Ein Roman mit spannender Ausgangslage, der allerdings zunehmend aufgebläht wirkt
Das flüsternde HausInhalt: Die Corona-Pandemie hat Harry Adams hart getroffen: Ihr Job in einem Restaurant wurde gekündigt – und die Suche nach einer neuen Stelle gestaltet sich nicht gerade einfach. Umso froher ist Harry, ...
Inhalt: Die Corona-Pandemie hat Harry Adams hart getroffen: Ihr Job in einem Restaurant wurde gekündigt – und die Suche nach einer neuen Stelle gestaltet sich nicht gerade einfach. Umso froher ist Harry, als sie kurzfristig eine Stelle als Haushaltshilfe bei dem berühmten Hor-ror-Filmregisseur Javier Castillo findet – zumal Harry selbst eine große Liebhaberin von Hor-rorfilmen ist. Kurz: Der Job ist eigentlich ein Glücksfall … wären da nicht die leisen Hilferufe, die Harry jedes Mal hinter einer verschlossenen Tür zu hören meint…
Persönliche Meinung: „Das flüsternde Haus“ ist ein Gruselroman von Christina Henry. Erzählt wird die Handlung hauptsächlich aus der personalen Perspektive von Harry, einer jungen Mut-ter, die selbst aufgrund streng religiöser Eltern keine einfache Kindheit/Jugend hatte (diese wird in kurzen Rückblicken beleuchtet). Christina Henry ist bekannt für ihre modernen Adap-tionen von Klassikern/Märchen; „Das flüsternde Haus“ ist allerdings keine Adaption, sondern eine eigenständige Geschichte. Generell haben Henrys Romane für mich immer etwas von einer Wundertüte: Einige Romane sind klasse, spannend geschrieben und wirkliche Pagetur-ner, andere leider eher langatmig. Auch „Das flüsternde Haus“ besitzt durch den spannenden Einstieg – ein mysteriöser Filmemacher, der in einer spleenigen Villa lebt, in der es einen ver-schlossenen Raum gibt, aus dem scheinbar leise Hilferufe dringen – Potential. Interessant – insbesondere für Horrorfilmliebhaber*innen – sind auch die Diskurse, die die Figuren inner-halb des Romans über einzelne reale Horrorfilme bzw. das Filmgeschäft insgesamt führen. Trotzdem: „Das flüsternde Haus“ gehört für mich leider eher zu Henrys langatmigen Roma-nen. Was als spannende Geschichte beginnt, flacht ziemlich schnell ab, da einzelne Hand-lungselemente immer wieder wiederholt werden und die Handlung letztlich nur vor sich hin-plätschert. Über weite Strecken der Handlung putzt Harry lediglich die Requisiten Castillos (ohne in Bezug auf die Hilferufe etwas zu unternehmen), neben den Hilferufen findet sich nur noch ein weiteres Horrorelement (beide wiederholen sich im Wechsel), Rückblicke und kleine-re Konflikte, die auftreten, wirken unorganisch, da sie innerhalb der Handlung nicht wirklich aufgegriffen/gelöst werden, die Handlung also nicht voranbringen. Das Ruder hätte natürlich noch dadurch herumgerissen werden können, dass am Ende ein überraschender Twist wartet. Doch auch dies ist nicht der Fall. Zum Schluss bleibt man etwas ratlos zurück, warum der Roman ca. 400 Seiten brauchte, um zu diesem Ende zu gelangen (teilweise hatte ich das Ge-fühl, dass hier eine im Kern richtig gute Kurzgeschichte zu einem Roman aufgebläht worden ist). Der Schreibstil von Christina Henry wiederum ist gewohnt atmosphärisch und lebendig, sodass man den Roman trotz der häufigen Wiederholungen gut lesen kann. Insgesamt ist „Das flüsternde Haus“ für mich ein eher langatmiger Roman, der zwar einzelne interessante Aspek-te besitzt und lebendig erzählt wird, allerdings wenig gruselt und aufgebläht wirkt.