Profilbild von SophiaDango

SophiaDango

Lesejury Star
offline

SophiaDango ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit SophiaDango über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.08.2024

Krimi um einen Mord in den höchsten Politikkreisen Österreichs

Freunderlwirtschaft
0

Die Handlung beginnt im Jahr 1992 als die ältere Schwester der damals 12-Jährigen Alma Oberkofler verschwindet. Vier Jahre später beschließt sie, Polizistin zu werden, entgegen der Meinung der Eltern.
Im ...

Die Handlung beginnt im Jahr 1992 als die ältere Schwester der damals 12-Jährigen Alma Oberkofler verschwindet. Vier Jahre später beschließt sie, Polizistin zu werden, entgegen der Meinung der Eltern.
Im Hier und Jetzt ist sie Hauptkommissarin der Mordkommission in Wien. Sie hat gerade die Stelle angetreten, da bekommt sie auch den ersten Fall. Der Tourismus- und Landwirtschaftsminister Max Langwieser wird tot in seiner Wohnung aufgefunden. Seine Verlobte Jessica Pollauer, die spurlos mitsamt Max´Laptops verschwunden ist, wird schnell zur Hauptverdächtigen. Alma Oberkofler glaubt nicht an eine Beziehungstat, ermittelt weiter und findet viele Ungereimtheiten, die sich nicht nur in Max´ Umfeld bewegen.

Das Cover ist sehr schlicht gehalten, auf den ersten Blick hätte ich es nicht sofort einem Krimi zugeordnet. Es ist kein Krimi, der blutig oder unheimlich ausfällt, vielmehr wird hier ein mir eher unbekannteres Thema erschlossen: die "Freunderlwirtschaft" in den höchsten Kreisen der Politik. Dass es nicht immer gerecht und konform in der Politik zugeht, ist wahrscheinlich jedem klar, aber was in diesem fiktiven Krimi alles ans Tageslicht kommt, lässt einen sprachlos zurück.
Alma Oberkofler steht im Zentrum der Ermittlungen: eine selbstbewusste junge Frau, die sich durchbeißt in einer männerdominierten Branche. Sie lässt nicht locker und möchte jeden Fall, auch aufgrund des Verschwindens ihrer Schwester damals, aufdecken. Sie lässt sich nicht abschrecken durch Stolpersteine, die ihr bei den Ermittlungen in den Weg gelegt werden. Gemeinsam mit ihrem Team fügt sie Stück für Stück die Wahrheit vom Tos Max Langwiesers zusammen.
Die Handlung ist in übersichtliche Kapitel unterteilt. Man erfährt als Außenstehender abwechselnd die Geschehnisse rund um Alma und der Verlobten Jessica. Ebenso wird in Rückblenden erzählt, wie Jessica und Max sich kennengelernt haben, auch der Grund für die Versetzung Almas von Linz nach Wien wird thematisiert.
Der Erzählstil ist immer gut zu verstehen, auch die Kapitellängen sind genau richtig. An manchen Stellen zieht sich die Geschichte für meinen Geschmack etwas in die Länge, als Leser bekommt man Hinweise auf die Tat nur langsam und spärlich präsentiert.

Petra Hartlieb ist mit "Freunderlwirtschaft" ein sehr guter und spannender Krimi gelungen. Gerade die Thematik der Politik mit ihren Vertuschungen und Betrügereien gibt dem Ganzen eine interessante Note. Ich empfehle den Buch allen, die einen spannenden und kurzweiligen Krimi suchen, der ein ganz anderes Setting hat als das, was man normalerweise liest.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.08.2024

Ich empfehle dieses Buch - mit kleinen Dingen verändert sich das Leben von fünf Personen

Frau Komachi empfiehlt ein Buch
0

Das Buch ist in fünf Abschnitte unterteilt. In jeden Kapitel geht es um eine Person, die ein Problem hat oder deren Sorgen ihr Leben bestimmt. Jede Person trifft, oft durch Zufall, in einer Gemeindebibliothek ...

Das Buch ist in fünf Abschnitte unterteilt. In jeden Kapitel geht es um eine Person, die ein Problem hat oder deren Sorgen ihr Leben bestimmt. Jede Person trifft, oft durch Zufall, in einer Gemeindebibliothek auf Sayuri Komachi, die dort als Bibliothekarin arbeitet. Oft nur widerwillig lassen sich die Personen einen Zettel mit passenden Büchern für ihren eigentlichen Buchwunsch mitgeben, auf dem immer ein Buch aufgelistet ist, das so gar nicht zu den gewünschten passt. Außerdem filzt Frau Komachi für ihr Leben gerne kleine Figuren und schenkt jeder Person ein passendes Objekt. Ihre ungewöhnlichen Buchempfehlungen eröffnen neue Denkweisen und Lösungsansätze, um die Ängste und Probleme der Personen meistern.

Das Cover hat mich direkt angesprochen, es zeigt Frau Komachi in ihrer typischen Sitzposition und ist einfach und schlicht gehalten.
Man steigt sehr gut in die Geschichte ein, der Schreibstil ist angenehm und gut zu lesen. Es wird in jedem Kapitel eine Person vorgestellt, die mit ihrem aktuellen Leben auf die ein oder andere Weise unzufrieden ist. Es werden Menschen aus dem Querschnitt der Gesellschaft dargestellt: da ist beispielsweise Ryo, der in seinem Job als Buchhalter unzufrieden ist und viel lieber einen Antiquitätenladen eröffnen möchte oder Hiroya, der Design studiert hat, aber keine Anstellung findet. Wer sich mit der japanischen Gesellschaft und Kultur befasst, merkt schnell, dass die Arbeit einen hohen Stellenwert in der gesellschaftlichen Anerkennung hat. Umso mehr fühlt man mit den Protagonisten mit, die mit ihrer jetzigen Lebenssituation hadern.
Frau Komachi bleibt die ganze Geschichte über etwas undurchsichtig. Zwischendurch erfährt man einige Details aus ihrem Leben, aber man kann sie oft nicht richtig greifen. Vielmehr erscheint sie als eine Kraft, die den Protagonisten einen kleinen Schubs in die richtige Richtung gibt. Ihre Buchempfehlungen sind immer seltsam und verwunderlich - sie entpuppen sich aber immer als der Schwung, der im Leben der Protagonisten gerade fehlt und ihnen die nötige Kraft verleiht, sich ihren Problemen zu stellen. Auch die kleinen Filzfiguren, die Frau Komachi verteilt, sind einfach nur süß und zeugen von einem Verständnis und Mitgefühl für ihre Mitmenschen.
Sehr schön fand ich auch, dass die Geschichten der fünf Personen alle mehr oder weniger miteinander zusammen hängen.
Gerne hätte ich noch mehr über Frau Komachi und ihre Geschichte erfahren - aber vielleicht liegt auch hier die Spannung der Geschichte.

Frau Komachi verbindet die Menschen und hilft ihnen mit kleinen, unbewussten Umwegen, ihr Leben zu ändern - freiwillig und mit kleinen Schritten. Das Buch kann ich mir auch sehr gut als Geschenk vorstellen für jemanden, der Bücher liebt und gerne liest oder für jemanden, der gerade ebenfalls mit seiner Lebenssituation hadert.
Das Buch macht Mut und zeigt, dass man auch mit kleinen Dingen sein Leben in eine positive Richtung verändern kann. Von mir eine klare Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.08.2024

Skurrile, sehr witzige und immer noch aktuelle Geschichte

Vorstandssitzung im Paradies
3

Ein von der UN gechartertes Flugzeug stürzt über dem Meer in der Nähe von Indonesien ab. Mit an Bord: finnische Waldarbeiter, schwedische Ärzte, Krankenschwestern und Hebammen und ein finnischer Journalist. ...

Ein von der UN gechartertes Flugzeug stürzt über dem Meer in der Nähe von Indonesien ab. Mit an Bord: finnische Waldarbeiter, schwedische Ärzte, Krankenschwestern und Hebammen und ein finnischer Journalist. Fast alle Passagiere und die Besatzung können sich auf eine unbewohnte Insel retten und müssen nun dort auf unbestimmte Zeit überleben. Die Gruppe rauft sich zusammen und es entsteht eine Gemeinschaft. Die Frage lautet irgendwann: möchte man überhaupt noch gerettet werden?

