Platzhalter für Profilbild

KKruse

aktives Lesejury-Mitglied
offline

KKruse ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit KKruse über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.10.2024

Leider enttäuschend

Lückenbüßer (Kluftinger-Krimis 13)
0

Obwohl ich schon lange Fan der Kluftinger-Reihe bin und mich eigentlich auf jeden neuen Kriminalfall von ihm freue, war ich dieses Mal von "Lückenbüßer" sehr enttäuscht. Es scheint, als wenn ...

Obwohl ich schon lange Fan der Kluftinger-Reihe bin und mich eigentlich auf jeden neuen Kriminalfall von ihm freue, war ich dieses Mal von "Lückenbüßer" sehr enttäuscht. Es scheint, als wenn den Autoren so langsam die Ideen ausgehen und sie sich an ausgelutschten Themen abarbeiten ohne dabei neue, interessante Gedanken einzubringen. So wirkt der ganze Roman sehr flach und wie am Reißbrett runtergeschrieben.
Inhaltlich geht es um einen Mordfall, der während einer von Kluftinger geleiteten Terrorübung in den Bergen geschieht. Schnell stellt sich heraus, dass der getötete Polizeibeamte auch im rechten Milieu unterwegs war, sodass sich die Ermittlungen im Kreis von Querdenkern und politisch zwielichtigen Personen abspielen. Auch Kluftinger selbst wird politisch aktiv, da er für den Gemeinderat kandidiert und dabei natürlich auf Dr. Langhammer als seinen Konkurrenten trifft.
Das alles klang für mich recht vielversprechend und gerade die Szenen, die sich um Kluftingers Privatleben drehen, fand ich immer unterhaltsam. Doch leider wirken in diesem Buch die Gags eher an den Haaren herbeigezogen und etwas zu übertrieben, sodass ich oft das Gefühl hatte, die Autoren wollen auf Teufel komm raus lustig sein, obwohl ihnen wirklich witizige und originelle Ideen fehlen. Dasselbe gilt für die "ernstere" Seite des Romans, nämlich des Kriminalfalls. Scheinbar jedes aktuelle, politisch kontroverse Thema wird aufgegriffen und irgendwie in das Buch mit hineingedrückt, wobei man manchmal gar nicht den Bezug zur Handlung erkennt und es gar nicht nötig gewesen wäre, dieses Thema nun auch noch zu nennen (z.B. KI oder Veganismus). Sei es Querdenkertum, Corona, Impfskeptiker, Shitstorms in den sozialen Medien, Kritik an "denen da oben", etc. - alles muss von den Autoren erwähnt werden. Dabei bringen sie aber wie gesagt keinerlei originelle Ideen mit ein oder regen zum Nach- und Weiterdenken an. Es findet sich einfach viel Phrasendrescherei und viele schon tausendmal gehörte Allgemeinplätze und Platitüden, sodass "Lückenbüßer" absolut nichts Neues bietet und sehr ideenlos wirkt. Die Ermittlungen in dem Mordfall verlaufen nicht allzu spannend und sind sehr vorhersehbar. Am Ende dachte ich nur: "Wie? Das soll es jetzt gewesen sein?", weil es gar keine überraschende Wendung o. Ä. gab. Das hat mich sehr enttäuscht und ich bin von Kluftinger-Krimis eingentlich anderes gewohnt.
Außerdem hat mich sprachlich genervt, dass die Autoren merklich bemüht waren, eine interessante Wortwahl zu verwenden, was leider dann nach hinten los geht, wenn es zu angestrengt wirkt und sich die Wörter wiederholen. Das passiert vor allem im Zusammenhang mit Verben der wörtlichen Rede. Als ich zum x-ten Mal "konstatierte" gelesen habe, habe ich nur noch mit dem Augen rollen können....
Zwei Sterne gibt es lediglich, weil ich den Kommisar Kluftinger eigentlich liebe und einige Szenen in dem Buch von seinem urigen Charme profitieren und doch für den ein oder anderen Schmunzler gut sind. Den zweiten Stern gibt es für das Potenzial der Geschichte, denn die Story hätte aufgrund der Bezüge zu aktuellen politischen Themen durchaus spannend sein können. Leider wird das Potenzial aber nicht ausgenutzt und es endet alles in abgedroschene Phrasen und Oberflächlichkeit, schade! Hoffentlich war das nur ein "Lückenbüßer" bis zum nächsten, spannenderen und originelleren Fall aus dem Allgäu.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.03.2024

