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Veröffentlicht am 31.10.2024

Spannender, temporeicher Krimi mit unerwarteten Wendungen

Solothurn hüllt sich in Schweigen
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Eine Informantin der Polizei wird kurz vor einem vereinbarten Treffen tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Wenig später findet man am Aareufer die Leiche eines jungen Mannes. Zunächst ist unklar, ob beide ...

Eine Informantin der Polizei wird kurz vor einem vereinbarten Treffen tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Wenig später findet man am Aareufer die Leiche eines jungen Mannes. Zunächst ist unklar, ob beide Fälle zusammenhängen, aber bald wird klar, dass beide jungen Leute mit einem deutsch-arabischen Familienclan in Verbindung standen.

Hauptmann Dominik Dornach, der schon in den Vorgängerbänden schwierige Fälle lösen konnte, wird mit diesem Fall betraut und kann sich auch hier wieder auf die „Mitarbeit“ seiner Tochter verlassen, einer Studentin der Rechtswissenschaften, die quasi undercover und auf eigene Faust Antworten auf ihre eigenen Fragen haben will. Denn auch sie kannte die junge ermordete Frau als Kommilitonin.

Das Buch ist spannend und temporeich, die Charaktere nicht auf den ersten Blick zu erfassen. Das muss auch Dornachs Tochter Pia feststellen, die sich in ihrer Einschätzung auch mal hat täuschen lassen.

Das war mein erster Solothurn-Krimi von Christof Gasser. Ich war auf das Buch aufmerksam geworden, weil mir „Spiegelberg“, der in diesem Jahr erschienene Krimi gut gefallen hatte. Ich hätte besser mit Band 1 der Reihe angefangen, am Anfang hatte ich doch einige Schwierigkeiten, mich mit den einzelnen Personen vertraut zu machen. Aber das hat dem Lese-Spaß keinen Abbruch getan.

Meine einzige Kritik ist, dass eine Wendung, die mehrfach verwendet wird, am Schluss vom Leser bereits erwartet wird. So war die letzte Wendung nicht mehr wirklich eine Überraschung für mich.

Trotzdem bleibt ein positives Fazit: man sollte öfter mal über unsere südliche Grenze schauen, die Schweizer Krimi-Autoren schreiben spannend und gut.

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Veröffentlicht am 02.10.2024

Macht ist das zentrale Thema

Stille Falle
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Leo Asker steht kurz vor der Beförderung zur Leiterin der Abteilung für Schwerverbrechen in Malmö. Zumindest erwartet sie es so. Doch es kommt anders. Sie wird in eine Abteilung versetzt, von der sie ...

Leo Asker steht kurz vor der Beförderung zur Leiterin der Abteilung für Schwerverbrechen in Malmö. Zumindest erwartet sie es so. Doch es kommt anders. Sie wird in eine Abteilung versetzt, von der sie noch nie gehört hat, laut ihrer neuen Mitarbeiter die Abteilung für hoffnungslose Fälle. Es bleibt zunächst einmal offen, ob das auf die zu lösenden Fälle oder auf die Mannschaft bezogen ist, der sie nun vorstehen soll. Sie ist Opfer einer Intrige geworden, ein Ex-Lover und Kollege erhält ihren Job und alle ehemaligen Kollegen wenden sich von ihr ab. Selbst ihre eigene Mutter, die Staatsanwältin, steht nicht auf ihrer Seite.

Leo hatte sich zuletzt mit einem Fall beschäftigt, in dem es mutmaßlich um eine Entführung ging. Zwei junge Leute sind spurlos verschwunden, man weiß von ihnen lediglich, dass sie sich für Lost Places interessierten.

Leo wird zwar von diesem Fall abgezogen, stellt dann aber in der neuen Abteilung fest, dass offenbar auch ihr Vorgänger Informationen zu ähnlich gelagerten Fällen gesammelt hatte. Sie entdeckt den Zusammenhang durch kleine Figuren in einer Modelleisenbahnlandschaft.

Das Buch ist jeweils aus der Sicht verschiedener Protagonisten geschrieben, Leo Asker kommt selbstverständlich oft zu Wort, aber auch der Experte und ehemalige Freund für Lost Places Martin Hill oder sogar „der Troll“, also derjenige, der die Verbrechen verübt hat, berichten aus ihrer Sicht. Zusätzlich gibt es Rückblicke in die Vergangenheit, so dass wir Askers Charakter und ihr Verhalten immer besser verstehen können.

Für mich bestanden in dem Buch Parallelen zu Krimis von Jussi Adler Olsen, aber auch zu der französischen Krimiserie von Sophie Hénaff, in der ebenfalls ausgemusterte Kripobeamten, die niemand in seiner Truppe haben will, zu einer neuen Mannschaft zusammengewürfelt werden und die ausgesprochen unorthodox aber auch erfolgreich an ihre Fälle herangehen.

Der Unterschied zu den schrägen Vögeln bei Sophie Hénaff besteht bei Anders de la Motte darin, dass Kommissarin Leo Asker eine ziemliche Einzelgängerin ist, die nur im Notfall auf ihr Team, das gar kein Team ist, zurückgreift. Dann stellt sie aber fest, dass die zugelieferten Informationen Hand und Fuß haben und sich durchaus mit denen der Ermittler bei den Kapitaldelikten messen lassen. Es soll der erste Fall für Leo Asker gewesen sein und ich denke, in der Zusammenarbeit des Teams besteht noch Ausbaupotential. Hier dürfte ein weiterer Erfolg ungeahnte Kräfte freisetzen, ich bin sicher, Rose wird ihre Pullover nicht mehr im Büro stricken und Attila seine Kräfte in den Dienst der Abteilung stellen.

Stille Falle ist ein spannender Krimi, allerdings, und das ist natürlich auch den Handlungsorten geschuldet, oft düster und trist. Aber ich mochte Leo Asker und fand sie bemerkenswert und so interessiere ich mich jetzt schon für den nächsten Fall.

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Veröffentlicht am 22.09.2024

Familia ante omnia

Meeresfriedhof
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Die Handlung spielt in Norwegen, einmal zur Zeit während des Zweiten Weltkriegs, aber auch in der jetzigen Zeit. Ein Hurtigruten-Schiff sowohl mit deutschen Soldaten, aber auch mit Zivilisten an Bord wurde ...

Die Handlung spielt in Norwegen, einmal zur Zeit während des Zweiten Weltkriegs, aber auch in der jetzigen Zeit. Ein Hurtigruten-Schiff sowohl mit deutschen Soldaten, aber auch mit Zivilisten an Bord wurde während des Krieges von einer Mine getroffen und versenkt und Hunderte Menschen kamen ums Leben, unter ihnen der Reeder Theo Store Falck. Seine Frau, die junge Schriftstellerin Vera Falck und ihr kleiner Sohn Olav konnten gerettet werden.

Die Falcks sind in Norwegen eine bekannte und erfolgreiche Familie, teilen sich aber in einen wohlhabenden Zweig, die Falcks in Oslo und in einen Zweig, der das Leben genießt und es nimmt wie es kommt, die Falcks in Bergen. Den Osloern ist es bisher gelungen, die Bergener von den Geschäften fernzuhalten und sie auch am Erfolg so gut wie nicht teilhaben zu lassen.

Die Familie in Oslo besteht aus dem Patriarch Olav, dem Kind, das damals mit der Mutter gerettet werden konnte und seinen Kindern Sasha, Sverre und Andrea. Zu Anfang ist auch Vera noch dabei, sie begeht Selbstmord und um ihr Testament dreht sich die Handlung. Die Osloer versuchen verzweifelt, das Testament ausfindig zu machen. Vera hatte es am Tag ihres Selbstmords vom Notar abgeholt, seitdem ist es verschwunden. Außerdem geht es um das Manuskript eines Buches, das Vera geschrieben und das ihr 1970 vom Staatsschutz abgenommen worden war, während sie selbst für mehrere Jahre in eine geschlossene Anstalt wanderte.

Bei der Familie in Bergen spielt Hans Falck, ein Arzt, der viel in Krisengebieten des Nahen Ostens unterwegs war, die Hauptrolle. Er verpflichtet den Journalisten Johnny Omar Berg, seine Biografie zu schreiben. Johnnys und Sashas Wege kreuzen sich bald und sie machen sich gemeinsam auf den Weg, die Wahrheit über Vera herauszufinden.

Und so wird Veras Geschichte und ihre Rolle in der Familie immer weiter aufgerollt. Wer war sie wirklich? Und was passierte damals auf dem Schiff? Stimmen die Gerüchte, die von einem ganz anderen Ablauf berichten? Sasha vor allen anderen hat Interesse daran, der Wahrheit auf die Spur zu kommen, koste es was es wolle. Auch gegen den Willen ihres Vaters, der sie stark manipuliert und über seine Stiftung auch auf die Geschicke Norwegens einen großen Einfluss ausübt.

Ich hatte in diesem Jahr schon die Bücher von Trude Teige gelesen, die ebenfalls das Schicksal Norwegens oder von Norwegern während des Zweiten Weltkriegs thematisierten. Schon da hatte mich die starke Involviertheit der Norweger in diese Zeit verwundert.

In „Meeresfriedhof“ wird klar, dass es nicht nur die Seite der Widerstandskämpfer gab. Norwegen war von den Deutschen besetzt und natürlich gab es auch Kollaboration. Die Reeder transportierten Waffen und Soldaten in alle Teile des Landes und verdienten gut dabei. Nach dem Krieg musste diese Seite aber verschwiegen werden. Da war es schon fast hilfreich, wenn ein Kriegsgewinnler während der Zeit zu Tode gekommen war und seine unschuldigen Nachkommen die Geschäfte erfolgreich weiterführen konnten und auf dem erwirtschafteten Reichtum aufbauten.

Es verwundert dann aber doch, wie sich Reichtum, das Geschäft und damit verbunden auch öffentliche Einflussnahme auf das Verhalten von Familien auswirken können.

Das Buch wird auf der Innenseite als Thriller angekündigt, das war es für mich nicht. Es war ein spannender Roman mit vielen historischen Hintergründen und auch Einblicken in die Arbeit von Geheimdiensten in der heutigen Zeit.

Es endet mit einem Cliffhanger, der für die Fortsetzung noch einiges an Spannung erwarten lässt.

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Veröffentlicht am 06.09.2024

Ein Bild als zöge ein Sturm auf - anspruchsvoller Krimi mit viel historischem Hintergrund

Die Akte Madrid
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Aus einem Luxushotel nahe der Alhambra ist ein surrealistisches Gemälde gestohlen worden. Dieses Gemälde war lange verschollen und die, die sich dafür interessierten, hatten angenommen, dass es in den ...

Aus einem Luxushotel nahe der Alhambra ist ein surrealistisches Gemälde gestohlen worden. Dieses Gemälde war lange verschollen und die, die sich dafür interessierten, hatten angenommen, dass es in den Wirren des Zweiten Weltkrieges und der Franco-Zeit verloren gegangen war. Es zeigt die für die spanische Kultur drei sehr wichtigen frühen Freunde Dalí, Buñuel und Lorca, allesamt Meister in ihrem Metier an ihrem letzten gemeinsamen Abend in einer Bar in Granada. Alma Arras hatte das Bild gemalt, sie war sehr viel später auf der Straße in Madrid ermordet worden, ihr Bild war schon vorher verschollen.

Leonard Lomberg wird vom deutschen Verteidigungsminister Ritter mit der Suche nach dem Bild beauftragt. Seinem Vater gehörte einst ein Anteil an dem Hotel, aus dem das Bild jetzt gestohlen wurde, er war in den 50er und 60er Jahren in Spanien als Baulöwe reich geworden. Der Verteidigungsminister schickt sich gerade an, zum NATO-Generalsekretär ernannt zu werden, da kann er eine Erpressung von unbekannt nicht gebrauchen.

Wir geraten mit der Handlung in die Wirren des Spanischen Bürgerkrieges und der sich anschließenden Franco-Zeit und in ihre Verwicklungen mit dem NSDAP-Regime in Berlin. Aber damit nicht genug: die Strippenzieher der Nazi-Zeit saßen auch in der jungen Bundesrepublik noch vielfach in einflussreichen Positionen. Entweder verdienten sie sich in der Zeit eine goldene Nase oder sie sorgten für reibungslose Übergänge und dafür, dass ihre Geschäfte nicht gestört und ihre Vergangenheit nicht aufgedeckt wurden. Und selbst wenn sie mit hohen Ehren ausgezeichnet wurden, war ihre Weste nicht so weiß, wie es zunächst schien. Es bleibt nur die Frage: Kann man die Söhne oder Töchter für die Schuld ihrer Eltern verantwortlich machen? Was wissen die Kinder und spielen sie mit offenen Karten? Oder geht die Vertuschung weiter?

Alldem kommen Leonard Lomberg und seine Freundin vom BKA Sina Röhm auf die Spur.

Es handelt sich um einen anspruchsvollen Krimi mit viel historischem Hintergrund. Er spielt in verschiedenen Zeitebenen, die schon mal verwirren können. Sehr viele Personen sind involviert, die man erst einmal kennenlernen muss. Außerdem springt die Handlung auch zwischen Granada, Bonn, Südfrankreich und Mallorca hin und her, auch das erschwert den Lesefluss ein wenig.

Ich hatte Band 1 gelesen und fand mich daher schneller zurecht.

Das Buch lädt ein, sich nach einem ersten schnellen Durchgang gleich noch einmal mit der Handlung zu beschäftigen. Dann erschließt sich einem auch so einiges mehr. Ich mag die Krimis von Andreas Storm, weil sie viel Historisches mit einer fiktiven Handlung verknüpfen und empfehle den Krimi gerne weiter.

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Veröffentlicht am 02.09.2024

Ihre Liebe gehörte dem Champagner

Madame Clicquot und das Glück der Champagne
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Auf das Buch war ich durch das neueste Buch der Autorin „Loreley“ aufmerksam geworden. Und da der Schaumwein mich schon lange beruflich begleitet, war dieses Buch natürlich ein MUSS.

Barbe-Nicole Cliquot-Ponsardin ...

Auf das Buch war ich durch das neueste Buch der Autorin „Loreley“ aufmerksam geworden. Und da der Schaumwein mich schon lange beruflich begleitet, war dieses Buch natürlich ein MUSS.

Barbe-Nicole Cliquot-Ponsardin ist gerade 27 Jahre alt, als ihr Mann Francois plötzlich verstirbt. Und so steht Barbe vor der Herausforderung ihres Lebens. Sie ist fest entschlossen, den gemeinsamen Weinhandel und die Schaumweinherstellung im Andenken an ihren Mann weiterzuführen. Dem stehen allerdings gesellschaftliche Zwänge entgegen. Nicht nur ihre Eltern, auch ihr Schwiegervater und ihr Bruder sind dagegen und trauen ihr ein solches Wagnis nicht zu. Lediglich ihre Schwester, die selbst so ganz anders gestrickt ist, bestärkt sie in ihren Plänen.

Und so sucht sie sich Mitstreiter, die sie in ihrem Vertriebsmitarbeiter Louis Bohne, einem jungen Deutschen, Georges Christian Kessler, den sie als Buchhalter anstellt, und in einem bayerischen Kellermeister findet.

Die Handlung spielt in der Zeit Napoleons zwischen 1801 und 1817. Politische Entwicklungen spielen in das Geschäftsleben hinein, besonders als Napoleon ab 1806 Krieg gegen ganz Europa führt und schließlich auch noch seinen Russland-Feldzug beginnt. Die Russen waren vormals treue Kunden des Champagnerhauses gewesen, nun beginnt eine Blockade, die viele Häuser an den Rand des Ruins treibt. Es war erhellend, die Zeit Napoleons auch einmal aus der Sicht einer französischen Kaufmannsfamilie zu erleben, mit all ihren Erfolgen aber auch mit vielen Sorgen und Nöten.

Spannend war aber auch, die Herstellung des Champagners und seine stetige Verbesserung mitzuverfolgen. Nachdem man bereits 100 Jahre vorher Schaumwein zunächst mehr zufällig hergestellt hatte, war man bei den chemischen Grundlagen noch nicht sehr viel weitergekommen. Barbe trägt mit ihren Versuchen und Experimenten viel zum Verständnis bei, z.B. wie man mit Hilfe der Rüttelpulte den Schaumwein immer besser von der Hefe trennen konnte und ihn klarer werden ließ. Auch die Rolle der Temperatur für die Gärung ist ein Thema. Überhaupt fand ich es faszinierend, wie viel technisches Interesse sie offenbar an der Herstellung hatte. Und interessant war auch, dass Champagner damals nicht brut getrunken wurde, dass er durchaus eine ganze Menge an Restzucker aufwies.

Barbe war eine faszinierende Frau. Intuitiv hatte sie begriffen, dass ihr nur als Witwe die Geschäftsleitung ihrer Firma nicht abgenommen werden konnte. Hätte sie erneut geheiratet, dann hätte sie sich ihrem Mann unterordnen müssen. Und so verliebte sie sich zwar von Zeit zu Zeit, ging aber nie so weit, ihr Herz ganz zu verlieren. Ihre ganze Liebe gehörte sowieso nur dem Champagner.

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