Von Arto Paasilinna hatte ich bisher noch nichts gelesen - das wird schnell geändert, denn von diesem einzigartigen, skurrilen Humor möchte ich mehr lesen.
Zu Beginn des Buches ist man als Leser hautnah beim Flugzeugabsturz dabei. Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive eines finnischen Journalisten erzählt. Einen Namen erfahren wir nicht. Schon die Anfangsszene des Flugzeugabsturzes lässt einen schmunzelnd zurück, es wird so nüchtern darüber berichtet und scheinbar unwichtige Details erzählt.
Auf der Insel ist der Erzähler zunächst auf sich allein gestellt - das größere Problem ist aber der Hunger auf eine Zigarette. Die Gruppe der Überlebenden, die sich nach und nach zusammen findet, ist mehr als unterschiedlich, was die meisten verbindet ist die Mission, Entwicklungsarbeit in Indien zu leisten, wohin sie mit dem Flugzeug eigentlich reisen wollten. Schnell zeigt sich jedoch, dass die Gruppe sehr gut zusammen leben kann. Zuletzt gibt es beispielsweise eine Schnapsbrennerei, eine Inselbar und selbstgebaute Hütten.
Dass das Buch 1974 erschienen ist, musste ich mir öfters ins Gedächtnis rufen - ist es doch aktueller denn je. Mir haben vor allem die Themen gefallen, die im Buch vorkommen: wie man als Gruppe ohne Gewalt zurecht kommen kann, wenn jeder etwas dazu beisteuert und sich so gut organisieren kann, dass jeder gut zurecht kommt und die zentrale Frage, was man im Leben braucht. Braucht man diesen vermeintlichen Luxus, den wir alle als unabdingbar ansehen? Das Ende kam dann doch verhältnismäßig schnell als es zur Frage kommt, ob man gerettet werden möchte oder sein "perfektes" Leben auf der Insel behalten möchte.
Auch der Umgang mit der Natur wird hier toll dargestellt: es wird nur gejagt, gefischt und gegessen, was man braucht, nichts wird weggeschmissen oder "umsonst" produziert. Alle leben im Einklang mit der Natur und niemand bereichert sich daran oder nimmt sie aus - ein toller Appell an unsere heutige Gesellschaft.

Meine einzigen (kleinen) Kritikpunkte sind das Cover, das ich nicht passend zur Geschichte finde und die vereinzelten Längen einiger Ausführungen im Buch. Auf dem Cover hätte ich mir eher eine Ärztebelegschaft und einige Waldarbeiter vorstellen können, die im Kreis zusammen sitzen.

Alles in allem ein toller, immer noch sehr aktueller und vor allem herrlich skurril absurder Roman, von mir eine klare Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Humor
Veröffentlicht am 06.05.2026

Das Leben lieben und neu gestalten - toller und nahbarer Ratgeber über Manifestation

Switch Code
0

Katrin Lassen beschreibt mithilfe des "Switch Codes", wie man sein Leben kraftvoll und nachhaltig verändern kann. Mit dieser Methode, die auf einer Nahtoderfahrung der Autorin beruht, bringt die Autorin ...

Katrin Lassen beschreibt mithilfe des "Switch Codes", wie man sein Leben kraftvoll und nachhaltig verändern kann. Mit dieser Methode, die auf einer Nahtoderfahrung der Autorin beruht, bringt die Autorin dem Leser näher, sein Leben klarer und bewusster zu gestalten und dies in den Alltag zu integrieren.

In vier Teilen beschreibt sie diese Manifestation und alles, was dazu gehört. Von Neurowissenschaft und eigenen Erfahrungen bis zu praktischen Übungen legt die Autorin hier mehr als einen Ratgeber vor. Schritt für Schritt wird man beim Lesen "an der Hand geführt" und bekommt hilfreiche und nachhaltige Tipps, sein Denken nach und nach zu switchen. Gut gefallen haben mir auch die persönlichen Erfahrungen und Erklärungen, die eingebunden werden und das Ganze greifbarer machen. Mir persönlich ist es an manchen Stellen zu viel Text und es haben mir mehr praktische Übungen gefehlt, die vor allem erst gegen Ende des Buchs vorkommen. Die Tipps und Übungen sind einfach und klar formuliert, auch auf mögliche Rückschläge wird eingegangen und Lösungsvorschläge angeboten. Der Schreibstil ist dabei herzlich und nahbar, meist so als würde man sich mit einer Freundin unterhalten, in den theoretischen und wissenschaftlichen Teilen aber entsprechend fundiert und sachlich.

