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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.09.2024

Besondere Tierbegegnungen

Moments in Nature
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Gamander und Una López nehmen uns in ihrem Buch mit auf eine Reise in die Natur. Konkret geht es um die Türe, die jeder auch in seiner näheren Umgebung sehen kann, z.B. die verschiedensten Vögel, Eichhörnchen ...

Gamander und Una López nehmen uns in ihrem Buch mit auf eine Reise in die Natur. Konkret geht es um die Türe, die jeder auch in seiner näheren Umgebung sehen kann, z.B. die verschiedensten Vögel, Eichhörnchen aber auch Füchse. Häufig ist es Gamander gelungen, die Tiere in ganz besonderen Momenten zu fotografieren, z.B. beim Schlafen, Spielen oder Essen. Wie nicht anders zu erwarten, sind die Fotos sehr hoch aufgelöst und auch immer mal wieder zu ganz besonderen Lichtverhältnissen geschossen.
In den begleitenden Texten erfährt man nochmals mehr über die jeweiligen Begegnungen, aber auch das Wichtigste über die jeweilige Tierart. Dazu erfährt man auch, wie es gelingen kann, Tiere so gut zu beobachten und wie man sich hierzu möglichst gut versteckt oder tarnt. Wer allerdings auf detailliertere Tipps zu Kameraeinstellungen hofft, wird nur ein paar allgemeine Infos bekommen. Das ist meiner Meinung nach aber auch nicht schlimm, weil es nicht zentrales Thema des Buches ist. Mir hat das Buch jedenfalls gut gefallen und ich würde es auch jedem Tierfreund weiter empfehlen.

Veröffentlicht am 25.08.2024

Rechtsmedizin spannend vermittelt

Mit kaltem Kalkül
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Der achtjährige Yasser lebt mit seiner Mutter in der Neuköllner High-Deck-Siedlung, bis er spurlos verschwindet. Doch seine Mutter traut sich nicht die Polizei zu rufen, da sie und Yasser ohne Aufenthaltsbewilligung ...

Der achtjährige Yasser lebt mit seiner Mutter in der Neuköllner High-Deck-Siedlung, bis er spurlos verschwindet. Doch seine Mutter traut sich nicht die Polizei zu rufen, da sie und Yasser ohne Aufenthaltsbewilligung illegal in Deutschland leben. So beauftragt sie den jordanischen Ex-Geheimdienstler Khalaf. Dieser findet heraus, dass aus der Siedlung vor vier Jahren schonmals ein Kind verschwunden ist. Schließlich wird auch Dr. Sabine Yao in den Fall involviert, als sie einen Toten der mit dem Verschwinden zu tun haben könnte, zu untersuchen hat. Wird es ihnen gelingen, Yasser rechtzeitig zu finden?

In seinen neusten Thriller verarbeitet Prof. Dr. Tsokos wieder spannende Fälle aus der rechtsmedizinischen Praxis. Neben dem Hauptfall rund um Yasser wird noch ein weiterer Fall am Rande eingearbeitet. Indem der Roman abwechselnd aus Yassers, Khalafs und Sabine Yaos Perspektive geschrieben ist, gelingt der Wechsel zwischen Ermittlungs- und rechtsmedizinischer Arbeit perfekt. Speziell bei diesem Thriller empfand ich die Vermittlung der rechtsmedizinischen Inhalte über die Fragen der Praktikantin und die geduldigen Antworten von Dr. Yao sehr verständlich gelungen und dabei dennoch vertieft. Die Kapitel sind wie gewohnt kurz gehalten und sorgen durch Cliffhanger immer wieder für Spannung.

Somit gelingt Tsokos mal wieder die ideale Abwechslung zwischen der Vermittlung von rechtsmedizinischem Wissen und der Aufrechterhaltung von Spannung. Perfekt für alle Fans der Rechtsmedizin.

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Veröffentlicht am 15.08.2024

Sehr berührend, wie Karnick die verschiedensten Lebensphasen authentisch darstellt

Man sieht sich
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Frie und Robert kennen sich schon seit Schulzeiten. Schon damals verliebt sich Robert in Frie, doch immer wenn er ihr seine Liebe gestehen will, passt es nicht. Dieses nicht passen zieht sich durch Frie ...

Frie und Robert kennen sich schon seit Schulzeiten. Schon damals verliebt sich Robert in Frie, doch immer wenn er ihr seine Liebe gestehen will, passt es nicht. Dieses nicht passen zieht sich durch Frie und Roberts weitere Beziehung. Ihre Leben laufen immer diametral und scheinen sich nicht ergänzen zu wollen. Als Frie und Robert sich das nächste Mal sehen, ist Frie Mutter einer kleinen Tochter, die all ihre Aufmerksamkeit beansprucht. Nochmals zwanzig Jahre später könnte eigentlich alles passen, doch auf einmal steht wieder etwas zwischen ihnen. Gelingt es Ihnen dieses Mal zueinander zu finden?

Julia Karnick gelingt es, jede Lebensphase der Protagonisten authentisch darzustellen. Seien es die Probleme während der Schulzeit, als frisch gebackene Mama, aber auch im Alter. Karnicks Schreibstil ist melancholisch, aber auch immer wieder tröstend. So legt sie den Finger in die Wunden und zeigt die negativen Seiten der jeweiligen Lebensphasen, aber auch wie man daran wachsen kann oder aber im Nachhinein anders darauf blickt. Dadurch hat mich „Man sieht sich“ stark berühren können. Jede Lebensphase, die die Charaktere durchleben, verändert sie natürlich auch. Diese Veränderung wird durch die Seiten total spürbar und bringt einen dadurch stark zum Nachdenken, insbesondere weil sich sowohl Fries als auch Roberts Leben ganz anders als gedacht, entwickelt hat. Karnick hat ihre Protagonisten somit in ihren Eigenschaften lebendig werden lassen, weswegen dieser Roman empfehlenswert für alle ist, die gerne mit Charakteren mitfühlen. Abgesehen von der Liebesgeschichte ist dieser Roman aber vor allem ein Roman übers Leben und damit auch etwas für alle, die gerne mal wieder einen anderen Blickwinkel aufs Leben erhalten wollen.

