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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.10.2024

Schonungslos ehrlich

Strong Female Character
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Ein autobiographisches Buch zu rezensieren, empfinde ich als deutlich schwieriger als Belletristik. Denn wäre dies eine erfundene Geschichte könnte ich der Autorin vorwerfen, dass manche Teile ein wenig ...

Ein autobiographisches Buch zu rezensieren, empfinde ich als deutlich schwieriger als Belletristik. Denn wäre dies eine erfundene Geschichte könnte ich der Autorin vorwerfen, dass manche Teile ein wenig zu übertrieben sind und sie ein bisschen zu viel in das Buch hineingepackt hat. Allerdings ist dies eben keine erfundene Geschichte und alles, was Autorin Fern Brady in ihrem Buch berichtet, hat sie wirklich erlebt und ist ihr auch wirklich passiert. Und das ist eine ganze Menge, die auch in allen nicht so schönen Details und einer sehr direkten Sprache beschrieben wird.
Mir ist bewusst, dass Fern Brady ihr bisheriges Leben so genau beschreibt, um aufzuzeigen wie sich ihr Autismus geäußert hat und warum es so wichtig ist Autismus möglichst früh zu diagnostizieren. Wahrscheinlich bzw. ziemlich sicher wäre ihr Leben anders und vor allem auch einfacher verlaufen, wenn irgendein Arzt in ihrer Kindheit erkannt hätte, dass Fern Autistin ist.
Leider ist Autismus gerade bei Frauen noch immer ein sehr schwieriges und vor allem komplexes Thema. Wie in so vielen anderen Bereichen werden männliche Kriterien und Verhaltensweisen als Basis für die Diagnose herangezogen. Autismus bei Frauen/Mädchen äußert sich aber meistens in einer anderen Art und Weise als bei Männern/Buben und daher werden Frauen meistens (zu) spät diagnostiziert. Das Buch zeigt diesen Umstand mehr als deutlich auf, wenn auch „nur“ auf Basis eines Einzelschicksals. An wenigen Stellen zeigt Fern auch das Schicksal von anderen Personen auf und verdeutlicht damit wie falsch die Gesellschaft auf Personen mit Autismus während eines Meltdowns reagiert. Dieses Fehlverhalten basiert meiner Meinung nach auf fehlenden und falschen Informationen, was dieses Buch für mich noch wichtiger und wertvoller macht. Ich befürchte nur, dass Fern Bradys Buch nicht die Reichweite bekommen wird, um gleich das ganze System zu ändern. Aber es ist ein wichtiger und weiterer Schritt, um Autismus und vor allem weiblichen Autismus in der Bevölkerung sichtbarer zu machen.
Strong Female Character ist alles andere als ein Wohlfühlbuch. Es ist knallhart, offen und schonungslos ehrlich. Mich hinterlässt das Buch ziemlich nachdenklich und ich denke, dass ich noch nach weiteren Büchern zu dem Thema suchen werde. Denn einige Fragen zum weiblichen Autismus sind für mich nach der Lektüre unbeantwortet geblieben. Dies kann ich aber der Autorin nicht wirklich anlasten, da sie nie den Anspruch hatte ein Fach- oder Aufklärungsbuch zu schreiben.

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Veröffentlicht am 21.10.2024

Feminismus in Fantasy oder doch nicht?

A Study in Drowning
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Das Cover von A Study in Drowning ist für bereits ein kleines Highlight und hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Der Klappentext klang dann auch noch vielversprechend und machte mich neugierig, wie ...

Das Cover von A Study in Drowning ist für bereits ein kleines Highlight und hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Der Klappentext klang dann auch noch vielversprechend und machte mich neugierig, wie man das Thema Feminismus in eine Fantasywelt einbinden kann.
Leider kam dann aber recht schnell ein wenig Ernüchterung dazu, weder war die Fantasywelt besonders umfangreich beschrieben noch spielte das Thema Feminismus so eine zentrale Rolle wie ich es mir erwartet hatte. Nach diesem kleinen Schock kam bei mir aber Begeisterung auf, denn auch wenn das Buch komplett anders war, als ich mir das erwartet hatte, konnte mich die Geschichte in seinen Bann ziehen.
Der Erzählstil von Ava Reid hat eine fast poetische Note und ihre Beschreibungen haben Bilder vor meinem inneren Auge entstehen lassen, so dass ich alles deutlich vor mir sehen konnte. Besonders spannend finde ich den Kontrast, dass die Autorin nur minimale Erläuterungen zu der Welt gibt, in der die Geschichte stattfindet, dafür aber äußerst detailreiche Beschreibungen von einzelnen Schauplätzen abliefert. Dies in Kombination mit dem poetischen, fast lyrischen Schreibstil gibt dem Ganzen eine düstere und mystische Note. Deutlich düsterer als im Vorfeld angenommen.
Vor Beginn des Buches dachte ich noch, dass Feminismus eines der zentralen Themen der Geschichte sein würde. Nach kurzer Zeit wurde mir klar, dass dies nur eines von vielen Themen ist, dass Ava Reid in ihre Geschichte einfließen lässt. Neben psychischen Erkrankungen, Gewalt in Beziehungen, Tod kommt auch noch das Thema Rassismus vor. Und dies ist nicht einmal eine vollständige Liste. Klingt auf den ersten Blick reichlich übermotiviert. Zu meiner großen Begeisterung hat es die Autorin aber geschafft, all die in ihren Roman einzubauen ohne erhobenen Zeigefinger und ohne dass es gekünstelt wirkt. Viel mehr sind diese Themen einfach Teil der Protagonisten.
Sowohl die Liebesgeschichte der beiden Hauptfiguren wie auch die ganze Handlung an sich ist an manchen Stellen ziemlich dürftig. Dies hat meinem Lese- bzw. Hörvergnügen aber keinen Abbruch getan, denn die atmosphärische Stimmung hat mich vollends in ihren Bann gezogen. Abgerundet wird das ganze durch die Stimme von Martha Kindermann, welche das Hörbuch liest. Für mich eine ausgezeichnete Wahl des Verlages, denn Marthas Stimme passt perfekt zum Stil des Buches und verleiht den Worten einen besonderen Tiefgang.
Ein Liebhaber von komplexer Fantasy wird mit diesem Buch leider nicht glücklich werden, wer aber eine düstere, mystische und atmosphärische Geschichte mit viel Poesie lesen möchte, sollte unbedingt zu dem Buch greifen.

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Veröffentlicht am 11.10.2024

Die Magie Afrikas

Cape Town Kisses
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Der Klappentext versprach ein Auf und Ab der Gefühle und in der Beziehung wurde ich wirklich nicht enttäuscht. An vielen Stellen des Buches musste ich wirklich mit den Tränen kämpfen. Möglicherweise liegt ...

Der Klappentext versprach ein Auf und Ab der Gefühle und in der Beziehung wurde ich wirklich nicht enttäuscht. An vielen Stellen des Buches musste ich wirklich mit den Tränen kämpfen. Möglicherweise liegt es auch daran, dass ich selbst Mutter bin, weswegen mir Angelas Schicksal viel näher ging.
Wie es sich für einen mehr oder weniger seichten Liebesroman gehört, darf natürlich eine gehörige Portion Kitsch nicht fehlen. Auch in dieser Beziehung enttäuscht Lotte Römer ihre, wahrscheinlich vornehmlich weibliche, Leserschaft nicht. Das eine oder andere Klischee wird dabei auch noch ausgeschlachtet.
Südafrika zählt für mich eigentlich nicht zu meinen bevorzugten Reisedestinationen. Doch Lotte Römer schafft es das Land und vor allem die Flora und Fauna so eindrucksvoll zu beschreiben, dass ich am liebsten sofort eine Reise gebucht hätte. Die Beschreibungen von Kapstadt und vor allem von der Safari machen das Buch zu etwas besonderem.
Der Erzähl-bzw. Schreibstil der Autorin ist einfach und lässt sich leicht lesen. Die Seiten sind nur so an mir vorüber geflogen. Wie bei vielen anderen Büchern auch, wechselt die Erzählersicht immer wieder zwischen den beiden Protagonisten hin und her.
Einen erkennbaren Spannungsbogen gibt es in diesem Roman nicht. Der Fokus des Buches liegt eben nicht auf spannungsgeladenen Szenen, sondern bei den Gefühlen. Und wie anfangs erwähnt, hat Lotte Römer diesen Punkt sehr gut umgesetzt.

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Veröffentlicht am 30.09.2024

Familienroman mit Liebeswirrungen

Eine sanfte Brise Glück
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Ich bin mir noch immer nicht sicher, ob ‚Eine sanfte Brise Glück‘ für mich ein Familienroman mit Liebesgeschichte oder ein Liebesroman mit Familiengeschichte ist. Wobei spielt das überhaupt eine Rolle?
Die ...

Ich bin mir noch immer nicht sicher, ob ‚Eine sanfte Brise Glück‘ für mich ein Familienroman mit Liebesgeschichte oder ein Liebesroman mit Familiengeschichte ist. Wobei spielt das überhaupt eine Rolle?
Die Geschichte rundum die Schwestern Lina und Nele, welche aus der Sicht von Lina erzählt wird, ist auf jeden Fall angenehm zu lesen und hinterlässt nach dem Lesen ein angenehmes Gefühl. Das Buch kommt ohne überzogenes Drama aus und trotzdem wird einem beim Lesen nicht langweilig.
Die Geschichte ist gut konstruiert, die Charaktere glaubhaft und die Landschaft einfach wunderschön. Von Anfang an konnte ich mir alles gut bildlich vorstellen und mich auch in die Charaktere hineinversetzen.
Der Erzählstil von Autorin Katie Jay Adams ist angenehm flüssig, die Kapitel haben genau die richtige Länge und es macht einfach Spaß dieses Buch zu lesen. Perfekt für alle, die sich eine kleine Auszeit an der Ostsee wünschen.

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Veröffentlicht am 30.09.2024

Übertraf meine Erwartungen

Immortal Longings
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Ich gebe es ehrlich zu, ich war doch sehr skeptisch bezüglich des Buches. Einerseits die Tatsache, dass die Autorin als Tik Tok Sensation beworben wird, andererseits habe ich beim Lesen des Klappentextes ...

Ich gebe es ehrlich zu, ich war doch sehr skeptisch bezüglich des Buches. Einerseits die Tatsache, dass die Autorin als Tik Tok Sensation beworben wird, andererseits habe ich beim Lesen des Klappentextes sofort an eine ‚Tribute von Panem‘ Kopie denken müssen. Da die Geschichte aber trotz all dieser Vorbehalte durchaus interessant klang, habe ich mich zum Lesen entschieden.
Das Buch startet gleich mal mit einem Interview mit Autorin Chloe Gong. Dieses hat dann aber durchaus meine Neugier geschürt und meine Erwartungen ein wenig nach oben geschraubt. Die Stadt Kowloon sagte mir zwar nichts, doch eine kurze Recherche hat mir auf die Sprünge geholfen und dem Buch eine neue Tiefe gegeben.
Der Einstieg ins Buch war für mich ein wenig schwierig und ich brauchte ein wenig um mich mit den Personen und der Umgebung vertraut zu machen. Eine Besonderheit des Buches ist ja, dass einige Personen zwischen Körpern hin- und herspringen können. Manche tun dies auch regelmäßig und verändern somit immer wieder ihr Aussehen. Chloe Gong beschreibt die Personen zwar gut, trotzdem muss man ständig seine Vorstellung der Charaktere anpassen. Für mich war das anfangs sehr ungewöhnlich und auch ein wenig anstrengend. Mit der Zeit legte sich dieses Gefühl aber und die Körperwechsel, auch wenn das ganze System meiner Meinung nicht immer Sinn machte, wurden zum Alltag.
Der Schreibstil der Autorin empfand ich als angenehm flüssig. An manchen Stellen hätte ich mir tiefergehende und detailliertere Beschreibungen und Ausführungen gewünscht. An anderen Stellen kam die Geschichte dafür ein wenig langatmig daher. Nach den wie bereits erwähnten Anfangsschwierigkeiten bin ich gut in die Geschichte gekommen. Einige Fragezeichen, die während dem Lesen entstanden sind, wurden im Laufe des Buches aufgeklärt. Manche sind leider noch immer vorhanden. Ich vermute, diese werden auch nicht im zweiten Teil aufgeklärt werden.
Das Konzept mit dem Körperspringen und Qi ist eine sehr gute Idee, die Umsetzung leider an manchen Stellen ein wenig mangelhaft bzw. nicht zu Ende gedacht. Das finde ich schade, denn meiner Meinung nach wäre da noch Potenzial gewesen.
Der ‚Tribute von Panem‘ Vergleich, der sich beim Lesen des Klappentextes noch aufgedrängt hat, rückte beim Lesen des Buches in den Hintergrund. Auf die eine oder andere Art gibt es Parallelen, aber wenn man jedes Buch bis ins kleinste Detail analysiert, findet man immer irgendwelche Ähnlichkeiten.
‚Immortal Longings‘ weist einige Schwächen auf, aber im Großen und Ganzen handelt es sich meiner Meinung nach um eine sehr solide Geschichte. Schade, dass das Potential der Geschichte nicht vollständig ausgeschöpft wurde. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf Teil zwei.

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