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Cleopatra0103

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.09.2024

Tiefe Einblicke in die marokkanische Geschichte

Schaut, wie wir tanzen
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Der zweite Teil der Familiengeschichte um Mathilde, Amine, Aicha und Selim führt wieder tief in die marokkanische Geschichte und in die schwierige Beziehung zwischen Frankreich und Marokko. Im Mittelpunkt ...

Der zweite Teil der Familiengeschichte um Mathilde, Amine, Aicha und Selim führt wieder tief in die marokkanische Geschichte und in die schwierige Beziehung zwischen Frankreich und Marokko. Im Mittelpunkt steht dieses Mal vor allem Aicha, die in Straßburg Medizin studiert und sich nach und nach von ihrer Familie und dem Land, in dem sie aufgewachsen ist entfernt. Dennoch kehrt sie nach dem Studium nach Marokko zurück und wird Ärztin. Sie lernt Mehdi kennen und verliebt sich in den klugen jungen Mann, der Karl Marx genannt wird. Seine Figur empfinde ich als sehr zwiespältig. Seine einst hohen Ideale zerbröseln nach und nach. Die tragischste Figur ist für mich der Bruder Selim, dem es einfach nicht gelingt, seinen Vater zufriedenzustellen und der sich den Hippies anschließt und in einem wirren Sumpf aus Drogen und Ekstase zu entgleiten droht. Letztlich geht er nach Amerika, viel mehr erfährt man leider nicht. Sehr gut eingefangen ist das Lebensgefühl der jungen marokkanischen intellektuellen Elite in den 70er Jahren. Strandvillen, Partys, lange Gespräche und Alkohol. Keine Existenzängste mehr, Lebensgenuss steht im Mittelpunkt. Die Ehe von Amine und Mathilde hat Bestand, dennoch tut mir Mathilde leid. Sie reibt sich auf für Familie und Haushalt, stärkt ihrem Mann den Rücken und wird dennoch betrogen und belogen. Wie hält sie das aus? Die schwierige politische Situation ist ebenfalls sehr eindringlich beschrieben. Doch leider bleiben mir die Figuren ein wenig fremd, sie berühren mich nicht so sehr wie im ersten Teil. Ich folge ihrem Weg zwar interessiert, aber etwas teilnahmslos. Der Schreibstil selbst gehört mir jedoch sehr gut. Bildhaft und detailreich, ohne ausschweifend und blumig zu sein.

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Veröffentlicht am 10.09.2024

Von besseren und schlechteren Menschen

Über Menschen
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Ich hatte sehr hohe Erwartungen an dieses Buch von Juli Zeh. Wir begegnen Dora, einer Berlinerin, die schon vor den ersten Corona-Monaten aus der Enge der Stadt ausbricht und ein Haus auf dem Land kauft. ...

Ich hatte sehr hohe Erwartungen an dieses Buch von Juli Zeh. Wir begegnen Dora, einer Berlinerin, die schon vor den ersten Corona-Monaten aus der Enge der Stadt ausbricht und ein Haus auf dem Land kauft. Als der Lockdown kommt und die Menschen um sie herum, allen voran ihr Freund Robert, immer paranoider werden, verlässt sie Berlin und beginnt ihr neues Leben auf dem Land. Bracken hält für Zugereiste nicht viel bereit. Der Einkauf mit dem Bus wird zur Tagestour, die Nachbarn entpuppen sich als Afd-Wähler und schlimmer noch, als waschechte Nazis mit krimineller Vergangenheit und letztlich verliert sie auch noch ihren Agenturjob und die Perspektive. Die Figuren sind gut beschrieben und eingefangen, man fühlt sich als Leser selbst als Besucher Brackens und stiller Beobachter. Doras Nachbar Gote, eigentlich ein hilfsbereiter Kerl, leider auch der Dorf-Nazi zwingt sie dazu, ihre Perspektive und ihren manchmal etwas selbstgefälligen Blick von oben herab zu ändern und weniger zu bewerten als viel mehr genau hinzuschauen. Dass man als Leser an einigen Stellen sogar Sympathie für Gote und auch die anderen Nachbarn empfindet, ist sicher so gewollt. Es gibt eben kein schwarz und weiß, auch bei Themen, bei denen man eigentlich glaubt eine klare Meinung zu haben. Das Buch liest sich gut, oft muss ich schmunzeln oder etwas länger über die Wahrhaftigkeit der Sätze nachgrübeln. Vieles ist punktgenau aus dem Leben und insbesondere dieser zerrissenen Corona-Zeit gegriffen und trifft mitten hinein in das Selbstverständnis von Städtern, die sich oft über die vermeintlich zurückgebliebene Bevölkerung auf dem Land erhebt. Dennoch ist mir manches zu gewollt, zu konstruiert und zu plakativ. Nichtsdestotrotz finde ich den Roman gelungen und rund und das Ende berührt mich und wahrscheinlich die meisten Leser trotz aller vorgefertigten Meinungen.

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Veröffentlicht am 20.08.2024

Bewegender Abschluss der Trilogie

Vielleicht können wir glücklich sein
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Der dritte Teil der Reihe um Klara, das Mädcheninternat und ihre Familie ist wirklich sehr bewegend und ein gebührender Abschluss. Die Handlung knüpft nahtlos an Teil 2 an. Die Figuren sind mir ans Herz ...

Der dritte Teil der Reihe um Klara, das Mädcheninternat und ihre Familie ist wirklich sehr bewegend und ein gebührender Abschluss. Die Handlung knüpft nahtlos an Teil 2 an. Die Figuren sind mir ans Herz gewachsen und ich muss zugeben, dass Klara mir in diesem letzten Teil am nahbarsten erscheint. Der Perspektivenwechsel zwischen der Zeit der letzten Kriegsjahre und heute ist sehr gut gewählt und sorgt für Abwechslung. Der Handlung um Klara und ihrer Familie in den harten und entbehrungsreichen Jahren zwischen 1943 und 1945 kommt aber deutlich mehr Raum zu. Viele Begebenheiten werden sehr detailliert geschildert. Das Wetter, die Landschaft und auch kurze Gespräche sind sehr bildhaft wiedergegeben, was die Atmosphäre unterstreicht und den Leser in die Handlung hineinzieht. Oft passiert auf vielen Seiten gar nicht so viel. Stimmung und Lebensgefühl sind sehr treffend beschrieben und für den Leser spürbar. Zum Schluss geht es dann allerdings ruckzuck. Die kurze „Besatzung“ des Hauses durch die Russen ist auf wenigen Seiten abgehandelt und insbesondere das Schicksal einer meiner kleinen Lieblingscharaktere ist sehr schnell, für meinen Geschmack beinahe nebensächlich abgetan. Das finde ich schade, da in weiten Teil sehr ausschweifend und detailliert erzählt wurde. Auch das Wiedersehen mit Gustav hätte meiner Meinung nach noch einen Auftritt verdient. Nichtsdestotrotz finde ich diesen Teil sehr gelungen. Insbesondere das Ringen Klaras um die richtigen Entscheidungen ist sehr gut eingefangen, ebenso das Hadern der Familie zwei Generationen später. Ein fesselnder Roman über Schuld, Familie, Liebe in sehr schwierigen Zeiten.

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Veröffentlicht am 11.08.2024

Interessante Ermittler

Das Dickicht
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An diesem Krimi gefallen mir vor allem die Ermittler. Juha, erfahren, nicht besonders ehrgeizig, intuitiv. Lux, elegant, planvoll und sehr facettenreich. Insbesondere seine Figur hat es mir angetan. Er ...

An diesem Krimi gefallen mir vor allem die Ermittler. Juha, erfahren, nicht besonders ehrgeizig, intuitiv. Lux, elegant, planvoll und sehr facettenreich. Insbesondere seine Figur hat es mir angetan. Er ist ein sehr guter Polizist, hat aber psychische Probleme. Diese nehmen aber nicht zu viel Raum ein und überlagern den eigentlichen Fall nicht. Der Schreibstil ist packend, der Fall selbst bleibt aber etwas hinter meinen Erwartungen zurück. Ein entführter und getöteter Junge, ein Mörder, der keiner ist und ein Dickicht aus Lügen, Betrug und tragischen Verkettungen. Der aktuelle Entführungsfall wirkt da etwas konstruiert, als brauchte man etwas, um zu dem nicht aufgeklärten Fall aus der Vergangenheit hinzuleiten. Er ist schnell erzählt und spielt auch im weiteren Verlauf keine Rolle mehr. Die Auflösung zum Schluss enthält einige Wendungen, ist aber nicht wirklich überraschend. Dennoch hoffe ich, dass es für das interessante Ermittler Team noch eine weitere Runde gibt. Ich würde gern mehr über Lux erfahren und auch Selma hat sicher noch viel Potential. Ich bin gespannt.

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Veröffentlicht am 05.08.2024

Kurzweiliger Italienroman

Luna
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Das kleine Büchlein überrascht mich sehr positiv. Die Geschichte um Luna, die nach einer schweren Krankheit ihres Vaters, zurück nach Neapel kommt, ist kurzweilig erzählt. Sie findet die Liebe zur Stadt, ...

Das kleine Büchlein überrascht mich sehr positiv. Die Geschichte um Luna, die nach einer schweren Krankheit ihres Vaters, zurück nach Neapel kommt, ist kurzweilig erzählt. Sie findet die Liebe zur Stadt, die sehr enge Beziehung zu ihrer Cousine Gina und die auch das schwierige Verhältnis zu ihrem Vater wieder. Die Vergangenheit des Vaters wird für mich etwas zu schnell abgetan, aber alles andere ist sehr schön eingefangen. Die Frauenfiguren wie Gina und Filomena begeistern mich. Insbesondere die lustige und schlagfertige Gina, die bei allen Sorgen eine große Liebe zum Leben ausstrahlt. Beim Lesen bekomme ich richtig Lust auf eine Reise nach Neapel und die kulinarischen Leckerbissen der Region. Der Schreibstil ist knackig, die Kapitel kurz, so fliegt man durch die Seiten. Durch Wechsel der Zeitebenen erhält der Leser einen guten Einblick in Lunas Kindheit. Das Cover wirkt erst etwas blass, passt aber durch die Illustration wunderbar zum Inhalt und unterstreicht das sommerliche Gefühl von Dolce Vita. Besonders schön finde ich auch die Sprichwörter, die so viel Wahrheit beinhalten. Ein schöner, kleiner Roman über Neapel und Familie.

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