Platzhalter für Profilbild

Nilchen

Lesejury Star
offline

Nilchen ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Nilchen über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.11.2024

What's next?

NEXUS
0

In Nexus von Yuval Noah Harari geht der Autor auf die tiefgreifenden Veränderungen ein, die sich durch Technologie, Biologie und das menschliche Handeln in Gesellschaft und Politik ergeben. So greift Harari ...

In Nexus von Yuval Noah Harari geht der Autor auf die tiefgreifenden Veränderungen ein, die sich durch Technologie, Biologie und das menschliche Handeln in Gesellschaft und Politik ergeben. So greift Harari konkrete Szenarien und Beispiele auf, um die potentiellen Gefahren und Möglichkeiten dieser Entwicklungen zu veranschaulichen: Beispielsweise diskutiert er die Rolle der Künstlichen Intelligenz (KI) in unserem Alltag und schildert eindrücklich, wie Algorithmen heute schon unsere Entscheidungen beeinflussen – etwa bei der Berufswahl, in Dating-Apps oder sogar bei der Diagnose von Krankheiten. Diese Beispiele machen deutlich, wie tief KI bereits in unser Leben eingreift und wie sehr dies menschliche Autonomie infrage stellen könnte.
Harari stellt auch die Frage, was es bedeuten könnte, wenn Biotechnologie genutzt wird, um menschliche Fähigkeiten zu "verbessern". Er malt das Szenario, dass Eltern in der Zukunft möglicherweise die Möglichkeit hätten, die Intelligenz oder die Körperstatur ihrer Kinder im Voraus zu gestalten. Durch solche zugespitzten Beispiele wird für den Leser greifbar, wie sehr diese Entwicklungen grundlegende ethische und gesellschaftliche Fragen aufwerfen.
Während Harari hier sehr verständlich und oft provokativ schildert, geht er bei diesen Themen auch gelegentlich schnelle Abkürzungen, um den Lesefluss und die Zugänglichkeit aufrechtzuerhalten. Gerade in komplexeren Bereichen – etwa wenn es um die politischen Folgen der Datensammlung durch Großkonzerne geht – neigt Harari dazu, einige wissenschaftliche oder ethische Feinheiten auszulassen. Kritiker könnten deshalb anmerken, dass Nexus nicht alle Details und Nuancen erfasst, sondern eher Denkanstöße und Überblicke bietet. Trotzdem bleibt das Buch besonders für Leser ohne Vorwissen ein anregender Einstieg, der komplexe Sachverhalte gut verständlich vermittelt und zum Nachdenken über die Zukunft der Menschheit anregt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.10.2024

India House

Antichristie
0

Dieses Buch steht auf der Longliste des Deutschen Buchpreises 2024! Wir sind also mittendrin in einem spannenden Kampf um den Titel! Leider glaub ich nicht, dass Antichristie den Preis gewinnt. Zwar ist ...

Dieses Buch steht auf der Longliste des Deutschen Buchpreises 2024! Wir sind also mittendrin in einem spannenden Kampf um den Titel! Leider glaub ich nicht, dass Antichristie den Preis gewinnt. Zwar ist er ein Debattenanheizer, aber aus meiner Sicht nicht das beste Buch im Rennen. Auch wenn es inhaltlich einen Denkanstoß gibt.
Beginnen tut es mit einem Moment des schwarzen Humors, wenn der Protagonistin, Durga, beim Verstreuen der Asche ihrer Mutter diese ins Gesicht weht, weil der Wind dreht. Und dieser drehende Wind ist eine schöne Metapher wo dieses Buch uns hinführt. Denn Durga ist Drehbuchautorin und soll einen Agatha Christie Roman neu verfilmen. Modern, ohne Rassismus, ohne Kolonialismus. Idee: Machen wir Poirot doch schwarz! Ein Aufschrei in London… Und dann passiert das unglaubliche, denn in Mitten von Recherchen in London zur damaligen Zeit landet sie im Jahr 1906 und wird zu Sanjeev. In diesem Leben soll sie mit Sherlock Holmes einen Mord aufklären.
Mithu Sanyal schreibt für mich mit zu vielen Bezügen, Querverweisen und Anspielungen, die man alle erst einmal verstehen muss inmitten der Zeitsprünge. Ich gehe davon aus, dass Mithu Sanyal tiefgründig recherchiert hat zu den Geschehnissen um die Jahrhundertwende (1906), aber das liest sich doch so manches Mal eher wie eine Faktenlage.
Viel gelernt, aber umgehauen hat es mich leider nicht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.10.2024

Brüderdynamik

Intermezzo
0

Das Leben ist endlich und die Verwandtschaft auch. Sally Rooney die bereits mit drei anderen Romane sehr große Erfolge gefeiert hat, legt nun den nächsten Roman vor: Intermezzo. Ich habe zuvor nur „Gespräche ...

Das Leben ist endlich und die Verwandtschaft auch. Sally Rooney die bereits mit drei anderen Romane sehr große Erfolge gefeiert hat, legt nun den nächsten Roman vor: Intermezzo. Ich habe zuvor nur „Gespräche mit Freunden“ gelesen.
Diesmal nicht die bekannte weibliche Brille durch die sie die Welt betrachtet, sondern ein männlicher Anlaufpunkt. Denn hier geht es im Kern um zwei Brüder, die kürzlich ihren Vater nach langem Kampf an den Krebs verloren haben. Beide trennen viele Jahre, Peter ist Anfang 30 und Anwalt. Mittlerweile desillusioniert, dem Alkohol sehr zugesprochen und ein wenig ein Wrack. Der andere Ivan, ist Schachgenie, Anfang 20 und kann an seine jugendlichen Erfolge nicht mehr anknüpfen und macht nun eine Datenanalysejob.
Der Vater ist der Aufhänger der Geschichte, neben dem gibt es noch das andere zentrale Liebeselement: Ihre Frauen. Ivan, der jüngere liebt eine Frau, die 14 Jahre älter ist und bei Peter ist genau anders herum. Er ist mit einer jungen Studentin liiert. Beide nicht da wo sie sein wollen, keine innere Ruhe vorhanden.
Der Roman wird hauptsächlich aus der Sicht der beiden Brüder erzählt und so unterschiedlich wie sie sind, so unterschiedlich sind auch die Erzählweisen. Peter aus meiner Sicht etwas anstrengend, springend in Gedanken. Ivan, der introvertierte, etwas einfacher lesbar.
Sally Rooney gibt den Gefühlen hier großen Raum um deren Einfluss und Stärke zu verdeutlichen. Zwei smarte Psychogramme, die hier entworfen werden. Schlüssig und in seiner Dynamik lesenswert.
Allerdings fand ich es stilistisch manches Mal doch recht anstrengend zu lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.09.2024

Autofiktion aus einer Klassensicht

Die Arbeiter
0

Es geht um Martin, ein Kinder der Arbeiterklasse in Plettenberg, geboren in den 80er Jahren. Und ja, richtig gesehen der Autor heißt auch Martin und ist geboren in Plettenberg. Wie der Autor so schön formulierte: ...

Es geht um Martin, ein Kinder der Arbeiterklasse in Plettenberg, geboren in den 80er Jahren. Und ja, richtig gesehen der Autor heißt auch Martin und ist geboren in Plettenberg. Wie der Autor so schön formulierte: Viel Autobiographisches, nicht alles stimmt.
Martin Becker nimmt sein Aufwachsen als Blaupause für diesen Roman und taucht in Erinnerungen ab und macht sie uns zugänglich. Erläutert, wie (s)eine Familie mit wenig Mitteln sich ihrem Schicksal fügt und das beste rausholt. Für die Kinder, für das Reihenhaus. Schuften um ab und an die Beine hochlegen zu können. Am Nordseestrand.
Ein zeithistorisches Portrait einer ganzen Familie mit ihren Umgangsformen und wie sie das Leben meistern. Mal gut, mal schlecht. Wie trotz aller Limitationen ein Heimatgefühl in diesem Ort, Plettenberg, in den Menschen so tief verankert ist, dass sie sich wohl fühlen mit dem wie es ist und was sie haben.
Mich hat die nicht-lineare Erzählweise leicht aus dem Takt gebracht und eine seiner Schwestern, bei der ich den Faden verlor…wer den Roman kennt, weiß worauf ich anspiele. Ansonsten tonal literarisch gut geschrieben.
Es ist im Grunde ein Roman über die Arbeiterklasse ab den 80er Jahren in Deutschland. Eine Klasse, die durch die strukturellen Veränderungen so nicht mehr den breiten Bestand hat, aber natürlich noch vorhanden ist.
Ein spannender Einblick!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.08.2024

Glamour Welt der Influencer auf den Kopf gestellt

Die Auszeit
0

Die glitzernd Welt der Influancer:innen ist anziehend und faszinierend. Aber das Mhä?
eiste was auf Social Media Kanälen passiert ist stark inszeniert. Ja, es gibt auch das eine und andere sehr erfolgreiche ...

Die glitzernd Welt der Influancer:innen ist anziehend und faszinierend. Aber das Mhä?
eiste was auf Social Media Kanälen passiert ist stark inszeniert. Ja, es gibt auch das eine und andere sehr erfolgreiche Account das in der Tat authentisch ist, aber viele vermarkten sich und den schönen Schein. Und genau das ist der Anknüpfungspunkt den Emily Rudolf nutzt und ihren Thriller in dieses Setting zu heben.
Eine bekannte Influancerin, Viktoria Kaplan, ist kurz davor die 1 Million Follower-Grenze zu knacken und lädt ihren engsten Kreis ein um dies gebührend zu feiern. Da sind dabei ihre beste Freundin und Business Partnerin, ihr Bruder mit seiner neuen Freundin und dessen Kindergartenfreund. Sie fahren in ein luxuriöses Resort in den Alpen bei Garmisch.
So weit so harmlos, wobei die Stimmung angespannt ist und es wird auch eine Person sterben.
Mächtig spannend erzählt, obwohl ich meine zwei Ungereimtheiten in der Logik entdeckt zu habe, aber das ist zu vernachlässigen. Emily Rudolph hat die Welt dieser Influencerin mega gut getroffen, wie sie Geld verdienen, wieviel Arbeit in solch einem Account steckt, was das mit den Personen macht. Das Setting der Personen und der Anlage in diesem Retreat. Sehr gelungen.
Auch die Spannung ist gut aufgebaut, auch wenn ich zugeben muss, dass mir recht schnell klar wurde, wer es war. Denn diese Person wurde lange außen vor gelassen und deshalb war es keine große Überraschung.
Nette Unterhaltung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere