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Veröffentlicht am 10.03.2018

Grundsätzlich kein schlechter Ansatz

Der Augenblick
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Die Protagonisten und ihre Geschichte
Hauptkommissarin Alexandra Keller wir ein Fall übertragen, bei dem ein kleiner Junge erstickt wurde. Die Ermittlungen verlaufen im Sande und die Akte wird geschlossen. ...

Die Protagonisten und ihre Geschichte
Hauptkommissarin Alexandra Keller wir ein Fall übertragen, bei dem ein kleiner Junge erstickt wurde. Die Ermittlungen verlaufen im Sande und die Akte wird geschlossen. Bis zu dem Tag, an dem sich die Mörderin, Renate Weiss, stellt. Bei der Vernehmung kann sie zwar aussagen, was passiert ist, das Motiv ist ihr aber selbst völlig unklar.

Der ehemalige Ausbilder von Alexandra, Hermann Rau, will mittels Therapie herausfinden, was die Frau angetrieben hat.

 Meine Gedanken zum Buch
Nach dem Lesen des Klappentextes (Zitat: „während sie versucht, Licht ins Dunkel einer verhängnisvollen Tat zu bringen..“) hatte ich erwartet, dass Alexandra die Mörderin sucht, doch tatsächlich ist es so, dass sich die Mörderin verhältnismäßig früh in der Geschichte outet. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir die Handlung viel zu flach, ein Spannungsbogen, der mich gehalten hätte, war so gut wie nicht vorhanden, wodurch ich das Buch immer wieder aus der Hand gelegt habe und mich regelrecht aufraffen musste, weiter zu lesen.

In diesem Roman geht es auch keineswegs um die Lösung eines Kriminalfalles, sondern darum, ob eine Therapie Aufschluss über die Motive von Kriminellen geben kann und ob dies ggf. dazu führt, dass man einen (potentiellen) Verurteilten auch mit anderen Augen sehen kann.

Das Buch spielt in meiner Heimat, ein Grund, warum ich mich dafür entschieden hatte, doch leider sind die Handlungsorte beliebig austauschbar. Bedauerlicherweise ist der Roman auch noch schlecht lektoriert, beispielsweise hat Alexandra drei „Wochen“ Urlaub genommen, kehrt aber nach drei „Monaten“ an ihren Arbeitsplatz zurück, ein weiteres Beispiel kann man dem Foto entnehmen. Und wieso eine Sex-Beichte der besten Freundin der Mörderin eingebaut wurde, ist mir unbegreiflich, ich kann nur auf „Sex sells“ tippen, aber diese Passage war völlig daneben.

Fazit
Erwartet hatte ich einen Krimi, bekommen habe ich aber einen Roman, in dem eine Therapiegruppe sich nach und nach öffnet, wodurch dem Leser klar aufgezeigt wird, dass nicht immer alles ist, wie es scheint. Grundsätzlich kein schlechter Ansatz, allerdings eben verschleiert unter dem Deckmantel eines Krimis. Zusammen mit den weiteren Negativpunkten reicht es leider nur für drei von fünf Sternen.

Veröffentlicht am 05.11.2017

Ist der Humor bei der Übersetzung auf der Strecke geblieben?

Pastorin Viveka und das tödliche Kaffeekränzchen
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Protagonistin
Viveka ist Pastorin in einer freikirchlichen Gemeinde in Enskede, einem Vorort von Stockholm. Zu ihren Aufgaben gehören nicht nur die Belange ihrer Schäfchen sondern sie muss sich beispielsweise ...

Protagonistin
Viveka ist Pastorin in einer freikirchlichen Gemeinde in Enskede, einem Vorort von Stockholm. Zu ihren Aufgaben gehören nicht nur die Belange ihrer Schäfchen sondern sie muss sich beispielsweise auch mit der Sanierung des Kirchendaches beschäftigen. Eine illustre Runde älterer Damen erschwert ihr den Job, da sie an alten Zöpfen festhalten.

Viveka ist verheiratet und hat vier Kinder. Um ein wenig zur Ruhe zu kommen, hat sie sich in einer Kleingartenanlage eingekauft, wovon aber kaum jemand weiß, insbesondere nicht ihre Familie.

Unter ihrer Robe trägt sie am liebsten Shirts mit aufgedruckten Statements, um ihren Frust zu kompensieren.

Meine Gedanken zum Übersetzung
Dieses Buch ist ein Geschenk meines besten Freundes, der es im schwedischen Original gelesen hat und es sehr unterhaltsam und lustig fand. Ich fürchte, der Humor ist bei der Übersetzung auf der Strecke geblieben.

Der Originaltitel lautet „Pastor Viveka och tanterna“, wobei „tanterna“ im Buch ständig mit „Tanten“ übersetzt wird, was für mich eher einem Schimpfwort gleicht. Auf dem Klappentext ist von „alten Damen“ die Rede und das wäre für mich auch die angebrachte Übersetzung im Roman selbst gewesen. Auch hat mich gestört, dass bei der Übersetzung teilweise schwedische Begriffe übernommen wurde, deren Bedeutung man nicht erahnen kann, wenn man dieser Sprache nicht mächtig ist.

Allerdings muss ich auch sagen, dass ich bereits „Und morgen Du“ von Stefan Ahnhem gelesen habe, was ebenfalls von Katrin Frey aus dem Schwedischen übersetzt wurde und dieses Buch hat mir sehr gut gefallen.

Meine Gedanken zum Buch
Das Buch handelt von einer Frau, die mit der aktuellen Situation, was Beruf und Familie betrifft, hadert. Zu allem Überfluss muss sich sie nun noch mit mehreren Todesfällen in ihrer Gemeinde beschäftigen und zählt selbst zum Kreis der Verdächtigen.

Nicht, dass Viveka sich in die Ermittlungen einmischt, aber sie stößt auf Ungereimtheiten, denen sie nachgeht. Dabei lernt sie ihre Gemeinde und die Schäfchen ein bisschen besser kennen und schließt Freundschaften. Gefühlt würde ich sagen, dass Viveka am Ende des Buches wieder zu sich selbst findet und zufrieden ist.

Das Buch wird geführt unter Humor, Krimi und Gegenwartsliteratur. Hin und wieder konnte ich zwar schmunzeln, aber als humorvoll habe ich die Geschichte nicht wirklich empfunden. Trotz der Todesfälle würde ich das Buch auch nicht als Kriminalfall einstufen. Gegenwartsliteratur trifft es wahrscheinlich am ehesten, aber auch im Bezug auf dieses Genre konnte mich die Autorin nicht überzeugen.

Veröffentlicht am 05.11.2017

Erinnerungen an die „gute alte DDR“

Torso
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Inhalt
Kommissar Martin Zollanger hat einen Termin mit Elin Hilger, einer jungen Frau, die nicht akzeptieren will, dass ihr Bruder Eric Selbstmord begangen hat. Allerdings kann er den Termin nicht wahrnehmen, ...

Inhalt
Kommissar Martin Zollanger hat einen Termin mit Elin Hilger, einer jungen Frau, die nicht akzeptieren will, dass ihr Bruder Eric Selbstmord begangen hat. Allerdings kann er den Termin nicht wahrnehmen, da er hinter einem Serientäter her ist, der Leichen schändet und Körperteile von Menschen mit denen von Tieren verbindet.

In der Zwischenzeit macht sich die junge Frau daran, zu beweisen, dass ihr Bruder ermordet wurde und gerät dabei selbst in Gefahr.

Meine Gedanken zum Hörbuch
Die Geschichte spielt um die Jahrtausendwende in Berlin. Entsprechend begegnet der Leser / Hörer nicht nur unserer alten Währung, der DM, sondern wird auch mit einem Protagonisten konfrontiert, der früher in der DDR seinen Dienst getan hat und nie ganz „im Westen“ angekommen ist.

Wolfgang Fleischhauer thematisiert in diesem Thriller den Verfall der staatlichen Autorität nach der Wende und die damit einhergehende Wirtschaftskriminalität und dem Missbrauch von staatlichen Geldern.

In mehreren Handlungssträngen führt er den Leser / Hörer durch eine Welt voller Betrug, Gier und Unbarmherzigkeit und fragt nach Pflichtbewusstsein und Verantwortungsgefühl. Dabei baut er ein Handlungsgerüst auf, dass in seine Komplexität erst nach und nach sichtbar war.

Zum Ende hin hat der Autor mich überrascht, in der er zu einem kuriosen Finale ausgeholt hat. Verglichen mit anderen Thrillern hat sich das Ende hier ein wenig in die Länge gezogen, wohlgemerkt, ohne Längen zu haben. Und dennoch, war mir der Schluß des Hörbuches zu überstürzt und hat auch Fragen offen gelassen, ganz davon abgesehen, dass es an dieser Stelle dann auch sehr unglaubwürdig wurde.

Schon von Berufswegen habe ich ein Faible für die Finanzwelt, aber alles in allem war mir das Thema in „Torso“ zu umfangreich. Der Protagonist schießt gegen Banker und Politiker und scheint sein Seelenheil zum Teil immer noch in den Erinnerungen an die „gute alte DDR“ zu suchen.

Veröffentlicht am 05.11.2017

Hier ist Durchhaltevermögen notwendig

Das Walmesser
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Inhalt
John Callum wacht eines Morgens verkatert am Hafen auf. An den vergangenen Abend hat er keine Erinnerung mehr, aber in seiner Tasche findet er ein Grindaknívur, ein blutiges Messer, das üblicherweise ...

Inhalt
John Callum wacht eines Morgens verkatert am Hafen auf. An den vergangenen Abend hat er keine Erinnerung mehr, aber in seiner Tasche findet er ein Grindaknívur, ein blutiges Messer, das üblicherweise zum Schneiden von Walfleisch benutzt wird. Und in der Stadt gibt es nur ein Thema: der Mord, der in dieser Nacht geschehen ist.

Protagonist
John Callum lebt er seit kurzer Zeit auf den Färöer-Inseln. Er konnte eine kleine Hütte anmieten, hat eine Anstellung in einer Fabrik gefunden und in der Hauptstadt Tórshavn schon einige Menschen kennengelernt. Er ist nicht auf Ärger aus, hat sich aber schon einige Feinde gemacht. Dabei wollte er nur weit weg von seiner Heimat Schottland ein neues Leben beginnen.

Meine Gedanken zum Buch
Eine kleine Inselgruppe im Nordatlantik. Dreihundert Tage im Jahr Regen. Die Menschen leben von Fischfang, Schafzucht und der Jagd auf Grindwale. Wer freiwillig hierher kommt, ist anderswo vor etwas geflohen.

Wie der Klappentext des Buches beginnt auch das Hörbuch mit einer ausschweifenden Beschreibung der wunderbaren Landschaft der Färör verpackt in die Ankunft von John Callum. Eigentlich ganz nett, wenn ich nicht nach drei Stunden mühsamer Hörzeit immer noch darauf gewartet hätte, dass etwas Entscheidendes passiert.

Mehr als einmal wollte ich das Hörbuch abbrechen, doch ein Blick auf die Statistik der überwiegend sehr guten Rezensionen hat mich zunächst davon abgehalten. Nach einer weiteren Stunde Hörzeit habe ich mir die Rezensionen ein wenig genauer angesehen und festgestellt, dass beim Hörbuch bereits direkt zu Beginn gekürzt wurde.

Durch Zufall bin ich mit einer Bekannten ins Gespräch gekommen, die das Buch gekauft, es abgebrochen hatte, weil es sie nicht überzeugen konnte. Um einen Vergleich zwischen Hörbuch und Buch ziehen zu können, habe ich mir das Buch von ihr geliehen. Auch hier zogen sich die ersten 250 Seiten, doch ich dachte, wenn ein Buch so gute Bewertungen erhält, muss die zweiten Hälfte des Buches phänomenal sein um die „ersten“ Eindrücke auszubügeln.

„Phänomenal“ war aber auch der zweite Teil des Buches nicht, gut, aber nicht überragend.

Während sich die erste Hälfte darauf beschränkt, zu erzählen, wie John auf den Färöer-Inseln angekommen ist, was er seither erlebt und wen er kennengelernt hat, passiert dann (endlich) der Mord, womit dann auch der Untertitel „Krimi“ zu seinem Recht kommt.

Ginge es in dieser Krimi nur um den Mord und die Aufklärung, hätte das Buch möglicherweise sogar vier Stere von mir bekommen, aber da ich das Buch als Ganzes bewerte, reicht es nur für 2,5 Sterne. Einen halben Stern lege ich noch für die Covergestaltung drauf.



Fazit
Nichts für Freunde rasanter Krimis. Um Spaß an diesem Buch zu haben muss man großes Durchhaltevermögen an den Tag legen und ein Faible für die Beschreibung von Land und Leute haben.

Meinen Geschmack hat dieser Krimi leider nicht getroffen. Hätte ich nicht schon so viel Zeit investiert gehabt, hätte ich mit Sicherheit abgebrochen.

Veröffentlicht am 05.05.2017

Mir hat es an Leichtigkeit und Humor gefehlt

Einmal lieben geht noch
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Inhalt

Lucie, eine Lehrerin, die langsam auf die 40 zu geht, ist auf der Suche nach dem Partner fürs Leben bisher nicht fündig geworden. Ihr neuer Plan: sie nutzt jede Möglichkeit, um einen Mann kennenzulernen ...

Inhalt

Lucie, eine Lehrerin, die langsam auf die 40 zu geht, ist auf der Suche nach dem Partner fürs Leben bisher nicht fündig geworden. Ihr neuer Plan: sie nutzt jede Möglichkeit, um einen Mann kennenzulernen und davon gibt es reichlich. Da wären die Väter ihrer Schüler, die Exmänner ihrer Freundinnen, die Singles an der Tiefkühltruhe im Supermarkt, der Vertretungsarzt, die gutgebauten Männer im Schwimmbad … da muss doch Mister Right irgendwo zu finden sein.

Gedanken zum Buch

Nach dem Lesen des Klappentextes hatte ich einen spritzigen und humorvollen Roman erwartet, allerdings spiegelt die Geschichte eher die Einsamkeit von Singles jenseits der Mitte 30 wieder und vermutlich dürften sich einige Singles auch in einer der Figuren wieder erkennen.

Jedes Kapitel ist eine in sich abgeschlossen Erzählung über einen Ort oder Zeitpunkt, an dem Lucie mit dem männlichen Geschlecht in Kontakt kommt. Stellenweise bildet sie sich ein, besser, als andere Frauen zu sein und oftmals hält sie sich zu gut für einen Mann, solange, bis sie an den einen gerät, der ihr einen Spiegel vorhält und ihr sagt, dass er lieber alleine bleibt, als sie näher kennenzulernen.

Entsprechend war mir die Protagonistin in ihrer Oberflächlichkeit sehr unsympathisch, die Geschichte selbst war viel zu schwermütig, hier hat es an Leichtigkeit und Humor gefehlt und die Handlung konnte mich nicht fesseln.

Da ich zumindest zwischendurch in einige Kapitel abtauchen konnte, die mich unterhalten haben, vergebe ich noch drei von fünf Sterne.