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Veröffentlicht am 17.11.2017

Hollywood meets 1001 Nacht

Nalia, Tochter der Elemente - Der Jadedolch
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Meine Meinung:
Wieder ein Buch, dass uns in die Welt der Dschinn entführt, doch dieses Mal bleiben wir auf der Erde, genauer gesagt in Los Angeles. Ich war ja erst etwas skeptisch. Hollywood meets 1001 ...

Meine Meinung:
Wieder ein Buch, dass uns in die Welt der Dschinn entführt, doch dieses Mal bleiben wir auf der Erde, genauer gesagt in Los Angeles. Ich war ja erst etwas skeptisch. Hollywood meets 1001 Nacht? Das wollte bei mir nicht so recht zusammenpassen, doch ich wurde positiv überrascht, denn es funktioniert erstaunlich gut.

Wo ich zuvor Angst hatte, dass durch das reale Setting „Die Magie von 1001 Nacht“ verloren gehen könnte, wurde ich von der Autorin eines Besseren belehrt. Durch ihren kunstvollen und bildhaften (aber nicht zu überladenden) Schreibstil schafft Heather Dementrios es, den Flair der Stadt der Reichen und Schönen und die orientalische Magie der Dschinns gekonnt miteinander zu verknüpfen.

Allgemein gefiel mir das ganze Konzept ziemlich gut. Die Einteilung der Dschinns in Kasten und Elemente, die Beschreibungen von Ardjinna, aber vor allem die Art und Weise, wie sich die Dschinn in Hollywood einfügen. Die Idee, dass Dschinn versklavt und in Flaschen verkorkt an die Superreichen verkauft werden ist interessant.

Die Art und Weise mit einer solchen Versklavung umzugehen bez. sie zu bewältigen und die Sehnsucht nach Freiheit sind in diesem Buch zentrale Themen zwischen den Zeilen, was mir gut gefallen hat, da die Protagonistin dadurch mehr Tiefgang gewinnt. Zwar ist Nalia für mich nicht die super tolle Protagonistin, aber ich konnte ihre Handlungen und Denkweisen sehr gut kennen lernen und dadurch sehr gut mit ihr mitfiebern. Ein bisschen blass dagegen wirkte Raif auf mich, er war mir zwar durchaus sympathisch (sehr sogar), aber hier fehlte mir etwas mehr Hintergrund, und Einsicht, trotz der Kapitel die aus seiner Sicht sind. Aber da kann man ja auf den zweiten Band hoffen.
Ein grandioser und absolut unausstehlicher Charakter zugleich war für mich Malek. Er ist auf den ersten Blick widerlich und machtgeil, aber in manchen Momenten zeigt er eine überraschende Sanftmut, die mich genauso irritierte wie Nalia. Ein wunderbar zwiespältiger Antagonist.

Die Handlung ist auf der einen Seite spannend, aber auf der anderen Seite hätte sie an manchen Stellen etwas mehr Pepp und Tempo vertragen können, gerade auf den ersten 200 Seiten. Das ist auch der Grund, warum es „nur“ 4 statt 5 Dreiecke sind. Sehr gut gefallen haben mir die kurzen Kapitel aus der Sicht des Verfolgers. Mit ihren brutalen Schilderungen stehen sie im harten Kontrast zur restlichen Geschichte und vermitteln ein konstantes Gefühl der Bedrohung, die die Spannung erhöht. Außerdem war es ziemlich interessant kurzer Einblicke in die Welt der Dschinns in anderen Ländern zu erhaschen.

Fazit:
Hier und da hat das Buch ein paar kleinere Mängel, aber insgesamt ist es durchaus ein tolles Lesevergnügen, dass das glitzernde Hollywood auf interessante Art und Weise mit der orientalischen Magie der Dschinn verbindet.

Veröffentlicht am 11.11.2017

Machtkampf in einer fremden Galaxie

Herrscherin der tausend Sonnen
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„Eine Prinzessin, so mutig wie Arya Stark“ Das ist doch mal eine Ansage vom Verlag und hat mich gleich neugierig auf das Buch gemacht, da konnte mich auch die Anpreisung „Für Fans von Star Wars“ nicht ...

