Rumpelstilzchen und die wilde Jagd
Gilded – Die Versuchung des Goldes (Gilded 1)Wenn Märchen und Mythen sich vermischen, um einen dunklen Pakt einzugehen, dann erhält man ein Buch wie Gilded. Es ist eine Mischung aus der Leichtigkeit schelmischer Lügen und der Dunkelheit der grausigen ...
Wenn Märchen und Mythen sich vermischen, um einen dunklen Pakt einzugehen, dann erhält man ein Buch wie Gilded. Es ist eine Mischung aus der Leichtigkeit schelmischer Lügen und der Dunkelheit der grausigen Taten des Erlkönigs. Wahnsinnig gut erzählt und strategisch gekonnt ausgearbeitet. Stück für Stück setzen sich die Puzzleteile rund um den Goldspinner zusammen. Ich hätte nicht gedacht, dass mich eine Rumpelstilzchen-Adaption so fesseln und mir Gänsehaut bescheren kann, wie es Gilded geschafft hat.
Der Erzählstil der Autorin sticht dabei sichtlich aus der breiten Masse heraus. Es gelingt ihr, viele Geschichten innerhalb der Geschichte zu erzählen, die letztendlich zu einem großen Ganzen führen und nur selten ohne Folgen bleiben. Dabei erinnern die ausgeschmückten Formulierungen und detailreichen Schilderungen sehr wohl an Märchen, zeigen sich aber gleichzeitig auch in einer neuen und charmanten Gewandung.
Serildas Hang zum Geschichtenerzählen und Lügen wird durchaus liebenswert dargestellt. Ich mochte ihre anfängliche Unbeschwertheit sehr gerne. Sie ist mutig und selbst in den schwierigsten Situationen hegt sie Hoffnung. Vielleicht könnte man sie auch als impulsiv und gedankenlos betiteln, denn immerhin bringt sie sich durch ihr unüberlegtes Handeln meist selbst in schreckliche Situationen, aber ihre Herkunft rechtfertigt ihren Hang zur ausschweifenden Fantasie sehr gut. Fluch oder Segen, das ist hier wohl die Frage.
Zu „Rumpelstilzchen“ will ich gar nicht allzu viel sagen. Will ich doch nicht die Spannung nehmen oder gar zu viel verraten. Diese Version von ihm hat mir aber weit besser gefallen als das Original. Auch den Cliffhanger habe ich so nicht kommen sehen und darum kann ich es kaum erwarten zu erfahren, wie es nun wohl weitergeht.
Viele Szenen des Buches haben Horrorfilmpotential und sind wohl nichts für zartbesaitete Leser/innen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob wir hier ein „Ende gut, alles gut“ erhalten werden. Dafür forderte die wilde Jagd bisher zu viele Opfer. Wer eine Happy-End-Garantie sucht, sollte die Reihe vielleicht mit Vorsicht genießen.
Fazit: Ich finde die Umsetzung und den Schreibstil sehr gelungen und gebe volle 5 Sterne, da es mich sowohl fesseln als auch überraschen konnte. Da ich mir nicht sicher bin, ob es jeden Lesegeschmack treffen wird, empfehle ich das Buch vor allem Leser/innen, die vor einem großen Hauch Düsternis nicht zurückschrecken und sich trotz allem ein märchenhaftes Leseerlebnis wünschen.