Ein Krimi mit anschaulich ausgearbeiteten Figuren, aber einem Fall, der eher linear ist
Schatten über SømarkenLennart Ipsen von der Kriminalpolizei genießt seinen Urlaub und fiebert schon der Reise mit seinen Töchtern nach Spanien entgegen. Doch dann erreicht ihn eine Hiobsbotschaft aus dem Restaurant Argousier, ...
Lennart Ipsen von der Kriminalpolizei genießt seinen Urlaub und fiebert schon der Reise mit seinen Töchtern nach Spanien entgegen. Doch dann erreicht ihn eine Hiobsbotschaft aus dem Restaurant Argousier, das seine Freundin Maren führt: Ein Gast ist nach seiner Mahlzeit tot zusammengebrochen, vergiftet durch eine heimische Pflanze. Schnell rückt Maren selbst in den Fokus der Ermittlungen, da der Gast ihr ehemaliger Freund und Geschäftspartner war. Zwar ist sich Lennart sicher, dass Maren nichts mit dem Tod zu tun hat, doch sind ihm die Hände gebunden: Seine Kolleginnen grenzen ihn systematisch von den Ermittlungen aus…
Persönliche Meinung: “Schatten über Sømarken” ist ein Kriminalroman von Michal Kobr. Es handelt sich um den dritten auf Bornhold spielenden Krimi um den Ermittler Lennart Ipsen. Zwar ist der Fall in sich abgeschlossen, doch spielen die zwischenmenschlichen Beziehungen, die sich über die vorherigen Bände hinweg entwickelt haben, eine große Rolle, weshalb es sinnvoll ist, die Reihe chronologisch zu lesen. Erzählt wird die Handlung des Krimis aus der personalen Perspektive von Lennart. Während mir die ersten beiden Krimis der Reihe sehr gut gefallen haben, fand ich den dritten Band eher durchwachsen. Zum Positiven: Sehr detailliert sind die Beziehungen der Figuren ausgearbeitet. Hier kommt es verstärkt zu Reibungen, was mit lebendigen Dialogen dargestellt wird. So zweifelt Lennart einerseits an der Beziehung mit Maren, da sie ihm - wie sich im Laufe der Handlung zeigt - mehrere Dinge verschwiegen hat, andererseits fühlt Maren sich von Lennart Missverstanden, zumal sie durch die Verdächtigungen im Mordfall einem Shitstorm ausgesetzt ist, was sie zusätzlich belastet. Auch beruflich kracht es für Lennart: Er kann nicht verstehen, warum seine Kolleginnen - vor allem Britta - ihn systematisch von den Ermittlungen ausschließen - insbesondere, da Britta sich in Bezug auf die Gründe schmallippig gibt. Ebenfalls gefallen haben mir die Dialoge zwischen Lennart und seinem Vater Karl. Karl ist recht eigen, begeistert sich schnell für Dinge und gibt oftmals ungefragt Ratschläge, die meist an der Realität vorbeigehen, was für viele witzige Gespräche voller Situationskomik sorgt. Schön ist auch das Urlaubsfeeling, das immer mal wieder durch atmosphärische Beschreibungen der Handlungsorte aufkommt. Was mich nicht überzeugen konnte, ist der Fall an sich. Dieser war für mich zu linear, Verdächtige sind rar. Dementsprechend früh ahnt man, aus welchem Umfeld der Täter kommt. Hier hätte ich mir mehr Rätselhaftigkeit und Überraschung gewünscht. Der Schreibstil von Michael Kobr ist anschaulich und flüssig zu lesen, sodass man durch die Seiten des Krimis fliegt. Insgesamt ist “Schatten über Sømarken” ein schön geschriebener Krimi mit Urlaubsfeeling und stark ausgearbeiteten Figuren; hinsichtlich des Falls bleibt für mich aber Luft nach oben.