Überbewertet

Yellowface
0

So viele begeisterte Lesestimmen zu diesem Buch und ich habe einen ganz anderen Eindruck gewonnen… Da kann ich kaum glauben, dass wir von demselben Roman sprechen. Aufgrund des großen Rummels ...

So viele begeisterte Lesestimmen zu diesem Buch und ich habe einen ganz anderen Eindruck gewonnen… Da kann ich kaum glauben, dass wir von demselben Roman sprechen. Aufgrund des großen Rummels rund um die Veröffentlichung von „Yellowface“, der Lobeshymnen und auch des Klappentextes, der eine interessante, kontroverse Thematik verspricht, habe ich etwas ganz anderes, viel mitreißenderes und anspruchsvolleres erwartet. Ich persönlich bin dahingehend leider enttäuscht worden und halte das Buch für überbewertet. Aber zum Glück sind Geschmäcker ja verschieden…

Inhaltlich hat mich „Yellowface“ enttäuscht, da ich die Handlung als recht vorhersehbar empfunden habe. Vieles war durch den Klappentext vorweg genommen und es kam für mich keine rechte Spannung auf. Wie gesagt hat das Thema des Romans (kulturelle Aneignung) auch definitiv Potential und war mit ein Grund, warum ich das Buch gerne lesen wollte. Aber meiner Meinung nach wird das Potential für kontroverse, reflektierende Betrachtungen hier von der Autorin nicht ausgeschöpft und die Problematik wird nicht differenziert genug betrachtet oder durch neue, überraschende Sichtweisen angereichert. Schade, nachdem ich Interview mit der Autorin in der ZEIT gelesen habe, bin ich mit anderen Erwartungen an ein Werk von ihr herangegangen.
Ebenso hat sie mich sprachlich enttäuscht, da der Roman literarisch wenig anspruchsvoll ist. Die überwiegend kurzen Sätze sind ohne sprachliche Finesse oder Hintersinn und der Text wirkt für den Massengeschmack recht beliebig verfasst. Dazu war mir die Erzählerin sehr unsympathisch, da sie so selbstverliebt und arrogant wirkte. Im Roman fehlte mir ein Sympathieträger und ich konnte keine Verbindung zu den Charakteren und ihrem Schicksal aufbauen.
Allerdings gibt es zugegebenermaßen auch bessere Passagen, wenn es z.B. um die Vermarktungsstrategien im Verlagswesen geht oder die Erzählerin doch mal etwas tiefgründigere Gedanken zur Autorenschaft anstellt. Die vielmals angesprochenen satirischen Elemente sind erkennbar, aber liegen nicht auf meiner persönlichen Geschmackslinie.
Daher kann ich den ganzen Hype rund um „Yellowface“ nicht nachvollziehen. Mich hat der Roman nicht gefesselt und es gibt inhaltlich und sprachlich so viel bessere Bücher, die weniger beworben werden. Ich habe mich sogar schon gefragt, ob der Verlag selbstironisch extra so eine Marketingwelle losgetreten hat, um die ganze Dynamik aufs Korn zu nehmen. Ohne den ganzen Hype würde der Roman wahrscheinlich nicht so gefeiert werden… Doch vielleicht wird in den sozialen Medien z. B. bei TikTok oder instagram auch einfach ein anderer Stil bevorzugt, mit dem ich nichts anfangen kann? Eine Menge Leser und Leserinnen scheint „Yellowface“ ja begeistert zu haben. Mein Lieblingsbuch wird es wohl nicht mehr werden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.08.2023

Erst Top, dann Flop

Weil da war etwas im Wasser
0

Der Roman „Weil da war etwas im Wasser“ gliedert sich in zwei Teile und als ich die ersten Seiten gelesen haben, war ich zunächst noch begeistert von dem außergewöhnlichen Debüt des Autors Luca Kieser. ...

