien“ geht es um drei Personen, die in Hamburg leben. Da ist einmal die 102jährige Margrit, die noch lange als Stimmbildnerin aktiv war und erst seit gut einem Jahrzehnt in einer Seniorenresidenz lebt. Sie hat viel Kontakt mit ihrer geliebten 18jährigen Enkelin Luzie. Luzie hat sich kurz vor dem Abitur von der Schule abgemeldet, lebt heimlich im Haus der DLRG am Elbeufer und will als Tätowiererin ihren Lebensunterhalt verdienen. Sie tätowiert sich selbst, ihre Großmutter und andere Interessenten. Luzie hatte ein traumatisches Erlebnis bei einem Auslandsjahr in Australien, wo ihr Vater mit seiner neuen Partnerin und zwei kleinen Kindern lebt und kämpft trotz einer Therapie noch immer mit den Folgen. Dann ist da noch der Mittzwanziger Arthur. Er sucht mit einer Sonde die Elbufer ab, erfindet Sprachen für Fantasyfilme, ist im Naturschutz aktiv und war früher ein begabter Taucher. Jetzt fährt er die Bewohner der Residenz zu ihren Terminen und hat ein besonders freundschaftliches Verhältnis zu Margrit. Auch er kämpft mit einem Trauma, über das er bisher mit niemand gesprochen hat. Ihre Freundschaft ermöglicht es Margrit, Luzie und Arthur sich zu öffnen und - im Fall der jungen Leute - einen neuen Anfang zu wagen. Magrit weiß, dass ihr nur noch wenig Zeit bleibt und genießt diese Phase ihres Lebens sehr bewusst. Sie erinnert sich an den Krieg, ihren Liebhaber Cornelius, vor allem aber an ihre Mutter Johanne und deren große Liebe Else Hoffa, die den Römischen Garten angelegt hat, zu dem sie sich täglich von Arthur fahren lässt. Es geht in diesem Buch um viele Themen: Liebe und Freundschaft, Vertrauen und Verrat und den Umgang mit Erinnerungen und Schuldgefühlen. Man muss sich an alles erinnern, bevor man vergessen kann. Auch wenn Erlebtes noch so schlimm war, darf man sich nicht zum Opfer machen lassen, sondern muss stark sein, damit nicht der Täter gewinnt. Auch Flora und Fauna der Elblandschaft spielen eine große Rolle. Wir lesen vom Verschwinden des Schierlings-Wasserfenchels und der Beerdigung eines Maulwurfs und das alles in einer wunderschönen, teilweise sehr poetischen Sprache.
“Flusslinien“ hat mir sehr gut gefallen, und ich empfehle es ohne Einschränkung weiter.

Veröffentlicht am 07.02.2025

Ein Plädoyer für mehr Lebensqualität

Energize your life!
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Der Sportwissenschaftler Ingo Froböse stellt in seinem Buch "Energize Your Life" dar, wie die Beachtung der vier Faktoren Ernährung, Bewegung, Entspannung und Schlaf uns zu mehr Energie in unserem Alltag ...

Der Sportwissenschaftler Ingo Froböse stellt in seinem Buch "Energize Your Life" dar, wie die Beachtung der vier Faktoren Ernährung, Bewegung, Entspannung und Schlaf uns zu mehr Energie in unserem Alltag verhelfen können. Die überaus informative, aber dennoch gut verständliche Darstellung, zeigt uns Lesern, was in unserem Leben häufig falsch läuft und wie wir das ändern können. Es gibt praktische Übungen - vor allem Dehnübungen - und Rezepte für eine bessere Ernährung. Diese Vorschläge lassen sich im Alltag gut umsetzen. Für mich war besonders das Kapitel über guten Schlaf sehr wichtig, da ich unter erheblichen Schlafstörungen leide. Auch optisch macht das Buch etwas her, enthält es doch Fotos, Abbildungen aller Art und Tabellen, die die behandelten Aspekte verdeutlichen. Ein sehr nützlicher, hervorragend gelungener Ratgeber.

