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Veröffentlicht am 14.04.2025

Ein Projekt namens Albion

Wo wir uns treffen
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Der Patriarch der Familie, Philip Brooke, ist gestorben und hinterlässt sein 400 Hektar umfassendes Anwesen im ländlichen Sussex seiner ältesten Tochter Frannie. Gemeinsam mit ihr hatte er die letzten ...

Der Patriarch der Familie, Philip Brooke, ist gestorben und hinterlässt sein 400 Hektar umfassendes Anwesen im ländlichen Sussex seiner ältesten Tochter Frannie. Gemeinsam mit ihr hatte er die letzten zehn Jahre die Renaturierung der riesigen Waldflächen vorgenommen und wollte, dass das Projekt in diesem Sinne weitergeführt wird. Milo, Frannies Bruder, beabsichtigt allerdings auf einem Teil des Landes ein Retreat für reiche Leute errichten, die bereit sind, ein Vermögen für eine Nacht in einem Baumhaus zu bezahlen. Anlässlich der Beerdigung des Vaters kommen die drei Geschwister Frannie, Milo und Isa für ein paar Tage zusammen. Alte Konflikte brechen auf und neue entstehen durch den Besuch einer vermeintlichen Halbschwester aus den USA, die unangenehme Wahrheiten über die Familie ans Licht bringt.
„Wo wir uns treffen“ ist ein sehr vielschichtiger Roman. Die Autorin versteht es hervorragend, die schwierigen Beziehungen der Protagonisten untereinander herauszuarbeiten und gleichzeitig darzustellen, wie die Entwicklung der Personen zu dem, was sie sind, stattgefunden hat. Es werden eine Vielzahl von Themen angesprochen, unter anderem Verantwortung für die Natur und seine Mitmenschen und die Frage, inwiefern die heutige Generation für die Schuld verantwortlich ist, die frühere Generationen auf sich geladen haben.
Ana Hopes Schreibstil hat mir gut gefallen, ihre Sprache ist bildhaft und präzise. Besonders gut gefallen hat mir Frannies Tochter Rowan, die durch ihr Aufwachsen mitten in der Natur und ihr naturwissenschaftliches Interesse vorurteilsfrei an Themen herangeht, mit denen sie bei Gleichaltrigen und ihrer Lehrerin Befremden hervorruft. Ein wirklich lesenswerter Roman, der allerdings teilweise etwas ausufernd ist.

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Veröffentlicht am 18.02.2025

Alles in Ordnung. Wirklich!

Bis die Sonne scheint
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Der Teenager Daniel wächst in den 1980er Jahren als jüngster von vier Geschwistern in behüteten Verhältnissen auf. Der Vater ist Architekt, den Bungalow, in dem Familie Hormann wohnt, hat er selbst entworfen ...

Der Teenager Daniel wächst in den 1980er Jahren als jüngster von vier Geschwistern in behüteten Verhältnissen auf. Der Vater ist Architekt, den Bungalow, in dem Familie Hormann wohnt, hat er selbst entworfen und gebaut. Als Eigentümer einer Massivhausfirma verdiente er bestens, bis die Geschäfte einbrachen. Jetzt ist er insolvent und das Haus steht kurz vor der Zwangsversteigerung. Trotzdem tun die Eltern so, als ob alles in bester Ordnung wäre. Die Konten sind gesperrt, das Geld, das Daniel zur Konfirmation bekommen hat, soll er den Eltern „vorstrecken“, die zur Ablenkung von der ganzen Misere erst einmal ins Möbelhaus fahren und planen, welche Möbel sie als nächstes kaufen. Der Höhepunkt an Absurdität ist erreicht, als sie Brokatuntersetzer für einen auf dem Klavier stehenden Kerzenleuchter erwerben, obwohl auf dem Klavier bereits der Kuckuck klebt. Für mich war es sehr frustrierend zu lesen, mit welcher Vogel-Strauß-Einstellung die Eltern durchs Leben gehen und welche Fehlentscheidungen sie treffen und die Kinder darunter leiden. Daniel kommt mir manchmal erwachsener vor als seine Eltern.
Abwechselnd mit den Kapiteln, die in der Jetztzeit spielen und aus Daniels Sicht erzählt werden, wird das Leben und der Werdegang der Großeltern geschildert. Diese Ausflüge in die Vergangenheit waren interessant, aber für meine Begriffe etwas zu ausführlich, weil sie von der eigentlichen Geschichte ablenkten. Was mir zu diesem Zeitpunkt allerdings auch nicht klar war, ist, dass der Autor hier autobiographisch seine eigene Geschichte verarbeitet hat und es ihm wichtig war aufzuzeigen, wie die Großeltern ihre Nachkommen geprägt haben.
Die Sprache des Autors fand ich genial, wenn er beispielsweise die Mimik des Vaters vor dem Fernseher beschreibt: „Alles konnte mein Vater darstellen, während er … mit dem souveränen Lächeln eines Lebemanns dem Star zwischen den federngeschmückten Tänzerinnen die Showtreppe hinunterfolgte…“. Auch die Atmosphäre der 80er Jahre ist sehr gut beschrieben und hat bei mir viele Erinnerungen wachgerufen.
Ein lesenswertes Buch, ein Stern Abzug, weil ich gegen Ende ein wenig das Interesse verloren habe.

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Veröffentlicht am 10.01.2025

Krimi mit Gruselfaktor

Eisiges Glas
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Kriminalinspektorin Leonore Asker hat gerade erst einen äußerst traumatischen Fall abgeschlossen, als sie einen Anruf von ihrem Vater erhält, zu dem sie jahrelang keinen Kontakt hatte: Prepper-Per, der ...

Kriminalinspektorin Leonore Asker hat gerade erst einen äußerst traumatischen Fall abgeschlossen, als sie einen Anruf von ihrem Vater erhält, zu dem sie jahrelang keinen Kontakt hatte: Prepper-Per, der sich in einem Bunker verschanzt und im ersten Band der Reihe versucht hat, seine eigene Tochter umzubringen, braucht ihre Hilfe. In der Nähe seiner Farm wurde eine Leiche gefunden und die Polizei hält ihn für den Mörder. Um ein Blutbad zu verhindern, denn Per würde eine Stürmung seines Grundstücks mit Sicherheit mit Gewalt erwidern, erklärt sich Leo bereit, den wahren Mörder zu finden. Hilfe erhält sie dabei von ihren Mitarbeitern in der Abteilung für hoffnungslose Cold Cases.
Zeitgleich erhält Martin Hill, Leos Jugendfreund, das Angebot, ein Buch über die Medizintechnikfirma Alfacent und deren Gründer Gunnar Irving zu schreiben, der in der Vergangenheit vor allem durch Ufo-Sichtungen Berühmtheit erlangte. Dazu wird er auf das Privatanwesen der Familie eingeladen, um dort Recherchen zur Firmengeschichte zu betreiben. Doch Martin stößt auf allerlei unheimliche Vorkommnisse und wird von einer unbekannten Person gewarnt. Er erfährt von allerlei ungeklärten Todesfällen im Zusammenhang mit der Familie und gerät bald selbst in Gefahr, da er sich für Dinge interessiert, die die Familie lieber für sich behalten möchte. Leo entdeckt in der Zwischenzeit, dass der Tote Tord Korpi auch Verbindungen zu Stjärneholm hatte, dem Anwesen der Familie Irving.
„Eisiges Glas“ ist ein ausgesprochen spannender und teilweise auch sehr gruseliger Krimi. Der Schreibstil ist fesselnd und man fliegt nur so durch die kurzen Kapitel. Obwohl das Buch in einem fulminanten Showdown endet, habe ich gegen Ende ein wenig das Interesse verloren, zu unrealistisch sind manche Szenen. Ich hatte den Eindruck, der Autor hatte bereits eine künftige Verfilmung des Buchs mit möglichst actionreichen Szenen im Hinterkopf.

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Veröffentlicht am 28.11.2024

Hausbesetzer und Klimakleber

Tage mit Milena
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Annika lebt mit ihrem Mann Hendrik in Lübeck, wo sie einen Schreibwarenladen betreibt. Eines Tages kommt eine junge Frau in den Laden, die bei ihr Sekundenkleber kauft. Etwas später sieht Annika dieselbe ...

Annika lebt mit ihrem Mann Hendrik in Lübeck, wo sie einen Schreibwarenladen betreibt. Eines Tages kommt eine junge Frau in den Laden, die bei ihr Sekundenkleber kauft. Etwas später sieht Annika dieselbe junge Frau, die sich auf einer Kreuzung festgeklebt hat und ein Verkehrschaos verursacht. Als ein äußerst aggressiver Autofahrer die Klimaaktivistin bedroht, setzt sich Annika kurzerhand zu ihr auf die Straße.
Dieser Teil der Geschichte hat mich sehr befremdet, weil ich Annikas Handlung nicht nachvollziehen konnte. Es stellt sich heraus, dass Annika in ihrer Jugend als Hausbesetzerin in der Hamburger Hafenstraße gewohnt hat. Damals geschah etwas, was Annika zutiefst bereut und sie will die junge Frau, Luzie, vor einem folgenschweren Fehler bewahren. Aus diesem Grund lässt sie ihren Mann Hendrik und ihr Leben in Lübeck von einer Minute auf die andere zurück und folgt Luzie nach Hamburg, wo ebenfalls eine Klimaaktion geplant ist.
Ein wichtiger Mensch während Annikas Zeit in der Hafenstraße war ihre Jugendliebe Matti, der mittlerweile in Italien lebt. Um sich endlich ihrer Vergangenheit zu stellen, beschließt Annika spontan, nach Venedig zu reisen und Matti zu suchen. Sie kann Luzie dazu überreden, sich ihr anzuschließen.
Was mich an „Tage mit Milena“ fasziniert hat, war die Schilderung von Annikas Zeit in der Hamburger Hafenstraße. Ich gehe davon aus, dass Katrin Burseg die Ereignisse gut recherchiert hat und die drastischen und teilweise äußerst grausamen und brutalen Aktionen der Polizei so wirklich stattgefunden haben. Nicht ganz glaubhaft fand ich das Verhalten von Annikas Mann, den diese tagelang im Ungewissen über ihren Aufenthaltsort lässt, dann zu ihrem früheren Lover reist und Hendrik dies alles mit stoischer Ruhe hinnimmt.
Ich habe das Buch mit Interesse gelesen, doch mit den Personen wurde ich nicht warm. Trotzdem ist es auf jedem Fall ein lesenswertes Buch.

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Veröffentlicht am 16.09.2024

Schwieriges Mutter-Tochter Verhältnis

Der Morgen nach dem Regen
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Mit sechzig kehrt Johanna, die viele Jahre für die UN in Krisengebieten auf der ganzen Welt tätig war, aus New York in ihre Heimat Deutschland zurück. Anlass ist, dass sie das direkt am Rhein gelegene ...

Mit sechzig kehrt Johanna, die viele Jahre für die UN in Krisengebieten auf der ganzen Welt tätig war, aus New York in ihre Heimat Deutschland zurück. Anlass ist, dass sie das direkt am Rhein gelegene Haus ihrer Tante Toni geerbt hat, mit dem sie glückliche Kindheitserinnerungen verbindet. Da das Haus ziemlich heruntergekommen ist, beginnt Johanna sofort mit Renovierungsarbeiten. Schnell fühlt sie sich in St. Goar wieder heimisch, da erreicht sie der Anruf ihres Ex-Manns: der gemeinsamen Tochter Elsa geht es nicht gut. Elsa, die als Anwältin am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag arbeitet, leidet an Burnout und möchte sich gerne in Tonis Haus erholen. Da das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter äußerst angespannt ist und die beiden in den letzten Jahren fast keinen Kontakt hatten, ist Johanna zwiegespalten. Werden sie es schaffen, den tiefen Riss in ihrer Beziehung zu kitten oder wird der Besuch ein Desaster? Die Mutter-Tochter Beziehung sowie die Einblicke in die Arbeit von UN Kriseninterventionsteams hat mich interessiert. Letzteres war interessant und wahrscheinlich wirklichkeitsnah geschildert, denn die Autorin war selbst jahrelang für die UN tätig. Was mich etwas genervt hat, war das zickige und pubertäre Verhalten Elsas, die an ihrer Mutter kein gutes Haar lässt. Selbst wenn Johanna alltägliche Bemerkungen macht, werden sie von Elsa spitz kommentiert, Johanna kann ihrer Tochter einfach nichts recht machen. Diesen Teil der Geschichte fand ich etwas überstrapaziert. Alles in allem habe ich das Buch jedoch trotz mancher Längen gern gelesen.

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