Der Roman „Weil da war etwas im Wasser“ gliedert sich in zwei Teile und als ich die ersten Seiten gelesen haben, war ich zunächst noch begeistert von dem außergewöhnlichen Debüt des Autors Luca Kieser. Er erzählt für einige Passagen aus der Perspektive der Arme eines Riesenkalmars, die miteinander, aber auch mit den LeserInnen, kommunizieren und ihre Sicht der Welt kundtun. Das ist vor allem interessant, wenn es um den Umgang der Menschen mit der Natur und besonders den im Wasser lebenden Geschöpfen geht und regt zu naturphilosophischen Überlegungen an. Auch die anderen Passagen aus dem ersten Teil des Romans, in denen es um Sanja, die ein Praktikum auf einem Frosttrawler absolviert, Dagmar, die als Geheimagentin in der Antarktis stationiert ist, und deren gemeinsame Rettung eines zufällig gefangenen Riesenkalmars geht, fand ich lesenswert und spannend.
Ich hätte mir gewünscht, dass es im zweiten Teil so weitergegangen wäre, doch die Erzählungen der Arme werden immer verwirrender, wirken teilweise zusammenhang- oder belanglos und schweifen oft komplett von der interessanten Betrachtung des Tintenfisches ab. Es wird der komplizierte Stammbaum der Familie Macke-Meyer rekonstruiert, der zwar das Rätsel löst, warum Sanja und Dagmar solch eine geheimnisvolle, tiefe Verbindung zu dem gefangenen Riesenkalmar verspüren, doch die vielen verschiedene Erzählstränge und Familienkonstellationen haben mich häufig verwirrt und ich konnte wenig Zusammenhang zum Thema des Romans herstellen. Durch intertextuelle und historische Bezüge z.B. zu Jules Verne oder der Entstehung des Films „Der weiße Hai“ wurde das Thema „Meer“ in gewissem Maße aufgegriffen, doch alles wirkte sehr beliebig. Der Autor versucht immer wieder herauszustellen, wie das Schicksal verschiedener Personen miteinander verknüpft ist, verliert sich aber in irrelevanten Details und lässt naturphilosophische Fragen im zweiten Teil gänzlich zurück. Das hat mich sehr enttäuscht und besonders die letzten Kapitel, in denen Luca Kieser scheinbar autofiktional sein Werk zu erklären versucht, haben mich irritiert und verärgert, dass ich mir die Bedeutung eines Romans lieber selber erschließe anstatt vom Autor selbst in so aufdringlicher Weise erklärt zu bekommen. Negativer Höhepunkt war für mich, als der Riesenkalmar, den ich in der ersten Hälfte des Buches eigentlich liebgewonnen hatte, zum Phallussymbol gemacht wird und der Autor seitenlang über sein Geschlechtsteil schreibt. Auch wenn ich nicht zart besaitet bin, hat mich das doch endgültig von „Weil da war etwas im Wasser“ entfremdet, auch wenn der Roman so viel versprechend und kreativ begonnen hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.08.2023

Befremdlich

Der Vorweiner
0

In „Der Vorweiner“ versetzt Bov Berg seine LeserInnen in eine dystopische Zukunft, die von den Auswirkungen des Klimawandels, Migrationsproblemen und einer ausufernden Dienstleistungsgesellschaft geprägt ...

In „Der Vorweiner“ versetzt Bov Berg seine LeserInnen in eine dystopische Zukunft, die von den Auswirkungen des Klimawandels, Migrationsproblemen und einer ausufernden Dienstleistungsgesellschaft geprägt ist. Nach der Leseprobe hatte ich mich auf eine unterhaltsam geschriebene, satirische Reflexion unserer politischen und sozialen Gegenwart gefreut, doch ich muss sagen, dass ich leider durch den sehr befremdlichen Stil und die teils unverständliche Handlung enttäuscht worden bin.
Obwohl ich den Autor Bov Berg und seine Bücher (besonders „Auerhaus“) mag und ich wirklich versucht habe, mich auf den experimentellen Stil in „Der Vorweiner“ einzulassen, bin ich mit dem Roman nicht war geworden. Während ich die ersten Kapitel noch ganz gerne gelesen habe, da das Buch so ungewöhnlich ist und ich Spaß an der rätselhaften Handlung hatte, hat die Lesefreude im Laufe der Lektüre immer mehr abgenommen. Vieles an der Handlung war für mich unverständlich und mir ist nicht klar geworden, was der Autor den LeserInnen eigentlich sagen will wie z.B. das immer wieder eingeschobene „Gottesauge“, das von der eigentlichen Handlung wie in einem Filmschnitt in eine andere Handlung überblendet oder das Thema der Regression/Wiedergeburt (hier will ich nicht mehr verraten, um nichts an der Handlung vorwegzunehmen).
Auch die Gesellschaft und die Charaktere, die Berg in seinem Roman entwirft, fand ich sehr befremdlich. Ich musste etwas an T.C. Boyles aktuellen Bestseller „Blue Skies“ denken, in dem auch eine vom Klimawandel geprägte Zukunftsdystopie als Setting dient. Doch anders als bei Boyle ist in der „Vorweiner“ wenig realistisch und überzeichnet unsere Gegenwart aufs Extremste, sodass alles sehr futuristisch und bizarr wirkt. Dazu haben mich die Charaktere fast schon abgestoßen, da sie kaum wie richtige Menschen, sondern eher humanoid wirken und kein Identifikationspotenzial für mich hatten. Ihre Gedanken und Handlungsweisen haben mich sehr irritiert und einige Passagen im Roman waren richtig ekelhaft wie eine „Sexszene“ mit Ananasringen oder die Schlachtung eines Schweines, das sein Leben leider (und dass sage ich als Vegetarierin!) nicht zur Herstellung von Wurst lassen musste.
Sollte Bov Berg solch eine befremdliche Gesellschaftsform und Zukunftsdystopie entworfen haben, um uns eindringlich vor den Konsequenzen unseres gegenwärtigen Handelns im sozialen, politischen und ökologischen Kontext zu warnen und uns davor abzuschrecken, ist ihm das auf alle Fälle gelungen.
Stilistisch ist „Der Vorweiner“ wie gesagt ebenfalls gewöhnungsbedürftig. Es dominieren kurze Hauptsätze und der Autor verwendet zahlreiche Neologismen und Alliterationen, die seiner Sprache zwar einen gewissen Rhythmus verleihen, aber auf die Dauer einfach zu viel sind. Der Roman erinnert dabei stellenweise an konstruieret Werbetexte, die den ausufernden Dienstleistungscharakter der dargestellten Gesellschaft wiederspiegeln, da selbst das literarische Schreiben zum reinen, anbiedernden Broterwerb verkommt. Für mich war das zuletzt äußerst anstrengend zu lesen, da der Text dadurch sehr verkünstelt wirkt. Die Neologismen haben mich noch mehr vom Text entfremdet, sodass ich mich trotz aller Bemühungen, mich auf das Buch einzulassen, keinen rechten Zugang gefunden haben. Mir ist unklar geblieben, was der Autor letzten Endes eigentlich aussagen will. Kennzeichnend schien mir zu sein, dass in Bergs Zukunftsdystopie keine Empathie mehr mit Menschen und Umwelt zu herrschen scheint und er uns vor so einer Zukunft warnen will und „Der Vorweiner“ sicher eine Persiflage auf Klimakrise, Migrationspolitik und Dienstleistungsgesellschaft sein soll. Doch der Autor hat einen so befremdliche Art der Darstellung genutzt, dass ich lieber andere Romane empfehlen würde, um über diese Themen literarisch zu reflektieren.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere