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Veröffentlicht am 14.10.2024

Tessa

Tessa
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Tessa geht auf die 30 zu, war Modell und viel mehr erfahren wir aus ihrem „Vorleben“ nicht. Das Buch beginnt mehr oder weniger mit der Trennung von ihrem Freund. Die meiste Schuld daran trägt aber Tessa, ...

Tessa geht auf die 30 zu, war Modell und viel mehr erfahren wir aus ihrem „Vorleben“ nicht. Das Buch beginnt mehr oder weniger mit der Trennung von ihrem Freund. Die meiste Schuld daran trägt aber Tessa, die nicht nur fast krankhaft eifersüchtig ist, sondern auch viel zu viel Alkohol trinkt. Dazu kommen Drogen und Männer. Sowohl Alkohol, Drogen wie auch Männer werden immer mehr und immer wahlloser …
Das Thema des Buches hat mir nicht gefallen und ich wollte eigentlich nur einen Punkt vergeben. Aber das wird weder dem Buch noch der Autorin auch nur ansatzweise gerecht. Denn das Buch ist sehr gut. Anfangs in sehr lakonischen, kurzen und abgehackten Sätzen wird Tessas Zustand beschrieben. Fast stakkatoartig. Später verliert sich das etwas. Doch die Beschreibung der Zustände von Tessa, ihrer Alkohol- und Drogensucht, der Einsamkeit (wirklich und eingebildet), ihrem Absturz sind so lebensecht, dass man eigentlich nur hofft, es ist nichts biografisches der Autorin. Und obwohl ich selbst nie mit solchen Zuständen Erfahrungen gemacht habe, waren sie für mich absolut nachvollziehbar und nicht übertrieben. Tessa rutscht immer mehr nach unten. Und während sie sich anfangs oft noch über Penner und ihre Hygiene aufregt, ist sie bald selbst nicht mehr weit davon entfernt. All das wird abstoßend und berührend zugleich beschrieben. Dabei vermeidet die Autorin jede Be- oder Verurteilung von Tessa und auch mir ging das so. Ich habe das Geschehen verfolgt und das Buch bekam auch mehr und mehr Spannung dadurch, dass ich wissen wollte, wie es endet. Wie wird die Autorin die Probleme lösen: Mit einer kitschigen Rettung Tessas? Mit dem völligen Absturz oder gar Tod? Ich will nichts dazu verraten, aber das Ende ist für mich auch wieder genial gelungen. Das Buch wurde auf dem Umschlag und im Klappentext sehr gelobt. Ich kann mich dem nur anschließen.

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Veröffentlicht am 14.10.2024

Digger Hamburg

Digger Hamburg
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Digger Hamburg ist ein Buch über eine außergewöhnliche Reise- Stephan Boden arbeitet in der Werbebranche und ist das, was man wohl mit gutsituiert bezeichnen würde. Aber er fühlt sich nicht glücklich dabei ...

Digger Hamburg ist ein Buch über eine außergewöhnliche Reise- Stephan Boden arbeitet in der Werbebranche und ist das, was man wohl mit gutsituiert bezeichnen würde. Aber er fühlt sich nicht glücklich dabei und beschließt deshalb eine Segeltour über die Ostsee nach Schweden im Sommer 2012 über mehrere Monate. Zusammen mit seiner Freundin und seinem Hund bricht er auf. Das Wetter macht ihm allerdings mehr als einen Strich durch die Rechnung und ändert öfter seine Pläne. Trotzdem wird die Reise zu einem wichtigen Erlebnis für alle …

Ich habe das Buch an einem Abend durchgelesen. Vom Stil her ist es eher einfach und an die etwas ungewöhnliche Schriftart für ein Buch gewöhnt man sich nach einer Weile. Das Buch ist dreigeteilt: die Erlebnisse des Autors, viele wunderbare Fotos und die Blog-Einträge während der Reise. Insgesamt empfand ich es als sehr hochwertig, gerade durch die Fotos. Vorangestellt ist eine Liste mit den technischen Daten, am Ende folgt eine mit den mitgenommenen Sachen. Dazwischen die Beschreibungen auf See und in den Häfen, die vielen Erlebnisse und Erkenntnisse. Das Buch wurde in einem Seglerverlag verlegt und genau das war für mich als totaler Laie insoweit ein Problem, dass ich anfangs die vielen Fachwörter nachgeschlagen habe, die mit dem Segeln zu tun hatten. Irgendwann habe ich genervt aufgegeben, um den Lesefluss nicht dauernd zu unterbrechen. Ich denke, auch so habe ich den Inhalt verstanden. Hier wären aber ein paar kleine Erläuterungen oder eine Liste mit den wichtigsten Erklärungen sehr hilfreich gewesen. Nicht ganz so gut fand ich auch die direkte Nachfolge der Web-Blogs nach dem Text zu den jeweiligen Tagen, weil man damit alles „doppelt“ las, zumal bei beiden dann auch noch die gleichen Sätze verwendet wurden.
Trotz dieser Anmerkungen hat mir das Buch aber wirklich gut gefallen. Den gewonnenen Erkenntnissen, dass oft weniger mehr ist, dass eine große Yacht nicht automatisch glücklich oder reicher macht usw. kann ich nur vorbehaltlos zustimmen. Das Buch macht Lust auf eine eigene Reise (wenn auch nicht unbedingt auf einem Segelboot), die absolut tollen Fotos verführen zum Träumen.

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Veröffentlicht am 14.10.2024

Wo die Angst ist

Wo die Angst ist
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Ein 19-jähriger Türke wird in Potsdam brutal zusammengeschlagen. Er fällt ins Koma und kämpft tagelang um sein Leben. Ein zufällig vorbeikommender Familienvater hilft ihm und lässt die Polizei rufen. Kurze ...

