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Veröffentlicht am 13.08.2024

Mut und Selbstvertrauen - ein wundervolles Wimmelbuch für Groß und Klein

Die kleine Ratte Kwiik macht stark. Weil ich anders bin
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Bei der kleinen Ratte Kwiik handelt es sich um ein Wimmelbuch, was Kinder ab 3 Jahren zu mehr Selbstvertrauen und Mut motivieren soll.

Schon alleine die Begrüßung der Autoren und der Ratte Kwiik an all ...

Bei der kleinen Ratte Kwiik handelt es sich um ein Wimmelbuch, was Kinder ab 3 Jahren zu mehr Selbstvertrauen und Mut motivieren soll.

Schon alleine die Begrüßung der Autoren und der Ratte Kwiik an all die kleinen Leser fand ich zuckersüß. Warum dieses Buch, was hat der Koffer von Kwiik zu bedeuten und welche Wünsche sie dem Kind auf seine eigene Reise durch das Leben mitgeben.

Sowohl Text als auch Illustrationen nehmen die Kinder mit auf eine spannende Reise in Kwiiks kleine Rattenwelt. Kwiik erzählt, was sie gerne macht, warum er sich manchmal anders und alleine fühlt, unverstanden, weil er Dinge mag und tut, die alle anderen Ratten nicht mögen und sie ihn deshalb auslachen. Dabei wünscht sie sich doch, dazu zu gehören und glücklich zu sein.

Bei der Beobachtung anderer Tiere stellt sie fest, dass es dort auch Unterschiede gibt und diese Tiere aber wesentlich glücklicher und entspannter sind. Und dann macht Kwiik eine persönliche Entdeckung, bei der sie merkt, was bislang falsch war und warum es sich immer komisch angefühlt hat.

Selbst als Erwachsenem macht es Spaß, Kwiik bei seinen Fragen zu begleiten, es gibt ja noch weitere Bücher von der süßen Ratte und wer Lust hat, kann sich auch gerne das Lied zu diesem Buch auf Youtube anhören, das ist ein richtiger Ohrwurm und wird die Kinder zusätzlich begeistern.

Mit viel Liebe zum Detail und verständnisvollen, teils auch lustigen Texten und Sprechblasen ist dieses Buch gemacht und die kleine Übung am Ende des Buches ist toll gelungen.

Ein niedliches Bilderbuch nicht nur für schüchterne, introvertierte Kleinkinder, sondern alle, die gern ein bisschen Mut und Zuversicht im Leben gebrauchen können.

Mit Ratte Kwiik macht das Ganze einfach viel mehr Spaß und ich hab schon gesehen, dass es noch eine weitere Geschichte gibt, in der die Kinder lernen, ihre Stärken zu erkennen und das auch zu sagen und ich hoffe, dass wir noch viele weitere lustige, mutmachende Geschichten mit Kwiik erleben werden.

Von mir eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 02.08.2024

emotionale Geschichte über Verluste, geplatzte Träume und herzzerreißende Abschiede

Und dahinter das Meer
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Stell Dir vor, Du bist ein 11jähriges Mädchen und wirst von Deinen Eltern in ein fremdes Land geschickt, um dort vor den Luftangriffen während des Weltkriegs geschützt zu sein.

Die Emotionen aller Betroffenen, ...

Stell Dir vor, Du bist ein 11jähriges Mädchen und wirst von Deinen Eltern in ein fremdes Land geschickt, um dort vor den Luftangriffen während des Weltkriegs geschützt zu sein.

Die Emotionen aller Betroffenen, sowohl der eigenen Eltern, der Gastfamilie und der jungen Beatrix werden in diesem Roman auf packende, emotionale Weise wiedergegeben.

Die Geschichte wird aus der Sicht der Gasteltern Ethan, Nancy, deren Söhnen Gerald und William, als auch Bea und deren Eltern Reginald und Millie erzählt. So erhält man ganz besondere Einblicke in deren Gefühlswelten und die veränderte Situation und was das mit allen anstellt. Während Bea für die Kinder Abwechslung bedeutet und auch ausgleichender Pol zwischen den beiden Jungs ist, taucht bei Millie Eifersucht, Sehnsucht und Zweifel auf, während Nancy stets unsicher ist, wie sie die Rolle als Ersatzmama ausfüllen soll, wo sie doch nur Kenntnisse davon hat, wie man Jungs aufzieht. Doch Bea schafft es schnell sich zu integrieren, genießt die Zeit, die Erinnerung an England verblassen und die Urlaube auf der Familieninsel in Maine tragen dazu bei, dass sie sich in Amerika wie zu Hause fühlt. Bis der Tag kommt, wo sie wieder zurückmuss.

