Tolles Buch mit autobiografischen Elementen. Geertje ist eine junge Studentin in einer sehr assimilierten jüdischen Familie in Holland in den 90er Jahren. Die jüdische Tradition der Familie wird kaum gelebt, ...
Tolles Buch mit autobiografischen Elementen. Geertje ist eine junge Studentin in einer sehr assimilierten jüdischen Familie in Holland in den 90er Jahren. Die jüdische Tradition der Familie wird kaum gelebt, man achtet darauf, nicht aufzufallen. Über die im Holocaust ermordeten Familienmitglieder wird kaum mehr gesprochen. Geertje begibt sich auf eine spannende Suche nach ihren Wurzeln. Parallel dazu wird die Lebensgeschichte ihres Großonkels Viktors erzählt (ca. Anfang 20. Jahrhundert bis 1940er), der eine schillernde und vielseitige Persönlichkeit war. Sehr interessantes und gut geschriebenes Buch - Empfehlung für alle, die sich für dieses Thema interessieren.
Österreich hat ein Femizidproblem. In den letzten Jahren immer mehr. Kaum vergehen mehrere Wochen, ohne dass nicht wieder medial von einer Frau berichtet wird, die von ihrem (Ex-)Partner ermordet wurde.
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Österreich hat ein Femizidproblem. In den letzten Jahren immer mehr. Kaum vergehen mehrere Wochen, ohne dass nicht wieder medial von einer Frau berichtet wird, die von ihrem (Ex-)Partner ermordet wurde.
In "Heimat bist du toter Töchter" (den treffenden Bezug dieses Buchtitels auf die Diskussion zur österreichischen Bundeshymne hat schon eine andere Person in ihrer Rezension treffend beschrieben) hat die Journalistin Yvonne Widler Kontakt zu den Hinterbliebenen der ermordeten Frauen aufgenommen und erzählt ihre Geschichten. Macht damit den unglaublichen Verlust der Leben dieser Frauen noch einmal auf einer stärkeren Ebene spürbar. Gibt ihnen ihren Raum und ihre Stimme zurück, und macht gleichzeitig darauf aufmerksam, wie sehr sowohl in den Medienberichten als auch vor Gericht die Stimme des (meist noch lebenden) Täters gehört wird, während die Stimme (und damit Perspektive) der ermordeten Frau für immer verstummt ist.
Insgesamt sind es etwa fünf größere Fallgeschichten, die Yvonne Widler detailliert recherchiert hat, ergänzt um viele kleinere und um Gespräche mit Sozialarbeiterinnen, Polizistinnen usw. und Analysen der momentanen gesellschaftlichen Entwicklungen in Österreich. Dabei wird deutlich, wie viel Handlungsbedarf besteht, um Frauen noch besser zu schützen, bevor es zu solchen Gewalttaten kommt.
Ganz besonders mag ich an dem Buch, dass Yvonne Widler die Täter auch sprachlich klar in die Verantwortung nimmt. Statt der sonst medial oft gelesenen passiven Ausdrucksweise "Frau wurde ermordet", die die Täterschaft beschleiert, verwendet Yvonne Widler bewusst die aktive Formulierung "Er hat...", wie z.B. "Er hat Kornelia erstochen und mit der Axt erschlagen".
Ein tolles Buch zu einem dunklen, aber wichtigen Thema, von einer mutigen Frau! Empfehlung!
Gerade habe ich den historischen Roman "Zwei Handvoll Freiheit" von Annette Oppenlander fertig gelesen und ich bin zutiefst berührt. Auch wenn es ein Roman und damit eine fiktive Geschichte ist, habe ich ...
Gerade habe ich den historischen Roman "Zwei Handvoll Freiheit" von Annette Oppenlander fertig gelesen und ich bin zutiefst berührt. Auch wenn es ein Roman und damit eine fiktive Geschichte ist, habe ich viel dabei gelernt. Die Autorin hat sorgfältig recherchiert und lässt in ihrer Geschichte diese Zeit lebendig werden.
Beim Lesen begleiten wir die junge Frau Lotte und ihre Zeitgenossen durch zwei Zeitperioden: die unmittelbare Zeit nach dem Kriegsende 1945 in Teil 1 und dann ein paar Jahre später in Teil 2 durch die Zeit der Berliner Luftbrücke 1948/49, erleben ihre Kontakte zu den amerikanischen Besatzungssoldaten mit und wie diese zuerst als Besetzer und Feinde und später dann als Freunde und Unterstützer gegen Stalin gesehen werden.
Wir fühlen mit ihr, wenn sie um ihre Lieben bangt, die noch vermisst sind, krank oder Schlimmes erlebt haben, und immer wieder versucht, sich selbstlos für sie einzusetzen, aber auch eine ungewisse Liebesgeschichte erleben wir mit. Auch der harte Überlebenskampf im besetzten Berlin in den Jahren nach dem Krieg wird durch das Buch lebendig vorstellbar und an vielen Beispielen geschildert.
Die Charaktere des Buches waren - mit ein paar Ausnahmen - überwiegend sympathisch. Auch die, deren Handlungen zweifelhaft bis unsympathisch waren, waren nachvollziehbar dargestellt und es wird verständlich, was zu ihrer Verbitterung oder Boshaftigkeit geführt hat (auch wenn sie das kaum sympathischer macht).
Lotte selbst ist eine extrem reflektierte junge Frau, die schon kurz nach Ende des Krieges das Hitlerregime einschließlich all seiner Gräueltaten und die damit verbundene Schuld des deutschen Volkes kritisch reflektiert... da habe ich mich kurz gefragt, wie realistisch das ist, kann das aber aufgrund mangelnder Erfahrung mit dieser Zeit nicht beurteilen. Ich vermute, dass es auch solche Menschen gegeben haben wird, auch in so jungem Alter, aber das vermutlich die Ausnahme gewesen ist.
Ich empfehle das Buch allen, die auf unterhaltsame und interessante Weise sich mit der deutschen Nachkriegsgeschichte befassen und mehr darüber lernen möchten. Für mich war insbesondere das Thema der Luftbrücke ein neues, und mir wurde das Buch noch einmal mehr nicht nur das Leiden der Bevölkerung nach Kriegsende verdeutlicht, sondern auch der unglaublich rasche politische Umschwung zwischen den einstigen Verbündeten USA/UdSSR, die dann in kurzer Zeit zu Gegnern wurden, bis hin zum Kalten Krieg (der in diesem Buch nicht mehr Thema ist).
In diesem humorvoll und locker-flockig geschriebenen, unterhaltsamen Buch begleiten wir die Autorin Susanne auf ihrem Weg hin zu einem authentischeren, erfüllteren Leben.
Susanne ist um die 30 und auf ...
In diesem humorvoll und locker-flockig geschriebenen, unterhaltsamen Buch begleiten wir die Autorin Susanne auf ihrem Weg hin zu einem authentischeren, erfüllteren Leben.
Susanne ist um die 30 und auf dem besten Weg zu einem in den Augen vieler angesehenen und erfolgreichen Leben: sie hat ihr Psychologiestudium mit Bestnoten absolviert, einen guten, sicheren, unbefristeten Job erreicht und ist in einer Beziehung mit einem Mann, der demnächst heiraten und Kinder kriegen will. Alles super, oder? Doch glücklich ist Susanne nicht, und die leise, nagende Stimme in ihrem Herzen, die ihr sagt, dass sie dringend etwas Gravierendes in ihrem Leben ändern sollte, meldet sich immer wieder.
An diesem Punkt sind viele Menschen irgendwann in ihrem Leben, doch nicht alle haben so viel Mut wie Susanne. Als sie spürt, dass es dran ist, auf Weltreise zu gehen, bittet sie ihren Chef um eine Auszeit. Dies wird in dieser Firma aber nicht gestattet, also kündigt Susanne den sicheren Job einfach. Sie bucht ein Ticket nach Südamerika, one-way und ganz alleine. Dort wird sie viele Monate verbringen, mit ihrer offenen, freundlichen Art Menschen kennen lernen, Gelegenheitsjobs annehmen, auf fremden Sofas und in wechselnden Hostelzimmern übernachten, durch verschiedene Länder Südamerikas (und zwischendurch auch mal wieder Europas) reisen und sich auf fremde Kulturen und den Fluss des Lebens einlassen.
Wir begleiten Susanne auf diesem Weg und erleben, wie sie mit ihren alten Ängsten, ihrem Sicherheitsdenken, Selbstwertproblemen und hinderlichen Glaubenssätzen zu kämpfen hat und diese Schritt für Schritt überwindet. Dabei wendet sie sowohl Techniken aus ihrem Psychologiestudium als auch aus den fernöstlichen Weisheitslehren an, insbesondere aus dem Yoga. Vor allem aber sieht sie sich immer wieder mutig und aufrichtig in den Spiegel, um sich selbst damit zu konfrontieren, wo sie gerade in ihrer Entwicklung steht und was als nächster Schritt dran ist.
