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Veröffentlicht am 05.05.2025

Vielversprechender Einstieg, leider wenig überzeugende Umsetzung in Gänze

Die Buchreisenden - Ein Weg aus Tinte und Magie
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In einer mysteriösen, unscheinbaren Buchhandlung arbeitet ein junger Mann namens Adam als Erzähler. Doch er ist kein normaler Erzähler. Adam, wie auch seine ausnahmslos männlichen Kollegen bei Libronautic ...

In einer mysteriösen, unscheinbaren Buchhandlung arbeitet ein junger Mann namens Adam als Erzähler. Doch er ist kein normaler Erzähler. Adam, wie auch seine ausnahmslos männlichen Kollegen bei Libronautic Inc. verfügen über die besondere Gabe, Risse in den Raum zwischen Realität und Fiktion zu lesen, der es den betuchten Kund:innen der Buchhandlung ermöglicht, mitten in ihre liebsten Geschichten einzutauchen und so ein Teil davon zu werden. Doch die Idylle trügt und nach zwei merkwürdigen Vorkommnissen, die im Beisein von Adam geschahen, beginnt die vermeintlich heile Welt um Libronautic zu bröckeln. Es entspinnt sich ein Konstrukt um Lügen und Intrigen, von dem Adam offenbar nichts wusste, in welchem er jedoch eine zentrale Rolle spielt.

Die Idee zum Buch hat mich sofort neugierig gemacht, die Leseprobe über die ersten rund 40 Seiten hatte Sogwirkung. In eingängiger, ansprechender und lebhafter Sprache nimmt Akram El-Bahay seine Leser:innen mit auf eine temporeiche Reise durch wahre und fiktive Welten, durch große und teils auch eher unbekannte Werke der Literatur. Dabei weben die Hauptcharaktere sich ein in ein komplexes Geflecht aus Intrigen, Verbrechen und großen Gefühlen, die in den klassischen Geschichten – abseits des Haupthandlungsstranges – ihren Platz finden.

Leider verlieren mit Fortgang des Buches insbesondere die beiden Hauptcharaktere zunehmend an Profil, bis hin zu Verhaltensweisen oder Aussagen, die nicht sinnvoll mit der bisherigen Darstellung der Protagonisten in Einklang zu bringen sind. Auch die Storyline leidet unter zu viel Tempo und Spannung, die zu erzeugen versucht wurde; Charaktere reagieren in sehr emotionalen Situationen äußert knapp oder gar befremdlich, wenig authentisch.

ACHTUNG, ab hier Spoiler mit Blick auf das Ende des Buches!!! Es kommt zu einem dramatischen Kampf in einer der maßgeblichen Geschichten in der Geschichte, welcher für mich nach wie vor eindeutig den Haupthandlungsstrang berührt, diesen beeinflusst und so überhaupt nicht möglich sein sollte. In zwei Drittel des Romans wurde mehrfach und deutlich darauf hingewiesen, dass Eingriffe, die dem Haupthandlungsstrang oder den Hauptcharakteren zu nahe kommen oder den Haupthandlungsstrang gar verändern, die Erzählung zum Kollabieren bringen und die Besucher sehr wahrscheinlich den Tod finden. – Die Geschichte von „Die Buchreisenden“ ging nur dieser eigenen Regel ungeachtet ungerührt weiter. Mag sein, dass das Absicht war, weil besagte Geschichte irgendwie besonders ist und für diese andere Regeln gelten; der Autor selbst schrieb, dass der Zeitpunkt, zu dem der Kontakt stattfindet, außerhalb des Haupthandlungsstrangs liege. Das konnte mich aber nicht restlos überzeugen. Leider fügt sich diese Unstimmigkeit zudem mit noch weiteren in eine kleine Serie von Irritationen, die mich persönlich gestört haben.

Zum Ende: Für mich endet dieses Buch mitten in der Handlung, es werden in nur sehr geringem Umfang offene Fragen zum Abschluss gebracht. Dass der zweite Teil erst im Herbst erscheint und damit viele Leser:innen in der Luft hängen – auch solche, die gerne unbedingt erfahren möchten, wie sich die Geschichte auflöst – finde ich zudem sehr unglücklich.

Fazit: Die Idee klang toll, die Umsetzung startete vielsprechend, aber das Buch war für mich nicht imstande, zu halten, was es versprach, und ist daher eher enttäuschend. Nach den Irritationen und Ungereimtheiten im letzten Drittel sowie der (für mich) zu langen Wartezeit bis zur Veröffentlichung des zweiten und letzten Teils der Dilogie, werde ich die Geschichte sehr wahrscheinlich nicht zu Ende lesen, d. h. Band zwei gar nicht erst beginnen. Ein dicker Band, der die Teile eins und zwei bündelt, hätte mir womöglich mehr zugesagt.

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Veröffentlicht am 18.08.2024

"Marta schläft" - gute Idee, aber nur mäßig packende Umsetzung

Marta schläft
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Mit Nadja stimmt etwas nicht. Die mausgraue, verschlossene Frau trägt seit Kindheitstagen ein Geheimnis, das sie zum perfekten Sündenbock macht - oder etwa doch nicht?

"Marta schläft" war das vierte Buch, ...

Mit Nadja stimmt etwas nicht. Die mausgraue, verschlossene Frau trägt seit Kindheitstagen ein Geheimnis, das sie zum perfekten Sündenbock macht - oder etwa doch nicht?

"Marta schläft" war das vierte Buch, das ich von Romy Hausmann gelesen habe. Die Reise begann mit "Liebes Kind" - unangefochten ihr bislang bester Roman -, es folgte "True Crime", was ein gänzlich anderes Genre bedient als ihre bisherigen Romane, dann "Perfect Day" und nun eben "Marta schläft".

An und für sich ist die Story gut, in deren Verlauf der Leser / die Leserin Nadja Kulka durch ihr verstörendes Leben begleitet. Jedoch verwirren die diversen Charakter- und Zeitsprünge in meiner Wahrnehmung mehr als dass sie Spannung aufzubauen im Stande sind. Die eingeflochtenen Wendungen sind leider oftmals vorhersehbar oder so weit weg vom Möglichen oder gesunden Menschenverstand, dass es zu mehr als einem schnell ausgelesenen Buch leider nicht gereicht hat. Schade!

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Veröffentlicht am 05.08.2024

Langatmiges, wortgewaltiges Epos über die Macht der Sprache

Babel
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Robin gelangt unter mysteriösen Umständen aus seiner Heimat Kanton und den bescheidenen Verhältnissen, in welchen er dort aufgewachsen ist, in die besten Kreise des Vereinigten Königreiches. Sein neuer ...

Robin gelangt unter mysteriösen Umständen aus seiner Heimat Kanton und den bescheidenen Verhältnissen, in welchen er dort aufgewachsen ist, in die besten Kreise des Vereinigten Königreiches. Sein neuer Vormund, Richard Lovell, öffnet ihm Türen in Kreise, zu denen er mit seiner chinesischen Herkunft unter gewöhnlichen Umständen keinen Zugang gehabt hätte. Robins außergewöhnliches sprachliches Talent hebt ihn von der Masse ab - doch um welchen Preis stehen ihm nun das prestigeträchtige Institut für Übersetzung der Universität Oxford und die damit verbundenen Annehmlichkeiten offen?

Die Zusammenfassung und der Klappentext des Buches haben mich neugierig auf den Inhalt dieses über 700-Seiten-starken Epos gemacht: Eine Handlung im historischen Emipre um 1800, die Geschichte der Sprache, die Macht der Übersetzung, interessante Protagonisten aus verschiedensten Kulturkreisen und dazu noch jede Menge wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Themen der Zeit. Klingt anspruchsvoll und das ist es auch.

Meine Erwartungen an das Buch waren dahingehend falsch, dass es sich um ein klassisches Werk der Belletristik mit historischen Elementen handelt und der unterhaltende Faktor dominiert. De facto ist der Inhalt dieses Buches in weiten Teilen hoch anspruchsvoll, hoch politisch und hoch ethisch - kurzum, alles, aber gewiss keine leichte Lektüre oder angenehme Unterhaltung. Die Autorin geht sehr tief in philologische Details mehrerer Sprachen, darunter auch Chinesisch oder Sanskrit. Das Niveau der Ausführungen übersteigt für mein Empfinden regelmäßig die Grenzen dessen, was ich als "Unterhaltungsliteratur" beschreiben würde. Phasenweise fühlte es sich an, als hätte ich ein Semantik-Seminar belegt und arbeite mich durch eine Arbeitsunterlage.

Die Handlung hätte sich auch kürzer gut darstellen lassen, dann allerdings mit weniger detaillierten und ggfs. weniger wissenschaflich anmutenden Ausführungen. Die behandelten Themen und Schwerpunkte haben mich häufig getriggert, was dem Buch eine zusätzliche Schwere gab und in Ergänzung zu den trockenen wissenschaftlichen oder wissenschaftlich anmutenden Passagen nur eingeschränkte Lesefreude hervorrufen konnte.

Für mich wohl im Kern nicht das Buch, das ich erwartet hatte. Für alle, die gerne so tief in eine bestimmte Materie abtauchen und sich kritisch mit hoch anspruchsvollen und kontroversen Themen beschäftigen, sicher dennoch eine interessante Wahl!



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Veröffentlicht am 26.03.2026

Träume aus Salz – Zwischen Urlaubs-Poesie und sprachlicher Barriere

Träume aus Salz
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Flo und Matty sind ein junges Paar, dem das gemeinsame Glück aus allen Poren dringt. Damit hätten beide nicht gerechnet, haben sie doch eher bewegte Erfahrungen in ihrer Vergangenheit gesammelt, was Beziehungen ...

Flo und Matty sind ein junges Paar, dem das gemeinsame Glück aus allen Poren dringt. Damit hätten beide nicht gerechnet, haben sie doch eher bewegte Erfahrungen in ihrer Vergangenheit gesammelt, was Beziehungen anbelangt. Im ersten gemeinsamen Griechenland-Urlaub beginnt die heile Fassade jedoch mehr und mehr zu bröckeln, nachdem sich die Wege der beiden Turteltauben mit dem der mysteriösen jungen Hellseherin Sofia kreuzen. Etwas steht zwischen Flo und Matty – und Sofia spürt das. Wird Flo den Mut finden, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen? Und auch Sofia trägt ein schmerzliches Geheimnis hinter ihrer coolen und teils abweisenden Fassade. Wird auch sie noch ihr Glück finden?

Was mich begeistert hat
Anika Landsteiner beweist in weiten Teilen ein fantastisches Gespür für Atmosphäre. Die Sprache ist angenehm flüssig, stellenweise geradezu zutiefst poetisch. Das Setting der Insel ist so bildhaft und greifbar beschrieben, dass man die „Urlaubsvibes“ und die salzige Luft förmlich riechen kann. Besonders hervorzuheben ist die Figur der Sofia: Sie verlieh der Geschichte eine mystische Tiefe, die mich fasziniert hat und einen schönen Kontrast zum restlichen Geschehen bildete.

Kritikpunkte
Leider gab es einige Aspekte, die den Lesegenuss für mich getrübt haben:

• Das Sprach-Dilemma: Die Dialoge waren oft ein verwirrender Mix aus Deutsch und Englisch. Dass Gespräche, die eigentlich auf Englisch stattfinden, auch so abgedruckt werden, ist Geschmackssache – hier wirkte das „Denglisch“ jedoch oft irritierend und schwer klar greifbar.

• Störende Elemente: Die eingebetteten WhatsApp- und sonstigen Chats haben für mich weniger Mehrwert geboten als vielmehr den Lesefluss gestört.

• Fehlende Tiefe und Vorwissen: Die Geschichte versprach ein großes, schwerwiegendes Geheimnis, doch die Auflösung blieb für mich hinter den Erwartungen zurück. Ich fand leider keinen echten Zugang zu den Charakteren; sie blieben für mich seltsam oberflächlich. Zudem hat die Autorin viel gewagt: Wer keine Kenntnisse in griechischer Mythologie, Astrologie oder Tarot besitzt, verpasst etliche kluge Querverweise. Das macht das Buch für Kenner sicher zu einem Fest, lässt „Laien“ aber ein wenig im Dunkeln stehen.

