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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.09.2024

Wenn man seine Träume nicht leben darf ...

Als wir von Schönheit träumten
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Das Leben könnte so einfach und gradlinig sein für eine Familie, die weiß, was sie vom Leben möchte. Rudi und Elli Salomon haben ihres dem Entwerfen und Nähen eigener Kreationen gewidmet und betreiben ...

Das Leben könnte so einfach und gradlinig sein für eine Familie, die weiß, was sie vom Leben möchte. Rudi und Elli Salomon haben ihres dem Entwerfen und Nähen eigener Kreationen gewidmet und betreiben ein kleines Modeatelier im schönen Leipzig. Doch der neu gegründete Staat „Deutsche Demokratische Republik“ hat anderes mit ihnen vor. Das eigenständige Unternehmen ist ihm ein Dorn im Auge, sie wollen enteignen und die Beiden in eine staatliche Näherei stecken. Wie lange wird es den Salomons noch gelingen durchzuhalten? Auch Tochter Hanka hat „Nadeln im Blut“ und vernäht schon zu Schulzeiten alles was sich in ein eigenes kleines Kunstwerk verwandeln lässt. Da wird sie dank der Bilder ihrer Schwester als Mannequin entdeckt und auch der verheiratete Redakteur Hartmut der Zeitschrift "Sybille" ist schnell Feuer und Flamme für sie. Kann das auf Dauer gutgehen? Um das Familienquartett zu vervollständigen gehört noch die ältere Tochter Annekathrin dazu, deren Herz für die Fotografie schlägt und die sich so gerne als Fotografin einen Namen machen möchte. Wird des den Vieren gelingen, unbeschadet in der DDR leben und wirken zu können?

Sehr gut stellt die Autorin Ines Thorn, selbst in den 60er Jahren in Leipzig geboren, die Situation in der ehemaligen DDR dar und vermag es anschaulich zu schildern wie schwer es damals war, wenn man nicht wie viele andere tausend Fische mit dem Strom schwamm. Für mich, zur gleichen Zeit im Westen geboren, war es gar keine Frage, dass ich mir mehr oder weniger jeden Traum erfüllen konnte, den ich zu träumen wagte. Ines Thorn gab mir einen Blick hinter die Kulissen, der wohl nur von damals „Betroffenen“ gegeben werden kann und ich hing zeitweise geradezu an den Zeilen. Leider fand ich dann aber das letzte Viertel des Buchs ein wenig zu gerafft, fast so als wollte man fertig werden und das Buch nun schnellstmöglich beenden. Schade, deshalb ziehe ich ein kleines Sternchen ab und vergebe vier von fünf Sternen. Eine unbedingte Leseempfehlung möchte ich dennoch aussprechen. Das Buch hat definitiv Aufmerksamkeit verdient!

Veröffentlicht am 10.09.2024

Forgotten names ... Valentina Sanina Schlee in the world of fashion ...

Die Modeschöpferin von Manhattan
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Diesmal hat sich die von mir sehr verehrte Autorin Joan Weng ein aufregendes Thema ausgesucht. Sie widmet ihren Roman der inzwischen leider vollkommen unbekannten Modedesignerin Valentina Schlee, die in ...

Diesmal hat sich die von mir sehr verehrte Autorin Joan Weng ein aufregendes Thema ausgesucht. Sie widmet ihren Roman der inzwischen leider vollkommen unbekannten Modedesignerin Valentina Schlee, die in den 40er Jahren viele Prominente Damen der Gesellschaft ausgestattet und auch um ihre eigene Person einen ganz schönen Wirbel veranstaltet hat. Man sagt ihr nach, dass sie „exzentrisch wie ein betrunkener Kolibri“ sei und da war sicher ein etwas in sich ruhender Gegenpol nötig, um die Dame des Hauses ein wenig in der Spur zu halten. Diese Rolle fällt ihrer jungen Assistentin Daisy zu, die mit viel Geduld und Umsicht Ordnung in das Chaos zu bringen versucht, in dem Valentina sonst unweigerlich versunken wäre. Daisy geht auf in ihrer Rolle, doch sie weiß, dass ihre Tage in New York gezählt sind, wollen ihre Eltern sie doch an den angehenden Südstaaten Anwalt Alistair verheiraten. Mit viel Geschick schafft sie es immer wieder einer geplanten Verlobung aus dem Weg zu gehen, denn ihr Herz schlägt für den irischen Journalisten Christopher Flanagan, der für ihre Eltern jedoch eine undenkbare Verbindung darstellt …

Ich freue mich, dass ich mit Hilfe der Autorin die schillernde Gestalt der Valentina Schlee kennenlernen und ein wenig in die Welt der Reichen und Schönen eintauchen durfte. Die schillernde Marlene Dietrich, Kathrin Hepburn, Präsidentengattin Eleanor Roosevelt und schließlich auch göttliche Greta Gabor gaben sich bei ihr die Klinke in die Hand. Aufgelockert wurde die Geschichte durch die junge Daisy und ihrer Entourage bestehend aus ihrer trinkfreudigen Tante und ihrer quirligen Freundin, so dass man nur so durch die Seiten flog. Gut gefallen hat mir die Mischung aus Wahrheit und Fiktion, wenn ich mir an manchen Stellen auch noch ein wenig mehr Tiefe gewünscht hätte. Diesem Roman hätten hundert Seiten mehr gutgetan. Dennoch vergebe ich für diese außerordentlich gut recherchierte Story sehr gerne vier schillernde Hollywood Sterne verbunden mit einer uneingeschränkten Leseempfehlung. Es hat mal wieder Spaß gemacht, liebe Joan!

Veröffentlicht am 09.09.2024

Was nicht passt, wird passend gemacht ... das Leben des Paul Brenner im "Pott" und beyond ...

Kerl aus Koks
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Ich könnte mir vorstellen, dass sich der beliebte Schauspieler Michael Brandner mit „Kerl aus Koks“ einen kleinen Lebenstraum erfüllt hat. Durch die Augen seines imaginären Sidekicks Paul Brenner lässt ...

Ich könnte mir vorstellen, dass sich der beliebte Schauspieler Michael Brandner mit „Kerl aus Koks“ einen kleinen Lebenstraum erfüllt hat. Durch die Augen seines imaginären Sidekicks Paul Brenner lässt er hiermit sein eigenes Leben Revue passieren. Die Zeitspanne von 1951 bis 1994 ist erfüllt von Höhen und Tiefen, von mehr als einer lebensbedrohlichen Situation, von Armut und Hunger aber auch von einem Zusammenhalt im Ruhrpott, der seinesgleichen sucht. Sein erstes Trauma erlebt der kleine Paul, als er abrupt aus seinem vertrauten Heim in einer Pflegefamilie in Bayern gerissen wird, in dem es immer nach fluffigem Brot und Schweinsbraten riecht, denn seine Mutter hat andere Pläne. Sie hat „in den Pott“ geheiratet und präsentiert dem verdutzen Paul nicht nur eine zu enge Wohnung in einer der vielen Mietskasernen, sondern auch den neuen Mann Helmut, seines Zeichens Bergarbeiter. „Das ist jetzt dein neuer Vater!“ verkündet sich und Paul muss sich fügen. Doch schnell findet der Stiefsohn Gefallen an der Situation. Er liebt Menschen und ist bald umringt von ebensolchen, die ihm das Leben versüßen. Die Ruinen werden sein großer Spielplatz, begleitet von Fußball, Currywurst und den „Proleten“, wie seine Mutter Helmuts Familie abwertet bezeichnet. Er wird größer, muss in die Schule, die er recht lustlos absolviert. Er ist eben ein Träumer, ein kleiner Wildfang, ein kleiner Künstler aber hat das Herz am rechten Fleck. Welche Abenteuer er in seinem Erwachsenenleben bestreitet wird, wird an dieser Stelle nicht verraten. Lest selbst und lasst euch entführen in Pauls Welt. Langweilig wird es nicht, soviel kann ich versprechen!

Der verschmitzte kleine Kerl auf dem Cover ließ mich sofort zu dem Buch greifen und ich wurde nicht enttäuscht. Neben einer absoluten Leseempfehlung vergebe ich hier gerne vier glänzende Sterne.

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Veröffentlicht am 29.08.2024

Es war ein weite, aber sehr lohnenswerte Reise zu Tante Rose ...

Dinner mit Rose
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Wegen des doch recht süßlich, in rosa gehaltenen Covers hatte ich ein wenig Sorge, dass es sich bei „Dinner mit Rose“ um einen schnulzigen Liebesroman handeln würde, der ordentlich auf die Tränendrüse ...

