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Veröffentlicht am 11.11.2024

Außergewöhnliches Buch

Es sind nur wir
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„Es sind nur wir“ von Martin Peichl
Verlag: Haymon
In diesem Roman, erzählt in der Ich-Form des namenlosen Protagonisten, handelt von einem Informatik-Lehrer, der durch den Suizid seines Schülers Paul ...

„Es sind nur wir“ von Martin Peichl
Verlag: Haymon
In diesem Roman, erzählt in der Ich-Form des namenlosen Protagonisten, handelt von einem Informatik-Lehrer, der durch den Suizid seines Schülers Paul aus der Bahn geworfen wird. Seine Schuldgefühle und seine Trauer nehmen überhand, sein Leben wird immer ausschweifender. Er beginnt abstruse Affären, setzt Sex-Beziehungen unter Alkoholeinfluss fort und überlebt als Entwickler von Computerspielen. Auch arbeitet er sporadisch an einem „Wörterbuch der Verluste“ , welches er auf Karteikarten festhält. Er versucht herauszufinden, auf wie viele Arten man scheitern kann.
Mascha ist Biologin und Prepperin; sie breitet sich in einem Haus mit Bunker am Waldrand auf das Unausweichliche vor.
Eine Füchsin besucht Mascha, das Haus und ihn. Die Füchsin kommt und geht, Mascha beschützt das Tier vor Jägern und die drei gehen eine ungewöhnliche Beziehung ein. Er kommt immer wieder zurück zu Mascha. Ihre Art, ihre Gedanken und unrealistischen Aktionen lassen ihn nicht mehr los. Die beiden ziehen sich immer öfter zurück in das Haus, in den Bunker.
Zwischenzeitlich leert sich die Wohnung unseres Ich-Erzählers in der Stadt; sein Besitz wird immer weniger, nur seine sexuellen Ausschweifungen kann er noch nicht unterbinden.
Der Autor beschreibt in poetischer Sprache ein Szenario des Verlustes, der Obsession und der Trauer. Über eine Welt, die wir nicht sehen möchten; von den Tieren und ihrem Nutzen. Er beschreibt den Kreislauf des Lebens in einer Welt voller Katastrophen, Krisen, Ängsten und Verlusten. Real und surreal wird in flüssigem Schreibstil erzählt, Kapitel um Kapitel zieht uns der Autor in den Bann dieser unglaublichen, fantastischen und zugleich surrealen Geschichte.
Mascha und der Lehrer finden auf ihre Art zusammen und nur die Füchsin findet noch den Weg zu den beiden. Überlebt der namenlose Protagonist den angeblichen Weltuntergang? Nur die Füchsin erhält Gewissheit, doch kratzt die tagelang an der Metalltür und niemand öffnet.
Zwischendrin spürt man die Liebe des Erzählers zur dementen Mutter, zu den Frauen in seinem Leben und Paul, dem jungen, der zu früh gestorben ist.
Martin Peichl beschreibt uns einen Alltag mit Verlusten, den aktuellen Themen des Klimawandels und das politische Geschehen mit seinen Kriegen auf der Erde. Das Ende lässt der Autor geschickt offen, die Gedanken der Leser:innen sind frei und man spekuliert, was nun tatsächlich geschah.
„Wie aber nennt man Das Gegenteil von Massenhysterie, wenn die Welt jeden Tag ein Stück weiter untergeht, wir unbeirrt weitermachen mit dem, was schon seit Jahren nicht mehr funktioniert, wie nennt man diese Ruhe, auf die kein Sturm folgt, nur noch Stille, wie? Vielleicht haben wir noch nicht die Sprache gefunden für das, was uns bevorsteht.“ (Seite 49)
Sehr beeindruckend erzählt mit einem eigenwilligen, unterhaltsamen Schreibstil fesselt der Autor die Leser:innen an die Erzählung.
Realität oder traumhaft-unwirklich, wer kann das schon beurteilen. Mir liegt es fern, hier eine Wahrheit zu finden; ich kann nur sagen, es ist ein außergewöhnliches Buch.

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Veröffentlicht am 04.11.2024

Glücksmomente

Das Archiv der Herzschläge
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„Das Archiv der Herzschläge“ von Laura Imai Messina basiert auf einer wahren Geschichte
Verlag: btb in der Penguin Random House Verlagsgruppe

Shūichi, ein vierzigjähriger Illustrator und Autor mit einem ...

„Das Archiv der Herzschläge“ von Laura Imai Messina basiert auf einer wahren Geschichte
Verlag: btb in der Penguin Random House Verlagsgruppe

Shūichi, ein vierzigjähriger Illustrator und Autor mit einem angeborenen Herzfehler wurde als Kind von seiner Mutter sehr beschützt aufgezogen und alle negativen Vorfälle wurden von ihr weggewischt.
Sie sammelte massenhaft Glück für ihren Sohn und negative, traurige oder ängstliche Situationen wurden von ihr geleugnet. Nach ihrem Tode kommt Shūichi zurück in sein Elternhaus um es auszuräumen und zu renovieren. Dort begegnet er einem kleinen Jungen, der täglich einige Dinge seiner Mutter, die Shūichi bereits in Kartons verpackt hatte, stahl.
Als er herausfindet, dass seine Mutter sich täglich um das Kind kümmerte, seine Hausaufgaben betreute, mit ihm lernte und seine Lieblingsspeisen kochte, will auch er Kenta unterstützen.

Die beiden gehen eine ungewöhnliche und leise Freundschaft ein; der kleine Kenta fühlt sich sehr wohl bei Shūichi und öffnet diesem unmerklich sein Herz. Doch gibt es ein Geheimnis, welches den achtjährigen Jungen sehr belastet. Darf er es seinem neuen Freund anvertrauen oder zerstört er damit die Verbindung?

Shūichi hingegen lernt durch Kenta, seine Vergangenheit zu akzeptieren und eine große Wunde beginnt in seinem Herzen zu heilen. Zart und einfühlsam wird von Trauer und Hoffnung, Tod und Leben erzählt. Die Autorin zeigt uns die Herzen der Protagonisten und ihre authentische Beschreibung der Charaktere öffnen das Herz des Lesers für das Schicksal und die zweite Chance der Hauptprotagonisten.

„Die Wahrheit ist, dass wir nie einen absoluten Wert haben. Nichts und niemand hat einen absoluten Wert. Wir sind, was wir sind, nur durch die Bezeichnungen, die uns in die Welt rufen, die Rollen, mit denen wir uns in das Leben der anderen eingraben.“ (Seite 169)

Immer wieder wird zwischen der eigentlichen Handlung von zwei kleinen Jungen erzählt, welche eine Freundschaft pflegen. Was es mit diesen beiden Kindern auf sich hat, erfährt man Stück für Stück in dem Roman.

„Wenn man weint, rettet man sich dadurch ein wenig.“ (Seite 170)

Als Shūichi zufällig über die Insel Teshima und das Archiv der Herzschläge erfährt, möchte er mit Kenta dorthin fahren. Welche Überraschung er dort erfährt, berührt mich als Leser:in unglaublich.

Das Archiv der Herzschläge, entworfen von dem französischen Künstler Christian Boltanski, gibt es in Wirklichkeit. Man kann dort verschiedene Herzschläge von Menschen aus aller Welt hören und gerne auch seinen eigenen Herzschlag aufnehmen.

Laura Imai Messina erzählt unaufgeregt, leise und doch ausdrucksstark und intensiv von dem Prozess des Loslassen, des Neubeginns und dem Festhalten des Glücks. Der Roman ist unterteilt in drei Teile mit jeweils einigen Kapiteln. Kleine Illustrationen geben dem Buch eine wunderschöne japanische Note. Abschied und Neubeginn werden von der Autorin feinfühlig beschrieben. Zwischen Gegenwart und Vergangenheit zeigt uns die Geschichte den Funken Hoffnung und die Glücksmomente auf.

Im Glossar kann man die japanischen Begriffe nachlesen, auch wurden im Anschluss Literaturhinweise vermerkt.

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Veröffentlicht am 13.10.2024

Herzschmerz

Munk
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„Munk“ von Jan Weiler
Verlag: Heyne /
Penguin Random House Verlagsgruppe

Der erfolgreiche, ledige Architekt Peter Munk erleidet kurz nach seinem 51. Geburtstag im Globus in Zürich einen Herzinfarkt. ...