Fazit
Ich hatte mir ein Buch erhofft, das mich emotional mitreißt. Trotz der wunderschönen Kulisse und der poetischen Sprache blieb die Geschichte für mich leider etwas fahl. Die Vielzahl an Themen und die Distanz zu den Charakteren haben mir den Zugang bis zum Ende erschwert. Ein atmosphärischer Roman, der mich letztlich aber eher enttäuscht zurücklässt.

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Veröffentlicht am 07.03.2026

Ein wahr gewordener Fiebertraum über Macht und Ohnmacht

Die Assistentin
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Caroline Wahls Die Assistentin ist kein Buch, das man gerne liest, das als „leichte Lektüre“ oder gar gefällig gelten kann. Es ist eine Zumutung im besten und im anstrengendsten Sinne. Die Assistentin ...

Caroline Wahls Die Assistentin ist kein Buch, das man gerne liest, das als „leichte Lektüre“ oder gar gefällig gelten kann. Es ist eine Zumutung im besten und im anstrengendsten Sinne. Die Assistentin ist ein Werk über Machtmissbrauch und dessen Opfer – ein Thema, das ich in unserer Gesellschaft als oft weggelächelt oder hinter verschlossenen (BürTüren begraben sehe.

Der Schreibstil als Spiegel der Psyche
Der Schreibstil ist zweifellos eine Herausforderung. Wahls Sätze sind mitunter quälend lang, der Text wirkt unsortiert und von Redundanzen sowie willkürlichen Zeitsprüngen durchsetzt. Mitten im Kapitel bricht die Erzählung für wenige Sätze aus, nur um dann ohne Übergang fortzufahren.

Doch genau hier liegt für mich die handwerkliche Brillanz: Dieser vermeintliche Stil ist kein Zufall. Er spiegelt den aufgewühlten, fragilen Zustand der weiblichen Hauptfigur wider. Die Form zahlt direkt auf das Gefühl des Unbequemen ein; man liest nicht nur über Charlottes Zerrissenheit, man spürt sie durch die anstrengende Textstruktur am eigenen Leib.

Der Blick hinter den Vorhang - Autorinnenperspektive
Als Caroline Wahl auf Seite 110 plötzlich in eine Meta-Perspektive wechselt, wird klar: Sie weiß ganz genau, was sie ihren Leser:innen hier zumutet, und sie spielt sehr gekonnt damit! Dieser Moment zeigt das hervorragende literarische Handwerkszeug, das hinter der scheinbaren Willkür steckt. Es ist ein spannendes, außergewöhnliches Stilmittel, das dem Buch eine zusätzliche Ebene verleiht.

Systemkritik und die Täter-Opfer-Frage
Kernstück des Romans ist die beißende Systemkritik am Beispiel von Ugo Maise, „mu“. Das Buch stellt schmerzhafte Fragen:
• Wie kann ein einzelner Mensch ungestraft so viele andere verschleißen und schikanieren?
• Warum ziehen das Umfeld und das System keine Grenzen?

Besonders stark ist die Analyse der Dynamik: Warum decken Menschen dieses Verhalten oder werden sogar zu Mittätern, indem sie untätig bleiben oder ihn sogar unterstützen? Die Grenzen zwischen Täter und Opfer verschwimmen hier zusehends, was eine klare Kategorisierung fast unmöglich macht und die bittere Realität toxischer Hierarchien gekonnt abbildet.
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Mein Fazit
Die Assistentin ist ein wichtiges Buch über ein Thema, das mehr Raum braucht. Die Idee ist gut, das Handwerk dahinter vermutlich sogar exzellent. Dennoch muss ich ehrlich sagen: Mich konnte das Gesamtpaket leider nicht überzeugen. Es ist ein literarisches Experiment, das die Grenze zur Unlesbarkeit für den persönlichen Geschmack streckenweise überschreitet. Wer eine klassische Erzählung sucht, wird mit diesem Roman keine Freude haben. Wer sich jedoch auf einen unbequemen, ehrlichen und systemkritischen Roman einlassen will, findet hier viel Diskussionsstoff und Anregung zum Reflektieren.

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