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Veröffentlicht am 10.10.2024

Sündenspiegel

Empire of Sins and Souls 1 - Das verratene Herz
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Die junge Zoe lebt verarmt mit ihrer kranken und dementen Mutter in einem bruchfälligen Haus. Um sie beide über Wasser zu halten, ist sie gezwungen zu stehlen und sich zu prostituieren. Als eines Tages ...

Die junge Zoe lebt verarmt mit ihrer kranken und dementen Mutter in einem bruchfälligen Haus. Um sie beide über Wasser zu halten, ist sie gezwungen zu stehlen und sich zu prostituieren. Als eines Tages ein Freier versucht, sie umzubringen, wehrt sie sich und tötet stattdessen ihn. Da ihr das als Mord ausgelegt wird, köpft man Zoe - und damit landet ihre Seele in Xanthia, der Vorhölle, dort, wo alle SünderInnen landen. Der Herr über diese Vorhölle, Graf Alejei, macht ihr ein Angebot, das sie nicht ablehnen kann: Wenn sie ihm drei Relikte stiehlt, schickt er sie zurück in die Menschenwelt. Doch nicht nur das Stehlen der Relikte in Xanthia ist gefährlich, auch seine Bewohner sind es. Und welches Spiel treibt Alexei mit ihr?

Ich fand den Beginn des Buches richtig stark, besonders wenn man bedenkt, dass es sich um Romantasy handelt. Aber Zoe wurde erstmal als eine toughe junge Frau eingeführt, die alles tut, um zu überleben und ihre kranke Mutter zu versorgen. Leider ging die Stärke Zoes in dem Moment krachen, als sie in der Vorhölle auf Alexei trifft. Beinahe instant verwandelt sie sich in ein typisch hilfloses Dummchen, das dem Grafen hinterherhechelt. Auch ist das gesamte Konzept der Vorhölle äußerst wirr und unlogisch aufgebaut, was sich immer dann, wenn Zoe dabei war, ein Relikt zu stehlen, offenbarte. Wie holte Alexei sie aus diesen Situationen? Warum fragt Zoe nicht genau nach, in was sie da verwickelt wird? Viele Dinge werden einfach nicht erklärt. Anfangs gefiel mir auch der Schreibstil ganz gut, bis ich entweder empfindlicher oder er überladender wurde. Sätze wie "Mit jedem Schritt, den ich machte, strömte er (ein bestimmter Duft) tiefer in meine Lungen, wallte in meiner Brust auf wie die stürmische See, mein Herz ein herrenloses Boot, das darauf trieb" waren eher die Regel als die Ausnahme.

Was mich ebenfalls gestört hat: Zoe, die sich selbst verteidigt und um ihr Leben gekämpft hat, wird hier als Mörderin hingestellt und als Sünderin und das in keiner Form reflektiert wird. Mir ist klar, dass die zu der Zeit bzw. in dieser Welt so denken, aber dass das auch für die LeserInnen als allgemeine Wahrheit vermittelt wird, finde ich schrecklich. Ebenso, dass sie sich immer für Sachen entschuldigt hat, die nicht ihre Schuld oder in ihrem Ermessen lagen. Von daher werde ich diese Trilogie nicht weiterverfolgen oder empfehlen.

Veröffentlicht am 23.09.2024

Lückenfüller

Lückenbüßer (Kluftinger-Krimis 13)
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Kluftinger geht in die Politik - oder: Wenn Autoren nichts mehr einfällt, machen sie es genauso. Zumindest fühlte sich für mich das Buch so an. Ich meine, die Reihe geht ja schon seit den letzten Büchern ...

Kluftinger geht in die Politik - oder: Wenn Autoren nichts mehr einfällt, machen sie es genauso. Zumindest fühlte sich für mich das Buch so an. Ich meine, die Reihe geht ja schon seit den letzten Büchern ordentlich den Bach runter, aber so langweilig wie dieses war bisher noch keines. Dabei fing es eigentlich ganz gut an: Kluftinger, als Interimspolizeichef ist verantwortlich für eine Übung am Berg. Doch statt der Fake-Toten gibt es plötzlich einen echten - auch noch einen echten Polizisten und Personenschützer. Also müssen sich Klufti, Richi und Co auf die Suche nach dem Täter machen. Und weil der eigentlich von seinem ersten Auftauchen schon feststand, musste der Krimi mit richtigem Schmarr'n gewürzt werden.

Denn Kluftinger soll jetzt Politiker werden. Damit er sich wieder während des Wahlkampfs und beim Bedienen der ach-so-modernen (gähn) Social Media so richtig subintelligent anstellen kann. Apropos kann: Kann darüber eigentlich wirklich noch jemand lachen? Wenn sich Klufti in sämtlichen technischen Belangen anstellt wie ein Neandertaler? Es fiel schon schwer, in den letzten Büchern überhaupt ein müdes Schmunzeln rauszupressen, aber hier wollten sich die Mundwinkel nicht einmal mehr nach oben bewegen. Und ich selbst nicht zum Lachen in den Keller. Hier wurden so viele Worte verschwendet für Klufti fährt mit Richi durch die Gegend und Klufti streitet sich ewig mit Langhammer und Klufti sucht Pilze oder drückt sich davor, Pilze zu putzen (aber nicht, sie zu essen), dass der eigentliche Fall auf der Strecke blieb. Was in dem Fall allerdings nicht mal einen Verlust bedeutete, da er so konstruiert wurde, dass nicht mal mehr Richi ihn irgendwie schönreden konnte. Was mich zum Fazit bringt: Klufti sollte nicht in die Politik, sondern wirklich langsam in Rente gehen. Fünfhundert Lückenfüllerseiten sind einfach zu viel für ein bisschen Allgäukolorit.

Veröffentlicht am 26.07.2024

1984 auf Wish bestellt

Das Lied des Propheten
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Das Buch hätte Potenzial, es hätte gut sein können, es hatte eine solide Grundidee, eine, die nicht neu ist, nein, aber doch eine, die man mit Geschick und Willen hätte ausarbeiten können. Das Potenzial ...

Das Buch hätte Potenzial, es hätte gut sein können, es hatte eine solide Grundidee, eine, die nicht neu ist, nein, aber doch eine, die man mit Geschick und Willen hätte ausarbeiten können. Das Potenzial wurde in den Himmel geschossen, wurde in die Tonne gekloppt, wurde lieblos zugunsten eines Schreibstils vernichtet, der innovativ sein soll, der auf Absätze, auf Überleitungen, auf Dialoge in dem Sinne verzichtet, dass keine Anführungsstriche gesetzt werden, denn das ist innovativ, das hat die Booker Price Jury überzeugt. Und ich denke mir, nein, wisst ihr was, ich frage mich, wer hat dieses Buch wirklich gelesen, so von Anfang bis Ende. Wirklich irgendjemand. Gab es jemanden, der das nicht völlig verhunzt und anstrengend fand, der sich über die komischen Formulierungen geärgert hat, jemanden, der einfach wirklich mal gesagt hat, hey, was ist das, was soll das, warum muss man eine Fast-Dystopie so gegen die Wand fahren. Das ist ein Buch, bei dem ich das Gefühl habe, dass alle nur den nackten Kaiser sehen, aber rufen, oh, seht die schönen Kleider und wenn jetzt irgendwer denkt, was ist das für eine komische Rezension, wer schreibt denn so anstrengende Rezensionen, der möge dieses Buch lesen und sich dasselbe fragen oder die Finger davon lassen, denn genauso ist das gesamte Buch geschrieben.

Veröffentlicht am 24.07.2024

Der Hüter

How to Seduce a Sorcerer
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Liora lebt nach einem Krieg gegen Zauberer in einer nahezu dystopischen Welt. Es gibt kaum noch etwas zu essen, ihre Geschwister hungern, ihre Mutter ist gestorben und ihr kriegsversehrter Vater ein Trinker. ...

Liora lebt nach einem Krieg gegen Zauberer in einer nahezu dystopischen Welt. Es gibt kaum noch etwas zu essen, ihre Geschwister hungern, ihre Mutter ist gestorben und ihr kriegsversehrter Vater ein Trinker. Als letzter Ausweg erscheint ihr daher das Angebot eines seltsamen Dieners, seinen Herrn zu heiraten; dafür erhält ihre Familie genügend Geld, um gut leben zu können. Als sie in der Burg des Zauberers - denn um diesen handelt es sich bei dem geheimnisvollen Bräutigam - ankommt, wird sie entweder ignoriert oder kalt abgewiesen. Dafür trifft sie auf seltsame Wesen wie den Domovoi oder einen Greifen, winzige Feen oder eine Nymphe. Erst als sie den Zugang zu einem mysteriösen Land mit mythischen Kreaturen entdeckt, verändert sich das Verhalten ihres Ehemannes ...

Der düstere Einstieg in die Geschichte hat mich zwar überrascht, konnte mich aber doch gut mitnehmen. Leider änderte sich das, sobald Liora in der Burg des Zauberers ankommt. Ab da geht die Logik flöten. Der Zauberer braucht eine Frau mit ganz bestimmten Fähigkeiten, hält es aber für unnötig, sich mit seiner neuen Ehefrau darüber auszutauschen oder sie wenigstens auf die Gefahren in der Burg und Umgebung hinzuweisen. Nicht genug, dass er sie damit in Lebensgefahr bringt: Das hat bei ihm Methode. Wegen genau diesen Verhaltens sind bereits zwei Frauen, die er ebenfalls ausgewählt hat, zu Tode gekommen. Es war eindeutig seine Schuld, aber der Typ ist völlig lernresistent. Statt dass sich Liora von ihm abgestoßen fühlt, akzeptiert sie seine lauwarmen Erklärungen dazu und findet ihn plötzlich mega heiß. Auch wirft sie für diesen Typen, der sie wie Dreck behandelt hat, einfach mal so ihr ganzes Leben fort. Mich ärgerte auch, dass hier absolut keinen Wert auf Logik oder vorstellbares Worldbuilding gelegt wurde. Hier, nimm. Krieg mit Zauberern. Zauberer sind jetzt verbannt. Wie denn bitte? Wer will diese Typen mit Magie und Macht überhaupt zu irgendwas zwingen? Und warum all diese sinnlosen Vorschriften, die für die Hüter gelten? Ein lapidares Isso reicht mir nicht.

Wozu überhaupt diese dystopische Welt entwerfen, wenn sie dann überhaupt keine Rolle mehr spielt? Beim "klärenden" Gespräch wird dann mal eben eine Täter-Opfer-Umkehr betrieben, eines der Wesen betreibt auf massivste Weise emotionale Erpressung bei Liora ... Überhaupt Wesen: Dafür, dass es sich hier um Hüter der Wesen handelt, spielen die keine große Rolle. Ein paar werden mal so en passant erwähnt, aber wieso und warum und überhaupt ... Absolut kein vernünftiges Worldbuilding. Beim Ende des Buches musste nicht nur ich an Will Turner aus Fluch der Karibik denken. Mich hatte das Buch gereizt, weil mit Gothic Vibes und Phantastische Tierwesen geworben wurde, aber das war bestenfalls eine nicht sonderlich gute themenbasierte Fanfiction. Und der Titel? Nicht einmal der passt. Mit diesem locker-fluffigen Titel erwartet man auf jeden Fall eine völlig andere Geschichte als die, die dann geboten wird.

Veröffentlicht am 20.12.2023

Sangua

Sangua-Clan 1. Blood Rebel
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Cara ist Anfang 20, hat bereits zum vierten Mal das Studium geschmissen und hat keinen Plan im Leben. Stattdessen geht sie lieber mit ihrer besten Freundin feiern. Eines Abends werden sie zu einer illegalen ...

Cara ist Anfang 20, hat bereits zum vierten Mal das Studium geschmissen und hat keinen Plan im Leben. Stattdessen geht sie lieber mit ihrer besten Freundin feiern. Eines Abends werden sie zu einer illegalen Party in den Katakomben Neapels eingeladen. Dort trifft sie auf Kisa, die sie sofort fasziniert. Beide tanzen, Kisa beißt sie - und Cara wacht drei Tage später als Vampirin auf. Eine Organisation verspricht ihr Rache und Heilung, wenn sie sich in den Vampirclan einschmuggelt und ihnen hilft, diesen zu zerschlagen und Cara stimmt zu. Leider ist ihre Libido der Meinung, dass Rache oder auch nur Gerechtigkeit völlig überbewertet wird ...

Ja, ich habe Action, Blut, rasante Handlung, coole Enemies-to-Lovers-Vibes erwartet und bekam ... etwas lauwarm Aufgewärmtes von Gestern. Beinahe alle Charaktere sind mehr als unsympathisch, Cara ist egoistisch und verantwortungslos und macht eigentlich immer das, was das Dümmste in jeder Situation wäre. Die Handlung zieht sich wie ein Kaugummi, der unter einer Schulbank klebt, ist dazu noch so vorhersehbar, dass selbst Sybill Trelawney wüsste, was demnächst passiert. Beim Endkampf stehen die top ausgebildeten Soldaten herum, würden die ihren Job machen, wäre alles innerhalb von Sekunden erledigt und vergessen. Irgendwer muss der Autorin mal gesagt haben, dass es mega sexy ist, Augen durch Iriden zu ersetzen. Spoiler: ist es nicht. Es stört, besonders, wenn es in so geballter Form auftritt. Auch wenn das Herz gegen einen Rippenkäfig hämmert, klingt das nicht vornehm, sondern einfach nur komisch. Alles in allem habe ich weitaus mehr erwartet, wurde enttäuscht und kann als einzig Positives zu diesem Buch eigentlich nur die Darstellung von Neapel vermerken, die mir wirklich gefallen hat.