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Veröffentlicht am 04.08.2024

Wer will ihn zerstören?

Stalker – Er will dein Leben.
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Seine Rolle im Münchner Tatort steigert seinen Bekanntheitsgrad ungemein, seine Follower in den Sozialen Medien vermehren sich rasant, sie sind schlichtweg begeistert von ihm als Schauspieler – von Eric ...

Seine Rolle im Münchner Tatort steigert seinen Bekanntheitsgrad ungemein, seine Follower in den Sozialen Medien vermehren sich rasant, sie sind schlichtweg begeistert von ihm als Schauspieler – von Eric Sander, der bis dato seine Brötchen als Theaterschauspieler verdient. Er wähnt sich schon in höheren Sphären, bis jemand anfängt, sich für ihn auszugeben. Zunächst schreibt dieser Unbekannte böse Kommentare, dann taucht ein Profil auf, indem er behauptet, der echte Eric Sander zu sein. Wer will ihn zerstören? Und warum?

Arno Strobel hat mich mit seinem „Stalker“ voll und ganz überzeugt, er hat mich erst dann wieder aus seinen Fängen gelassen, als ich das Buch fertig gelesen habe. Eric, um dessen Leben, um dessen Vergangenheit es hier geht, hat so einige Emotionen in mir ausgelöst. Er war mir sympathisch, ich hatte Mitgefühl mit ihm in seiner ausweglosen Situation, habe ihm gewünscht, dass er mithilfe eines verständnisvollen Psychologen den Stalker ausfindig machen kann und seine Familie retten wird. Denn ER ist nicht nur virtuell sein Feind, ER hat seinen elfjährigen Sohn und seine Frau entführt. Freilassen wird er die beiden zu einem von ihm bestimmten Zeitpunkt, wenn Eric öffentlich einen Mord gesteht. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Tick, tack… Er muss sich seiner Vergangenheit stellen, was leichter gesagt ist als getan. Denn er erinnert sich nicht.

Strobel versteht es, sofort Spannung zu erzeugen und diese bis zu Schluss zu halten. Ein Schluss, mit dem ich so gar nicht gerechnet habe. Die beklemmende Story mit so einigen verblüffenden Wendungen ist raffiniert angelegt, sie lässt einen einfach nicht mehr los - ein Thriller der Extraklasse.

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Veröffentlicht am 01.08.2024

Tatort Malmö - äußerst fesselnder und vielschichtiger erster Fall

Tode, die wir sterben
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Das Autorenduo Roman Vossen und Kerstin Signe Danielsson ist mit der neuen Krimi-Reihe „Tatort Malmö“ am Start, das erste (Hör)Buch „Tode, die wir sterben“ ist gerade ausgeklungen. Der versierte Hörbuch- ...

Das Autorenduo Roman Vossen und Kerstin Signe Danielsson ist mit der neuen Krimi-Reihe „Tatort Malmö“ am Start, das erste (Hör)Buch „Tode, die wir sterben“ ist gerade ausgeklungen. Der versierte Hörbuch- und Synchronsprecher Thomas Schmuckert hat mir die ungekürzte Hörbuchfassung über 12 Stunden und 20 Minuten nahegebracht, er hat mich tief eintauchen lassen in ein Milieu, in dem es um Drogen, um Bandenkriege und um noch sehr viel mehr geht.

Die beiden Kommissare Karhuu und Nordh sind jeder für sich erfahrene Ermittler, zusammengearbeitet haben sie jedoch noch nie. Jon North ist verwitwet und nun muss er mit seinen beiden Kindern irgendwie zurechtkommen. Svea Karhuu ist um einiges jünger als Jon, sie ist nach einem schiefgelaufenen Einsatz hierher, nach Malmö, strafversetzt worden. Beide haben sie den Fall um einen erschossenen 13jährigen Jungen aufzuklären, was schon allein wegen des öffentlichen Interesses für sehr viel Druck sorgt.

Wurde dieser Junge gezielt getötet? War er zur falschen Zeit am falschen Ort? Sein familiärer Hintergrund gibt Anlass zur Sorge und bald wird klar, dass dieser Mord sehr viel weitere Kreise zieht. Die Ermittlungen gestalten sich als äußerst vielschichtig und tiefergehend, als es zunächst den Anschein hat. Bei diesem einen Mord bleibt es nicht, weitere folgen. Dabei geht es hart zur Sache, sie haben es mit erbarmungslos agierenden Gegnern zu tun.

In die diffizile Ermittlungsarbeit fließt auch immer wieder Privates mit hinein. Nordh etwa ist der Kinder wegen auf Hilfe angewiesen, auch hat er noch an den Umständen um den Unfalltod seiner Frau arg zu knabbern. Auch Karhuu ist nicht gerade glücklich über ihre Strafversetzung, beide Charaktere wirken durchaus sympathisch und sind glaubhaft und realistisch angelegt. Ihr erster Fall hat mich auch dank des hervorragenden Sprechers gefesselt und mich neugierig auf den Band zwei gemacht.