Dieses Buch war für mich besonders. Nicht nur, dass es hier Gespräche so gut wie ohne wörtliche Rede gibt, sondern überwiegend in Kursivschrift, was anfangs etwas ungewöhnlich war. Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt – während des Krieges, Beas Heimkehr nach London und die 60er Jahre.

Der erste Teil hat mir ganz besonders gefallen, während ich mir vorgestellt habe, wie es sein mag, in so jungem Alter fernab der Heimat und der eigenen Eltern zu sein. Doch Bea ist mutig, sie ist gut erzogen, höflich und schon bald wird sie von ihrer Gastfamilie ins Herz geschlossen.

Die Rückkehr gestaltet sich schwierig, zu viel ist in der Zwischenzeit passiert, vieles hat sich verändert und das wirkt sich auch auf das Verhältnis speziell zu ihrer Mutter aus, die für mich sehr wankelmütig, instabil und launisch wirkte.

Man spürt bei allen eine gewisse Melancholie, Sehnsucht, Dinge werden nicht richtig verarbeitet, man sucht nach dem Gefühl von Heimat und dennoch gelingt es der Autorin Schritt für Schritt verständlich zu machen, was Heimat, ein Zuhause und Wohlgefühl wirklich bedeutet.

Alle müssen einen großen Lernprozess durchmachen, es gibt traurige Momente, Verlust, geplatzte Träume und herzzerreißende Abschiede.

Die Charaktere sind sehr verschieden dargestellt, mit manchen wird man warm, bei anderen dauert es eine ganze Weile, aber genau das verbunden mit der abwechselnden Sichtweise macht diesen Roman zu etwas Besonderem.

Das Thema passt perfekt – denn das Meer spielt hier eine zentrale Rolle und hat verschiedene Bedeutungen, nicht nur geographisch, sondern auch für die Personen in diesem Buch.

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Veröffentlicht am 30.07.2024

Dramatischer, fesselnder Auftakt um wichtige Frauenrechte und eine schicksalhafte Liebe

Im Nordwind
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„Mit dem Nordwind kommt der Ärger“ - diesen Satz liest man einige Male in diesem Roman und je mehr man in die Handlung eintaucht, desto schlüssiger wird die Titelwahl.

Die Geschichte wird abwechselnd ...

„Mit dem Nordwind kommt der Ärger“ - diesen Satz liest man einige Male in diesem Roman und je mehr man in die Handlung eintaucht, desto schlüssiger wird die Titelwahl.

Die Geschichte wird abwechselnd in zwei Zeitebenen erzählt, so dass man nach und nach mehr Einblick in das Leben der Hauptprotagonistin Alice, damals Christina genannt, erhält. Und dieses Leben verursacht unglaublich viel Gänsehaut, ist voller Dramatik und Verzweiflung. Die Geschichte spielt zwischen 1896 und 1914 und bringt auf sehr deutliche Weise die Frauenrechte zur damaligen Zeit zum Vorschein. Nicht nur, weil die Männer das so sahen, sondern weil die Gesetzgebung es so vorsah. Doch nachdem Alice immer mehr um das Leben ihrer zuckersüßen Tochter Rosa und ihr eigenes bangen muss, fasst sie den Entschluss, aus Selbstschutz den tüchtigen und sympathischen Anwalt John Reeven für den Scheidungsantrag zu beauftragen, auch wenn die Aussichten fast chancenlos sind.

Die beiden Gesellschaftsschichten treffen aufeinander, wie der eisige Nordwind und nach anfänglicher Ablehnung erhält John immer mehr Einblick hinter die Kulissen und fasst einen folgenreichen Entschluss. Aber was nützt ein erfolgreicher Anwalt, wenn einen die Vergangenheit einholt, wenn die Rechtslage so schlecht und die Nachbarn und sogar die eigene Familie so niederträchtig sind?

Ich hab das Buch gelesen und parallel gehört, denn Tanja Fornaro ist und bleibt für mich die beste Sprecherin für solche Romane und versteht es, den Leser von der ersten Seite an abzuholen, eintauchen und das Buch lebendig werden zu lassen.
Jeder Charakter hat diese gewisse stimmliche Nuance, wodurch sofort Sympathie oder Antipathie entsteht, Momente der Begeisterung entstehen, ebenso wie Empörung, Erschütterung, Verzweiflung und Dramatik, aber auch sanfte Töne und die knisternde Atmosphäre.

Die Gegenüberstellung zwischen der armen Bevölkerung in Uhlenhorst, die furchtbaren Arbeitsbedingungen im Vergleich zu der reichen Familie Reeven, bei der man feststellt, dass Krankheit, Streit und Eifersucht auch hier nicht Halt machen und die äußere Fassade zum Bröckeln bringen, fand ich sehr gelungen. Gemischte Gefühle, Intrigen und die beginnende Romanze, die doch nicht sein darf und kann.

Trotz der Länge des Buches gab es nur wenige Stellen, die für mich etwas langatmig waren. Insgesamt spannend mit einem traurigen Schicksal, das stellenweise ein paar Lichtblicke enthält, die den Leser nur allzu oft hoffen lässt, dass sich das Blatt wendet, um dann etwas abrupt mit einem kleinen Cliffhanger zu enden. Und immer wieder taucht die Frage auf: Wie viel Leid kann ein Mensch ertragen?

Ich bin schon sehr gespannt auf den 2.Teil und dieser erscheint ja bereits im Oktober.

Eine Geschichte voller Sehnsucht und Hoffnung, dem Wunsch nach Freiheit, Menschlichkeit und Frauenrechten, Neuanfängen und aufrichtiger Liebe. Fesselnd, aufwühlend und nachdenklich stimmend.

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Veröffentlicht am 16.07.2024

Eine wundervolle, romantische Erlebnisreise nach Schweden

Genau jetzt mit dir
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Immer wieder hört man, wie großartig Schweden ist, egal ob Land, Bevölkerung, die Abläufe dort. Selber hab ich es leider noch nicht geschafft, aber man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben.

Umso schöner ...

Immer wieder hört man, wie großartig Schweden ist, egal ob Land, Bevölkerung, die Abläufe dort. Selber hab ich es leider noch nicht geschafft, aber man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben.

Umso schöner ist es, dass die Autorin einen auf diese unterhaltsame, abwechslungsreiche und ergreifende Reise mitnimmt. Für uns Leser hat die Hebamme Alma samt ihren beiden Katzen Ben und Jerry und ihrer Yuccapalme Wilma auf jeden Fall noch Platz in ihrem Auto, während sie in Frankfurt ihre Zelte abbricht und bei ihrer Tante Edda im schwedischen Örtchen Nora unterkommt. Allerdings hat sie auch einen großen Koffer Altlast mit, der ihr das Ankommen dort nicht immer ganz leicht macht.

Durch die Hebammenpraxis der Tante darf sie die alleinerziehende hochschwangere Elsa Hansen betreuen, denn die Versorgung Schwangerer in Schweden ist nicht immer so einfach und leicht.
Zusammen mit deren wissbegierigen, aufgeweckten Jungen Fynn und dessen Onkel Liam lernt Alma langsam Vertrauen zu fassen, zugänglicher zu werden und sich auch mal unangenehme Dinge zuzutrauen und über ihren Schatten zu springen. Während die Gefühle zueinander immer mehr wachsen, spürt man immer deutlicher die innere Zerrissenheit Almas, weil sie die Vergangenheit nicht loslassen kann.
Einmal angefangen, kann man gar nicht anders, als das Buch zu verschlingen.

Ich hab es auch als Hörbuch genossen, denn Henriette Schreuers ist die perfekte Besetzung für diese Geschichte und hat die Charaktere sehr lebendig und authentisch rübergebracht. Sie fängt die Emotionen, das Knistern in der Luft, die humorvollen Begegnungen und Diskussionen herrlich ein, was alles sehr unterhaltsam macht.
Sowohl Fynn mit seiner neugierigen, lebensfrohen Art schließt man dabei genauso ins Herz, wie Tante Edda mit ihrer Engelsgeduld und ihrem liebevollen Verständnis und Zuspruch. Die sich entwickelnde Romanze ist genau richtig dosiert und eine Szene wird nur angedeutet, keine Details, was auch völlig ausreichend ist und den Wert des Buches nicht geschmälert hat.

