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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.07.2025

Ein atmosphärisches Familiendrama, das sein Potenzial leider nicht ganz ausschöpft

Das Nest
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Fran lebt mit ihrem Mann und Sohn Bruno in einem kleinen britischen Küstenort, wo sie eine Wohnwagensiedlung leitet. Dort ist auch seit kurzem ihre Schwester Ros mit ihrer Familie untergebracht.

Als plötzlich ...

Fran lebt mit ihrem Mann und Sohn Bruno in einem kleinen britischen Küstenort, wo sie eine Wohnwagensiedlung leitet. Dort ist auch seit kurzem ihre Schwester Ros mit ihrer Familie untergebracht.

Als plötzlich die Lehrerin der Kinder verschwindet und immer wieder kleine tote Vögel gefunden werden, kommt Unruhe unter den Bewohnern auf.

Der Roman von Sophie Morton-Thomas wird abwechselnd aus der Perspektive von Fran und der von Tad erzählt, Mitglied einer Romafamilie, die sich nahe der Wohnwagensiedlung niedergelassen hat.

Tad ist im Buch der externe Beobachter, der das Geschehen mit Abstand betrachtet.

Durch Frans Perspektive erfahren wir Details über die anderen Familienmitglieder.



Obwohl es in diesem Buch um einen Kriminalfall geht, würde ich es nicht unbedingt als Krimi bezeichnen, sondern eher als Familiendrama.

Bewundernswert ist, wie die Autorin es schafft, eine unglaublich düstere Atmosphäre zu schaffen und diese über das komplette Buch hinweg aufrechtzuerhalten. Hier passt tatsächlich alles zusammen, die Jahreszeit, das britische Küstendorf, die Protagonisten; all das sorgt für eine beeindruckend triste Stimmung.



Doch vor allem zwei Gründe haben mich dem Roman leider nur drei Sterne geben lassen.

Zunächst konnte ich zu den Charakteren keinerlei Verbindung aufbauen. Selbst die beiden Hauptcharaktere Fran und Tad haben mich nicht so erreichen können, dass mir ihr Schicksal wirklich nah gegangen wäre.

Der zweite Punkt ist das schleppende Erzähltempo, das sich ganz zum Schluss plötzlich rasant steigert und ein eher unglaubwürdiges Ende hervorbringt.

Manchmal ist es so, dass die Handlung eines Romans eher gemächlich dahinplätschert, das Ende aber so explosiv ist, dass es das restliche Buch aufwertet.

Doch in „Das Nest“ passt das Tempo einfach nicht wirklich zusammen.

Über weite Strecken legt sich eine große Trägheit über die Handlung, jeder versucht Entscheidungen oder Aussprachen aus dem Weg zu gehen, verliert sich dagegen in Vogelbeobachtungen oder Gedanken.

Die letzten Seiten sind dann ein wahres Feuerwerk an Auflösungen und Geständnissen, was zwar einerseits befriedigend ist, andererseits einfach zuviel des Guten.



Fazit

Eine Geschichte, die viel Potenzial gehabt hätte, mich jedoch trotz der beeindruckenden Atmosphäre leider nicht wie erhofft überzeugen konnte.

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Veröffentlicht am 09.01.2025

Einblick in eine niederrheinische Dorfgemeinschaft

Vielleicht hat das Leben Besseres vor
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In der kleinen Gemeinde Alpen am Niederrhein steht das Spargelfest an. Die Freude darauf wird allerdings getrübt, als Raffaella, ein Mädchen, das seit einem Unfall geistig behindert ist, bewusstlos aufgefunden ...

In der kleinen Gemeinde Alpen am Niederrhein steht das Spargelfest an. Die Freude darauf wird allerdings getrübt, als Raffaella, ein Mädchen, das seit einem Unfall geistig behindert ist, bewusstlos aufgefunden wird. Keiner weiß, ob es ein Unfall war oder ein Verbrechen, das Mädchen liegt jedenfalls im Koma. Der Pastorin Anna geht der Fall sehr zu Herzen, zumal es auch noch Familienangelegenheiten gibt, die ihr Kopfzerbrechen bereiten.



Das war mein erstes Buch der Autorin und irgendwie hatte ich mir wohl etwas anderes vorgestellt bzw. einfach mehr erwartet.Ein bisschen Krimi und Dramatik, ein wenig Humor und Familiengeschichte; von all dem gibt Anne Gesthuysen hier eine Prise dazu, was mal mehr mal weniger unterhaltsam ist.

Das Schicksal der kleinen Raffaela ist tragisch und die Rückblicke, in denen der Umgang der Familie mit der neuen Lebenssituation geschildert werden, berühren tatsächlich sehr. Der „Kriminalfall“ in der Gegenwart ist auch gar nicht schlecht gelungen, da man bis zum Schluss rätselt, was passiert sein könnte.

Ansonsten lässt sich der Roman leicht lesen, bietet für meinen Geschmack aber auch nicht mehr als wirklich leichte Unterhaltung. Die Pastorin Anna konnte mich zum Beispiel kaum überzeugen, genauso wie ihr Freund und Ermittler Volker.

Die Dorfgemeinschaft ist schön politisch korrekt zusammengewürfelt und auch das Thema Diskriminierung darf natürlich nicht fehlen. Die Diskussion der Dorfbewohner hierzu fand ich allerdings ziemlich realistisch dargestellt.

Fazit

Wer auf der Suche nach leichter Lektüre ist, die aber ein durchaus ernstes Thema behandelt, ist hier sicher gut aufgehoben.

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Veröffentlicht am 25.11.2024

Bleibt spannungsmäßig hinter meinen Erwartungen zurück

Blutrotes Karma
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1968 toben in Paris die Studentenproteste. Inmitten dieser chaotischen Zustände findet der junge Student Hervé eine Freundin tot in ihrer Wohnung auf. Das Besondere daran - der Mörder hat sie in einer ...

1968 toben in Paris die Studentenproteste. Inmitten dieser chaotischen Zustände findet der junge Student Hervé eine Freundin tot in ihrer Wohnung auf. Das Besondere daran - der Mörder hat sie in einer Yogapose drapiert. Hervé ruft seinen älteren Halbbruder Mersch, einen Polizisten, zu Hilfe. Als bald darauf erneut eine von Hervés Freundinnen ermordet in einer Yogapose gefunden wird, drängt die Zeit, denn es gibt noch ein drittes potentielles Opfer. Die Spur des Täters führt ins weit entfernte Indien und Mersch ermittelt vor Ort weiter. Doch schon bald stellt sich heraus, dass die Studentinnen nicht das eigentliche Ziel waren.



Mit seinem neuesten Werk konnte mich Jean Christoph Grangé diesmal leider nicht ganz überzeugen. Zwar fehlt es auch hier wieder nicht an blutrünstigen und brutalen Taten, doch wird der Spannungsaufbau immer wieder unterbrochen durch zu große Längen im Buch.

Die Handlung an sich ist allerdings äußerst interessant, wenn man historisch ein bisschen interessiert ist und auch Exkurse in die Welt spiritueller Gemeinschaften nicht scheut.

Paris und Indien - beide Schauplätze werden sehr anschaulich beschrieben. Mit großem Interesse habe ich die Ereignisse der Studentenproteste in Paris Ende der sechziger Jahre verfolgt. Genauso beeindruckend lasen sich die Kapitel, die in Indien spielten. Unglaublich realistisch beschreibt Grangé hier die Zustände in Kalkutta und gibt einen interessanten Einblick in die Welt der Sekten.

Die atemlose Spannung, die für mich andere Romane des Autors auszeichnet, hat mir hier allerdings gefehlt. Zu viele Wege werden beschritten, ganz im wörtlichen Sinn, die Grangé ausführlich beschreibt, und in Paris verliert sich die Handlung leider zu sehr in den chaotischen Zuständen der Studentenrevolte.

Auch die Charaktere konnten leider nicht dazu beitragen, mich an die Geschichte zu fesseln.



Fazit

Thematisch ein interessanter Roman, der spannungsmäßig aber hinter einigen seiner früheren Werke zurückbleibt.

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Veröffentlicht am 23.09.2024

Spannungsmäßig gibt es noch Luft nach oben

Verbrannte Gnade
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Es ist ein heißer Sommertag in New Orleans, als ein Brandanschlag auf eine Klosterschule verübt wird, bei dem der Hausmeister Jack ums Leben kommt. Schwester Holiday, eine Nonne mit queerer und nicht unbedingt ...

Es ist ein heißer Sommertag in New Orleans, als ein Brandanschlag auf eine Klosterschule verübt wird, bei dem der Hausmeister Jack ums Leben kommt. Schwester Holiday, eine Nonne mit queerer und nicht unbedingt reiner Vergangenheit, die die Schule als Musiklehrerin unterstützt, lässt der Fall nicht los und sie beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln.



Mit seinem auffälligen Cover und der ungewöhnlichen Protagonistin hat mich dieser Krimi sofort auf sich aufmerksam gemacht.

Die Hauptprotagonistin Schwester Holiday wurde durch die markante Stimme der Erzählerin vor meinen Augen sehr lebendig. Allerdings empfand ich die Tonlage bei manch anderer Figur als schwierig; um die diversen Charaktere zu unterscheiden braucht es für mich nicht unbedingt extreme Unterschiede in der Stimme des Erzählers.



Schwester Holiday ist eigensinnig, speziell, außergewöhnlich. Ein wirklich toller Charakter, den die Autorin Margot Douaihy hier geschaffen hat. Das ist auch der Punkt, der mich dazu bewogen hat, das Buch bis zum Ende zu hören. Ich mochte einfach ihre unkonventionelle Art und habe gern in Holidays bewegte Vergangenheit hineingeschnuppert.

Den Fall hab ich allerdings als recht unspektakulär empfunden, er ging auch zwischenzeitlich im Nebengeschehen etwas unter. Die Ermittlungen plätscherten ziemlich dahin, da ist sicherlich in Zukunft noch mehr drin.

Natürlich muss der erste Teil einer Krimireihe erstmal eine Einführung der Charaktere und des Settings bieten, was auch wirklich gut gelungen ist. Bei einem neuen Fall für Schwester Holiday bin ich deshalb auf jeden Fall nochmal dabei.



Fazit

Ein Serienauftakt, der Einiges richtig macht, spannungsmäßig aber noch Luft nach oben hat.

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Veröffentlicht am 23.09.2024

Als Kriminalroman enttäuschend, als düsteres Familiendrama durchaus eindrucksvoll

Familienbande
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Die Geschwister Aksel und Ellinor sind unzertrennlich, der Hass auf die Mutter hat sie immer schon zusammengeschweißt. Aksel arbeitet als Journalist und kümmert sich nebenbei um seine Schwester, die dem ...

Die Geschwister Aksel und Ellinor sind unzertrennlich, der Hass auf die Mutter hat sie immer schon zusammengeschweißt. Aksel arbeitet als Journalist und kümmert sich nebenbei um seine Schwester, die dem Alltag und dem Leben am liebsten entfliehen möchte. Die Kindheit hat bei beiden ein schlimmes Trauma hinterlassen und als die Mutter eines Tages tot aufgefunden wird, stellt sich die Frage, ob die Vergangenheit der Grund dafür sein könnte.


Der Klappentext ließ einen eher klassischen Kriminalroman vermuten, mit einem Kommissar, der einen psychologisch intensiven Fall lösen muss.
Also hatte ich mich auf spannende Lesestunden gefreut, in denen ich mit auf Tätersuche gehen konnte. Tatsächlich behandelt der Großteil des Buches allerdings die mentale Verfassung der beiden Geschwister, ausgelöst durch eine bedrückende Kindheit.
Aksel besucht abwechselnd seine Schwester und seine Mutter, ab und zu trifft er sich mit einem Arbeitskollegen. Das ist so in etwa die Szenerie des Romans, der eine wirklich düstere Stimmung verbreitet, Spannung im Sinne eines Krimis aber vermissen lässt.
Dass der Ermittler erst ganz zum Schluss ins Spiel kommt, fand ich auch ziemlich enttäuschend. Man hat leider keine Chance mehr, ihn und seine Ermittlerfähigkeiten kennenzulernen.
Die Auswirkungen, die eine Erziehung, wie sie hier geschildert wird, auf das restliche Leben hat, wurden schonungslos und eindrücklich aufgezeigt; für mich ein großer Pluspunkt dieses Romans.

Fazit
Als Kriminalroman enttäuschend, als düsteres Familiendrama durchaus eindrucksvoll.

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