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heinoko

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.11.2017

Etüde in Moll

Schmitts Fall
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Schmitt ist ein Grantler, mit seinen galligen Gedanken verdirbt er sich selbst ständig das Leben. Von seiner Detektei kann er kaum leben. Als er vom Oboisten des ortsansässigen Sinfonieorchesters angeheuert ...

Schmitt ist ein Grantler, mit seinen galligen Gedanken verdirbt er sich selbst ständig das Leben. Von seiner Detektei kann er kaum leben. Als er vom Oboisten des ortsansässigen Sinfonieorchesters angeheuert wird, sieht er einen finanziellen Hoffnungsschimmer am Horizont. Denn es geht um einen Erpressungsversuch, Hintergrund ist eine richtig miese Sache. Als der Oboist jedoch kurz darauf auf offener Straße ermordet wird, fühlt sich Schmitt aufgerufen, auf eigene Faust weitere Nachforschungen zu betreiben…
Gut geschrieben ist das Buch. Aufgrund der kurzen Kapitel lässt es sich leicht und flüssig lesen, der Spannungsbogen wird einigermaßen konstant aufrecht erhalten. Die Protagonisten sind lebendig und vorstellbar geschildert, wenngleich niemand von ihnen ein Sympathieträger ist. Insofern bleibt man als Leser stets etwas distanziert am Rande des Geschehens als reiner Beobachter stehen.
Schwierigkeiten bereitete mir das Verbrechen hinter den Verbrechen. Dass sogenannte Gutmenschen in Wahrheit die Naivität behinderter junger Frauen für ihre sexuellen Bedürfnisse missbrauchen, ist abstoßend und wird leider in seiner Verwerflichkeit und Widerwärtigkeit nicht scharf genug angeprangert. Das hat mich an diesem Buch am meisten gestört, abgesehen von der geschilderten weitgehend destruktiven, oft sehr abfälligen Gedankenwelt, die der Autor seinen Figuren unterstellt.
Zurück bleibt nach der Lektüre des Buches ein merkwürdig trauriges Gefühl, so als habe der Autor ein in Moll geschriebenes Musikstück gewählt und eine ganze Krimihandlung lang versucht, es uns Lesern als eine in Dur komponierte Fälschung zu verkaufen.

Veröffentlicht am 15.10.2017

Starker Anfang, schwaches Ende

Aux Champs-Élysées
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„Ein Paris-Krimi“ heißt es im Untertitel. Von Paris wird man allerdings kaum etwas lesen, vielleicht ein paar Straßennamen, ein Metroschild, ein Park. Mehr nicht.

Claire und Philippe – ein Ehepaar nach ...

„Ein Paris-Krimi“ heißt es im Untertitel. Von Paris wird man allerdings kaum etwas lesen, vielleicht ein paar Straßennamen, ein Metroschild, ein Park. Mehr nicht.

Claire und Philippe – ein Ehepaar nach klassischem Modell. Er verdient gutes Geld in seinem Job, sie sorgt perfekt für Haushalt und Kinder. 25 Jahre lang. Bis Philippe sich in Isabelle verliebt und mit ihr ein neues Leben anfangen will. Die alte Geschichte. Aber Claire spielt nicht mit…

Der Roman beginnt überaus spannend, fesselnd. Kurze Kapitel intensivieren das Geschehen. Die geschilderten Personen sind – erst einmal – glaubhaft dargestellt und das Grausame schleicht sich quasi durch die Hintertür in die Handlung. Der Leser liest atemlos Seite um Seite. Und dann wird es zunehmend unglaubwürdig. Die Handlung hebt ab und der mitdenkende Leser rückt ab. Zu viele sachliche Fehler (z. B. Übelkeit bei weit fortgeschrittener Schwangerschaft??) und ein Plot, der sich ins Abstruse verliert, lassen die Freude am Buch zunehmend geringer werden. Ein überraschendes Ende, ja – aber der Leser ging schon viele Seiten vorher verloren. Wie schade. Dass die Autorin richtig gut schreiben kann, beweist sie eindrücklich. Wo war hier das Lektorat, das noch Einiges hätte retten können – am Plot, an Details, an Logik?

