Band eins hatte schon Schwächen, aber diese Fortsetzung...
Fox and the Falcon
„𝗜𝗰𝗵 𝘄𝘂𝗲𝗿𝗱𝗲 𝗹𝗶𝗲𝗯𝗲𝗿 𝗺𝗶𝘁 𝗱𝗶𝗿 𝘀𝘁𝗲𝗿𝗯𝗲𝗻, 𝗮𝗹𝘀 𝗼𝗵𝗻𝗲 𝗱𝗶𝗰𝗵 𝘇𝘂 𝗹𝗲𝗯𝗲𝗻.“
Nachdem Marlow Thorson in „𝐓𝐡𝐞 𝐃𝐞𝐞𝐫 𝐚𝐧𝐝 𝐭𝐡𝐞 𝐃𝐫𝐚𝐠𝐨𝐧“ realisierte, dass ihre schrecklich schöne Halluzination, die sie seit ihrer Kindheit ...
„𝗜𝗰𝗵 𝘄𝘂𝗲𝗿𝗱𝗲 𝗹𝗶𝗲𝗯𝗲𝗿 𝗺𝗶𝘁 𝗱𝗶𝗿 𝘀𝘁𝗲𝗿𝗯𝗲𝗻, 𝗮𝗹𝘀 𝗼𝗵𝗻𝗲 𝗱𝗶𝗰𝗵 𝘇𝘂 𝗹𝗲𝗯𝗲𝗻.“
Nachdem Marlow Thorson in „𝐓𝐡𝐞 𝐃𝐞𝐞𝐫 𝐚𝐧𝐝 𝐭𝐡𝐞 𝐃𝐫𝐚𝐠𝐨𝐧“ realisierte, dass ihre schrecklich schöne Halluzination, die sie seit ihrer Kindheit – und durch vergangene Leben – begleitete, genauso real ist wie die Mächte, zu denen sie einst beten musste, und die Wesen, mit deren Interpretationen sie es als ,Merit Finnegan' auf die Bestsellerlisten schaffte, änderte sich nicht nur ihre Weltanschauung – auch jeder andere Funke ihres Daseins geriet in Schieflage, stürzte die 26-Jährige ins (mentale) Chaos. Statt endlich die Sicherheit der starken Arme von Caliban genießen zu können, war es ein unbedachter Befehl, der ihr ihren Seelenverwandten entrissen hat. Eine beschwerliche Reise samt etlicher Unglaublichkeiten später schaffte es Marlow mit der Unterstützung und dem Wissen von Fauna, ihrer neuen, durchgedrehten besten Freundin, und deren Lover, den Sohn des ,Herrschers der Hölle' aufzuspüren und sich im Zuge dessen Feinde wie Aufmerksamkeit zu sichern und einen Stein gen Krieg zu werfen. Nur durch einen berechnenden Engel gelangte Mar zurück in die trügerische Sicherheit der Menschenwelt. Doch ohne Azrames und ihren gerade erst wiedererlangten Fürsten …
In „𝐓𝐡𝐞 𝐅𝐨𝐱 𝐚𝐧𝐝 𝐭𝐡𝐞 𝐅𝐚𝐥𝐜𝐨𝐧“ machen sich zwei Frauen nordischer Abstammung erneut auf, um ihre Männer zu finden und aus feindlichen Gefilden zu retten. Marlow und Fauna durchstreifen verschiedene Pantheons auf der Suche nach Verstärkung im Kampf gegen die Phönizier. Dafür nutzen sie Lügen und Täuschungen, nehmen die Götterdämmerung, den Zorn der Mächtigen und Anarchie in Kauf, provozieren den Fall der bestehenden Ordnung.
Dass Marlow in diesem Lebenszyklus nichts weiter ist als eine Schachfigur, die endlich all das mitbringt, worauf die Göttlichen epochenlang allerorts gewartet haben, wird ihr am Ende, nachdem sie blind geglaubt, ihre Mauern fallen gelassen und alles für die zuckersüchtige Nymphe und deren dämonischen Gefährten, für Gerechtigkeit und die Liebe riskiert hat, selbst ihr eigenes Leben, schmerzlich bewusst …
„No other Gods“ hätte eine packende Story sein können, aufregend und witzig, bewegend und mysteriös, jedoch wirkt die Geschichte insgesamt sehr unausgereift – zähe Wiederholungen, Stillstand, verschachtelte Ausschweifungen, angefüllt mit Nonsens, machten es schwer, dem wirren Verlauf zu folgen und die Ereignisse, die fragwürdigen Erkenntnisse und angeblichen Zusammenhänge zu verstehen oder zumindest nachzuvollziehen. Der Erzählung fehlte es nicht nur an Fokus, sondern auch an Logik. Dabei war der Stil von Piper CJ durchgängig detail- und bildreich wie spritzig-flapsig. In den letzten Kapiteln ist es gerade Silas, der Marlow mit kryptischen Andeutungen zu einer wenig sinnig dargelegten „Auflösung über ihre Rolle“ führt, sodass ich insgesamt doch enttäuscht bin. Denn die mythologische Komponente und die Verstrickungen mit verschiedenen Pantheons waren ziemlich cool und meines Empfindens nach auch – in Teilen – recherchiert. Die Interpretation des „Antichristen“, der Krieg zwischen den Reichen, ausgelöst durch eine Revolution der „Unteren“ und eine ahnungslose Sterbliche, bis hin zum Weg gen Götterdämmerung, basiert auf einer erfrischenden, unterhaltsamen Idee. Die sich aber scheinbar keiner Überarbeitung unterzog.
𝗜𝗰𝗵 𝗳𝗿𝗮𝗴𝗲 𝗺𝗶𝗰𝗵, ob jemand vor der Veröffentlichung objektiv über diese unrunde Fantasy-Serie drübergeschaut hat?! Wo sind die – im Buch nicht aufgeführten – KorrektorInnen und LektorInnen gewesen? Gerade von einem Publikumsverlag erwarte ich jedenfalls ein gewisses Maß an inhaltlicher Qualität.
Über diese groben Fehler trösten auch nicht der Kern – Selbstbestimmung und freier Wille –, nicht der Found-Family-Aspekt und die ,Liebe über Zeiten' hinweg. Apropos: Was ich im Auftakt sehr schätzte, waren die tragischen, emotionalen Sequenzen – diese fehlen nun vollkommen. Genau wie die Probleme aus Marlows „irdischem Leben“.
Nichtsdestotrotz sind die Figuren, wenn auch so wankelmütig und sprunghaft wie der Plot, facettenreich ausgearbeitet – es war mir unmöglich, Fauna, Az, Caliban, Silas oder die neu Dazugestoßenen einzuschätzen. Zwischen all dem, worauf meine Kritik basiert, finden sich Wendungen und Spannung, unglaublich viel Verrat, Misstrauen, Manipulationen und gebrochene Herzen. Wenige Antworten, dafür neue Fragen.
Statt einer Dilogie scheint es sich nämlich um eine Trilogie zu handeln – sollte Band drei übersetzt werden, weiß ich nicht, ob ich wirklich noch eine Runde dieser in großen Teilen verwirrenden Geschichte durchleben möchte.