Wegen des doch recht süßlich, in rosa gehaltenen Covers hatte ich ein wenig Sorge, dass es sich bei „Dinner mit Rose“ um einen schnulzigen Liebesroman handeln würde, der ordentlich auf die Tränendrüse drücken sollte. Gott sei Dank stellte sich diese Sorge jedoch als überflüssig heraus. Die Geschichte rund um Josie, den jungen Rinderfarmer Matt und natürlich Rose hat durchaus Tiefgang bewiesen. Josies Tante Rose, die früher ihre Tage gerne rauchend und trinkend verbrachte und das Highlight auf jeder Party war, ist nicht mehr die alte. Lange hat sie sich geweigert, der Wahrheit ins Auge zu sehen und sich ihre schwere Krebserkrankung einzugestehen. Als es schließlich jedoch unvermeidbar wird, wird sie – wenn sie persönlich es auch eher nicht für nötig befindet – liebevoll von ihrem Umfeld versorgt. Hier packen alle mit an, um ihr die letzten Monate oder vielleicht auch nur noch Wochen ihres Lebens so angenehm wie möglich zu gestalten. Ihren Dank drückt sie besonders Matt und Josie gegenüber auf sehr einfühlsame Weise aus …

Diese Geschichte, die leicht ins rührselige hätte abdriften können, hat mich trotz ihres eher traurigen Themas bestens unterhalten. Einige der Charaktere können es einfach nicht lassen, sich einzumischen, während wiederum andere von einer Katastrophe in die nächste stolpern. Mir hat der Ausflug nach Neuseeland sehr gut gefallen und mal wieder neugierig auf ein für mich möglicherweise neues Urlaubsziel gemacht. Hier vergebe ich gerne verdiente vier Sterne und spreche, zumindest für das Hörbuch, eine Empfehlung aus.

Veröffentlicht am 04.08.2024

Der grausame Preis des "Andersseins" ....

Aspergers Schüler
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Mit „Aspergers Schüler“ habe ich einen interessanten Roman gelesen, der auf zwei Zeitebenen spielt und in großen Teilen auf wahren Tatsachen beruht. Wir schreiben das Jahr 1986 und begleiten die junge ...

Mit „Aspergers Schüler“ habe ich einen interessanten Roman gelesen, der auf zwei Zeitebenen spielt und in großen Teilen auf wahren Tatsachen beruht. Wir schreiben das Jahr 1986 und begleiten die junge Engländerin Sarah nach Wien. Mit einem Stipendium in der Tasche möchte sie ihre Doktorarbeit über den Arzt Dr. Hans Asperger schreiben, dessen Arbeiten sie schon immer fasziniert haben. Bei ihrer Recherchearbeit lernt sie den Journalisten Stefan kennen, der sie bei ihrem Vorhaben – sehr zum Leidwesen Sarahs Freundes – unterstützt.
Im zweiten Lesestrang begeben wir uns ins Jahr 1932. Ich lerne die junge und ambitionierte Schwester Viktorine kennen, die voller Bewunderung für den jungen Dr. Asperger ist, der seinen Fokus auf die Behandlung von Kindern mit Zwangsstörungen gelegt hat. Als Paradebeispiel dient der kleine Erich, an dem sich die Beiden, besonders Viktorine, „versuchen“. Doch bald müssen sie zu ihrem Entsetzen feststellen, dass die Nationalsozialisten dabei sind, ihnen einen dicken Strich durch die Rechnung zu machen. Erich gilt auf einmal als „unwertes Leben“ und nicht nur sein trauriger Leidensweg scheint vorbestimmt zu sein ….
Laura Baldini gibt mir mit ihrem Buch einen tiefen Einblick in das Leben mit einer Zwangsstörung und lässt mich teilhaben am Bekämpfen des Andersseins. Anschaulich beschreibt sie die damalige Situation in Krankhäusern, die Überforderung und oft wohl auch Gleichgültigkeit der Ärzte und Schwestern, die ihre Patienten gerne einfach mal wegsperrten. Während mir der Vergangenheitsstrang sehr gut gefallen hat, ging mir das Liebesgeplänkel in der Gegenwart ein wenig auf die Nerven. Das wäre nicht notwendig gewesen und brachte oft Unruhe in den Lesefluss. Dennoch bin ich beeindruckt von der Recherche der Autorin, die sich mit diesem Buch wohl einen Herzenswunsch erfüllt hat. Von mir gibt es neben einer Leseempfehlung auch noch vier wohlverdiente Sterne dafür!