„Eine Prinzessin, so mutig wie Arya Stark“ Das ist doch mal eine Ansage vom Verlag und hat mich gleich neugierig auf das Buch gemacht, da konnte mich auch die Anpreisung „Für Fans von Star Wars“ nicht schrecken (Sorry, bin kein Star Wars Fan). Im Endeffekt war es sowieso ganz anders als erwartet.

Das Buch spielt in einer fiktiven Galaxie. Zu Beginn gibt es eine kurze Übersicht der wichtigsten Personen und Planeten, wobei sie wirklich sehr kurz ist, da dreimal so viele Planeten im Laufe der Handlung genannt werden, als aufgeführt sind. Das hätte ruhig ausführlicher, oder besser noch mit einer Karte gelöst werden können. Auch für die vielen Verschiedenen Völker hätte ich mir ein Glossar gewünscht, da viele im Buch nur flüchtig beschrieben worden sind, sodass man überhaupt keine Vorstellung hatte was das für Wesen sind. Auch bei einigen fiktiven Begriffen erschloss sich mir der Sinn erst bei mehrmaliger Verwendung. Entweder ich mache ein ordentliches Glossar, oder ich beschreibe alles so gut, dass ich kein Glossar brauche.

Ich glaube das war auch der Hauptgrund, warum es mich nicht 100 Prozent gepackt hat, denn die Handlung ist durchaus sehr spannend. Rhee’s Suche nach dem Mörder ihrer Familie, sowie Aly’s Flucht als meistgesuchter Mann der Galaxie geben dem Buch einiges an Action, aber auch allerhand Intrigen und Geheimnisse, die nicht zu vorhersehbar waren und mich das ein wie das andere Mal überraschen konnten.

Das Buch ist abwechselnd aus der Sicht von Rhiannon und Alyosha geschrieben. Bei Rhee fehlte mir zwar noch ein bisschen der angepriesene Biss, aber sie macht einen vielversprechenden Prozess durch, der mich sehr neugierig auf den zweiten Band macht.
Mit Aly hingegen brauchte ich etwas um warm zu werden. Sein Erzählstrang, sowie er selbst waren mir anfangs zu planlos, ich wusste nicht wo das hinführen soll, aber ab der Mitte wurden das wesentlich besser und zum Ende kommen einige Entdeckungen und Wendungen dazu, die mich mehr als nur neugierig auf den weiteren Verlauf der Geschichte machten.

Fazit:
Ich brauchte etwas um mit Buch und Charaktere warm zu werden, aber die durchweg interessanten Wendungen und Kniffe konnten mich letztendlich doch gut unterhalten.

Veröffentlicht am 15.09.2017

Highway to Hell

Demon Road (Band 1) - Hölle und Highway
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Derek Landy's Skulduggery Pleasant ist wohl fast jedem ein Begriff. Ich muss zugeben, dass Demon Road mein erstes Buch von dem Autor war. (Skulduggery liegt auf dem SUB). Gelockt hat mich vor allem die ...

Derek Landy's Skulduggery Pleasant ist wohl fast jedem ein Begriff. Ich muss zugeben, dass Demon Road mein erstes Buch von dem Autor war. (Skulduggery liegt auf dem SUB). Gelockt hat mich vor allem die Werbung vom Loewe Verlag:
„Demon Road ist ein irrwitziger Roadtrip, eine außergewöhnliche Coming-of-Age Geschichte und zugleich eine großartige Hommage an das amerikanische Horrorgenre, von Stephen Kings Klassikern bis zur Erfolgsserie Supernatural. “

Da Supernatural meine absolute Lieblingsserie ist, hoffte ich auf einen rasanten Roadtrip mit gruseligen Monstern, coolen Charakteren und jede Menge Badass Momenten. So ganz bekommen habe ich das leider nicht.

