Augenöffnende Lektüre, kraftvolle Erzählung!
Frau Müller, die MigrantinDieses Buch erzählt, wie die in Kenia geborene Psychologin Evelyne Waithira Müller und Deutschland sich aneinander gewöhnt haben. Witzige Anekdoten des Kulturschocks wechseln sich ab mit ernsten Analysen ...
Dieses Buch erzählt, wie die in Kenia geborene Psychologin Evelyne Waithira Müller und Deutschland sich aneinander gewöhnt haben. Witzige Anekdoten des Kulturschocks wechseln sich ab mit ernsten Analysen von migrantischer Trauer, Heimweh, Einsamkeit oder Rassismen. Praktische Ratschläge für Migrant:innen und Beispiele interkultureller Konflikte und Sprachbarrieren machen das Buch besonders greifbar.
Beispielsweise fühlt sich für die Ostafrikanerin das „Nein“ ihres deutschen Ehemannes gegenüber ihrer Verwandten anfangs unhöflich und kaltherzig an. Es war ihr schrecklich peinlich. Ihr Mann hingegen wollte vielleicht einfach nur sagen, dass er keinen Hunger mehr hat. Die Autorin resümiert: „In Deutschland ist es okay, nein zu sagen, und zwar direkt. Das ist erlaubt. Man stelle sich das mal vor! In Kenia würde man nie zu jemanden direkt Nein sagen. Man könne ihn genauso gut ohrfeigen! … Es vergingen viele Jahre, bis ich ein deutsches „Nein“ sagen konnte, ohne mich schuldig zu fühlen.“ (S. 22)
Für mich als weiße Deutsche war die Lektüre augenöffnend. Was ich als normal hinnehme. Mit welche Schwierigkeiten und Emotionen Migrant:innen konfrontiert sind, von denen ich (noch) nicht weiß. Welche Eigenarten unsere Kultur so hat. Nicht anklagend, sondern aufklärend, warmherzig und oft mit einem Augenzwinkern schreibt die Psychologin, die das Bild einer Kokosnuss verwendet, um Deutsche zu beschreiben. Denn viele haben eine harte Schale, wirken unfreundlich und emotional distanziert, aber wenn man es mal schafft, sie zu durchbrechen, kann man an das köstliche Fruchtfleisch gelangen und loyale, herzensgute Menschen treffen.
Migrantische Rezensionen berichten, das Buch habe ihnen Trost gespendet: Endlich das Gefühl, nicht überempfindlich zu sein, sondern verstanden und gesehen zu werden. Eine klare Leseempfehlung also für alle: „Frau Müller, die Migrantin“ zeigt, wie das Zusammenleben gelingen kann – durch gegenseitiges Verständnis, Offenheit und die Bereitschaft, voneinander zu lernen. Eine kraftvolle Erzählung, die ein hoffnungsvolles Bild von Integration und Vielfalt zeichnet.