Ein dystopischer Roman, der unsere nahe Zukunft literarisch durchspielt
Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die LuftInhalt: Die 15-jährige Era schaut gerne Streams von zwei Mädchen, die maskiert Dinge auf einer Waldlichtung in die Luft sprengen. Nur Era kennt die Identität der Mädchen: Es handelt sich um ihre Mitschülerin ...
Inhalt: Die 15-jährige Era schaut gerne Streams von zwei Mädchen, die maskiert Dinge auf einer Waldlichtung in die Luft sprengen. Nur Era kennt die Identität der Mädchen: Es handelt sich um ihre Mitschülerin Maja und deren Schwester Merle, Töchter von Momfluencern. Kurzerhand geht Era zur Lichtung, auf der Maja und Merle ihre Sprengungen durchführen, und freundet sich mit beiden an. Doch kurze Zeit später brennt der Wald, bedroht das Haus, in dem Era und ihre Mutter leben, wobei die Brandursache nicht ganz deutlich ist…
Persönliche Meinung: „Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und sprengen Sachen in die Luft“ ist ein dystopischer Roman von Fiona Sironic. Erzählt wird die Handlung aus der Ich-Perspektive Eras, die meist einen nüchternen, desillusionierten Ton anschlägt. Der Roman spielt einige Jahre in der Zukunft, in einem dystopischen Setting, das gerade aufgrund seiner Realitätsnähe erschreckend ist. Das Klima ist gekippt: Der Asphalt platzt auf den Schulhöfen auf, sodass die Pausen nicht mehr draußen verbracht werden können; generell muss man aufpassen, wenn man rausgeht, da die UV-Strahlung stark zugenommen hat. Viele Tierarten sterben aus (bzw. sind es schon), was insbesondere Era beschäftigt, die diese Tierarten dokumentiert. Auch die Medien zeigen ihre Schattenseiten: Majas und Merles Mütter haben in ihrer Karriere als Influencer alles gefilmt und hochgeladen – somit auch die Kindheit der beiden der Öffentlichkeit preisgegeben, womit besonders Maja stark hadert. Man merkt: Die Welt in „Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und sprengen Sachen in die Luft“ ist unserer nur ein paar Jahre voraus, ihre Charakteristika aus heutiger Perspektive nicht undenkbar, wodurch sie für mich sehr eindrücklich war. Neben diesen dystopischen Zügen besitzt der Roman auch Elemente einer Liebesgeschichte: Zwischen Era und Maja entfaltet sich eine Beziehung. Wobei: Der Funke springt hier nicht wirklich auf die Lesenden über – zu lakonisch, nüchtern, ja teilweise kalt sind die beiden. Auf einer Metaebene ist dies aber stimmig, wird doch die Frage berührt, wie in einer lebensfeindlichen Welt Liebe überhaupt möglich ist. Insgesamt ist „Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und sprengen Sachen in die Luft“ ein eindrücklicher dystopischer Roman, der literarisch durchspielt, wie unsere (nahe) Zukunft aussehen könnte.