Veröffentlicht am 29.09.2017

Männerphantasien

Der Preis, den man zahlt
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Gibt es so etwas wie „Männer-Bücher“? Unter Frauenbüchern sammelt sich ein klar umrissenes Genre, aber der Bereich Männerbuch ist mir so (außer in Bahnhofsbuchhandlungen unter dem Kassentisch) noch nicht ...

Gibt es so etwas wie „Männer-Bücher“? Unter Frauenbüchern sammelt sich ein klar umrissenes Genre, aber der Bereich Männerbuch ist mir so (außer in Bahnhofsbuchhandlungen unter dem Kassentisch) noch nicht begegnet. Das hier vorliegende Buch würde ich allerdings uneingeschränkt als Männerbuch bezeichnen! Denn mir als Frau hat das Buch nichts gegeben außer Kritik.
Wir befinden uns im Jahr 1936 in der Zeit des Spanischen Bürgerkrieges, wobei das Buch keinerlei Hintergrundinformationen zu der politischen Lage gibt. Da ich wenig bis gar nichts über die verworrenen Verhältnisse im Spanien von damals wusste, war ich gezwungen, mir einige wenige Informationen über das Internet zu holen, was ich mir jedoch, wie ich im Nachhinein weiß, hätte sparen können. Denn das politische Durcheinander bildet für das Buch nichts weiter als eine dekorative Kulisse.
Die sehr vordergründige Geschichte erzählt von Falcó, einem für den Geheimdienst arbeitenden Spion. Wobei er keiner eigenen Überzeugung folgend handelt, sondern stets auf Auftrag. Die politische Richtung scheint ihm gleichgültig zu sein. „Sind wir dafür oder dagegen?“ fragt er bei Befehlsempfang. Er ist unsäglich eitel, umgibt sich mit so vielen hochwertigen Markenartikeln, dass man sich beim Lesen fragt, ob der Autor Geld für die viele eingestreute Werbung erhält. Falcó ist ein Charmeur und ein gnadenloser Killer gleichermaßen. Selbstverständlich sinken ihm die Frauen widerstandslos in die Arme, während Falcó trinkend, rauchend und Tabletten schluckend einen merkwürdigen Verschnitt der alten Schwarz-Weiß-Agenten aus Hollywood abgibt. Erst als er anhand eines neuen Auftrages eine Kollegin namens Eva zur Seite gestellt bekommt, scheint Falcó im Verlauf der Geschichte aus seiner kalten Gleichgültigkeit zu erwachen…
Der farbig-eindrückliche Schreibstil lässt die jeweilige Atmosphäre, die handelnden Menschen und deren Umgebung recht hautnah erleben. Das ist aber auch in meinen Augen die einzige Stärke des Buches. Es gibt wenig Spannung, es gibt wenig zeitgeschichtliche Informationen, es gibt wenig logisch nachvollziehbare Handlung, es gibt insgesamt überhaupt wenig Glaubwürdiges – es gibt einfach von allem zuwenig, um auch nur ansatzweise in die Nähe dessen zu kommen, was der Verlag verspricht. Eher kommt mir das Buch vor, als habe ein alternder Mann sich selbst ein Märchen erzählt… Die angekündigten Fortsetzungen rund um Falcó werde ich jedenfalls mit Sicherheit nicht lesen!


Veröffentlicht am 28.04.2017

Detailverliebt

Der Tod vergisst nie
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In einem Architekturbüro werden 3 Leichen gefunden: durch präzise Kopfschüsse ermordet. Die Ermittler machen sich an die Arbeit, allen voran Christoph Zeller, dessen Genialität gerühmt wird, der aber mit ...

In einem Architekturbüro werden 3 Leichen gefunden: durch präzise Kopfschüsse ermordet. Die Ermittler machen sich an die Arbeit, allen voran Christoph Zeller, dessen Genialität gerühmt wird, der aber mit allerlei Charakterschwächen zu kämpfen hat. Bei jeder Befragung öffnen sich neue Spuren und bald sieht man sich hineingeworfen in einen verwirrenden Strudel von Verdächtigten, die erst im Fokus stehen, dann wieder untergehen in der Bedeutungslosigkeit. Und es gibt weitere Tote. Wer hat mit wem und wie zu tun?
Das Beste an diesem Buch sind der fulminante Einstieg und das überraschende Ende. Die vielen Seiten dazwischen sind angefüllt mit Befragungen, Ermittlungen, privaten Abstürzen und vor allen Dingen trivialen Schilderungen von Äußerlichkeiten. Jede neu hinzukommende Person wird nach Schulaufsatz-Manier erst einmal mit Haarfarbe, Haarlänge, Gesichtsfalten, Beinlänge, Kopfform und ähnlich Unwichtigem beschrieben. Sogar an einem Kellner in einer Eisdiele, der in dem Buch nur für einen Satz lang „auftritt“, wird diese detaillierte Beschreibungswut ausgelassen. Das nervt entsetzlich und dient keineswegs der Klarheit, denn ich hatte schon nach einem Viertel des Buches völlig die Orientierung verloren und musste mir Listen anlegen, wer wer ist, um noch halbwegs am Geschehen teilhaben zu können. Aber was heißt „Geschehen“. Es passiert ja nicht wirklich etwas. Die Ermittler fahren hierhin und dorthin und reden mit diesem und jenem oder bekommen Anrufe oder diskutieren miteinander oder liegen nachts wach und machen sich Gedanken…
Wie gesagt, Anfang und Ende des Buches sind spannend, die 500 Seiten dazwischen – naja…

Veröffentlicht am 04.06.2020

Nett im wahrsten Sinne des Wortes...

Mord nach Strich und Faden
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Diesen Krimi habe ich mehrfach begonnen und wieder abgebrochen. Jetzt endlich habe ich mir die Zeit genommen und bis zum Ende gelesen. Und mir fällt als Resümee nichts anderes ein: Der Krimi ist nett.

Der ...


Diesen Krimi habe ich mehrfach begonnen und wieder abgebrochen. Jetzt endlich habe ich mir die Zeit genommen und bis zum Ende gelesen. Und mir fällt als Resümee nichts anderes ein: Der Krimi ist nett.

Der Kern der Handlung ist schnell erzählt: England in den Zwanziger Jahren. Der Chef einer Weberei ist verschwunden, und Kate Shackleton, junge Kriegswitwe, wird gebeten, der Angelegenheit auf den Grund zu gehen. Doch je weiter Kate mit ihren Nachforschungen kommt, desto rätselhafter verhalten sich die Dorfbewohner, bis sie schließlich selbst in Gefahr gerät.

So weit so gut. Ambiente und historischer Bezug, insbesondere was die Arbeit in einer Weberei zu jener Zeit betrifft, machen den gewissen Reiz des Buches aus. Dennoch fehlt die Spannung, man liest gewissermaßen gemütlich vor sich hin. Mitunter war ich verwirrt, weil viele Personen auftauchen und wieder verschwinden, teils mit Vor-, teils mit Nachnamen genannt, so dass man irgendwann gar nicht mehr weiß, wer wer ist und warum derjenige überhaupt vorkommt, denn eine Rolle spielen viele dieser Akteure nicht wirklich in der Geschichte. Sie wirken oftmals so leblos konstruiert wie Pappfiguren. So geht es mir übrigens auch mit der Hauptperson Kate, für die ich keinerlei Gefühl entwickeln konnte und deren „Ermittlungsarbeit“ ausschließlich darin liegt, mit allen und jedem zu reden.

Fazit: Nett zu lesen, kann man sich aber auch sparen.

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