Es ist eine Geschichte die von Loslassen, Vergebung, Neubeginnen und Trauerbewältigung handelt. Verständnis zu haben für Situationen, die einem schwerfallen, sich nicht runterziehen zu lassen vom Verhalten anderer Leute und seinen Weg mutig und tapfer zu gehen, mit der Unterstützung von Freunden und der Familie. Aber auch Schuldbewältigung, Fehler einzugestehen und sich nicht davon auffressen zu lassen.

Mit einer Leichtigkeit verbindet die Autorin hier Schicksale und emotionales mit einer gesunden Prise Humor, Charme und Frohsinn, so dass es nicht einen Moment zu erdrückend wirkt, auch wenn Probleme auftreten. Gleichzeitig erhält man informative Einblicke in das Leben und die Natur Schwedens, was einem teilweise wie Urlaub vorkommt und die Sehnsucht nach diesem Land noch mehr steigert.

Ich freue mich riesig auf den 2.Teil der Dilogie und bin schon gespannt, wie es in Nora weitergeht.

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Veröffentlicht am 15.07.2024

Spannender und mitreißender Roman über die tragischen Nachkriegsjahre

Don't kiss Tommy. Eine Liebe in der Stunde Null
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Die Stunde Null – oder auch die tragischen Jahre der Nachkriegszeit genannt. Während die britischen Besatzer oder auch Tommys genannt, versuchen, Struktur und Ordnung in das vom Krieg zerstörte Deutschland ...

Die Stunde Null – oder auch die tragischen Jahre der Nachkriegszeit genannt. Während die britischen Besatzer oder auch Tommys genannt, versuchen, Struktur und Ordnung in das vom Krieg zerstörte Deutschland zu bringen, leidet die Bevölkerung extrem unter den vielen Veränderungen.

Obwohl Anne Gerland sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich das geliebte Hotel Margarethenhof wieder zu eröffnen, muss sie nun mit Entsetzen feststellen, dass Bad Oeynhausen aufgrund der Lage von den Besatzern zum Hauptquartier umfunktioniert wird und die Bewohner aus der Stadt vertrieben werden. Die Lage in den schäbigen Baracken wird zur Herausforderung, das Miteinander mit den Besatzern eine Geduldsprobe.

Eindrucksvoll wird das Leben von Rosalie Thomann und Anne erzählt. Einst eng verbunden, gab es einen großen Bruch, der nur schwer wieder zu kitten ist. Während Rosalie ganz darin aufgeht, für die Briten arbeiten zu wollen und so auf ein sorgenfreies, erfülltes Leben hinzusteuern, gerät Anne immer wieder mit dem Colonel Michael Hunter aneinander. Und beide Frauen müssen feststellen, dass ihre bisherige Einstellung nicht so einfach funktioniert, wie sie es sich vorstellen.

Trotzdem das Buch mit über 500 Seiten sehr umfangreich ist, verschlingt man Seite für Seite, es gibt so viele Erlebnisse, Veränderungen, Einblicke in die Jahre nach dem Krieg, nicht nur was die vielen neuen Gesetze betrifft, sondern auch das eingeschränkte, beengte Leben, die verschiedenen Wettereskapaden und die Gefühlsachterbahnen, weil man einerseits noch so viel Wut durch die erneute Verdrängung und ungerechte Abstrafung in sich spürt, auch wenn sie selbst nichts für den Krieg konnten, aber auch die Versuche mitbekommt, Deutschland wieder aus den Trümmern herauszuholen, ohne dass sich die Geschichte wiederholt.

Ich hab das Buch genossen, es hat mich stellenweise ganz schön durchgerüttelt, gerade Anne konnte ich so gut verstehen, ihre Gründe für ihre Einstellung, aber ebenso auch die Gegenseite.

Die Autorin hat historische Geschehnisse mit fiktiven Charakteren und Abläufen geschickt zusammengefügt und dabei eine unfassbar mitreißende, tiefgründige Geschichte geschrieben, die auch mich stellenweise sehr nachdenklich gestimmt hat.

Auch wenn das Cover heiter aussieht, so muss man einige Male mit einem Kloß im Hals kämpfen und so manche Schicksalsschläge haben mich sehr berührt.

Von mir eine große Leseempfehlung – eine Geschichte über Neuanfänge, Vergebung, Zusammenhalt, Freundschaft, Hoffnung und Mut mit zwei Liebesgeschichten, die anders als erwartet und doch so gut sind.

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