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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.10.2024

Tolle Zeitreise in das Paris der 1950er Jahre mit sympathischen Charakteren

Ein Tropfen vom Glück
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16.09.1954: In Charmally-les-Vignes wird der Winzer Pierre Chaveau nach einem feuchtfröhlichen Abend auf dem Nachhauseweg von einem gleißenden Licht geblendet - und seitdem nie wieder gesehen.
September ...

16.09.1954: In Charmally-les-Vignes wird der Winzer Pierre Chaveau nach einem feuchtfröhlichen Abend auf dem Nachhauseweg von einem gleißenden Licht geblendet - und seitdem nie wieder gesehen.
September 2017: Die vier Bewohner eines Hauses in Paris finden sich nach einem verhinderten Einbruch zusammen im Keller wieder. Hubert findet eine Flasche Wein aus dem Jahr 1954, die er gemeinsam mit den anderen öffnet und leer trinkt. Am nächsten Tag scheint zunächst alles normal, doch nach und nach merken die vier, Hubert, Magalie, Julien und Bob, dass sie sich nicht mehr im Jahr 2017 befinden sondern im Jahr 1954. Nach dem ersten Schock versuchen sie gemeinsam, eine Möglichkeit zu finden, wieder in ihr "altes" Leben zurückkehren.

Das Cover finde ich, wie fast alle von Antoine Laurain, sehr gut gestaltet. Den Anfang des Buchs musste ich zwei Mal lesen, weil es darin um das Verschwinden Pierre Chaveaus im Jahr 1954 geht. Direkt danach wechselt man ins Jahr 2017 und lernt die vier Charaktere kennen, die alle im Haus wohnen und teilweise auch arbeiten. Huberts Vorfahren bauten das Haus und er ist stolz, immer noch Teil des Hauses zu sein. Bob ist Amerikaner und hat sich dort allein ein Zimmer gemietet, er spricht etwas französisch und kommt schnell mit den anderen Bewohnern ins Gespräch. Magalie, die von allen nur Abby genannt wird, kleidet sich im Gothic-Stil, ist Restauratorin und hat einen kleinen Laden im Erdgeschoss. Julien ist der Enkel von Pierre Chaveau, der damals verschwand und interessiert sich, auch wegen aller möglichen Theorien über das Verschwinden, sehr für Ufos und trägt alles an Literatur zusammen, was er dazu finden kann.
Die Charaktere sind einem allesamt sofort sympathisch, es ist eine bunte Gruppe, die sich unter normalen Umständen kaum zusammen finden würde. Das Buch lebt für mich von der schönen Erzählweise, gerade in das Paris der 1950er Jahre kann man sich sehr gut zurück versetzen.
Auch die Abenteuer, die die vier erleben, wird gut beschrieben. Mein Kritikpunkt ist allerdings, dass das Buch gerne noch einige Seiten mehr vertragen könnte. Ich hätte mir noch mehr Überraschungen und Wendungen gewünscht.

Alles in allem trotzdem ein tolles Buch für alle, die sich gerne in die Stadt der Liebe hinein lesen möchten und Antoine Laurain so oder so als Autor bereits schätzen!

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Veröffentlicht am 11.09.2024

Gelungener Auftakt einer Krimireihe

Cold Case - Das verschwundene Mädchen
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Tess Hjalmarsson arbeitet in der Cold Case-Abteilung der Polizei in Schweden. Als zu einem früheren Vermisstenfall neue Spuren am Tatort auftauchen, öffnet sie die Akte erneut und ist fest entschlossen, ...

Tess Hjalmarsson arbeitet in der Cold Case-Abteilung der Polizei in Schweden. Als zu einem früheren Vermisstenfall neue Spuren am Tatort auftauchen, öffnet sie die Akte erneut und ist fest entschlossen, den Täter zu finden. Als dann wieder ein Mädchen verschwindet, geht Tess davon aus, dass es derselbe Täter wie damals sein muss. Aber sie muss sich beeilen, bevor er erneut zuschlagen kann.

Ich hatte von Tina Frennstedt bereits "Cold Case - Das letzte Bild" gelesen (den neuesten Band) und dies hier war mein zweiter Band. Wieder einmal konnte mich Tina Frennstedt mit ihrem Krimi überzeugen.
Der Erzählstil ist gut und leicht zu lesen. Die beiden Geschichten sind sehr spannend erzählt und man rätselt die ganze Zeit mit, wer der Täter ist. Auch das Privatleben von Tess, was nicht immer einfach ist, wird beleuchtet, das hat mir gut gefallen und lässt die Geschichte noch realistischer und nahbarer erscheinen. Auch die Auflösung ist schlüssig. Mein einziger kleiner Kritikpunkt sind die Längen, die das Buch an einigen Stellen hatte, was dem Ganzen in seiner Spannung keinen Abbruch tut.

Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung an alle, die einen gut gearbeiteten, kurzweiligen und vor allem spannenden Krimi suchen!

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Veröffentlicht am 05.09.2024

Humorvolle Geschichte aus der Sicht eines Katers mit Tiefgang

Frankie
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Frankie ist ein Straßenkater, aus seiner Sicht ist das Buch geschrieben. Er schlägt sich meist ganz gut durchs Leben und kommt zu Beginn der Geschichte an einem Haus vorbei, an dem er schon öfter langgelaufen ...

Frankie ist ein Straßenkater, aus seiner Sicht ist das Buch geschrieben. Er schlägt sich meist ganz gut durchs Leben und kommt zu Beginn der Geschichte an einem Haus vorbei, an dem er schon öfter langgelaufen ist. Er sieht einen Mann, den er vorher dort noch nie gesehen hat. Richard Gold möchte seinem Leben ein Ende machen als er Frankie draußen stehen sieht. Kurzerhand lässt er ihn ins Haus und die skurrile und außergewöhnliche Freundschaft zwischen den beiden beginnt.

Mir hat das Cover gut gefallen, genauso habe ich mir Frankie auch beim Lesen vorgestellt. Er erzählt in seinem ganz eigenen Stil, oft unwissend, sodass man sich als Leser fragt, was er mit diesem oder jenem Begriff meint und sich dann die Hand vor die Stirn schlägt, weil er Dinge einfach anders umschreibt. Die Sprache ist einfach, man kommt sehr gut in die Geschichte rein und gewöhnt sich schnell an die Sichtweise des Katers. Meist locker und leicht fliegt man durch die Seiten, der melancholische und ernste Aspekt der Geschichte wird jedoch nie überdeckt.
Über Richard Gold erfährt man nur etwas aus Frankies Sicht, aber man kommt schnell dahinter, dass er einsam ist und nicht mehr leben möchte. Umso schöner ist es zu lesen, wie schnell er sich an Frankie als neuen "Freund" gewöhnt, der vor allem das weiche Bett und die regelmäßigen Mahlzeiten schätzt.

Der Roman ist mit knapp 190 Seiten zwar überschaubar, aber er verliert mit all seinem Humor und seiner leichten Erzählweise nie die wichtigen Dinge aus den Augen: wie sehr Freundschaft einem Menschen (und auch Tieren anscheinend) ins Leben zurück helfen kann und man nie alleine sein muss. Trotz der ungewöhnlichen Erzählweise kann ich das Buch sehr empfehlen.
Einzige kleine Kritikpunkte ist das für mich nicht ganz befriedigende Ende und die Kürze der Geschichte, für mich hätte es gerne noch ein paar mehr Seiten haben können.
Ein Muss für alle Katzenliebhaber, aber auch alle anderen werden sich an der Geschichte erfreuen.

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Veröffentlicht am 03.09.2024

Berührende und ungewöhnlich erzählte Geschichte über japanische Auswanderinnen

Wovon wir träumten
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Das Buch basiert auf den wahren Geschichten von jungen Japanerinnen, die Anfang des 20. Jahrhunderts in die USA geschickt wurden um dort die Männer zu heiraten, die sie vorher auf einem Bild einer Heiratsvermittlung ...

Das Buch basiert auf den wahren Geschichten von jungen Japanerinnen, die Anfang des 20. Jahrhunderts in die USA geschickt wurden um dort die Männer zu heiraten, die sie vorher auf einem Bild einer Heiratsvermittlung gesehen haben. Es wird der Abschied aus der Heimat, die schwierige Reise und das Leben in die USA beschrieben. Nicht immer bekamen sie dort das, was sie erwartet hatten oder ihnen versprochen wurde.

Da dies der erste Roman von Julie Otsuka auf Deutsch ist, war das auch mein erster Roman, den ich von ihr gelesen habe. Das Cover ist sehr ansprechend, man fühlt direkt die Atmosphäre eines Abschieds und verbindet die Kirschblüten direkt mit Japan.
Das Besondere für mich ist der Erzählstil und der Aufbau der Geschichte. Es gibt keine Hauptfigur, vielmehr werden die Aussagen der Frauen aus der Wir-Perspektive erzählt, sodass man als Leser einen guten Einblick in die Zustände und Gefühle der Frauen bekommt. Zu der Geschichte, die die Autorin erzählen möchte, passt diese Erzählweise perfekt, reduziert sie doch das Leid der Japanerinnen nicht auf eine einzelne Figur sondern steht stellvertretend für tausende von ihnen.
Die Frauen führen in den USA meist ein Leben am Rande der Gesellschaft, als einfache Arbeiterin auf dem Feld beispielsweise. Die Autorin schafft es hervorragend, mit einer Klarheit zu erzählen und dabei nie die Distanz zu den Frauen zu verlieren.
Mein einziger Kritikpunkt sind die oft sehr langen Aufzählungen in kurzen Sätzen, die an manchen Stellen das Lesen etwas schwierig gemacht haben.

Ich kann das Buch nur jedem empfehlen zu lesen, weil es ein Thema behandelt, von dem ich persönlich noch kein Buch gelesen habe, das gleichzeitig aber wichtig ist und nicht in Vergessenheit geraten darf. Es berührt, lässt einen nachdenklich zurück und bleibt im Gedächtnis. Es ist ein ungewöhnliches Buch, auf dass man sich jedoch unbedingt einlassen sollte!

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Veröffentlicht am 24.08.2024

Krimi um einen Mord in den höchsten Politikkreisen Österreichs

Freunderlwirtschaft
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Die Handlung beginnt im Jahr 1992 als die ältere Schwester der damals 12-Jährigen Alma Oberkofler verschwindet. Vier Jahre später beschließt sie, Polizistin zu werden, entgegen der Meinung der Eltern.
Im ...

Die Handlung beginnt im Jahr 1992 als die ältere Schwester der damals 12-Jährigen Alma Oberkofler verschwindet. Vier Jahre später beschließt sie, Polizistin zu werden, entgegen der Meinung der Eltern.
Im Hier und Jetzt ist sie Hauptkommissarin der Mordkommission in Wien. Sie hat gerade die Stelle angetreten, da bekommt sie auch den ersten Fall. Der Tourismus- und Landwirtschaftsminister Max Langwieser wird tot in seiner Wohnung aufgefunden. Seine Verlobte Jessica Pollauer, die spurlos mitsamt Max´Laptops verschwunden ist, wird schnell zur Hauptverdächtigen. Alma Oberkofler glaubt nicht an eine Beziehungstat, ermittelt weiter und findet viele Ungereimtheiten, die sich nicht nur in Max´ Umfeld bewegen.

Das Cover ist sehr schlicht gehalten, auf den ersten Blick hätte ich es nicht sofort einem Krimi zugeordnet. Es ist kein Krimi, der blutig oder unheimlich ausfällt, vielmehr wird hier ein mir eher unbekannteres Thema erschlossen: die "Freunderlwirtschaft" in den höchsten Kreisen der Politik. Dass es nicht immer gerecht und konform in der Politik zugeht, ist wahrscheinlich jedem klar, aber was in diesem fiktiven Krimi alles ans Tageslicht kommt, lässt einen sprachlos zurück.
Alma Oberkofler steht im Zentrum der Ermittlungen: eine selbstbewusste junge Frau, die sich durchbeißt in einer männerdominierten Branche. Sie lässt nicht locker und möchte jeden Fall, auch aufgrund des Verschwindens ihrer Schwester damals, aufdecken. Sie lässt sich nicht abschrecken durch Stolpersteine, die ihr bei den Ermittlungen in den Weg gelegt werden. Gemeinsam mit ihrem Team fügt sie Stück für Stück die Wahrheit vom Tos Max Langwiesers zusammen.
Die Handlung ist in übersichtliche Kapitel unterteilt. Man erfährt als Außenstehender abwechselnd die Geschehnisse rund um Alma und der Verlobten Jessica. Ebenso wird in Rückblenden erzählt, wie Jessica und Max sich kennengelernt haben, auch der Grund für die Versetzung Almas von Linz nach Wien wird thematisiert.
Der Erzählstil ist immer gut zu verstehen, auch die Kapitellängen sind genau richtig. An manchen Stellen zieht sich die Geschichte für meinen Geschmack etwas in die Länge, als Leser bekommt man Hinweise auf die Tat nur langsam und spärlich präsentiert.

Petra Hartlieb ist mit "Freunderlwirtschaft" ein sehr guter und spannender Krimi gelungen. Gerade die Thematik der Politik mit ihren Vertuschungen und Betrügereien gibt dem Ganzen eine interessante Note. Ich empfehle den Buch allen, die einen spannenden und kurzweiligen Krimi suchen, der ein ganz anderes Setting hat als das, was man normalerweise liest.

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