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Veröffentlicht am 09.04.2018

Die Magie der Stille

Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie
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Es war einmal … ein Plattenladen in einer kleinen Strasse Ender der 80-er Jahre: Lebensinhalt von Frank und gleichzeitig Treffpunkt für Freunde und Nachbarn.

Frank ist nicht nur überzeugter Vinylliebhaber ...

Es war einmal … ein Plattenladen in einer kleinen Strasse Ender der 80-er Jahre: Lebensinhalt von Frank und gleichzeitig Treffpunkt für Freunde und Nachbarn.

Frank ist nicht nur überzeugter Vinylliebhaber sondern auch dafür bekannt, dass er in jedem Menschen die Musik hören kann, die dieser gerade benötigt und er auf diese Weise vielen bei Entscheidungen oder in Lebenskrisen hilft. Musik spielt in Frank Leben die bedeutendste Rolle, bis ihm eines Tages Ilse quasi „vor die Füße fällt“. Einerseits ist er sofort von ihr fasziniert, andererseits auch total verunsichert, denn in ihr hört er nur eins: Stille. Auf Ilses Wunsch, ihr Musik näher zu bringen, verbringen beide regelmäßig Zeit miteinander und es entwickelt sich eine unaufgeregte, leise aber auch etwas merkwürdige „Beziehung“ zwischen den beiden.

Unterbrochen wird dieser Erzählstrang immer wieder durch Rückblenden in die Kindheit und Jugendzeit von Frank, aus denen man erfährt, wie er zu seiner Liebe zur Musik gekommen ist.

Rachel Joyce verwendet wieder ihren ganz eigenen Erzählstil, der sofort eine Wohlfühlatmosphäre verbreitet und von dem man sich treiben und mitnehmen lassen kann. Ihre Charaktere sind allesamt liebevoll beschrieben und es fällt nie schwer, sich davon gleich ein Bild zu machen.

Besonders gut hat mir anfänglich der rote Faden der besprochenen Musikstücke gefallen – diese Kombination von gelesenem Wort und Hörgenuss haben für mich ein harmonisches Ganzes ergeben, wobei ich mir auch endlich wieder einmal die Zeit genommen habe, diese Stücke bewusst anzuhören und nicht nur als Hintergrundmusik.

Leider geht diese Harmonie im Lesefluss mit Ilses Geständnis abrupt verloren und Frank „Abstieg“ war für mich das absolute Stimmungstief.

Der Zeitsprung über 20 Jahre war für mich auch nicht nachvollziehbar und die folgende Handlung viel zu komprimiert, konstruiert und realitätsfern.

Aber dann.--- was für ein Finale!!!

Franks derzeitiges Leben war geprägt von Stille – aber aus der Stille kommt die Musik – und wie sie daher kommt war so großartig beschrieben und hat mich so mitgerissen, dass ich trotz der Schwächen eine Leseempfehlung gebe und 3,5 Sterne.

Weniger

Veröffentlicht am 03.05.2025

Kein Wohlfühlbuch

Unter den Sternen von Paris
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Das stimmungsvolle Cover, das so einladend wirkt, sowie die Inhaltsangabe hat mich auf einen Wohlfühlroman mit viel Pariser Flair hoffen lassen.

Das Leben hat die Protagonistin Sophia gerade sehr gebeutelt. ...

Das stimmungsvolle Cover, das so einladend wirkt, sowie die Inhaltsangabe hat mich auf einen Wohlfühlroman mit viel Pariser Flair hoffen lassen.

Das Leben hat die Protagonistin Sophia gerade sehr gebeutelt. Eine unschöne Scheidung, ein stalkender Ex-Mann, ein verpasster Traumjob und eine vorschnell untervermietete Wohnung sind daher Grund genug, einen Ortswechsel vorzunehmen. Denn Sophia hat von ihrer Großmutter Emmy eine kleine Bar im Quartier Latin in Paris geerbt. Vor Ort trifft sie auf Louis, einen alten Freund Emmys, der viel zu Sophias bisher unbekannten Familiengeschichte beitragen kann.

Es hätte so schön sein können, denn die Geschichte an sich hätte Potenzial zu so viel mehr gehabt. Leider zieht sich die Handlung über gut 2/3 des Buches recht zäh dahin. Sophia ist recht anstrengend und ihre Handlungsweise war für mich oft nicht greifbar und nachvollziehbar. Louis war ein kleines Highlight im lahmen Geschehen. Sein Charakter hat mir sehr gefallen und durch die Erzählungen aus der Vergangenheit war zumindest auch ein kleiner Hauch Pariser Flair vorhanden. Im letzten Drittel nahm die Handlung endlich etwas an Fahrt auf. Aber dann folgte ein merkwürdiges und sehr offenes Ende, das auf eine Fortsetzung hindeuten könnte, die ich mir allerdings schenken werde.

Für zwischendurch ganz nett, mehr aber auch nicht.

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Veröffentlicht am 01.12.2024

Eher ein Jugendbuch

Das kleine Café der zweiten Chancen
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Himari, ein junges Mädchen, war bis zu einem Unfall ein Wunderkind am Klavier. Bisher zu Höchstleistungen angetrieben von ihrer lieblosen Mutter, kann sie dieser nichts mehr Recht machen. Nach einer merkwürdigen ...

Himari, ein junges Mädchen, war bis zu einem Unfall ein Wunderkind am Klavier. Bisher zu Höchstleistungen angetrieben von ihrer lieblosen Mutter, kann sie dieser nichts mehr Recht machen. Nach einer merkwürdigen Begegnung mit einer alten Frau landet sie im kleinen Café der zweiten Chancen.
Wer hat es sich nicht schon einmal gewünscht, ein Erlebnis, das man bereut oder eine Entscheidung, die man vielleicht vorschnell getroffen hat, rückgängig machen zu können? Genau das ist an diesem fast schon magischen Ort möglich und hat mich neugierig gemacht.
Dies ist mein erstes Buch einer japanischen Autorin und der Schreibstil war zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, da er so schnörkellos und klar war, dafür aber mit durch seine auf mich sehr entschleunigend wirkende Erzählweise punkten konnte. Im Café selbst herrschte eine ganz besondere heimelige Wohlfühlatmosphäre und die, wenn auch nur kurzen, Rückblenden in die Vergangenheit der Gäste haben zum Nachdenken angeregt.
Leider haben sich im Laufe der Handlung aber Himaris Alltagssorgen mehr und mehr in den Vordergrund gedrängt und ich hatte zunehmend den Eindruck, ein Jugendbuch zu lesen. Der Roman hat sicherlich einige magische Momente, aber im Großen und Ganzen hatte ich etwas völlig anderes erwartet.

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Veröffentlicht am 29.09.2024

Überleben um jeden Preis

Und später für immer
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Der Funker Johann desertiert kurz vor Ende des 2. Weltkrieges mit einigen seiner Kameraden und findet Unterschlupf auf dem Hof seiner Tante. Er hat nur noch ein Ziel: zu überleben, um Frau und das vielleicht ...

Der Funker Johann desertiert kurz vor Ende des 2. Weltkrieges mit einigen seiner Kameraden und findet Unterschlupf auf dem Hof seiner Tante. Er hat nur noch ein Ziel: zu überleben, um Frau und das vielleicht schon geborene Kind in die Arme schließen zu können.
Der Autor Volker Jarck versteht es, die Angst Johanns vor einer Entdeckung spürbar werden zu lassen. Jedes Geräusch lässt ihn förmlich erstarren. Der immer gleich monotone Tagesablauf verändert sich etwas, als die Nachbarstochter Frieda ihn entdeckt und beide sich zaghaft annähern. Bis zum Schluss war es mir nicht klar, was hierbei stärker ausgeprägt war – Johanns Panik, verraten zu werden oder sein grundlos schlechtes Gewissen seiner Frau gegenüber.
Der Autor schreibt ziemlich nüchtern und eher sachlich. Die recht kurzen Kapitel haben mich eher an Johanns knappe Tagebucheinträge erinnert.
Eingestreut sind immer wieder Rückblicke in das Leben als Soldat und auch in die Zeit des Kennenlernens seiner späteren Frau. Gerade hierüber hatte ich auch aufgrund des schön gestalteten Covers mehr erwartet, vor allem mehr Gefühl.
Das Ende hat mir überhaupt nicht gefallen, es war mir zu abrupt und zu offen.

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Veröffentlicht am 21.12.2023

Etwas weniger Themen hätten der Geschichte gut getan

Die Buchbinderin von Oxford
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Die Zwillingsschwestern Peggy und Maude leben seit dem Tod ihrer Mutter allein auf einem Hausboot in einem Oxforder Arbeiterviertel. Beide arbeiten als Buchbinderinnen. Während Maude, die etwas entwicklungsverzögert ...

Die Zwillingsschwestern Peggy und Maude leben seit dem Tod ihrer Mutter allein auf einem Hausboot in einem Oxforder Arbeiterviertel. Beide arbeiten als Buchbinderinnen. Während Maude, die etwas entwicklungsverzögert zu sein scheint, im Falzen der Papierseiten ihre Bestimmung gefunden hat, wünscht sich Peggy schon seit Jahren mehr – viel mehr, denn sie möchte die Bücher nicht nur lesen sondern auch studieren.
Andererseits fühlt sie sich Maude gegenüber in der Verantwortung, hat aber Probleme Hilfe bei der Unterstützung der Schwester anzunehmen und verhält sich mitunter auch recht eifersüchtig. Dieser Wesenszug macht Peggy nicht gerade sympathisch.
Neben dieser etwas schwierigen Beziehung der Schwestern nehmen die aufkeimenden Frauenrechte einen großen Platz ein sowie die Grippe-Epidemie und der erste Weltkrieg mit Flüchtlingen, Toten und Verwundeten. Und auch für eine zarte Liebesgeschichte findet sich noch Platz.
Ich habe mich doch schwer getan, einen Zugang zum Buch zu finden. Obwohl mich Bücher über Bücher immer ansprechen und die Schilderungen des Buchbinderhandwerks sehr interessant waren habe ich mich oft dabei erwischt, gedanklich abzuschweifen. Die breite Themenvielfalt war mir dann doch zu viel des Guten und hat einige unnötige Längen mit sich gebracht.
Die Handlung an sich plätscherte eher ruhig vor sich hin, und Peggy war mir fast bis zum Schluss ein Rätsel. Mein persönliches Highlight waren die Briefe von Tilda, deren Kriegsschilderungen schon sehr realitätsnah und beklemmend waren.
Das Cover gefällt mir sehr gut in der Farbgestaltung; einzig die seitlichen Ranken haben mir eine Leichtigkeit vorgegaukelt, die in der Geschichte nicht zu finden war.

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