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Veröffentlicht am 22.11.2017

Emotionaler Nachkriegskrimi

Tausend Teufel
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Dies ist nun der zweite Roman um Oberkommissar Max Heller. Es ist 1947 in Dresden der Krieg ist vorbei und die Sowjets haben das Sagen. Sie haben die Verwaltung übernommen. Der Großteil der Bevölkerung ...

Dies ist nun der zweite Roman um Oberkommissar Max Heller. Es ist 1947 in Dresden der Krieg ist vorbei und die Sowjets haben das Sagen. Sie haben die Verwaltung übernommen. Der Großteil der Bevölkerung hungert und lebt in erbärmlichen Verhältnissen. In dieser Trümmerstadt versucht Heller dennoch seinen Job als Polizist zu machen. Er wird zu einem Tatort gerufen, aber bevor er sich näher mit dem Opfer, ein toter sowjetischer Soldat, beschäftigen kann wird dieser vom Militär weggeschafft. Zurück bleibt ein Rucksack, in dem Heller einen abgetrennten Kopf findet. Heller steht vor einem Rätsel und muss sich wieder mit der sowjetischen Obrigkeit rumschlagen, die nur selten mit offenen Karten spielt.
Wie auch im ersten Teil der Reihe hatte ich auch hier wieder das Gefühl der Kriminalfall an sich ist eher zweitrangig. In erster Linie geht es eher um das Leben im Nachkriegs-Dresden. Das Leben der einfachen Bevölkerung, der Kampf ums Essen, Medizin, aber auch die Frage der Schuld werden immer wieder gestellt. Frank Goldammer zeichnet dabei ein sehr authentisches und emotionales Bild der Menschen in dieser Situation. Mit Max Heller hat er einen ganz besonderen Protagonisten geschaffen. Heller steht mit aller Macht zu seinen Prinzipien, egal welche Nachteile es ihm bringt. Er tritt in keine Partei ein und nimmt nur das für sich in Anspruch auf was er seiner Meinung ein Recht hat. Er fordert für sich nichts ein, er ist einfach ein guter Mensch, wie man ihn selten findet.
Die Atmosphäre im Roman ist dicht und wirkte auf mich sehr realistisch. Ich konnte die Verzweiflung spüren und als es um die Waisenkinder ging, ging mir das als Mutter besonders nahe und ich musste das Hörbuch sogar unterbrechen.
Für mich ist auch der zweite Teil in erster Linie ein Nachkriegsroman, wobei die Krimihandlung den roten Faden bildet. Der Autor konnte mich emotional wieder fangen. Und auch der Sprecher des Hörbuches Heikko Deutschmann macht wieder einen guten Job. Er betont gekonnt die verschiedenen Charakter ohne übertrieben zu klingen. Er kann die Angst und Verzweiflung von Heller sehr gut ausdrücken. Ein rundum gelungenes Hörbuch, was ich kaum ausstellen konnte. Ich freue mich schon sehr auf eine Fortsetzung.

Veröffentlicht am 22.11.2017

Gruselroman für junge LeserInnen

Johnny Sinclair - Beruf: Geisterjäger
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Das ist ein Kinderbuch, was ich nicht wegen meiner Tochter interessiert hat, denn dafür ist sie noch zu jung, sondern was mich einfach interessiert. Denn in meiner Jugend habe ich viel die bekannten John ...

Das ist ein Kinderbuch, was ich nicht wegen meiner Tochter interessiert hat, denn dafür ist sie noch zu jung, sondern was mich einfach interessiert. Denn in meiner Jugend habe ich viel die bekannten John Sinclair Hefte verschlungen und will doch jetzt wissen, wie dieser bekannte Geisterjäger für Kinder adaptiert wurde.

Bei Johnny Sinclair handelt es sich nicht um den bekannten Geisterjäger als Kind, sondern um einen eigenständigen Charakter, dessen großes Vorbild der Sinclair, der für Scotland Yard arbeitet. Johnny ist 12 Jahre und wohnt im malerischen Schottland in einer Kleinstadt Blacktooth in einem richtigen Castle. Dort spukt es, aber nur Johnny kann die Geister sehen. Da auf seine Email an John Sinclair, dieser nicht reagiert, muss Johnny alleine ran. Dabei bekommt er Unterstützung von seinem Kindermädchen, einer Vodoopriesterin und dem Schädel von Erasmus von Rothenburg. Johnny ist eher der Typ Einzelgänger, seine Eltern sind viel unterwegs und er oft allein. Dennoch dadurch das er sich dem Spuk stellt, wächst er über sich hinaus.
Dadurch ist es wirklich eine sehr Mut machende Geschichte für Kinder und Jugendliche. Dazu kommt die bunte Mischung aus Grusel und Humor. Die Nebenfiguren sind eigenwillig und sehr liebevoll gezeichnet, sie machen die Geschichte rund. Die Autorin erzählt die Geschichte sehr bildhaft. Die Landschaft, das Castle, aber auch die Charaktere konnte ich mir gut vorstellen.
Für mich insgesamt ein wirklich guter Gruselroman, der seinem Vorbild in Punkto Spannung in nichts nachsteht. Ein wirklich guter Start in eine vielversprechende Reihe.