Aus dem "Switch Code" kann mit Sicherheit jeder etwas für sich mitnehmen, das Thema der Manifestation wird gut und klar umgesetzt. Von mir gibt es eine Leseempfehlung für diesen tollen Ratgeber, der mit Persönlichkeit und einfacher Handhabung punkten kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.04.2026

Was, wenn Liebe nicht ausreicht? Ehrliche und authentische Geschichte einer jungen Frau Mitte 20

Homesick
1

Worum es geht
Mara ist Mitte zwanzig, lebt in London in einer WG mit einem Freund aus Kindheitstagen und arbeitet in einer Bibliothek. Ihr Partner Tom lebt zwar auch in London und ist Referendar, aber ...

Worum es geht
Mara ist Mitte zwanzig, lebt in London in einer WG mit einem Freund aus Kindheitstagen und arbeitet in einer Bibliothek. Ihr Partner Tom lebt zwar auch in London und ist Referendar, aber die beiden sehen sich nicht jeden Tag. Als Mara von ihrem verstorbenen Vater eine große Geldsumme erbt, kauft sie eine Wohnung nicht weit von ihrem Arbeitsplatz entfernt. Tom zieht bewusst nicht mit ein, denn eigentlich fühlt er sich in seiner Heimatstadt Birmingham wohler. Die beiden wollen an ihrer Beziehung festhalten und probieren eine Fernbeziehung aus. Aber kann das mit allen Problemen und Hürden gelingen?

Meine Meinung
Vom pola Verlag lese ich immer gerne etwas und auch das Cover ist schon gut gewählt mit der passenden Schrift. Auch der Titel passt perfekt zur Atmosphäre der Geschichte.
Die Kapitel sind sehr kurz gehalten, von ein bis zwei Sätzen bis zu mehreren Seiten, was einen nur so durch die Seiten fliegen lässt. Von den mehr als 500 Seiten sollte man sich nicht abschrecken lassen, der Handlung lässt sich stets gut folgen, denn Mara beschreibt aus der Ich-Perspektive ihre Gedanken. Oft sarkastisch und ironisch, aber an vielen Stellen auch sehr gefühlvoll und ehrlich, ist der Erzählstil locker und leicht zu lesen und authentisch. Mara ist dabei so herrlich "sie selbst", dass ich oft das Gefühl hatte, mich in ihr wieder finden zu können. Auch die Nebenfiguren sind toll gezeichnet: Maras Mutter begegnet ihr stets auf Augenhöhe, ihr Vorgesetzter ist ein unangenehmer Typ und ihre beste Freundin ist etwas zu direkt und gönnt ihr nicht immer den Erfolg. Tom konnte ich lange Zeit nicht greifen, aber auch er macht eine Entwicklung durch, genau wie Mara. Sie lernt, sich immer mehr zu behaupten und herauszufinden, was sie möchte. Gleichzeitig wird die Handlung oft in Situationen beschrieben, denn die Geschichte gliedert sich in mehrere Teile und Jahreszeiten über einen längeren Zeitraum. Mara als Ich-Erzählerin hat ein gutes Gespür für ihre Umwelt und Umgebung, oft bekommt man als Leser aber nur Einblicke in ihr Leben und ihre Gefühlswelt. So kann man sich in die Beziehung mit Tom sehr gut hinein versetzen, oft konnte ich jedoch die Beweggründe und Entscheidungen nicht ganz nachvollziehen.
Ein Kritikpunkt ist für mich der Klappentext, der für mich nicht die eigentliche Handlung widerspiegelt, denn die eigentliche Fernbeziehung folgt erst sehr viel später im Buch. Auch den Gewinn des "Comedy Women in Print Award", den die Autorin mit ihrem Buch bekommen hat, kann ich nicht ganz nachvollziehen, denn die Geschichte ist für mich nicht komisch oder comedyhaft, vielmehr behandelt die Autorin auch schwere und wichtige Themen.

Es geht um mehr als das "Homesick-Gefühls": wichtige Themen wie Depressionen bei Männern, Alleinsein, Beziehungsprobleme und eine unbestimmte Sehnsucht, was man mit seinem Leben mit Mitte 20 noch erreichen will, werden gut eingebunden.

Mein Fazit
"Homesick" aus dem pola Verlag kann kann überzeugen, denn es ist authentisch und ehrlich geschrieben und beschreibt die Zeit in den Zwanzigern und eine Beziehung, an der man festhalten möchte, sehr gut.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema