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Veröffentlicht am 05.07.2020

Lebensgeschichte einer beeindruckenden Frau

City of Girls
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Das Cover finde ich wunderschön. Obwohl es schlicht und in schwarz-weiß gehalten ist, sprüht es nur so vor Lebensfreude und Abenteuerlust. Deshalb passt es auch sehr gut zur erst 19-jährigen Protagonistin ...

Das Cover finde ich wunderschön. Obwohl es schlicht und in schwarz-weiß gehalten ist, sprüht es nur so vor Lebensfreude und Abenteuerlust. Deshalb passt es auch sehr gut zur erst 19-jährigen Protagonistin Vivian, die sich am Anfang der Geschichte, als sie aus ihrer behüteten und wohlhabenden Familie nach New York kommt, von ihrem ehemals vorherbestimmten Leben löst und kopfüber ins Abenteuer stürzt. Mehr möchte ich zur Handlung gar nicht vorwegnehmen und nur auf den Inhaltstext verweisen.

Die Erzählstimme von Cathlen Gawlich ist durchweg sehr angenehm. Ruhig und unaufdringlich gibt sie die Handlung wieder und lässt dieser dadurch viel Raum, um auf den Hörer zu wirken. Da der Schreibstil gerade in der ersten Hälfte der Geschichte sehr ausführlich und detailgenau ist, führte das jedoch dazu, dass mir das Hören der ersten Hälfte des Hörbuchs teilweise schwerfiel. Manche Szenen empfand ich als zu zäh und langatmig. Glücklicherweise besserte sich das in der zweiten Hälfte des Hörbuchs. Hier werden teilweise Zeitspannen von mehreren Jahren deutlich kürzer zusammengefasst und nur noch wichtige, ausgewählte Ereignisse aller Ausführlichkeit behandelt. Dadurch hat mich das Hörbuch schließlich gefesselt und ich habe gespannt zugehört, um nichts zu verpassen.

Ein paar Worte zu den Charakteren: Beginnen möchte ich mit Vivian, deren Lebensgeschichte erzählt wird. Die junge Vivian erscheint nicht selten unbekümmert, verantwortungslos, egoistisch und draufgängerisch. Ich konnte die junge Frau zwar verstehen, aber ihre Handlungen nicht unbedingt gutheißen. Auf der anderen Seite sind da ihre vielen Leidenschaften, beispielsweise das Nähen und Entwerfen von Kleidern und Kostümen. Sie ist ein vielschichtiger Charakter, der mir sehr ans Herz gewachsen ist. Man kann ihre Entwicklungen zur verantwortungsbewussten und selbstlosen Frau nachvollziehen. Bis zum Schluss hat sie mich immer wieder überrascht.

Es gibt unglaublich viele andere Personen, die Vivians auf ihrem Lebensweg begleiten. Da ist zum Beispiel Vivians Tante Peg, ein echter Freigeist, und ihr Onkel Billy, ein Drehbuchautor und Lebemann, der den Luxus liebt. Da ist Vivians Elternhaus, das in seinen steifen und standesgemäßen Anforderungen gefangen ist…

Alle Charaktere sind liebevoll und detailreich gezeichnet. Manche habe ich sofort ins Herz geschlossen. Was mir gut gefällt, ist, wie vielschichtig die Charaktere dargestellt werden. Keiner von ihnen ist nur schwarz oder weiß. Alle haben Schwächen, niemand ist perfekt – wie im echten Leben. Mir hat gut gefallen, dass viele Nebencharaktere immer wieder aufgegriffen wurden und abgeschlossen Geschichten bekamen.

Ich hatte etwas Anderes von diesem Hörbuch erwartet. Etwas Leichteres, Humorvolleres… Ich hatte in der ersten Hälfte manchmal meine Zweifel, wo die Geschichte hinführt und was wohl aus Vivian werden wird. Die zweite Hälfte und vor allem das letzte Drittel aber haben mich mit Vivian versöhnt, mich gefesselt und mehrmals tief berührt. Der offene Umgang mit schwierigen Themen wie PTBS oder dem Tod geliebter Menschen haben mich nachhaltig beeindruckt und nachdenklich gemacht. Für mich war spätestens ab der zweiten Hälfte keine leichte Unterhaltung für Nebenbei. Ich fand die ungeschönte Ehrlichkeit teilweise düster und bedrückend. Oft gingen mir die Ereignisse sehr nahe. Ein Wohlfühlroman ist es für mich deshalb definitiv nicht. Trotzdem hat mich das Hörbuch positiv überrascht und insgesamt hat mir die Geschichte um Vivians Lebensweg gut gefallen.

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Veröffentlicht am 16.03.2025

Auftaktband mit Luft nach oben

Spark of the Everflame
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Das wunderschöne Cover dieses Buchs hat mich in seinen Bann gezogen. So sehr, dass ich zu dem für mich eher seltenen Romantasy-Genre gegriffen habe.
Die leichte Lesbarkeit und die düstere Welt haben mir ...

Das wunderschöne Cover dieses Buchs hat mich in seinen Bann gezogen. So sehr, dass ich zu dem für mich eher seltenen Romantasy-Genre gegriffen habe.
Die leichte Lesbarkeit und die düstere Welt haben mir sofort gefallen, aber leider verfolgen wir hier nur die Erzählperspektive von unserer Protagonistin Diem, die auf der Suche nach ihrer verschwundenen Mutter die ihr unbekannte Welt der adligen Descended betritt und sich bald inmitten von Machtspielen wiederfindet. Diem, ein temperamentvoller Hitzkopf, erschien mir zu Beginn einfach nur unglaublich nervig. Sie trifft wiederholt waghalsige Entscheidungen, fliegt dabei auf und kommt dennoch irgendwie halbwegs heil aus der Sache heraus – nicht sehr realistisch.
Lücken im Plot gepaart mit Diems Naivität sowie aktuell gut laufenden Romantasy-Elementen ergaben Vorhersehbarkeit, unsympathische Hauptfiguren und damit viel Frustration auf meiner Seite. Einzig die Szenen in Diems Familienkreis oder ihre Heilerinbesuche bei kranken Kindern konnten mein Herz durchgehend erweichen.
60 Prozent lang war ich nicht wirklich begeistert, sogar kurz vor dem Abbruch, da ich das Gefühl hatte, die Handlung käme nicht vom Fleck, auch wenn es nie wirklich langweilig wurde. Zwei große Fragen haben mich jedoch weiterlesen lassen und es hat sich gelohnt, denn entgegen meinen Befürchtungen hat sich mancher Handlungsstrang schlussendlich glaubwürdig in andere Richtungen entwickelt. Auch wenn ich exakt diese Cliffhanger-Wendung erwartet habe, bin ich nun doch gespannt, wie Diems Geschichte weitergeht.
Die Hitze ist an einem Punkt der Handlung also doch noch buchstäblich übergesprungen. Apropos Romance, auch die sich anbahnende Liebesgeschichte hat schließlich weit weniger Raum eingenommen, als ich erwartet hatte.
Und mein Sinneswandel gegenüber Diem? Nun sie ist jung und verhält sich entsprechend. Im Chaos ihres unverarbeiteten Verlusts, dem verständlichen Wunsch nach Selbstbestimmung und aufrüttelnden Entdeckungen außerhalb ihres gewohnten Schutzumfelds erscheinen ihre lebensmüden Entscheidungen deutlich weniger verrückt.
In diesem ersten Band wurde viel Aufbauarbeit für die Folgebände geleistet, die mich nicht von Anfang an zum Schwärmen bringen konnte. Das Ende verspricht jedoch unglaubliches Spannungspotenzial für die nächsten Bände.

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Veröffentlicht am 20.10.2024

Kurzweiliger Geschichtsabriss für Interessierte ohne viel Vorwissen

Was war denn da los?!
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Die Autoren verschriftlichen hier die beliebtesten, unzusammenhängenden Geschichten aus ihrem Podcast „DAMALS und heute“ aus fünf Epochen. QR-Codes am Ende der jeweiligen Ausführungen verweisen auf die ...

Die Autoren verschriftlichen hier die beliebtesten, unzusammenhängenden Geschichten aus ihrem Podcast „DAMALS und heute“ aus fünf Epochen. QR-Codes am Ende der jeweiligen Ausführungen verweisen auf die dazugehörige Podcast-Folge. Für Antike- und Mittelalter-Fans sei direkt angemerkt, dass diese beiden Epochen weniger als die Hälfte ausmachen.
Obwohl pro episodenartiger Darstellung so viele Informationen auf wenigen Seiten auf die Lesenden einprasseln, sind die Abschnitte schnell beendet und durchaus mitreißend erzählt. Durch ihre Kürze bieten sie einen oberflächlichen Einblick, weshalb Menschen mit viel Vorwissen eher wenig Neues entdecken. Auch wenn die einzelnen Geschichten bebildert sind, hätten Karten und auch so mancher zusätzlich erklärende Satz den Geschichten trotzdem nicht geschadet.
Mit meinem Fachwissen gehöre ich eindeutig nicht zur Zielgruppe und habe mich auch an so mancher Formulierung gestört, allerdings wollte ich in erster Linie herausfinden, ob das Buch sich als Literaturtipp für meine Erstsemester-Studierenden eignet. Für mich war es dadurch eher ein unterhaltsamer Test meiner Grundlagenkenntnisse, wobei mich der Antike-Teil durch die Auswahl oft durchgekauter, aber eben scheinbar immer noch faszinierender Geschichten besonders enttäuscht hat.
Der Titel ist meiner Meinung nach unglücklich gewählt, da er Humor und eine besonders erheiternde Auswahl von historischen Ereignissen suggeriert, die sich eher nicht im Inhalt widerspiegelt.
Insgesamt eine alles andere als langweilige, lehrreiche Reise durch die Epochen für alle, denen das Podcast-Format eher weniger zusagt und sicherlich eine tolle Geschenkidee für historisch interessierte Laien, die auf der Suche nach häppchenweise servierter, zugänglicher Einstiegsliteratur sind.

Veröffentlicht am 06.10.2024

Für Fans moderner Märcheninterpretationen

Ich fürchte, Ihr habt Drachen
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Das Cover hat mich sofort angesprochen. Es wirkt so herbstlich, aber auch etwas mystisch und verweist gelungen auf den Inhalt.
Prinzessin Cerise kann sich vor heiratswilligen Prinzen kaum retten. Als schließlich ...

Das Cover hat mich sofort angesprochen. Es wirkt so herbstlich, aber auch etwas mystisch und verweist gelungen auf den Inhalt.
Prinzessin Cerise kann sich vor heiratswilligen Prinzen kaum retten. Als schließlich einer ihr Herz erobern kann, bleibt nur ein Problem: die Drachenplage im Schloss. Ein Schädlingsbekämpfer muss also her. Doch was, wenn die eigentlich klar abgesteckten gesellschaftlichen Rollen plötzlich verschwimmen?
Ich fand nur schwer in das Buch. Das Schreibstil wirkt merkwürdig unausgewogen, mal hochtrabend künstlerisch, dann wieder fast einfallslos. Manche Sätze musste ich mehrfach lesen. Sprünge im Handlungsablauf haben mich zusätzlich verwirrt. Generell bleibt vieles zwischen den Zeilen ungesagt. Mitunter hätte ich mir mehr Erklärungen gewünscht, auch das Ende fühlte sich für mich zu abrupt und offen an.
Anfangs hat es mich zudem gestört, die Handlung nie wirklich greifen zu können, die vielen Wendungen haben mein Interesse aber letztlich aufrechterhalten können.
Erschwerend kam hinzu, dass ich in den ersten Kapiteln das Gefühl hatte, der Autor würde sich ein wenig zu sehr über seine Charaktere amüsieren. Hier wurde ich eines Besseren belehrt, da alle ProtagonistInnen aus ihren eigenen Schatten und vorgegebenen Wegen ausbrechen und ihr Leben selbst in die Hand nehmen, was mir sehr gefallen hat. Die moderne Herangehensweise an die üblichen Märchenklischees konnte mich daher voll überzeugen. Der Kampf Gut gegen Böse jedoch eher wieder nicht. Die Lektüre glich also einem ständigen Auf und Ab.
Ich habe wegen des fantastischen Inhalts und der Aussicht auf viel Humor zum Buch gegriffen. Die Handlung hat sich jedoch als ziemlich düster entpuppt, was mich zwar überrascht, aber nicht gestört hat. Am meisten überzeugt haben mich schließlich die leisen romantischen Klänge. Wie die Charaktere sich öffnen und kennenlernen ist einfach großartig.
Insgesamt fällt es mir schwer dieses Buch zu bewerten. Während des Lesens hat es mir oft recht gut gefallen, in den Lektürepausen hatte ich aber nie den Drang, nach dem Buch zu greifen. Drachenfans und LiebhaberInnen von Märchenadaptionen auf der Suche nach einer dunkel-hoffnungsvollen, wendungsreichen Story mit toller Charakterentwicklung sollten dennoch einmal reinlesen.

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Veröffentlicht am 05.12.2023

Die Geister, die ich nicht rief

Spuk und Schmied
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Das Cover passt durch die dunklen, aber dennoch leuchtenden Farben perfekt zu einem Geisterbuch und hat mich direkt neugierig gemacht.
Zum Inhalt: Josh konnte schon immer Geister sehen, was sich nicht ...

Das Cover passt durch die dunklen, aber dennoch leuchtenden Farben perfekt zu einem Geisterbuch und hat mich direkt neugierig gemacht.
Zum Inhalt: Josh konnte schon immer Geister sehen, was sich nicht gerade vorteilhaft auf sein Leben ausgewirkt hat. Doch dann findet er eine Stelle auf Mannix Estate, einem Hotel, das ganz offiziell mit seinem Spuk wirbt. Zu schön, um wahr zu sein?
Der Schreibstil hat mir grundsätzlich gut gefallen, nicht zuletzt dank der wechselnden Erzählperspektiven, einer großen Prise Humor und urkomischen Schlagabtauschen zwischen den Menschen und der Geisterwelt. Dazu kommen eine Miniportion Gruselfeeling und so manche Spice-Szene. Das Buch lässt sich super schnell lesen, da die Handlung Schlag auf Schlag vorwärtsrast. So wird es zwar nie langweilig, allerdings wirken manche Entwicklungen so doch recht überhastet und Themen werden lediglich oberflächlich angerissen.
Besonders die erste Hälfte der Geschichte hat mir sehr gefallen. Bei einer paranormalen Wendung zur Mitte der Handlung hat das Buch mich kurzzeitig etwas verloren. Allerdings möchte ich lobend herausstellen mit wie viel gesundem Menschenverstand hier an übermenschliche Probleme herangegangen wird. Nichts wird ins Lächerliche gezogen. Nur das Ende enthielt für meinen Geschmack dann doch eine Spur zu viel Kitsch.
Die zu großen Teilen queeren Charaktere sind zwar furchtbar sympathisch, dennoch hätten ihre Hintergrundgeschichten gerne etwas mehr ausgeführt werden dürfen. Das gilt besonders auch für die Geister. Was die menschlichen Protagonisten angeht, hat Ewan als love interest auch mein Herz zum Schmelzen gebracht. Bei Josh hat mir vor allem seine zugegeben nur knapp skizzierte Entwicklung gefallen. Jeder Charakter hat seine liebevoll dargestellten Eigenarten verpasst bekommen, was sie nahbar und authentisch erscheinen lässt.
Insgesamt wurde ich trotz kleinerer Kritikpunkte gut unterhalten und freue mich auf den Folgeband. Wer eine hervorragend lesbare m/m-Liebesgeschichte im Urban Fantasy-Setting mit einer ordentlichen Prise Humor sucht, sollte hier unbedingt einmal reinlesen.

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