Sehr ausführlich erzählte Familiengeschichte
Warte auf mich am MeerDie Idee zu dieser Familiengeschichte hat mir gefallen, der Klappentext versprach eine etwas melancholische Rückschau auf ein ganzes Leben und zwei Liebende, die auch im Alter noch fest zusammenhalten. ...
Die Idee zu dieser Familiengeschichte hat mir gefallen, der Klappentext versprach eine etwas melancholische Rückschau auf ein ganzes Leben und zwei Liebende, die auch im Alter noch fest zusammenhalten. Genau das habe ich mit diesem Roman auch bekommen - allerdings seeeeehr ausführlich erzählt.
Wir lernen in diesem Roman Evelyn und Joseph kennen, die sich schon seit Kindertagen kennen. Ihre Liebes- und Lebensgeschichte wird immer abwechselnd erzählt mit Sequenzen aus den Jahren 2001/2002. Im Juni 2001 beichtet Evelyn ihren erwachsenen Kindern, dass sie eine schwere Krankheit hat und sie mit ihrem Mann daher den Entschluss gefasst hat, in genau einem Jahr - mutmaßlich bevor sie endgültig zum Pflegefall wird - ihrem Leben ein Ende zu setzen. Und ihr Mann Joseph möchte sie begleiten, da er sich ein Leben ohne seine Frau nicht vorstellen kann. Ihr letztes Jahr wollen sie in vollen Zügen genießen und bitten ihre Kinder, es mit ihnen gemeinsam zu einem wunderbaren Jahr zu machen.
Die Kinder aber sind entsetzt - wie können die Eltern sie einfach verlassen wollen? Letztlich hadern alle mit diesem Schritt, wollen die Zeit jedoch tatsächlich nutzen. Während es Evelyn zunehmend schlechter geht, versuchen alle, ihr so viel Normalität wie möglich zu bescheren. Doch das gesetzte Datum rückt immer näher…
Zwischen diesen Episoden schaut man immer wieder in die Vergangenheit und erlebt mit Evelyn und Joseph gute und schlechte Zeiten einer Ehe. Zweifel, manchmal auch Verzweiflung, doch auch immer wieder aufflammende Liebe, die mit den Jahren einer tiefen Verbundenheit weicht.
Amy Neff erzählt von einer Ehe, die genau so gewesen sein könnte. Und von einem Lebensabend, der mit genau den Problemen belastet ist, vor dem viele ältere Paare Angst haben. Wer geht zuerst? Wie soll es nach so vielen Jahren ohne den anderen weitergehen? Kann es überhaupt weitergehen?
Dieses wirklich realitätsnahe Thema wurde aus meiner Sicht zwar grundsätzlich gut umgesetzt, doch die ausschweifenden Schilderungen jeglicher Familienszenen waren mir etwas zu viel. Aus meiner Sicht hätte der Roman deutlich gekürzt werden müssen, um nicht langatmig zu wirken. Gefühlt wurden die gleichen Probleme und Sorgen 10-20 mal angesprochen und ich hatte mitunter den Eindruck, ich würde in zähem Teig waten. Für mich ging die Geschichte einfach nicht nach vorne sondern drehte sich in weiten Teilen um sich selbst. Etwas mehr Dynamik hätte dem Buch gut getan - dann wäre es ein wirklich toller Roman übers Älterwerden und die daraus entstehenden familiären Probleme geworden. Die Autorin schreibt durchaus einfühlsam und ich konnte die Ängste der Protagonisten sehr gut nachvollziehen. Aber mir fehlte einfach etwas Schwung in dem Buch.
Vielleicht gibt es ja Leser, die sich gern sehr ausführlich mit Familiengeschichten befassen möchten - für diese ist das Buch sicherlich eine große Leseempfehlung wert.