Gut gefallen haben mir der Roadtrip und die Monster. Die Route führt quer durch die USA und Landy trifft genau die richtige Mischung dabei das Roadtrip Gefühl zu übermitteln, ohne die Strecke allzu genau zu beschreiben und jede 3. Pinkelpause zu erläutern. Auch die Monster fand ich klasse, besonders die Vielfalt und Kreativität, die Landy hier an den Tag legt. Die Monster an sich z.B Hexe sind nichts neues, aber er interpretiert sie auf seine ganz eigene Art und Weise. Die einzelnen Stationen auf der Route gleichen in der Tat ein bisschen den Fällen von Dean und Sam. Handlungstechnisch kann ich also nicht klagen.
Was hat also gefehlt? Schauen wir uns nochmal meine Erwartungen an:

Rasanter Roadtrip mit coolem Auto: check
gruselige Monster ohne 0815 Schema: check
Badass Momente: ok: könnten mehr sein
Coole Charaktere: nope

Da haben wir den Fehler. Die Charaktere. Als erstes haben wir natürlich Protagonistin Amber. Die 16 jährige etwas mollige Teenagerin fällt verständlicherweise aus allem Wolken als sie feststellen muss, dass sie auf dem Speiseplan ihrer Eltern steht. Ich kann verstehen, dass der Schock erstmal tief sitzt, aber dennoch ging sie mir am Anfang tierisch auf den Keks. Sie wäre fast von ihren Eltern getötet worden, hat gesehen wie diese eiskalt zwei Menschen töteten und als sie jemanden trifft der ihr helfen will und aus der Stadt bringen will, heult sie rum, weil sie nicht weg will und lieber über alles reden will. Noch schlimme ist allerdings der Verlust des Handys und dass sie sich dadurch nicht mehr in ihrem Lieblingsserien Forum einloggen kann. Das Mädchen sollte dringend seine Prioritäten überdenken. Später wird sie etwas vernünftiger und reifer, aber in der ersten Hälfte …

Dann ist da Glen. Einen wirrer Typ der zwischendurch eingesammelt wird und offenbar nur dazu da ist als Sidekick zu dienen und hin und wieder pseudowitzige Bemerkungen dazwischen zu rufen. Er erfüllt absolut keine Funktion und ging mir tierisch auf die Nerven.

Als letztes haben wir Milo. Der einzige Charakter den ich wirklich mochte, sogar liebte. Er ist der hart gesottene Monsterjäger, den ich mir gewünscht hatte (gut, eigentlich ist er kein Jäger, aber ihr wisst was ich meine). Besonders als man etwas mehr über seine Vergangenheit herausfindet, bekommt er eine interessante Zwiespältigkeit, die ihm mehr Tiefe verleiht. Und er ist einfach cool. Punkt.

Zum Schluss muss ich noch anmerken, dass ich die Altersempfehlung von 14 Jahren nicht verstehen kann. Ich würde es erst ab 16 empfehlen, immer hin fallen einer Person (steht wortwörtlich so da) die dampfenden Eingeweide auf den Boden. Für 14 ist es zu viel Blut und Gemetzel.

Fazit:
Mit anderen Charakteren hätte das ein grandioser Roman werden können. Ein cooler Wagen, interessante Monster und einiges an Action und Monstergemetzel. Wären Amber und vor allem Glen nur nicht so nervtötend gewesen.

Veröffentlicht am 05.01.2020

Prima für Zwischendurch

Lily Frost
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Ich liebe Bücher mit Geistergeschichten, was ziemlich ironisch ist wo ich doch bei Horrorfilmen ein absolutes Weichei bin =D Lily Frost wanderte daher recht schnell, nach dem ich es entdeckt hatte auf ...

Ich liebe Bücher mit Geistergeschichten, was ziemlich ironisch ist wo ich doch bei Horrorfilmen ein absolutes Weichei bin =D Lily Frost wanderte daher recht schnell, nach dem ich es entdeckt hatte auf die Wunschliste.

In dem Buch begleiten wir die 15 jährige Lily Frost, die gegen ihren Willen mit ihren Eltern von der Großstadt Melbourne in das Kaff Gideon ziehen muss. Ein Ort der weniger Einwohner hat, als ihre alte Schule Schüler!Und als wäre es nicht schon schlimm genug alle Freunde hinter sich zu lassen, geschehen in dem neuen Haus seltsame und beunruhigende Dinge. Es ist eiskalt, Leitungen spielen verrückt und ständig tauchen Pfützen auf. Lily ahnt: es muss etwas mit dem Mädchen zu tun haben, das vor ihr in dem Haus gewohnt hat und seither vermisst wird...

Das Positive zuerst: Ich habe das Buch in gerade mal 4h durchgelesen. Gut zum einen lag das natürlich an der süßen Seitenzahl von 235, aber auch an der gut gelungenen Spannung in dem Buch. Das Geheimnis rund um den Geist und die damit verbundenen Fragen ließen mich sehr zügig weiterlesen. Die Antwortsbrocken bekam man in gut gewählten Abständen präsentiert, sodass man immer neugierig blieb und weiter las.

Die Protagonistin Lily ist ein Teeanger mitten in den Wirren der Pubertät und das merkt man ihr auch deutlich an. Sie ist des öfteren zickig oder bockig. Ich denke das wird einige Leser deutlich abschrecken, gerade diejenigen die nicht mehr im Teenager alter sind. Komischerweise fand ich sie eigentlich gar nicht so schlimm. Sie war zwar hin und wieder pampig, aber ich fand, das es realistisch wirkte und nicht künstlich aufgezogen.
Ich als Metropolenmensch durch und durch kann in gewisser Weise nachvollziehen, wie schrecklich es sein muss von einer Stadt wie Melbourne in so eine popelige Kleinstadt zu ziehen. Noch dazu wenn man selbst etwas schüchtern ist und nur schwer neue Freunde findet. Daher fand ich Lilys Charakter nicht ganz so schlimm, da ich es bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen konnte. Da hatte ich schon viel nervigere Protas.

Was mir allerdings nicht so gut gefallen hat war, dass einig Handlungsstränge zum Ende hin sehr offen blieben. Allgemein kommt das Ende ziemlich abrupt. Da wäre es besser gewesen entweder 100 Seiten mehr zu schreiben und alle Handlungsstränge ordentlich auszubauen und zusammen zu führen. Oder man konzentriert sich nur auf die Haupthandlung also die Sache mit dem Geist und lässt Sachen wie eine angedeutete Liebe weg. So wie es jetzt ist, ist es nichts Halbes und nichts Ganzes und das finde ich sehr schade.

Fazit:

Lily Frost ist ein Buch prima für zwischendurch. Es ist spannend und schnell gelesen, allerdings verlieren sich die Nebenhandlungsstränge im nichts, weswegen die Tiefe etwas verloren geht.

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Veröffentlicht am 23.01.2025

Midlife-Crisis im wilden Westen

WEST
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Dieses Buch war ein völlig spontaner Zufallsfund im Second-Hand-Laden, der dank des Covers und wohl auch unter dem Einfluss des gerade wieder gespielten Red Dead Redemption mitdurfte und dann auch direkt ...

Dieses Buch war ein völlig spontaner Zufallsfund im Second-Hand-Laden, der dank des Covers und wohl auch unter dem Einfluss des gerade wieder gespielten Red Dead Redemption mitdurfte und dann auch direkt von mir gelesen wurde. Doch hat sich der Spontankauf gelohnt?

Von der Sehnsucht
Wir schreiben das Jahr 1815. Die junge USA ist zwar noch ein bedeutendes Stück kleiner, als heute, aber gerade mächtig gewachsen. Erst 1803 hat man Frankreich die Kolonie Louisiana abgekauft und besaß nun plötzlich rund doppelt so viel Land, wie zuvor (zur Vorstellung der Dimension: das verkaufte Gebiet umfasst fast ¼ des heutigen Staatsgebietes der USA), von dem man zu großen Teilen gar keine Ahnung hatte, wie es ausschaut. Wenn das mal keine Katze im Sack war.
Nachdem die von Präsident Thomas Jefferson beauftrage Lewis-und-Clark-Expedition zur Erkundung der neuerworbenen Gebiete ein voller Erfolg war, brach ein regelrechter Sturm nach Westen aus. Landvermesser und Forscher, aber auch Abenteurer und vor allem Händler, die auf lukrative Geschäfte aus waren, zog es in “DEN Westen”. Es war geradezu eine kollektive Sehnsucht nach dem Unbekannten. Nachdem die erste Welle der Pioniere längst vorbei war, hatten nun Glücksritter und Möchtegernentdecker endlich wieder die Chance der Tristesse des Alltags zu entfliehen und, so stellen sie es sich vor, etwas Großes und Bedeutsames zu leiste.

Von dieser Sehnsucht wird auch Maultierzüchter Cy Bellman erfasst. Der Auslöser erscheint trivial, der Fund von riesigen Knochen eines geheimnisvollen Tieres, doch dieser lässt Bellman nicht los. Es scheint absurd, dass dies allein für ihn ausreicht alles stehen und liegen zu lassen, die Tochter bei der Tante zu verfrachten und einfach ins Unbekannte zu reiten, aber letztendlich geht es auch gar nicht um die Knochen.
Was die Autorin hier beschreibt, ist in meinen Augen eine Geschichte über Sehnsucht. Nicht nach irgendwelchen Riesentieren, sondern danach etwas zu erreichen. Eine Spur in der Geschichte zu hinterlassen. Der eigene Name der den eigenen Tod überdauern soll, dies ist ein Wunsch, der noch heute viele Menschen antreibt und zu Ruhemsjäger werden lässt, nur eben mittlerweile mit Klicks und Lieks, statt großen Entdeckungen. Amüsant fand ich dabei auch die kurze Spitze über Midlifecrisis von Männern, die Davies der Tante in den Mund legt.

Und so zieht also auch Bellmann los, nicht wirklich als Abenteurer, sondern als Getriebener, verfolgt von den eigenen Hoffnungen und Träume und wie es damit ist, wenn man sich an etwas klammert, fällt es schwer davon abzulassen, selbst wenn es längst nicht mehr vernünftig ist. So ist es auch mit Bellmann. Beim Lesen merkt man schon, dass er an den Punkt kommt, wo ihm klar wird, dass es aussichtslos ist, doch umzukehren würde nicht nur bedeuten sich eingestehen zu müssen, dass man Luftschlösser hinterherjagte, sondern auch eine Rückkehr mit leeren Händen in den schnöden Alltag bedeuten. Als Leser ist das bittersüß mitzuerleben, denn es ist schnell klar, was für Knochen da gefunden wurden und ebenso klar ist der/m Leser/in dadurch, wie aussichtslos dieses Unterfangen ist. Das Gefühl, zusammen mit Bellman sehenden Auges ins Unheil zu rennen, wird noch durch den nüchternen Stil der Autorin verstärkt.

Verstanden? Ja, gefühlt? Nein.
Womit wir mit dem Stil auch bei meinem Problem mit dem Buch wären. Denn die Faszination für die Getriebenheit Bellmans wider jeder Vernunft ist so ziemlich das einzige Gefühl, dass das Buch bei mir hervorrief. Ja, ich habe die Thematik verstanden, ich habe auch die Anspielungen auf die Verfolgung der Native Americans, des beginnenden Kapitalismus und die Unterdrückung der Frau zur Kenntnis genommen, nur gefühlt hab ich es nicht. Und das liegt nicht allein am nüchternen Stil. Anna Seghers zum Beispiel ist eine Meisterin dieses Stils und erzeugt dennoch große Emotionen beim Leser. Warum funktionierte es also hier für mich nicht?
Nun zum einen gibt die Handlung nicht viel her, Bellmans Reise mag voller Entbehrungen sein, verläuft trotzdem ziemlich ereignislos. Bess Erlebnisse mögen da dramatischer sein, waren aber auch ziemlich vorhersehbar. Das sorgte dafür das keine der beiden handlugnssträngenw irklcih mti Spannugn oder Interessantes punkten konnte. Auch den einzelnen durchaus klugen Bemerkungen fehlt es an Biss, um wirklich prägnant zu sein und so ziehen die Seiten an einem vorüber, ohne dass ich das Gefühl hatte, hier viel mitzunehmen. Und schlussendlich ließen mich auch so manche Ereignisse im Buch an ihrer Machbarkeit zweifeln. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass man Stricknadeln einfach so als tödliche Pfeile mit einem Bogen abschießen kann.

Fazit:


West wirft interessante Fragen zum Thema Suche und Sehnsucht und der menschlichen Natur auf, bleibt jedoch emotional distanziert. Obwohl die Idee und die historische Einbettung viel Potenzial bieten, schafft das Buch es nicht eine tiefere Bindung zum Leser aufzubauen. Die Handlung wirkt streckenweise ereignislos und manche Entwicklungen erscheinen wenig glaubhaft. Insgesamt ein Werk, das intellektuell ansprechend, aber emotional schwer greifbar bleibt – für manche Leser vielleicht faszinierend, für mich eher ein Buch, dass ich zwar nicht bereue gelesen zu haben, aber wohl auch schnell vergessen werde.

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