Veröffentlicht am 29.12.2024

Familienbeziehungen können sehr kompliziert sein

Allein gegen die Lüge
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Alex Finlays Roman beginnt mit einem Knalleffekt. Die Familie des Studenten Matt Pine kommt bei einem Kurztrip nach Mexiko ums Leben: seine Eltern Evan und Olivia und die beiden jüngeren Geschwister Maggie ...

Alex Finlays Roman beginnt mit einem Knalleffekt. Die Familie des Studenten Matt Pine kommt bei einem Kurztrip nach Mexiko ums Leben: seine Eltern Evan und Olivia und die beiden jüngeren Geschwister Maggie und Tommy. Das ist schon die zweite Katastrophe, die seine Familie trifft. Sieben Jahre zuvor wurde sein älterer Bruder Danny wegen Mordes an seiner Freundin verhaftet und verurteilt, obwohl er die Tat wohl nicht begangen hat. Polizisten setzten ihm so zu, dass er gestand. Vor allem seit der Produktion einer Netflix-Serie, die Dannys Unschuld beweisen sollte, war die Familie in der Kleinstadt Adair in Nebraska nicht mehr wohl gelitten und zog nach Chicago um. Dannys Vater hat nie aufgehört, für seinen Sohn zu kämpfen. Auch auf der plötzlichen Reise nach Mexiko geht er neuen Hinweisen nach. Die FBI-Agentin Sarah Keller traut der örtlichen Polizei nicht, die von einer defekten Gasleitung im Feriendomizil ausgeht und die Akte sofort schließt. Diese Erklärung passt nicht zu den vielen Ungereimtheiten rund um die Auffindung der Leichen. Auch Matt fliegt nach Mexiko, um die Rückführung der Toten zu veranlassen, vor allem aber auch, um Hinweisen nachzugehen und bringt sich dadurch in Lebensgefahr. Seltsam ist dabei, dass die örtlichen Behörden nicht kooperieren und ihm und dem FBI immer wieder Hindernisse in den Weg legen.
In der wendungsreichen Geschichte gibt es wechselnde Perspektiven und zahlreiche Rückblenden in die Vergangenheit, als die junge schwangere Charlotte Rose nach einer Party ums Leben kam. Der Leser verfolgt, welche Belastungen familiäre Beziehungen aushalten müssen, welche Rolle Liebe, Loyalität und Lügen dabei spielen. Matt Pine will am Ende nur noch eins: ohne Rücksicht auf sein eigenes Leben und seine tiefsitzenden Ängste die Wahrheit ans Licht bringen. Dem Autor ist ein sehr spannender, lesenswerter Thriller gelungen, den ich nur empfehlen kann.

Veröffentlicht am 26.12.2024

Wenn der Berg sich zu Wort meldet

Kohle, Stahl und Mord: Das 13. Opfer
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In Conraths neuestem Roman werden in einem Stollen der Zeche Ludwig in Essen nach Erdbewegungen die Knochen von zwölf Bergleuten gefunden, die 34 Jahre zuvor bei einer Explosion ums Leben gekommen waren ...

In Conraths neuestem Roman werden in einem Stollen der Zeche Ludwig in Essen nach Erdbewegungen die Knochen von zwölf Bergleuten gefunden, die 34 Jahre zuvor bei einer Explosion ums Leben gekommen waren und nie gefunden worden sind. Die große Überraschung bei dem Fund ist, dass es ein 13. Opfer gibt – mit einem Kopfschuss. Der Bergmann Werner Flemming, der damals das Unglück überlebte, findet den Schädel und ist retraumatisiert. Kommissarin Elin Akay übernimmt den Fall mit ihrem Kollegen Holger und arbeitet mit ihrer Freundin Jana Fäller, einer forensischen Psychiaterin zusammen. Auch Janas Vater war Bergmann, ist aber inzwischen verstorben. Die Ermittlungen gestalten sich langwierig und schwierig, zumal Oberstaatsanwalt Küppersbusch die Polizisten aus zunächst unerfindlichen Gründen immer wieder ausbremst. Das Opfer wird schon bald identifiziert – Rudolf Mergent, ein gefährlicher Mann, der zahlreiche Kumpel um ihre Ersparnisse betrogen hat. Die Zeugen erinnern sich nach der langen Zeit nicht oder wollen nicht aussagen. Immer wieder gibt es neue Verdächtige, die ein Motiv gehabt haben könnten, sei es Geld oder Liebe.
Mir hat die spannende, wendungsreiche Geschichte sehr gut gefallen. Die Auflösung konnte ich nicht erraten. Neben der gut konstruierten Krimihandlung beeindruckt mich die hervorragende Charakterzeichnung und die gute sprachliche Qualität des Romans, aber auch die kenntnisreiche, gut recherchierte Darstellung des Bergbaus mit seinen immer drohenden Gefahren und den mystischen Elementen der Arbeit unter Tage. Ich habe einiges gelernt, was ich nicht wusste, obwohl ich mein ganzes Leben lang in der Region gelebt habe. Ein sehr empfehlenswerter Roman.

Veröffentlicht am 14.07.2024

Goldrausch in Ardnakelty

Feuerjagd
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In Tana Frenchs neuem Roman “Feuerjagd“ begegnen wir wieder Ex-Cop Cal Cooper aus Chicago und seinem Schützling Theresa “Trey“ Reddy, 15. Es handelt sich um die Fortsetzung von “Der Sucher“. Cal lebt jetzt ...

In Tana Frenchs neuem Roman “Feuerjagd“ begegnen wir wieder Ex-Cop Cal Cooper aus Chicago und seinem Schützling Theresa “Trey“ Reddy, 15. Es handelt sich um die Fortsetzung von “Der Sucher“. Cal lebt jetzt seit über zwei Jahren in dem fiktiven Ort Ardnakelty im Westen von Irland. Die verschworene Dorfgemeinschaft, immer misstrauisch und abweisend gegenüber Fremden, hat sich mit ihm arrangiert. Cal und Trey betreiben eine kleine Schreinerei und reparieren Möbel für die Dorfbewohner. Eines Tages kehrt Treys Vater Johnny Reddy nach vier Jahren aus London zurück und bringt einen anscheinend vornehmen reichen Engländer mit, der sich Cillian Rushborough nennt und angeblich mit den Feeneys am Ort verwandt ist. Von seiner Großmutter hat er gehört, dass es am Fuß des Bergs und vielleicht auch auf dem Land der Bauern Gold geben soll. Johnny gelingt es, die Dorfbewohner in eine Art Goldrausch zu versetzen und zu Investitionen zu bewegen. Cal spürt, dass etwas Bedrohliches auf sie zukommt und dass Trey ihre eigenen Pläne verfolgt. Er liebt sie wie eine Tochter und will sie unbedingt beschützen, ohne sie zu bevormunden. Trey hat den Tod ihres älteren Bruders Brendan zwei Jahre zuvor nicht verschmerzt und will die neuesten Entwicklungen nutzen, um sich an dem verhassten Dort zu rächen. Dann kommt es zu einem Mord, und die Polizei ermittelt. Nichts ist mehr, wie es war. Jeder ist verdächtig.
“Feuerjagd“ ist kein konventioneller Krimi über Verbrechen, die aufgeklärt werden, sondern eine komplexe Geschichte mit weit zurückreichenden Verflechtungen und Geheimnissen. Der Roman besticht durch viel Lokalkolorit und lebendige Dialoge. Besonders die Szenen im dörflichen Pub finde ich sehr gelungen. Mir hat der Roman trotz einiger Längen gut gefallen – wie schon zuvor “Der Sucher“. Wer sich auf das langsame Erzähltempo einlässt, kommt hier durchaus auf seine Kosten. Eine klare Leseempfehlung.