Profilbild von easymarkt3

easymarkt3

Lesejury Star
offline

easymarkt3 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit easymarkt3 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.12.2024

Über die Kraft der Natur und den Zauber der Berge

Über allen Bergen
0

Dem Cover liegt ein Gemälde einer verschneiten, bergigen Winterlandschaft zu Grunde mit einer braun gekleideten Person am unteren Bildrand – passend zum Szenarium des Romans in den französischen Alpen. ...

Dem Cover liegt ein Gemälde einer verschneiten, bergigen Winterlandschaft zu Grunde mit einer braun gekleideten Person am unteren Bildrand – passend zum Szenarium des Romans in den französischen Alpen. In drei Abschnitten je nach Jahreszeit strukturiert beginnt die Geschichte mit dem Jungen Vadim Pavlevitch, Jude, 12 Jahre alt, aus Paris. Ab dem Winter 1942 lebt er nun in Valloncine an den Aiguilles Rouges, einer Bergkette in den nördlichen französischen Alpen, unter falschem Namen - nämlich Vincent Dorselles – acht Monate lang in bäuerlicher Gemeinschaft bis zu erneutem Aufbruch im Herbst 1943. Nicht nur seine bisherige Asthma-Erkrankung heilt, auch seine anfängliche Schüchternheit, Blässe und Unterernährung scheinen während seines Reifeprozesses in idyllischer Landschaft und ursprünglicher Fauna und Flora zu schwinden. Während Vincent sich harmonisch einfügt bei der Mithilfe in tägliche bäuerliche Tätigkeiten, die sehr detailliert je nach Jahreszeit und Wetterlage beschrieben werden in authentischer, teils romantisierter Schreibweise, gewinnt er Freundschaft, erneute Familienwärme und fast eine neue Identität. Seine besondere Sensibilität für Farben erinnert nicht nur in seinen Zeichnungen an Kandinsky oder auch an Arthur Rimbaud mit seiner Sonett über Vokale, deren unterschiedlichen Charaktere er mit Farben verbindet. In die leise, atmosphärische Natur-Erzählung sind auch politische Fakten dieser Zeit eingeflochten wie die italienischen Alpini als Besatzer, Mussolinis Absetzung, die Ferienkindern aus Lyon etc. Anfang und Ende dieses Romans sind eingerahmt von den Gräueln des 2. Weltkriegs, doch im Kern bleibt in der dörflichen Abgeschiedenheit in den Bergen eine heile, behütende, mitmenschliche Welt bestehen. Der warmherzige, poetische Schreibstil gefällt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.11.2024

Sehr berührend und auch informativ.

Als wir im Schnee Blumen pflückten
0

Das gemalte Cover zeigt in herbstlicher Farbgebung eine karge, wasserreiche Landschaft mit einer Holzhütte und einem Seniorenpaar im Freien. Der seltsame Buchtitel deutet schon dezent auf menschlich unstimmige ...

Das gemalte Cover zeigt in herbstlicher Farbgebung eine karge, wasserreiche Landschaft mit einer Holzhütte und einem Seniorenpaar im Freien. Der seltsame Buchtitel deutet schon dezent auf menschlich unstimmige Gedankengänge hin. Beide Faktoren, Cover und Buchtitel, passen wunderbar zum traurigen Roman. Die Szenerie spielt im Norden Schwedens. Sämtliche Haupt- und Nebenfiguren werden authentisch und menschlich beschrieben. In zwei, sich aufeinander zu entwickelnden Erzählsträngen erfährt man viel über eine einzigartige Kultur, Traditionen und alte Sprache der Samen. Die traditionelle Tracht der "Kolt", Akkja - traditioneller schwedischer samischer Rentierschlitten, die acht Jahreszeiten oder das Joiken werden erwähnt. Die Dialoge zwischen Mariddja und der künstlichen Telefonstimme Siré sind teils humorvoll, offenbaren aber im Kern die große emotionale Not von Senioren, wie hier geplagt von Demenz und Krebs im Endstadium. Thematisiert werden die Zwangsumsiedlungen der Samen aus Gárasavvon/Karesuando und ihre Entwurzelung, in schmerzhaften Erinnerungen einfühlsam beschrieben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.09.2024

Ein Roman voller Abenteuer, Mystery und wichtiger Botschaft

Invictum
0

In Band 2 steht wieder Mike Brink mit seinem erworbenen Savant-Syndrom als Rätselmeister der Welt im Mittelpunkt, umgeben von Freunden wie Rachel und Dr. Gupta, aber auch von seinem Erzfeind Sedge, der ...

In Band 2 steht wieder Mike Brink mit seinem erworbenen Savant-Syndrom als Rätselmeister der Welt im Mittelpunkt, umgeben von Freunden wie Rachel und Dr. Gupta, aber auch von seinem Erzfeind Sedge, der als KI in seinem Netzwerk die Weltordnung bedroht. Die Szenerie spielt in Japan im Jahr des Holzdrachen auf Einladung des Kaisers. Die geheimnisvolle Drachenschatulle mit kaiserlichem Schatz, durch bisherige Experten nicht enträtselt, sorgt für reichlich Spannung, bespickt mit kreativen Rätseln, Abenteuern an verschiedenen mysteriösen Orten. Nebenbei wird von japanischer Geschichte inclusive dem Kaiserhaus, deren Kultur und Mythen, Göttinnen, über die Traditionen der Samurai berichtet. Diese langwierige Schatzsuche in zweiundsiebzig Schritten verläuft in zwei Erzählsträngen mit den charakterlich gegensätzlichen Schwestern Ume und Sakura. Neben der problematischen Öffnung dieser gefährlichen Drachenschatulle durch den schlussendlich richtigen Empfänger geht es auch um die wichtige Botschaft vielleicht nicht nur an Mike allein: Alles, was wir in diesem Leben lernen müssen, ist, mit uns selbst zufrieden zu sein, mit dem, wer wir sind.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.09.2024

Kampf zurück ins Leben nach schwerem Verlust

Mein drittes Leben
0

Das Cover zeigt eine Badenixe in kunstvollem Flug vom Sprungturm, vielleicht um den erneuten, auch waghalsigen Sprung ins Leben bildlich festzuhalten, wie das Romanende suggeriert. Die trauernde Hauptperson ...

Das Cover zeigt eine Badenixe in kunstvollem Flug vom Sprungturm, vielleicht um den erneuten, auch waghalsigen Sprung ins Leben bildlich festzuhalten, wie das Romanende suggeriert. Die trauernde Hauptperson Linda, die Ich-Erzählerin, geplagt von tiefster Depression und Schuldgefühlen nach dem Tod ihrer Tochter, zieht sich im ersten Romanteil ins dörfliche Hinterland Leipzigs zurück, fernab von ihrer interessanten Arbeit als freie Kuratorin, ohne Ehemann Richard, Familie und Freunde. Die Beschreibung ihres abgrundtief emotionalen und auch räumlichen Rückzugs wirkt authentisch, ihr Alltag bewusst nur noch konzentriert auf Haus, Garten, Hühner, Spaziergänge mit Hund Kaja, abendliche Medikamentendosis. Körperliche Arbeiten scheinen eine wichtige, heilsame Rolle zu spielen, um antisoziales Verhalten und sogar Suizidgedanken abzuschwächen im Verlauf von vielen Monaten. Besonders im zweiten Teil des tiefgehenden Romans beginnen neue Bekanntschaften das Leben wieder lebenswerter zu machen. Der Umzug zurück in die Stadt in neuer Wohnung ohne Erinnerungen scheint auch hilfreich zu sein im Genesungsprozess. Die Beschreibung ihrer zwischenmenschlichen Beziehungen im Dorf und in Leipzig, besonders die erneute Annäherung der Eheleute berührt. Thematisch angeschnitten werden auch die DDR-Vergangenheit, Ost-West Dissonanzen, gesellschaftlicher Umgang mit Trauernden.
Hier gibt es feinfühlige Antworten in Bezug auf Trauerarbeit und Hoffnung auf neuen Lebensmut.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.09.2024

Sehr spannend und informativ!

Lupus
0

Das Cover enthält viel Spannung durch den Wolf in Angriffsstellung. Schon hier ist der Leser mitten im Diskussionsthema um Mensch und Natur, um hitzige Auseinandersetzungen rund ums Jagen des Wolfes bzw. ...

Das Cover enthält viel Spannung durch den Wolf in Angriffsstellung. Schon hier ist der Leser mitten im Diskussionsthema um Mensch und Natur, um hitzige Auseinandersetzungen rund ums Jagen des Wolfes bzw. um den richtigen Umgang mit ihm. Die Szenerien spielen sich in Mecklenburg-Vorpommern ab, rund um den Greifswalder Bodden, Stralsund, Anklam, Hanshagen, die Insel Riems und ihre Nachbarinsel Vilms. Über diese gefährlichsten Inseln Deutschlands gibt es einen historischen Abriss. Die Reichsforschungsanstalt Riems, das Alcatraz der Viren, beherbergt immer noch das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit und war vermutlich weltweit eine der wichtigsten Forschungsanstalten für Tierseuchen - sehr interessante Informationen und kreative, sehr spannende Einflechtung in diesen Krimi. Thematisiert werden auch die Herstellung von Biowaffen, der Einsatz von KI-basierten Überwachungssystemen, die Rückzüchtung ausgestorbener Tierarten oder auch Nazi-Zellen zu DDR-Zeiten. Alle Figuren rund um Jennifer Rausch, Tierärztin, Amtsveterinärin und seit voriger Woche die neue Wolfsbeauftragte des Landkreises Vorpommern und Frederik Bach von der Staatsanwaltschaft in Stralsund sind realistisch, sympathisch und mutig dargestellt. Der kreative Schreibstil verarbeitet geschickt geschichtliche Wahrheiten in sehr spannender Aufbereitung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere