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Veröffentlicht am 24.10.2024

Moralische Verantwortung

Verfolgt, „arisiert“, wiedergutgemacht?
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Dieses Buch erzählt die Geschichte zweier Familien: der Familie Tietz und der Familie Karg. Während die eine Familie jahrelang Mühe und Ideenreichtum investierte, wurde der anderen Familie ein großes Unternehmen ...

Dieses Buch erzählt die Geschichte zweier Familien: der Familie Tietz und der Familie Karg. Während die eine Familie jahrelang Mühe und Ideenreichtum investierte, wurde der anderen Familie ein großes Unternehmen mehr oder weniger in den Schoß gelegt.

Die umfassende Studie zur Geschichte der Hertie-Warenhäuser beginnt mit der Gründung des Unternehmens, das damals eine außergewöhnliche Idee verwirklichte: ein umfangreiches Warenangebot unter einem Dach anzubieten. Der rasante Erfolg hielt bis zur Weltwirtschaftskrise 1929 an. Obwohl die Besitzer genügend Rücklagen hatten, um die schwierigen Jahre zu überstehen, begann kurz darauf die Naziherrschaft. Spätestens ab 1933/1934 wurden die Eigentümer immer mehr unter Druck gesetzt. Neue Gesetze und Auflagen machten den jüdischen Besitzern das Leben schwer, sie mussten Sonderabgaben leisten und konnten keine Kredite mehr bekommen.

Der Unternehmer Georg Karg, unterstützt durch die damalige Gesetzgebung, die arischen Unternehmern viele Anreize bot, konnte das Kaufhaus günstig erwerben. Die eigentlichen Besitzer verloren auf diese Weise alles.

Der genaue Hergang der Enteignung wird in diesem Buch detailliert dargestellt. Die Judenpolitik des Dritten Reiches ließ den jüdischen Unternehmern keine Chance. Anhand von Quellen wird die Situation klar und überzeugend dargelegt und bewiesen.

Der Stil dieser Studie ist sehr wissenschaftlich. Alles ist gut dokumentiert, und zahlreiche Quellen und Fußnoten machen die Darstellung nachvollziehbar. Die Anmerkungen umfassen allein schon fünfzig Seiten.

Der Text wird durch mehrere Bilder und Tabellen aufgelockert. Besonders interessant sind die Fotos aus dieser längst vergangenen Zeit. Abgerundet wird das Buch mit einem Literatur- und Personenverzeichnis.

Fazit: Dieser Bericht über das Schicksal erfolgreicher jüdischer Geschäftsleute im Dritten Reich zeigt deutlich, welches Unrecht sie erleiden mussten und wie sich die Täter auch in den Folgejahren nie wirklich ihrer moralischen Verantwortung stellten. Sehr empfehlenswert, vor allem für Menschen, die sich für tiefgehende Informationen über dieses Unrecht interessieren.

Veröffentlicht am 25.09.2024

Aus dem Leben einer Wiesn Gastgeberin

O'zapft is!
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Maggy bedient auf dem Oktoberfest, im Biergarten der Augustiner Festhalle, und das schon sehr lange. Sie ist seit über dreißig Jahren dabei und hat dabei allerlei erlebt. In diesem ersten Buch einer Wiesn-Kellnerin, ...

Maggy bedient auf dem Oktoberfest, im Biergarten der Augustiner Festhalle, und das schon sehr lange. Sie ist seit über dreißig Jahren dabei und hat dabei allerlei erlebt. In diesem ersten Buch einer Wiesn-Kellnerin, erzählt sie aus ihrem anstrengenden Oktoberfest-Alltag, von Freuden und Herausforderungen, vor allem aber von ihrer geliebten Wiesn Familie.

Ihre Tische betrachtet Margarete Prijak als ihr Wohnzimmer. Sie schafft die heißersehnten Maßkrüge herbei, sorgt für Ordnung, unterhält sich auch mal mit ihren Gästen, und sorgt insgesamt für eine gute Stimmung. Viele Gäste kommen Jahr für Jahr wieder und werden zu Freunden. Und natürlich sind die anderen Mitarbeiter wie Familie. Sechzehn Tage lang herrscht für alle Ausnahmezustand, und Maggy möchte es nicht mehr missen.

Aus diesem Buch schwappt ihre Begeisterung für das Oktoberfest über, wie Bier aus einem vollen Maßkrug. Dabei verschweigt sie die unschönen Seiten nicht. Immer wieder ist von Körperflüssigkeiten die Rede, die nicht am richtigen Ort landen. Unfreundliche Gäste sind ebenso Thema, wie müde Beine und Blasenpflaster. Doch schnell wirft sie dann wieder den Blick auf das Positive. Die Freundschaften, die entstehen. Vertrauen und Mitmenschlichkeit. Hinzu kommt ein Füllhorn voller lustiger, berührender und auch skurriler Erlebnisse.

Hat dieser eine Gast jemals bemerkt, dass er einen Teil seines Gebisses zurückgelassen hat? Und wie nett, dass ein Ehemann der Maggy einen Finderlohn für seine Ehefrau zahlen will. Was hat es mit den Holz-Wäscheklammern auf sich? Was ist die meistgestellte Frage der Gäste?

Auch Leser aus Preußen kommen bei diesem Buch auf ihre Kosten, denn bayerische Ausdrücke werden vorgestellt und erklärt. Leser erfahren zudem einiges über Trachten und über die Geschichte des Bieres. Prickelnde Infos über Promis sucht man jedoch vergebens, denn die Autorin wacht streng über die Geheimnisse ihrer Gäste.

Durch den ansprechenden Erzählstil fühlt sich das Lesen an, wie ein Besuch in Maggys Wiesn-Wohnzimmer. Sie erzählt offen und ehrlich aus ihrem Leben, lässt Leser wissen, was sie verletzt und was sie frohmacht. Es ist etwas Besonderes auf diese Weise einen Blick hinter den Kulissen des Oktoberfests zu werfen. Das Buch enthält zudem viele hilfreiche und praktische Hinweise, beispielsweise auf den Frauennotruf oder den Wiesn-Barometer.

Fazit: Interessante Erlebnisse, gepaart mit viel Humor, einer Prise Lebensweisheit und viel Mitmenschlichkeit. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 17.09.2024

Socken-Vielfalt

Ich stricke Socken - cosy & trendy
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Warme Socken kann man nie genug haben! Erst recht, wenn sie handgearbeitet sind und mit besonderen Mustern verziert.

Dieses Buch enthält Anleitungen für zwanzig verschiedene Fußwärmer. Alle Socken werden ...

Warme Socken kann man nie genug haben! Erst recht, wenn sie handgearbeitet sind und mit besonderen Mustern verziert.

Dieses Buch enthält Anleitungen für zwanzig verschiedene Fußwärmer. Alle Socken werden jeweils in drei Größen beschrieben: 36/37, 38/39 und 40/41. Darüber hinaus gibt es einige Modelle in einer Einheitsgröße.

Die vorgeschlagene Wolle ist jeweils ein Garn von Lang, aber es kann jede Sockenwolle verwendet werden. Die meisten Modelle sind für 4-fädiges Garn, einige sind jedoch dicker und werden mit 6-fädiger Wolle gestrickt. Fast alle werden von oben nach unten gestrickt, nur wenige beginnen an der Spitze.

Die Muster sind sehr unterschiedlich. Es gibt Lochmustersocken, Intarsien- und Jacquardmuster, Ringelsocken und Zopfmusterstrümpfe.

Das Buch beginnt mit einer kurzen Einführung in das Sockenstricken. Anschließend werden drei Fersenarten beschrieben – die Bumerangferse, die Käppchenferse und die nachträgliche Ferse. Die Hälfte der Modelle wird mit Bumerangferse gestrickt, zwei mit Käppchenferse und fünf mit nachträglicher Ferse. Die anderen drei Modelle kommen ganz ohne Ferse aus – es sind Gamaschen, Stulpen und fersenlose Yogasocken.

Neben einer ausführlichen Anleitung gibt es ein Foto von jedem Modell sowie eine Skizze. Bei der Vielfalt der Muster ist vermutlich für jeden Geschmack etwas dabei.

Strickkenntnisse werden vorausgesetzt, aber ansonsten eignet sich dieses Buch auch für Anfänger. Besonders hilfreich ist die ausführliche Erklärung der drei Fersenarten.

Fazit: Ein Buch mit sehr schönen gemusterten Socken, gut verständlichen Erklärungen und einer ansprechenden Aufmachung. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 03.08.2024

Freiwerden von falschen Erwartungen

Vom Glück, das eigene Herz zu finden
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Lindas Kindheit ist zunächst wunderschön, doch spätestens mit der Schulzeit kommen erste Risse in diese Traumwelt. Linda hat das Gefühl nicht so recht zu den anderen zu passen. Also lernt sie, sich anzupassen, ...

Lindas Kindheit ist zunächst wunderschön, doch spätestens mit der Schulzeit kommen erste Risse in diese Traumwelt. Linda hat das Gefühl nicht so recht zu den anderen zu passen. Also lernt sie, sich anzupassen, den Erwartungen der anderen gerecht zu werden.

Annahme findet sie dann als Jugendliche in einer christlichen Gemeinde. Hier kann sie auch ihre Liebe zur Musik ausleben.

Etwas später ist sie verheiratet, und das junge Paar baut gemeinsam eine Gemeinde in Frankfurt auf. Das geht lange gut, und die Gemeinde ist ein Ort wertvoller Beziehungen und Geborgenheit, doch die Arbeit verteilt sich auf nur wenigen Schultern. Sowohl Linda als auch ihr Mann sind nach einigen Jahren ausgebrannt und brauchen eine Pause. Doch auch der Ausstieg aus der Gemeindearbeit muss aufgearbeitet werden. Dabei entdeckt Linda Herzensschätze, die sie hier mit ihren Lesern teilt.

In sieben Kapiteln begleitet Linda ihre Leser von einem überladenen, unglücklichen Herzen hin zu einem befreiten, frohen Herzen, das weiß, was es will. Sie macht Mut genau hinzuschauen, in sich hinein zu horchen, um festzustellen, was zu einem passt und was nicht. Dabei streut sie Teile ihrer Geschichte mit ein – die Rahmengeschichte eines Burnouts, aber auch viele kleinen Beispiele aus ihrem Alltag, die das Gesagte verdeutlichen.

Das hochwertige Buch ist wunderschön gestaltet. Ansprechende Zeichnungen und verschiedene Akzente in Gold zieren die Seiten; auf den Zeichnungen, zur Hervorhebung von wichtigen Sätzen und teilweise auch als Seitenhintergrund. Nach jedem Kapitel findet sich ein passender Liedtext der Autorin. Wer den Barcode scannt, kann das jeweilige Lied sogar im Internet anhören. Am Ende des Buchs stehen vier einfache Übungen, um das eigene Herz besser zu spüren, Wünsche wahrzunehmen, den Tag zu bewerten.

Obwohl die Autorin Pastorenfrau war, ist im Buch kaum von Gott oder dem Glauben die Rede. Es geht eher um Selbstliebe und den Glauben an sich selbst. Die Tipps und Ratschläge sind auf jeden Fall wertvoll und hilfreich, aber es ist schade, dass Linda nicht mehr von ihrem Glauben erzählt. Aufgrund ihrer persönlichen Geschichte scheint sie in dieser Hinsicht zurückhaltender geworden zu sein. Ich denke aber, dass gerade Impulse aus der Bibel die vorhandenen Tipps noch reichhaltiger und hilfreicher gemacht hätten.

Fazit: Ein schön gestaltetes Buch über ein wichtiges Thema. Es hilft eigene Wünsche zu entdecken und kleine Schritte auf das Ziel hin zu gehen. Durch die hochwertige Verarbeitung eignet es sich auch gut als Geschenk. Empfehlenswert, vor allem für Frauen, die sich vom Alltag überfordert fühlen und das Gefühl haben selbst zu kurz zu kommen.

Veröffentlicht am 30.07.2024

Bücherei-Oase

Der Club der Bücherfreundinnen
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Die jungverheiratete Avis übernimmt von ihrem Bruder die Leitung einer Bücherei als er zum Militär geht. Im Gegensatz zu ihm, liest sie eigentlich keine Bücher. Sie interessiert sich vor allem für Zeitschriften ...

Die jungverheiratete Avis übernimmt von ihrem Bruder die Leitung einer Bücherei als er zum Militär geht. Im Gegensatz zu ihm, liest sie eigentlich keine Bücher. Sie interessiert sich vor allem für Zeitschriften und die darin enthaltenen Ratschläge für eine glückliche Ehe. Ihr Mann möchte nichts lieber als auch in der Armee dienen, doch gesundheitliche Gründe halten ihn davon ab.

Die private Bücherei gehört Louise, einer älteren Dame, die nie geheiratet hat. Die Bibliothek hat sie von ihrem Vater geerbt. Doch nun ist es an der Zeit das Gebäude zu räumen, meint sie. Die Räumlichkeiten sind ja auch eine ständige Erinnerung daran, dass ihr Vater kaum Zeit für sie hatte, sondern nur für seine Bücher.

Ginny lebt erst seit kurzem in der Kleinstadt dieser beiden Frauen. Die aufgeschlossene junge Dame sorgt unter ihren Freunden für Lebendigkeit. Sie hat ein Ziel vor Augen. Sie möchte möglichst viel Geld sparen, um das Zuhause ihrer Eltern nach dem Krieg zurückzukaufen.

Martina will nicht gefunden werden. Die italienischstämmige Frau ist auch neu in der Stadt, denn sie hat hier Arbeit gefunden. Ihre beiden Kinder fühlen sich schnell Zuhause, auch wenn sie nur in einem kleinen Wohnwagen leben. Doch bald sieht es so aus als müsste Martina mit ihrer kleinen Familie erneut fliehen.

Abwechselnd erzählt dieses Buch von Avis, Louise, Ginny und Martina. Dazwischen finden sich tagebuchartige Protokolleinträge und Briefe. Die Geschichte beginnt Anfang des Jahres 1942 und verfolgt die Entwicklung dieser Frauen bis zum Herbst desselben Jahres. Ihre Freundschaft festigt sich, indem sie miteinander Bücher lesen und diese bei ihre Treffen besprechen. Sie lernen sich besser kennen und unterstützen einander.

Am Anfang wirken die Ereignisse in diesem Buch ein wenig belanglos, auch wenn die Charaktere gut gezeichnet und sympathisch sind. Im Laufe der Geschichte treten jedoch immer mehr Geheimnisse zutage, die im letzten Viertel des Buches nacheinander aufgelöst werden, wodurch die Geschichte am Ende sehr spannend ist.

Sehr schön an dieser Geschichte sind die vielen Lebensweisheiten, die hin und wieder eingestreut sind. Dabei geht es unter anderem um Freundschaft und Zusammenhalt, um Bücher und um die Bewältigung der Vergangenheit.

Fazit: Ein historischer Roman über die Bedeutung von Freundschaft und Zusammenhalt. Empfehlenswert!