„Munk“ von Jan Weiler
Verlag: Heyne /
Penguin Random House Verlagsgruppe

Der erfolgreiche, ledige Architekt Peter Munk erleidet kurz nach seinem 51. Geburtstag im Globus in Zürich einen Herzinfarkt. Der Arzt aus dem Herzspital meinte, es gibt Menschen, die diese Erkrankung nicht als Chance wahrnehmen.
Er meinte, Munk solle darüber nachdenken, ob er sich etwas zu Herzen genommen hatte. Seine Arterien waren seit einiger Zeit verkalkt und dieses etwas konnte der Auslöser sein. Munk solle das Gefühl erkunden und dem nachgehen.

Im Mönchshof-Resort, idyllisch im Schwarzwald gelegen, quartierte Munk sich als reicher Patient mit Herzerkrankung ein, um eine medizinische Reha zu absolvieren. Dort wurde man als Gast behandelt, nicht als kranke Person.

Zwischen körperlichen Anwendungen beschäftigt er sich mit der unleidlichen Frage, warum er keine Beziehung hat bzw. warum er im Globus zusammengebrochen ist, als er dachte, dort (s)eine Ex-Freundin gesehen zu haben.

Doktor Grenzmann hinterfragt den Menschen Munk und was ihn definiert. Munk ist völlig überfordert mit der Frage. Er möchte jedoch seiner Erkrankung auf den Grund gehen.
Seine Aufgabe in den nächsten Wochen war, sich über die Beziehungen in seinem Leben Gedanken zu machen und die wichtigsten Personen einzubeziehen.

Peter Munk geht davon aus, dass mit Beziehungen seine dreizehn Frauen gemeint waren, schließlich hatte er diese geliebt oder war verliebt gewesen.

Traurig und zugleich humorvoll schreibt Jan Weiler über die Einsamkeit in Munks Leben. Seine gescheiterten Beziehungen und seinen enormen beruflichen Erfolg.

Peter Munk wird sich in dem Resort bewusst, dass er sein Leben ändern muss und analysiert seine Beziehungen der Reihe nach.
Das meist kurze Glück und das Scheitern, sowie seine Beteiligung daran.

Munk investierte nicht zuviel von sich in die Beziehung, er lebte immer im Schatten der Partnerin.
Egal ob reich, arm, intelligent oder naiv, Munk konnte sich bis zu einem gewissen Grad gut anpassen.

Man schlittert in diesem Buch von Beziehung zu Beziehung. Die Charaktere der Verflossenen werden stimmig beschrieben; Munk selbst geht mit seinen Bedürfnissen und Gedanken, Träumen und Ängsten etwas unter.

Ironisch, lebendig und humorvoll wurde der Roman mit dem ernsten Thema geschrieben und eignet sich hervorragend als Lektüre zwischendurch.

Unglaublich gut wurde das Ende formuliert und hat mich als Leser:in sehr überrascht.

Nachhallen wird der Roman
nicht, jedoch wurde ich wieder sehr gut von Herrn Weiler unterhalten.

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Veröffentlicht am 04.10.2024

Milchmädchenrechnung

Die vorletzte Frau
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„Die vorletzte Frau“ von Katja Oskamp
Verlag: Park x Ullstein

Das Porträt einer jungen Frau, über die Liebe, die Vergänglichkeit und das Leben.

Milchmädchenrechnungen waren immer schon ihr Ding.
Ein ...

„Die vorletzte Frau“ von Katja Oskamp
Verlag: Park x Ullstein

Das Porträt einer jungen Frau, über die Liebe, die Vergänglichkeit und das Leben.

Milchmädchenrechnungen waren immer schon ihr Ding.
Ein wesentlich älterer Mann, die große Liebe, die Zeit, Krankheiten und das Altern sind Dinge, die geschehen und doch rechnet man im Leben gerne anders - eine Milchmädchenrechnung.

Die ICH-Erzählerin, verheiratet mit einer kleinen Tochter lernt während des Studiums Tosch, einen schweizer Gastdozent im Leipziger Literaturinstitut kennen.
Er, 19 Jahre älter und gefeierter Schriftsteller imponiert ihr und durch Ehrgeiz und Fleiß erregt die junge Frau nicht nur seine Aufmerksamkeit in der Dramaturgie.
Er wird ihr Mentor und Geliebter; er bestimmt 19 Jahre ihr Leben, gibt den Rhythmus an, aber nicht nur der Austausch über Literatur verbindet die beiden Protagonisten.

Sie verlässt ihren, auch älteren, depressiven Mann und begibt sich in eine Beziehung mit Tosch.

Die beiden finden das Wort zumuten für ihre Beziehung: „Ich mute mich dir zu.
Du mutest dich mir zu.“ (Pos.171) „….mit allen Meisen und Absonderlichkeiten.“ (Pos.229) Sex und Text nannten wir die Gemengelage….(Pos.631)

Die junge hübsche Frau liebt Tosch, seine Kommhergehweg- Allüren und verzehrt sich nach seinem Körper und Geist.
Seine Pranken auf ihrem Körper, seine Augen auf ihren geschriebenen Texten.

Alle Texte werden von dem begnadeten Schriftsteller gelesen, korrigiert und/oder kommentiert.

Sie, ihre Tochter Paula und Tosch debattierten über Texte, Bücher, Worte.

Sie und Tosch leben ihre Leidenschaft in seiner Junggesellenbude aus.

Die ICH-Erzählerin pendelt zwischen Mutter, Schriftstellerin, Hausfrau und Geliebten.

Bis Toschs Krankheit alles verändert und sie von der Geliebten zur Pflegerin wird.

Tosch flüchtet vor dem Finanzamt in die Schweiz;
er hat Prostatakrebs,
die Beziehung wird kompliziert.

Zwischen Krankenhaus, Seehaus in der Schweiz und ihrer Wohnung in Berlin pendelt die Erzählerin. Das pendeln zieht sich durch ihr Leben.

Und die Angst, das gemeinsame Leben verloren zu haben.

Die Autorin schreibt sehr intensiv die Geschichte einer großen Liebe, einer Vertrautheit, Freundschaft und einer Krankengeschichte.
Auch das innige Mutter-Tochter Verhältnis wird hervorgehoben.

Die Erzählung berührt und zeigt die Vergänglichkeit auf. Aber auch den Mut und Ehrgeiz einer Frau ihren Weg zu gehen.

Mit Humor, Ironie und ohne Drama spiegelt die Erzählung die Beziehung.

Trotz vieler Hindernisse und aufopferungsvollen Jahren entwickelt sich die Erzählerin weiter.

„Zwei Verdurstende in der Wüste finden eine Wasserflasche. Wenn sie sie teilen, reicht es für keinen von beiden, wenn einer sie alleine austrinkt, hat er eine Chance zu überleben.“

So war die Beziehung zwischen Tosch und der Erzählerin-mit Höhen und Tiefen.

Der flüssige Schreibstil lässt mich als Leser:in durch die Seiten fliegen. Man wird mitgenommen auf dem Weg zwischen begehrt werden und pflegen. Schonungslos wird berichtet, wie eine Krankheit eine Leidenschaft bricht.

Der Altersunterschied zeigt deutlich die Vergänglichkeit auf, aber auch für die Erzählerin neue Wege.

Ein interessantes Buch, welches sich lohnt, gelesen zu werden.

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Veröffentlicht am 17.09.2024

Ungewöhnliches Debüt

Mein Mann
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„Mein Mann“ von Maud Ventura
Verlag: Hoffmann und Campe

Maud Ventura nimmt uns in ihrem Debütroman mit in eine toxische Beziehung voller Obsessionen, Abhängigkeit und Manipulationen.
Die Ich-Erzählerin ...

„Mein Mann“ von Maud Ventura
Verlag: Hoffmann und Campe

Maud Ventura nimmt uns in ihrem Debütroman mit in eine toxische Beziehung voller Obsessionen, Abhängigkeit und Manipulationen.
Die Ich-Erzählerin ohne Namen ist verliebt in ihren Mann. Nach 15 Jahren liebt sie ihn wie zu Beginn der Beziehung und lebt in ständiger Angst, ihn zu verlieren. Leider kann sie sich nicht nur ihrer Obsession hingeben, sie ist auch Mutter von zwei Kindern, welche viel zu oft die Zweisamkeit mit ihrem Mann stören.
Das Unglück, welches die namenlose Frau ereilt, ist ein liebender Ehemann, der ihr vertraut, fürsorglich und zuvorkommend ist und sie weder belügt noch betrügt.
Es gibt so viele Lieder, Texte und Filme von verzweifelter Liebe, jedoch unglaublich wenig über die perfekte Partnerschaft und Liebe. Sie kann sich nicht in diese Rolle einfinden und sucht verzweifelt nach einem Fauxpas von ihm. Doch alles ist perfekt und die Leere in ihr wird immer größer.
Sie ist Englischlehrerin und Übersetzerin, 40 Jahre alt, sehr hübsch, blond - weil es ihm gefällt - und abhängig von der Idee der perfekten Liebe.
Er, nur genannt - mein Mann- ist charismatisch, widersprüchlich und gesellig. Er verbringt gerne Zeit mit Freunden, Arbeitskollegen, der Familie. Diese Geselligkeit nimmt ihr vor allem Zeit von der begrenzten Zweisamkeit. Seine Energie muss geteilt werden und das verletzt sie ungemein. Reicht sie ihm nicht?
Ihre Wochentage sind in Farben und Stimmungen unterteilt, Freundschaften pflegt sie kaum, ihr Mann reicht ihr vollkommen. Leider muss sie in der Mutterrolle mit anderen Eltern kommunizieren und der Schein nach Außen ist absolut wichtig. Ihr Mann kommt aus einer bürgerlichen Familie, sie aus einer Arbeiterfamilie und sie wird auf jeden Fall alles richtig machen, um dem sozialen Status gerecht zu werden.
Sie führt verschiedene Notizhefte mit seinen Vergehen und den dazugehörigen Strafen, ebenso zeichnet sie Gespräche zwischen ihnen auf, um diese im Anschluss zu analysieren.
Ihre verzehrende Liebe zu ihrem Mann ist das einzig manische an ihr, ansonsten führt sie ein normales Leben. Eifersucht, Zweifel und Angst gehören zu ihrem Alltag. Alles dreht sich im ihren Mann; er ist der Angelpunkt in ihrem Leben.
Bei einem Spiel unter Freunden sieht ihr Mann in ihr eine Clementine- eine Winterfrucht, leicht erschwinglich, nichts besonderes, bereits gebrauchsfertig und im Gegenzug die Gastgeberin als exotische, fruchtige Ananas. Diese Bezeichnung lässt die Frau nicht los und ihre Phantasie geht mit ihr durch. Was sieht er in ihr? Eine vulgäre Clementine? Liebt er sie noch? Ist sie noch etwas besonderes für ihn? Wird er sie verlassen?
Der Roman zeichnet das Porträt einer Frau, die unter der Obsession der Liebe leidet. Ihre Beziehung führt sie parallel in ihrer Phantasiewelt; analysiert jede Handlung ihres Mannes, jedes Wort, jeden Atemzug. Ihre Ängste und ihre Abhängigkeit wird zum Wahn. Als Leserin bin ich von diesem Wahnsinn gefesselt und unter mehrmaligem Kopfschütteln lese ich Kapitel um Kapitel. Mitgefühl für den Ehemann erfüllt mich.
Der Epilog kam unerwartet und hat das vorangegangene auf den Kopf gestellt. Nochmals überdenke ich meine Emotionen beim Lesen und ändere meine Meinung über die toxische Ehe.
Psychologisch wird eine Liebe aufgezeigt, die zur Obsession wird. Die Perfektion der Liebe wird erwartet, Strafen für Vergehen aufgezeigt und die Protagonistin selbst legt verschiedene Maßstäbe in der Beziehung. Ihre Person ist undurchsichtig, sie schlüpft in die Rolle, die sich ihr Mann wünscht. Seine Gedanken und Empfindungen sind oberste Priorität; nur wer ist sie wirklich?
Der Schreibstil der Autorin ist mitreißend und flüssig. Die beiden Hauptprotagonisten werden sehr detailliert beschrieben, die Charaktere sind unglaublich gut ausgearbeitet und man findet sich in dieser toxischen Beziehung mit ihren skurrilen Gedanken wieder.
Ein ungewöhnliches, jedoch interessantes Debüt.

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