Ein 19-jähriger Türke wird in Potsdam brutal zusammengeschlagen. Er fällt ins Koma und kämpft tagelang um sein Leben. Ein zufällig vorbeikommender Familienvater hilft ihm und lässt die Polizei rufen. Kurze Zeit später aber wird er ebenfalls zusammengeschlagen und will keine Aussage mehr machen. Er fürchtet um sein Leben und das seiner Familie. Kommissar Kamm beginnt die Ermittlungen und holt sich mehr als wiederwillig Hilfe von der Psychologin Behrens. Ein Duo, dass vor nicht allzu langer Zeit schon aneinander geraten ist. Schnell gibt es einen Verdacht: Schuld hat ein Neonazi. Doch die Ermittlungen ziehen sich hin und es gibt eine Überraschung nach der anderen.
Das Buch ist ein gelungener Debütroman mit kleineren Schwächen. Es ist ein klassischer Krimi, bei dem man die Ermittlungen gut verfolgen kann. Mich haben ein bißchen die oft verwendeten Klischees gestört und das zu viel an Theoretisieren der Psychologin. Dadurch büßte das Buch etwas an Spannung ein – vor allem im mittleren Teil. Trotz allem aber war das Buch insgesamt gut und flüssig zu lesen. Die Ermittlungen waren logisch nachvollziehbar, die Spannungen zwischen dem Kommissar und der Psychologin ebenfalls. Das Ende war dann doch ein sehr gelungen und lange so nicht absehbar.

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Veröffentlicht am 14.10.2024

Englische Geschichte

Die Mitford Schwestern
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Mitglieder der adligen Familie Mitford spielen in England eine große Rolle, allen voran die drei ältesten Schwestern. Sie bewegen sich in den oberen Etagen der High Society und verursachen mehr oder weniger ...

Mitglieder der adligen Familie Mitford spielen in England eine große Rolle, allen voran die drei ältesten Schwestern. Sie bewegen sich in den oberen Etagen der High Society und verursachen mehr oder weniger regelmäßig diverse Skandale. Sei es, weil eine Scheidung ansteht. Sei es, weil sie zum Kommunismus oder zu den Nazis neigen. Zwei der Schwestern werden sogar glühende Anhänger von Hitler und verkehren in dessen engstem Kreis

Ich fand das Buch sehr interessant. Ich hatte von den Schwestern vorher nicht bewusst etwas gewusst. So war alles Neuland, was ich über die drei älteren Schwestern erfahren habe. Die Geschichte wird in unterschiedlichen Kapiteln jeweils aus Sicht einer Schwester erzählt und die Autorin hat sich um große Neutralität bemüht. So stehen die Bemühungen der beiden Schwestern in Deutschland dem Helfen wollen der anderen Schwester in Spanien oder in französischen Lagern gegenüber. Es ist erstaunlich, wie sie die Weltgeschichte vielleicht sogar hätten ändern können. Das alles ist gut beschrieben und nachvollziehbar erklärt. Von mir gibt es eine Leseempfehlung

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Veröffentlicht am 11.10.2024

Ich und Monsieur Roger

Ich und Monsieur Roger
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Helene ist 8 und lebt mit ihren 3 Schwestern und den Eltern, die beide Lehrer sind, in einem ziemlich heruntergekommenen Viertel. Sie sind nicht arm, aber sie kommen nur mit Mühe über die Runden. Der Vater ...

Helene ist 8 und lebt mit ihren 3 Schwestern und den Eltern, die beide Lehrer sind, in einem ziemlich heruntergekommenen Viertel. Sie sind nicht arm, aber sie kommen nur mit Mühe über die Runden. Der Vater ist mit seiner Arbeit totunglücklich und beginnt, mehr und mehr zu trinken. Die Mutter, versucht die Familie über die Runden zu bringen, ist aber oft an der Grenze ihrer Möglichkeiten und daher ziemlich hart geworden. Ihr Wort ist Gesetz, obwohl sie im Inneren doch einen weichen Kern hat. Helene macht sich 2 Jahre älter, nennt sich Joe und trägt Zeitungen aus, um so die Familie zu unterstützen. In die Nachbarschaft zieht Roger – ein über 80-jähriger alter verbitterter und einsamer Mann, der ständig flucht. Als er Helene aber vor einer Vergewaltigung rettet, werden sie mehr und mehr Freunde ...
Anfangs hatte ich meine Schwierigkeiten mit dem Buch. Ich fand einfach keinen Zugang. Es lag nicht unbedingt am Stil, aber ich konnte mich mit den Figuren nicht so recht anfreunden. Helene ist nicht wie ein 8-jähriges Kind, egal in welchem Alter, sie ist immer ihrer Zeit um Längen voraus und spricht auch nicht wie ein Kind. Und das Buch ist aus ihrer Sicht geschrieben. Auf der anderen Seite ist sie auch sehr naiv und lebt mit einer Trickfilmfigur namens Oscar. Ab Mitte des Buches wurde es aber für mich immer besser. Ich bewunderte Helene, wie sie trotz des heruntergekommenen Viertels und ihren familiären Schwierigkeiten nie ihren Humor verliert, immer irgendwie nach vorn sieht, sehr pragmatisch ist und auch sehr optimistisch. Am Ende war es irgendwie ein sehr berührendes und nachdenkliches Buch. Die Figuren konnten sich entwickeln und waren nicht nur schwarz/weiß, sondern mit vielen Facetten dazwischen. Immer blitze auch ein gewisser Humor durch. Alles in allem doch eine angenehme Überraschung und ich würde das Buch weiterempfehlen.

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