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Veröffentlicht am 01.08.2024

Grausames Massaker

Glutmoor (Janosch Janssen ermittelt 2)
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Als Carina vor ihrem Elternhaus steht, kommt ihr die Stille direkt unheimlich vor. Was sie dann im Haus vorfindet, verschlägt ihr den Atem. Ihre Eltern, ihr Bruder und sein Sohn wurden durch Kopfschüsse ...

Als Carina vor ihrem Elternhaus steht, kommt ihr die Stille direkt unheimlich vor. Was sie dann im Haus vorfindet, verschlägt ihr den Atem. Ihre Eltern, ihr Bruder und sein Sohn wurden durch Kopfschüsse regelrecht hingerichtet. Hat ihr Dienst im Krankenhaus zur Tatzeit ihr das Leben gerettet? Ein ganz anderer Vorfall wird in derselben Nacht ebenfalls gemeldet: Eine Gedenkstätte für Grenztote wurde beschmiert – hat diese Tat mit dem Massaker an der Familie zu tun?

„Glutmoor“ - ein neuer Fall für den Kriminalhauptkommissar Janosch Janssen und seine Vorgesetzte, die Kriminaloberrätin Diana Quester. Beide sind sie mir aus „Totes Moor“ bestens vertraut und mittlerweile – um mit dem Privaten zu beginnen – ist Janosch mit Dianas Tochter Helen verheiratet und bald, sehr bald, werden sie Eltern. Diana ist forsch wie eh und je und gerade der Umstand, dass Janosch ihr Schwiegersohn ist, bedeutet für sie, dass sie ihm gegenüber noch unerbittlicher auftritt. Habe ich sie im Vorgängerbuch so gar nicht gemocht, so kommt sie mir hier ein klitzekleinwenig sanfter vor. Nun gut, sie haben mit ihrem jetzigen Fall genug zu tun und trotz ihrer so unterschiedlichen Charaktere sind sie Profis, sie beide und das Team um sie herum geben alles.

Es gibt etliche Spuren, denen sie nachgehen, und alle sind sie heiß. Frau Sander, die ermordete Ehefrau, wurde als Sozialdemokratin und Befürworterin des Flüchtlingsheimes von der rechten Szene bedroht. Sie nennen sich die Wicked Vikings und wie es scheint, soll ein Polizeibeamter in dieser Gruppe aktiv sein. Und was hat die Explosion in einem rumänischen Werk mit dieser Bluttat hier zu tun? Verdächtige gibt es so einige, auch spielt die Vergangenheit mit hinein.

Die komplexe Ermittlungsarbeit, die einzelnen Handlungsstränge, stehen im Vordergrund. Das immer wieder durchschimmernde, gut eingeflochtene Private gibt dem Krimi dann die besondere Note. Die Personen haben Biss, sie sind charakterlich gut gezeichnet, die spannende Story ist ausgeklügelt und gut konstruiert. Neben dem Rechtsradikalismus und der deutsch-deutschen Grenzsituation werden auch die nachbarschaftlichen Verhältnisse durchleuchtet, um nur einige Themen zu nennen. Kurzum – auch der zweite Fall für Janosch Janssen steht dem ersten in nichts nach. Ein kurzweiliger Krimi, der erst zum Schluss das Warum preisgibt.

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Veröffentlicht am 31.07.2024

Wendungsreicher Ostsee-Krimi

AngstInselUsedom (Usedom-Krimi)
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Jette Curth kehrt nach fünfzehn Jahren in Potsdam zurück auf ihre Insel, auf die Ostseeinsel Usedom. Kaum angekommen, wartet auch schon ein Todesfall auf sie. Es sieht ganz danach aus, als ob der auf seinem ...

Jette Curth kehrt nach fünfzehn Jahren in Potsdam zurück auf ihre Insel, auf die Ostseeinsel Usedom. Kaum angekommen, wartet auch schon ein Todesfall auf sie. Es sieht ganz danach aus, als ob der auf seinem Kutter gefundene Fischer in die Schiffsschraube geraten wäre. Ist dies ein tragisches Unglück oder könnte hier gar ein Tötungsdelikt vorliegen? Jette und ihr neuer Kollege Theo Döring ermitteln im Umfeld von Reiner Briesewiz, dem Toten. Das Verhältnis zu seiner Tochter war zwar nicht das Beste, ansonsten aber war er allseits beliebt. Bald steht fest, dass Briesewiz ermordet wurde und noch während sie in den Ermittlungen stecken, geschieht ein zweiter Mord.

Jette und Theo arbeiten gut zusammen, sie harmonieren sowohl dienstlich als auch privat und auch das Team um sie herum ist gut und glaubhaft dargestellt. Und da ist ein junger Rechtsmediziner, der Jettes Herz höher schlagen lässt. Ein wenig flirten, ein wenig schäkern – es ist die genau richtige Dosis Privatheit, die dem Krimi gut tut, denn die Ermittlungsarbeit steht stets im Vordergrund.

„AngstInselUsedom“ ist mein zweiter Krimi aus der Feder von Nele Bruun. Nachdem mich ihr Nordseekrimi „Frieslandopfer“ vor Kurzem gut unterhalten hat, war ich auf ihr neuestes Werk gespannt - und ich wurde nicht enttäuscht. Das sympathische und sehr kompetente Ermittlerduo gibt alles in dem wendungsreichen Krimi mit viel Küstenflair, der bis zum Schluss fesselt.

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Veröffentlicht am 27.07.2024

Fesselnder Zeeland-Krimi

Die Toten von Veere. Ein Zeeland-Krimi
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Liv de Vries, Hoofdinspecteur der Landespolizei, gibt stets alles. So auch bei einem Einsatz, der außer Kontrolle gerät. Ihr Vorgesetzter Adriaan Verlaat nimmt sie aus der Schusslinie und betraut sie mit ...

Liv de Vries, Hoofdinspecteur der Landespolizei, gibt stets alles. So auch bei einem Einsatz, der außer Kontrolle gerät. Ihr Vorgesetzter Adriaan Verlaat nimmt sie aus der Schusslinie und betraut sie mit einem, wie es den Anschein hat, banalen Vermisstenfall. Dafür muss sie in die niederländische Provinz Zeeland, ihre neue Kollegin Noemi Bogaard begleitet sie.

Rob van Loon ist von einem Kurztrip nicht zurückgekehrt, seine Freundin macht sich große Sorgen. Die Recherchen zu diesem Fall führen unter anderem zurück zu einem seit zehn Jahren vermissten Mädchen mit surinamischen Wurzeln. Esmée. Gibt es einen Zusammenhang? Liv gräbt tief, dabei kommt sie einer sehr rechten Gruppe ins Gehege. Und nicht genug damit - ein Journalist wird in seinem Haus tot aufgefunden. Er wetterte gegen Flüchtlinge und Asylanten, sein Tod jedoch soll ein häuslicher Unfall gewesen sein. Der Rechtsmedizinerin Ann-Remi fallen Merkwürdigkeiten auf, ihr Chef jedoch verbietet ihr jegliche Einmischung, der von ihm diagnostizierte Herzinfarkt, dem ein Treppensturz folgte, ist unumstößlicher Fakt.

Es kommt noch so einiges mehr ans Tageslicht, der eigentlich profane Vermisstenfall erweist sich als äußerst vielschichtig. Liv und Noemi arbeiten mit der örtlichen Polizei zusammen, auch hat Ann-Remi ihren ermittlerischen Anteil.

„Die Toten von Veere“ führen in einem weiteren Erzählstrang zurück in den Oktober 1944 auf die Halbinsel Walcheren nach Westkapelle. Es war in den letzten Kriegswirren des Zweiten Weltkrieges, die Alliierten bombardierten die Deiche, das einströmende Wasser wurde den Bewohnern zum Verhängnis.

Maarten Vermeers vielschichtig angelegter Zeeland-Krimi lässt die rechtsradikale Szene in all seiner Hässlichkeit mit einfließen. Und es gibt Parallelen zu den Kriegsereignissen von damals und dem offenen Hass den Deutschen gegenüber. Die einzelnen, komplexen Handlungsstränge stehen jeder für sich, jedoch führen sie eher oder später alle zusammen. Zunächst ist unklar, was die damaligen Ereignisse in Westkapelle mit dem Heute zu tun haben. Das ganze Ausmaß dessen wird erst ziemlich zum Schluss in all seiner erschreckenden Gänze sichtbar. Auch wird so manche Figur, die anfangs reell und integer scheint, entzaubert. Allesamt sind sie glaubhaft dargeboten, sie sind sympathisch oder eher das Gegenteil, mit so manchem möchte man nichts zu tun haben.

Ein wenig hineinschnuppern, ein wenig hineinlesen wollte ich in „Die Toten von Veere“ und bin direkt hängen geblieben. Die 575 Seiten lesen sich weg wie nix. Die Ermittlungen stehen im Vordergrund, sie geben auch Raum für das Zwischenmenschliche und den geschichtlichen Hintergrund, die politisch aufgeheizte rechte Szene ist leider allgegenwärtig, auch sie darf und sollte nicht ausgeklammert werden. Es ist ein spannender, extrem fesselnder Krimi vor herrlicher Kulisse – sehr lesenswert.

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