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Veröffentlicht am 05.08.2024

Über das Zerrissen sein in einem neuen Land

Als wir Schwäne waren
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„Als wir Schwäne waren“ spielt zu Beginn der 1990er Jahre im Ruhrgebiet und erzählt von einem Jungen, der mit seinen Eltern aus dem Iran ins Ruhrgebiet geflohen ist. Während sein Vater Deutschland als ...

„Als wir Schwäne waren“ spielt zu Beginn der 1990er Jahre im Ruhrgebiet und erzählt von einem Jungen, der mit seinen Eltern aus dem Iran ins Ruhrgebiet geflohen ist. Während sein Vater Deutschland als Kränkung erlebt, ist die Mutter von einer zuversichtlicheren Art geprägt und versucht in Deutschland anzukommen. Doch auch ihr Sohn erfährt schon in jungen Jahren, wie er in Deutschland als Fremder angesehen und behandelt wird und wendet sich so immer mehr der Gewalt, die in seinem Viertel herrscht, zu.

Direkt zu Beginn hat mich Khani mit seiner ausdrucksstarken Sprache in den Bann gezogen. Khanis Worte sind sehr bedacht gewählt, kein Wort ist zu viel. Stattdessen sind seine Formulierungen so bedeutungsvoll, dass ich das ein oder andere Mal die Sätze nochmals lesen wollte, weil es Khani so gut gelingt, begreifbar zu machen, womit man als Geflüchteter in einem neuen Land zu kämpfen hat. Was einem aus seiner früheren Heimat fehlt, aber auch in welcher Hinsicht „die Anderen“ einen nicht verstehen können. Khani findet Worte für das Zerrissensein in einem neuen Land und warum es so schwer ist, dort anzukommen. Eindrücklich arbeitet er die sehr unterschiedlichen Blickweisen und Probleme, die die Charaktere mit der neuen Heimat haben, heraus und zeigt gleichzeitig, wie jeder einzelne Charakter auf seine Weise damit zu kämpfen hat, Deutschland als neue Heimat anzusehen. „Als wir Schwäne waren“ eröffnet einem eine neue Perspektive auf das Thema Integration und regt dadurch stark zum Nachdenken an. Mir hat das Buch durch seine aussagekräftige Sprache wirklich gut gefallen.

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Veröffentlicht am 16.07.2024

Idyllische Weite und der Zusammenhalt unter Freunden

Das Licht in den Birken
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Thea, Benno und Juli. Alle drei eint, dass sie einen großen Neuanfang wagen. Während Thea nach über 20 Jahren aus Portugal wieder nach Deutschland zurückkehrt, braucht Benno dringend einen Neustart für ...

Thea, Benno und Juli. Alle drei eint, dass sie einen großen Neuanfang wagen. Während Thea nach über 20 Jahren aus Portugal wieder nach Deutschland zurückkehrt, braucht Benno dringend einen Neustart für seinen Hof in der Lüneburger Heide. Denn dieser steht kurz vor dem Aus, wenn er nicht endlich genügend Geld zusammenbekommt, um seine Schulden abzubezahlen. Benno, der eigentlich ein totaler Eigenbrötler ist, vermietet also einen Teil seines Hofes und in eine dieser Wohnungen zieht Thea. Thea ist eine warmherzige und sehr offene Person, während Benno einfach in Ruhe gelassen werden will. Dementsprechend sind die ersten Konflikte vorprogrammiert. Doch dann findet Benno im Wald eine junge Wanderin, die sich das Bein schwerer verletzt hat: Juli, die gerade erst Abi gemacht hat und aufgrund des schlechten Verhältnisses zu ihrer Mutter erstmals weg wandern wollte. Beim Kümmern um Juli wird auch das Verhältnis zwischen Benno und Thea besser und eine wunderbare Freundschaft zwischen den dreien entsteht.

In „Das Licht in den Birken“ verfolgen wir alle drei Charaktere abwechselnd aus der Ich-Perspektive. Dadurch konnte ich Thea, Benno und Juli in ihren verschiedenen Beweggründen wirklich gut nachvollziehen und sie mir bildlich vorstellen. Auch wenn sie noch so unterschiedlich sind, finden sie am Ende einen tollen harmonischen Weg und zeigen, wie viel man zusammen schaffen kann.

Die Handlung ist durch die kleinteilige Problemlösung eher unaufgeregt. Das zentrale Problem, das Überleben des Hofes wird immer wieder verhandelt, und die ein oder andere Meinungsverschiedenheit wird zwar hitziger, doch im Großen und Ganzen steuern sie gemeinsam einen Schritt nach dem anderen auf eine authentische Problemlösung zu. Abseits davon, dass mir der unaufgeregte Handlungsverlauf gefallen hat, hat Römy Fölck mich mit ihrer bildlichen Sprache einfach immer zum weiterlesen gebracht. Die idyllische Weite des Landes, der Zusammenhalt mit den Tieren: all das wird immer wieder toll beschrieben. So war es als wäre ich tatsächlich an der Lüneburger Heide. Empfehlenswert für alle, die nach einem authentischen Roman an mit einer wunderbaren Sprache suchen.

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