Veröffentlicht am 21.11.2017

Wunderbar sympathisch

Petronella Apfelmus - Hexenbuch und Schnüffelnase (Band 5)
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Dies ist das erste Petronella Buch für meine Tochter und mich und es wird nicht das letzte gewesen sein. Petronella ist eine Apfelbaumhexe, lebt in einem Apfelhäuschen, kennt sich mit Äpfeln gut aus ...

Dies ist das erste Petronella Buch für meine Tochter und mich und es wird nicht das letzte gewesen sein. Petronella ist eine Apfelbaumhexe, lebt in einem Apfelhäuschen, kennt sich mit Äpfeln gut aus und kocht viel Apfelmus. In diesem Buch muss sie sich auf die Suche nach ihrem Freund das Apfelmännchen begeben, denn es wurde entführt. Mit ihren Freunden und dem Hund Belle begibt sie sich in das Abenteuer

Es ist wirklich ein zauberhaftes Buch für junge Leser und Zuhörer. Es ist spannend ohne dabei zu gruselig zu sein. Die Sätze sind einfach, aber dennoch beschreibt die Autorin mit ihnen eine Welt, die man sich gut vorstellen kann und beim Lesen vor Augen hat. Dabei helfen natürlich auch die schönen Zeichnungen. Die schwarz/weiß Zeichnungen lockern das Buch auf und helfen sicher Erstleser Abwechslung im langen Text zu finden.

Die Idee einer Apfelbaumhexe finde ich sehr süß, dadurch hat der eigene Garten etwas magisches, wenn man sich die kleine Hexe und ihre Freunde vorstellt. Meine kleine Tochter fand die Geschichte vor allem auch deshalb gut, weil es trotz Gegenspieler nie wirklich richtig bedrohlich wirkt. Das richtige beim abendlichen Vorlesen. Aber auch zum selber lesen für junge Leser eignet es sich gut, keine wirklichen Fremdwörter, eine klare Sprache und die Hexsprüche in reimform lockern das Ganze noch auf.

Uns hat das Buch sehr gut gefallen. Es ist gut zu lesen, hat sehr sympathische Protagonisten, eine spannende Geschichte, also alles was man braucht. Mir gefällt sehr gut an Petronella, dass sie einerseits eine zauberhafte Hexe ist, anderseits dabei nicht in einem abgehobenen Zauberreich lebt, sondern sie könnte hier um die Ecke leben. Ich glaube, ich muss mir jetzt die restlichen Teile besorgen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover "Petronella Apfelmus"
  • Cover "Johnny Sinclair"
  • Bastelspaß
Veröffentlicht am 14.11.2017

Eine schöne Einstimmung zu Weihnachten

Geheimnis in Rot
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Das Buch muss man in die Hand nehmen, denn allein die Haptik ist gelungen. Sieht aus wie ein Hardcover in Leinen, ist aber biegsam wie ein Taschenbuch. Verbindet damit für mich die Vorteile beider Bindungen. ...

Das Buch muss man in die Hand nehmen, denn allein die Haptik ist gelungen. Sieht aus wie ein Hardcover in Leinen, ist aber biegsam wie ein Taschenbuch. Verbindet damit für mich die Vorteile beider Bindungen. Dazu das Cover, was aus den vielen Krimibüchern heraussticht und sehr gut zum Stil des Buches passt.
Es ist alter Krimi, der vom Verlag neu aufgelegt wurde, zu Recht, denn auch heute noch liest sich die Geschichte sehr gut. Die Familie trifft sich zu Weihnachten beim Familienpatriarchen in seinem englischen Herrenhaus. Dann zu Weihnachten hat das Familienoberhaupt eine Kugel im Kopf. Wer ist der oder TäterIn. Nach und nach kristalliert sich heraus, dass fast alle anwesenden Familienmitglieder und auch ein Teil der Angestellte haben ein Motiv. Colonel Halstock, der die Familie schon länger kennt, versucht nun in diesem Wirrwarr den Täter zu überführen.
Das interessante an dem Roman sind besonders zu Beginn die verschiedenen Perspektivwechsel. Verschiedene Personen beschreiben die Verhältnisse in der Familie und die Tage vor Weihnachten. Dann aber wird der Großteil des Buches aus Sicht von Colonel Halstock beschrieben. Was ich etwas schade fand, denn die unterschiedlichen Perspektiven machten es zwar etwas anstrengend bei dieser Familie durchzuschauen, aber es war auch interessant wie unterschiedlich die Sichtweisen sind.
Die Aufklärung des Mordes ist schwierig und auch ich als Leserin hatte erst spät eine Ahnung über den Täter. Aber nicht allein die Krimihandlung ist hier spannend. Mir gefiel vor allem die Beschreibung der englischen Oberschicht zu Beginn des 20. Jh. Es ist ein Krimi, der mit den bekannten Geschichten von Agatha Christie zu vergleichen ist. Wer also diese Art von Krimis mag, ist hier goldrichtig.
Ein schönes Buch von außen und innen für graue Vorweihnachtstage. Auch als Geschenk super geeignet.

Veröffentlicht am 03.10.2017

Reale Fiktion

Underground Railroad
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Schon allein das Cover hat mich neugierig gemacht. Eine schöne Schriftart auf einem etwas undeutlichen Hintergrund. Dunkle Farben, es wirkt düster und passt damit sehr gut zur Thematik. Bevor man mit dem ...

Schon allein das Cover hat mich neugierig gemacht. Eine schöne Schriftart auf einem etwas undeutlichen Hintergrund. Dunkle Farben, es wirkt düster und passt damit sehr gut zur Thematik. Bevor man mit dem Buch startet, sollte man sich bewusst machen, dass dies kein historischer Tatsachenroman. Der Autor bedient sich zwar historischer Tatsachen, er spinnt diese aber auf seine ganz eigene Weise in seine Geschichte ein. So gab es die Underground Railroad als informelles Netzwerk, dass Sklaven auf der Flucht half wirklich, aber Whitehead nimmt es wörtlich und erschafft eine richtige Untergrundeisenbahn, die fantastisch auf mich wirkte. Auch die Geschehnisse in den einzelnen Staaten der USA haben vielleicht nicht so stattgefunden, aber im kleineren Maßstab oder als Idee waren sie in der Geschichte präsent.
Obwohl ich schon sehr auf den Roman gefreut hatte, da ich im Moment einiges zu diesem schrecklichen Abschnitt in der Geschichte lese, fiel mir der Anfang vom Buch etwas schwer. Die Protagonistin Cora ist ein Charakter, der einen erst einmal auf Abstand lässt, sie öffnet sich erst nach und nach. Auch der Schreibstil ist etwas emotionslos, besonders wenn von den Schrecken der Sklaverei berichtet wurde. Aber ich gewöhnte mich daran und merkte wie gut der Schreibstil passte, denn nur durch die Emotionslosigkeit war für mich die Beschreibungen zum Teil zu ertragen und anderseits passte es sehr gut zu der Emotionslosigkeit der Sklavenhalter.
Der Autor greift viele verschiedene Unterdrückungsmechanismen auf, die mich zum Teil an die Naziherrschaft und/oder Hexenverfolgung erinnert haben. Gekonnt webt er Fiktion und reale Ereignisse in die Geschichte ein. Was ich persönlich etwas schade fand, dass man allein durch den Roman nicht wusste was nun wirklich so oder so ähnlich geschah. Dazu muss man seine Interviews und andere Quellen mit einbeziehen. Aber trotz, dass die ganze Geschichte nicht immer mit historischen Fakten zu hinterlegen ist, zeigte der Roman für mich das ganze Ausmaß der Sklavereiwirtschaft, den Rassismus und die Fähigkeit der Menschen zur Grausamkeit. Das alles wirkt bis heute auf die amerikanische Gesellschaft, weshalb der Roman auch im Spiegel der aktuellen Ereignisse ein wichtiges Zeugnis ist. Er war nicht immer einfach zu lesen, was Sprachstil und die geschilderte Grausamkeiten und deren Emotionslosigkeit anging. Ich musste immer mal inne halten. Doch mir wurde klar warum der Roman so hoch gelobt wird, er große Literatur, die einen auch viel zum Nachdenken bringt und gleichzeitig richtig gut geschrieben ist.