Besonders schön habe ich an dem Buch die Beispiele dafür gefunden, wie Susanne sich auch von negativen Glaubenssätzen anderer (z.B. dazu, dass es in reichen Ländern kaum hilfsbereite, freundliche Menschen geben würde) nicht herunterziehen lässt, sondern an ihrer hoffnungsvollen, positiven Einstellung festhält, und dadurch, entsprechend dem Prinzip der selbsterfüllenden Prophezeiung, auch tatsächlich immer wieder durch die schönen Erfahrungen und netten Begegnungen, sie sie erlebt, in ihrer lebensbejahenden und menschenfreundlichen Haltung bestätigt wird.
Als eine, die selbst sowohl gerne individuell reist, als auch ihrer inneren Stimme folgt, habe ich mich mit Susanne beim Lesen des Buches sehr verbunden gefühlt und mich über jeden ihrer Schritte zur Selbstbefreiung gefreut. Das Buch ist unterhaltsam, angenehm und lebensnah geschrieben, es fällt einem leicht, sich in die Protagonistin einzufühlen und ihren Weg innerlich mitzuerleben. Es ist ein Buch, das Hoffnung, Optimismus und Menschenfreude vermittelt und damit unglaublich gut tut in einer stark von Krisen und Pessimismus geprägten Zeit. Alles Gute auf deinem weiteren Weg, liebe Susanne, und danke für dieses inspirierende Buch!
Max Grund ist Unternehmer und alleinerziehender Vater. Und er macht sich Gedanken. Viele Gedanken, differenzierte Gedanken. Über das, was in Deutschland und in der Welt los ist. Über die Wirtschaft, die ...
Max Grund ist Unternehmer und alleinerziehender Vater. Und er macht sich Gedanken. Viele Gedanken, differenzierte Gedanken. Über das, was in Deutschland und in der Welt los ist. Über die Wirtschaft, die Politik, die verschiedenen Kriege, über den Klimawandel, die Coronazeit und das Gendern und über vieles mehr.
Und darüber, was mit unserer gesellschaftlichen Diskussionskultur passiert ist. Lange Zeit spielen sich viele seiner Gedanken nur in seinem Kopf ab, und gelegentlich in einzelnen Kommentaren gegenüber Freunden und Verwandten. Max fühlt sich unwohl, er versteht nicht, wie wir dahin gekommen sind, dass scheinbar in so vielen Bereichen gegen den Willen vieler Menschen regiert wird... und das nicht einmal mehr diskutiert werden darf. Als er sich schließlich doch traut, auf seinem Social Media Account seine Meinung zu äußern, erntet er genau die Konsequenzen, die befürchtet wurden.
Ich selbst als Rezensentin bin aus Österreich und hätte noch vor ein paar Jahren diesen Roman einfach als schlimme Dystopie angesehen und gehofft, dass es nie so weit kommt. In den letzten Jahren habe ich aber selbst vielfach beobachtet, wie Menschen, die einfach nur nicht zu 100 % der Regierungslinie gefolgt sind und es gewagt haben, eigene Gedanken oder sogar Kritik öffentlich zu äußern, in kürzester Zeit ihre guten Jobs, Kontakte und ihren Ruf verloren haben. Nach der Lektüre dieses Buches vermute ich, dass es in Deutschland und in vielen anderen Ländern ähnlich ist. Ich erlebe auch im Bekanntenkreis viele Menschen, die sehr eingeschüchtert sind und nur noch selten ihre Meinung äußern, schon gar nicht öffentlich. In vielen Bereichen wurde der gesellschaftliche Diskurs völlig vergiftet.
Umso mutiger finde ich es vom Autor, dieses Thema über seinen "Roman" aufzugreifen. Man muss dem Protagonisten "Max Grund" nicht in allen Details zustimmen, um berührt von der grundlegenden Botschaft des Buches zu sein und diese zu unterschreiben: wie wichtig es ist, dass wir nicht nur weiterhin eigene Gedanken haben, sondern diese auch äußern dürfen, auch solche, die dem momentanen politischen und medialen Mainstream widersprechen, ohne sofort drastische persönliche und berufliche Konsequenzen fürchten zu müssen. Möge das Buch ein guter Beitrag sein, um Bewusstsein in diese Richtung zu schaffen!