Profilbild von _H_B_

_H_B_

Lesejury Profi
offline

_H_B_ ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit _H_B_ über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.06.2022

Historische Kurzgeschichten mit Momenten des Unheimlichen

Der Schatten aus der Tiefe
0

Der Schatten aus der Tiefe. Unheimliche Geschichten von Nathali Gutz ist eine Sammlung von Kurzgeschichten die zu Beginn des 19. Jahrhunderts spielen. Als Protagonisten treten Personen aus der Textilherstellung ...

Der Schatten aus der Tiefe. Unheimliche Geschichten von Nathali Gutz ist eine Sammlung von Kurzgeschichten die zu Beginn des 19. Jahrhunderts spielen. Als Protagonisten treten Personen aus der Textilherstellung auf, deren Existenz durch die rasant fortschreitende Industrielle Revolution bedroht wird. Sie zeichnen sich neben erfrischend positiven familiären und freundschaftlichen Beziehungen durch Sympathien für die Ludditen aus. Das Unheimliche begegnet ihnen, nicht auf schleichende Art, sondern direkt, plötzlich und unvermittelt, es bricht in ihre (mehr-oder-weniger) heile Alltagswelt ein.
Diese Phänomene bleiben für Figuren wie Leser unerklärt und laden somit zum eigenständigen Spekulieren ein.
Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, schlicht ohne größere Ausschmückungen, wodurch die über- bzw. unnatürlichen Aspekte stärker hervortreten. Die einzelnen Geschichten werden am Ende geschickt durch ein Schreiben, welches ich hier nicht vorwegnehmen möchte, miteinander verbunden bzw. zusammengefasst. Gleichzeitig wird an dieser Stelle eine mögliche Fortsetzung vorbereitet.
Alles in allem ist die Sammlung von Geschichten allen historisch Interessierten zu empfehlen, die nach ein paar Stunden leichter Unterhaltung suchen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.02.2022

Interessanter Erzählstil und spannend zu lesen. Das Ende ist allerdings fragwürdig

Future - Die Zukunft gehört dir
0

"Future - Die Zukunft gehört Dir" von Dan Frey zeichnet sich durch einen originellen Erzählstil aus: anstelle des ‚üblichen‘ Fließtextes stehen diverse kürzere Dokumente, die von privaten Emails bis hin ...

"Future - Die Zukunft gehört Dir" von Dan Frey zeichnet sich durch einen originellen Erzählstil aus: anstelle des ‚üblichen‘ Fließtextes stehen diverse kürzere Dokumente, die von privaten Emails bis hin zu Zeitungsartikeln reichen. Den roten Faden bildet hierbei der Protokollverlauf einer Anhörung. Dieses Rahmengerüst wird von weiteren Textzeugnissen mit Leben gefüllt. Die ersten 90% des Buches sind somit eine Art spannendes Puzzle, das sich nach und nach zu einem Gesamtbild über Entwicklung, Vermarktung und einsetzenden Folgen einer neuen Technologie zusammenfügt, die den Blick in die Zukunft zum privaten Konsumgut macht.

Der Schreibstil liest sich flüssig. An wenigen Stellen lässt sich deutlich merken, dass es sich um eine Übersetzung aus dem Englischen handelt (high ground meme), aber das tut dem Ganzen keinen Abbruch.

Handlungstechnisch besitzt Frey ein gutes Gespür dafür, wann er dem Leser wie viele Informationen zur Verfügung zu stellen hat, ohne den Leser zu Überlasten oder den Spannungsaufbau der Handlung zu behindern.

Allerdings bilden nicht ‚sci-fi‘ Überlegungen, sondern Persönlichkeiten und Beziehungen der Hauptcharaktere das Herzstück des Romans. Besonders Ben und Adhi sind hierbei aufgrund der ambivalenten Interpretationsmöglichkeiten ihres Verhaltens interessant. Störend hingegen empfand ich die teils sehr vorhersehbaren Konflikte auf der romantischen Ebene.

M.E. wirken die genannten psychischen/Verhaltensstörungen mitunter sehr ‚angeheftet‘ und nicht authentisch.

Das Ende ist ein weiteres Manko, nicht weil es offengehalten ist, sondern den fesselnden Erzählstil nachträglich zu begründen versucht. Diese ‚Legitimierung‘ ist unnötig und - schlimmer noch - widersprüchlich: das Vorhandensein mehrerer der Textdokumente (bspw. die Korrespondenzen Adhis mit seiner Mutter oder einige der Konversationen Adhis mit Leila) machen unter Berücksichtigung der Intention des Zusammenstellers der Schriftstücke keinen Sinn mehr.

Alles in allem ist der Roman spannend und leicht zugänglich, perfekt geeignet um ihn auch nach einem langen Arbeitstag, der einem den Großteil der mentalen Kapazitäten abverlangt hat, zu lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.05.2025

Unterhaltsam, aber schöpft das eigene Potenzial nicht aus

The Wind Weaver (Wind Weaver 1)
0

Die Handlung fängt spannend an mit dem Tag der Hinrichtung der Protagonistin. In Rhyas Heimat werden magische Wesen aller Art gejagt, sie selbst ist als Halb-Fae in ständiger Angst aufgewachsen und sieht ...

Die Handlung fängt spannend an mit dem Tag der Hinrichtung der Protagonistin. In Rhyas Heimat werden magische Wesen aller Art gejagt, sie selbst ist als Halb-Fae in ständiger Angst aufgewachsen und sieht sich nun am Ende. Natürlich kommt es aber anders und plötzlich ist sie in der Gewalt des Generals Scythe, der sie nach Norden verschleppt…
Das erste Kapitel fand ich etwas holprig zu lesen, doch auf den folgenden Seiten wird es angenehmer und flüssiger. Besonders die Kampfszenen waren lesenswert, allerdings kam für mich beim Lesen keine Atmosphäre auf und das Worldbuilding allgemein ist unterentwickelt, aber dazu später mehr.
Die Bezeichnung Enemies to Lovers trifft nicht wirklich zu. Auch Slow Born kommt mir irreführend vor. Die Beziehung beginnt zunächst mit rein physischer Anziehung, das ist zwar nicht mein Ding, aber es kommt in Romantasies häufig vor und mir hat es gereicht, dass es zumindest nicht toxisch ist. Dachte ich. Denn in der zweiten Hälfte verhält sich der männliche Hauptcharakter derart kindisch, überemotional-eifersüchtig, dass ich es schwer zu ertragen fand, besonders wenn man bedenkt, dass er locker 70 Jahre mehr Lebenserfahrung als die Protagonistin hat. Die Protagonistin Rhya ist als Kontrast zur zynischen Art ihrer Flamme eine idealistische Person. Leider mangelt es ihr an einem Ziel, auf das sie hinarbeiten könnte. Den Großteil der Handlung verbringt sie damit, auf irgendetwas zu reagieren oder in Selbstmitleid zu versinken. Dadurch entstehen immer wieder langatmige Strecken. Es wäre so schön gewesen, sie aktiver zu sehen. Das Potenzial dazu ist in der geschriebenen Welt durchaus vorhanden: Man hätte das Schicksal ihres Vaters unklar lassen können, und ihr somit einen Grund gegeben, von General Scythe entkommen zu wollen. Das hätte einen netten Anlass für Konflikt gegeben. Oder die vage Warnung vor ihren Kräften verschärft, indem sie innerhalb einer gewissen Zeit lernen muss, damit umzugehen oder es würde sie von innen heraus verzehren. Irgendwie sowas. Stattdessen lässt sie sich ohne größere Gefahr einfach nur von der Handlung treiben, was nicht sonderlich spannend zu lesen ist.
Bei den Nebencharaktern finde ich es langweilig, wie sehr man von der Beschreibung ihrer Attraktivität daraus schließen kann, ob sie zu den Guten oder Bösen gehören. Was auch noch damit übereinstimmt, ob sie freundlich zu der Protagonistin sind oder nicht. Das ist mir einfach ein zu simples Weltbild. Stichwort Welt: Rhyas Welt ist von Hunger und Krieg geprägt, hinzu kommen Krankheiten und Probleme bei der Geburt von Kindern. Hier hätte man richtig schön ein anderes Wertesystem aufbauen können, aber es ist eine klassische Fantasywelt, wo Edelsteine Reichtum spiegeln und (abgesehen von einer namenlosen Generalin) klassische Geschlechterrollen herrschen. Das ist aber nicht mein Kritikpunkt, sondern lediglich ein was hätte sein können. Was mich konkret gestört hat, ist: Rhya wuchs also mit Not auf, reagiert aber kaum auf den Überfluss, der ihr später begegnet. Besonders ihr Umgang mit Essen wirkt ziemlich unglaubwürdig, so würde niemand handeln und verschwenden, für den Hunger jahrelang ein Thema war.
Alles in allem ist es ein Fantasyroman für Leser, denen die Liebesgeschichte am wichtigsten ist. Für mich war es nett zu lesen, aber nicht sonderlich erinnerungswürdig.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.11.2024

Interessante Idee, aber Umsetzung mit Lücken

Mondia-Dilogie 1: Silent Secrets
0

Silent Secret, der erste Band der Mondia-Dilogie von Alexandra Flint, entführt uns nach Paris. Dort gerät das Leben der 19-jährigen Remy aus den Fugen, als ein mysteriöses Kästchen in ihren Besitz gelangt. ...

Silent Secret, der erste Band der Mondia-Dilogie von Alexandra Flint, entführt uns nach Paris. Dort gerät das Leben der 19-jährigen Remy aus den Fugen, als ein mysteriöses Kästchen in ihren Besitz gelangt. Plötzlich ist sie Teil einer geheimen Welt, die mit ihren unbekannten leiblichen Eltern zusammenhängt und muss eine magische Gabe meistern, um die Weltenbibliothek zu retten. Ihr zur Seite steht Sim, einer der Beschützer der Bibliothek. Doch auch die Feinde der Bibliothek sind nicht untätig…
Die Grundidee des Romans ist spannend und hat Potenzial: eine geheime Bibliothek, durch deren Schädigung die gesamte Welt beeinträchtig wird. Mit Remy ist eine durchaus sympathische Protagonistin gegeben und Roman führt schnell in die Handlung ein. Die Chemie zwischen Remy und Sim stimmt, der erste Kuss zwischen den beiden ist wirklich schön geschrieben. Doch an vielen Stellen hackte es. So werden bei einer Schnitzeljagd, um benötigte Gegenstände aufzufinden, Informationen so vergeben, dass man als Leser nicht miträtseln kann bzw. die Rätsel unmittelbar gelöst werden. Auch entsteht eine gewisse Distanz zum Geschehen, da man an mehreren Stellen nicht miterlebt, sondern im Nachhinein durch Dialoge o.ä. über das zuvor passierte informiert wird. Mir persönlich erschließt sich nicht, wieso Natur- und Kulturkatastrophen durch die Bibliothek ausgelöst werden. M.E. wäre es sinnvoller und würde besser zum Thema der Bibliothek als Hort des menschlichen Wissens passen, wenn die Katastrophen allesamt mit menschlichen Errungenschaften/Geräten/etc. zu tun hätten. Gebäude könnten weiterhin einstürzen, aber eben ohne Erdbeben oder Vulkanausbrüche. Während des Lesens habe ich darauf gewartet, mehr über die Antagonisten zu erfahren. Doch ihre Beweggründe und Möglichkeiten bleiben sehr vage, wodurch sie für mich nicht sonderlich bedrohlich wirkten. Die Stärke des Romans ist eindeutig die Beziehung der Charaktere untereinander, die Handlung verblasst daneben zu einer netten, aber etwas altbekannten Kulisse. Das Potenzial der Grundidee wird nicht genügend ausgeschöpft.
Die französischen Begriffe, die sich durch den gesamten Roman ziehen, sind wohl Geschmackssache. Ich habe mich nach einer Weile daran gewöhnt.
Alles in allem konnte mich der Dilogie-Auftakt nicht überzeugen. Aber Lesern, denen Figurenkonstellationen wichtiger sind als die Handlung würde es wohl anders gehen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.09.2024

Konnte mich nicht fesseln

Ich fürchte, Ihr habt Drachen
0

Ich wollte das Buch mögen. Das letzte Einhorn ist ein fester Bestandteil meiner Kindheit, die Drachen auf dem Cover sprachen mich durch ihr leicht skurriles Aussehen an und der Klappentext schien mir ein ...

Ich wollte das Buch mögen. Das letzte Einhorn ist ein fester Bestandteil meiner Kindheit, die Drachen auf dem Cover sprachen mich durch ihr leicht skurriles Aussehen an und der Klappentext schien mir ein humorvolles Märchen zu versprechen. Und tatsächlich sind Ansätze von all dem vorhanden, aber irgendwie stellte sich bei mir nach einer Weile Langeweile ein. Der Schreibstil ist sparsam mit Beschreibungen, grade die so wichtigen Drachen sind leider oftmals gar nicht oder nur unter Verweis auf die Schuppenfarbe beschrieben. Was nützt es dem Leser, wenn Robert, der Drachenkammerjäger, die Arten und Spezies benennt, deren Unterschiede und Merkmale allerdings völlig unklar bleiben. Die Erzählperspektive nutzt headhopping, wovon ich zwar kein Fan bin, doch es stört auch nicht sonderlich. Bezüglich der romantischen Handlungen kommen zwei love triangles vor, deren Charakterschema und Auflösung ebenfalls gedoppelt ist. Gut, man könnte es als gespiegeltes Erzählen sehen, aber für mich war es langweilig und unnötig, mehr noch weil zwei der Subplot von zwei beteiligten Nebenfiguren überflüssig war und der einzig relevante Moment offscreen vorfand und nur knapp von einem der Hauptcharakter zusammengefasst wird. Insgesamt sind die Charaktere durchschnittlich gut ausgearbeitet, das passt meiner Meinung nach gut zu einem Roman mit märchenhaften Zügen. Aber ein richtiges Mitfiebern und -fühlen gab es nicht.
Auf der positiven Seite: es gibt eine Vielzahl von sehr schönen, bildlichen Formulierungen bspw. S. 256: […] trotzdem traf es ihn, als stürzte der Nachthimmel ein, um ihn unter Scherben von Sternen und Mond zu begraben.
Alles in allem bin ich mir nicht sicher, ob ich zu kritisch bin und zu hohe Erwartungen hatte oder es tatsächlich am Buch lag. Es war okay.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere