Ein Zamonien-Roman mit gewohnt kreativen Ideen, allerdings auch mit Längen
Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene NachtmahrInhalt: Prinzessin Dylia, die selbsternannte „Prinzessin Insomnia“, leidet unter Schlaflosigkeit. Kein Mittel kann ihr helfen, die Mediziner sind mit ihrem Latein am Ende. Eines Nachts steht der alptraumfarbene ...
Inhalt: Prinzessin Dylia, die selbsternannte „Prinzessin Insomnia“, leidet unter Schlaflosigkeit. Kein Mittel kann ihr helfen, die Mediziner sind mit ihrem Latein am Ende. Eines Nachts steht der alptraumfarbene Nachtmahr Havarius Opal in ihrem Zimmer. Dieser hat die Mission, Dylia in den Wahnsinn zu treiben – allerdings nimmt er sie zuvor noch mit auf eine Reise. Zielort: Das Gehirn Dylias, wo sie ihrem Denken und ihren Träumen nachspüren kann.
Persönliche Meinung: „Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr“ ist ein phantastischer Roman von Walter Moers. Es handelt sich um den 7. Band des Zamonien-Zyklus; da die Handlung aber in sich abgeschlossen ist und der Roman auch sonst wenig Querverweise zu den anderen Bänden zieht, kann er auch ohne Kenntnis anderer Teile des Zyklus gelesen werden. Die Struktur der Handlung folgt einem Abenteuerroman: Dylia und Havarius reisen in Dylias Gehirn und bestehen dort verschiedene Missionen. Hier finden sich zwar einige wirklich schöne, fantasievolle sowie kreative Ideen (z. B. die Pfauenwörter, die Dylia finden muss; die Ideenschmetterlinge, der Friedhof des bunten Humors oder der Thalamus, der durch die Egozetten stark bürokratisiert ist), allerdings wirken die einzelnen Episoden austauschbar: Dylia und Havarius stolpern eher von einer Episode zur nächsten, ohne dass ein roter Faden ersichtlich ist. Zudem werden einzelne Episoden sehr ausführlich beschrieben (Havarius erklärt Dylia (und den Lesenden) sehr viel), wodurch der Roman für mich mehrere Längen hatte. Die Sprache des Romans ist wiederum, wie man es von Moers gewohnt ist: farbenprächtig, detailliert und mit Wortwitz. Apropos „Farbe“: Wie andere Zamonien-Romane ist auch „Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr“ reich illustriert. Diesmal aber nicht schwarz-weiß, sondern in schön bunten, zur Handlung stimmigen Aquarellen, die von Lydia Rode stammen. Insgesamt ist „Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr“ nicht der stärkste Zamonien-Roman. Dafür fehlte mir der rote Faden und die gewisse Spannung (kleinere Wendungen am Ende konnten die Längen im Mittelteil für mich nicht wettmachen). Dennoch: Er ist schön fabulierend geschrieben, passend illustriert und strotzt vor kreativen Ideen, sodass er (gerade für hartgesottene Moers-Fans) trotzdem eine Pflichtlektüre ist.