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Veröffentlicht am 17.10.2024

Als wir unsterblich waren

Als wir unsterblich waren
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November 1989: Die Grenzen sind gerade offen und im Taumel dieses ersten Stunden fährt auch Alexandra mit ihrer Freundin nach Westberlin. Eigentlich will sie da nicht wirklich hin und fühlt sich in den ...

November 1989: Die Grenzen sind gerade offen und im Taumel dieses ersten Stunden fährt auch Alexandra mit ihrer Freundin nach Westberlin. Eigentlich will sie da nicht wirklich hin und fühlt sich in den Menschenmassen auch sehr unwohl. Als sie fast stürzt, fällt sie Oliver in die Arme. Er ist Westberliner Student – und es ist für beide Liebe auf den ersten Blick. Nach einigen Tagen voll Glück fährt Alexandra zurück nach Ostberlin. Dort wohnt sie mit ihrer Oma, weitere Familienangehörige gibt es nicht. Die Oma ist schon 93 und als ihr endlich Oliver vorgestellt wird, bricht sie zusammen und muss ins Krankenhaus. Versuche von Alexandra, die Gründe der Ablehnung zu erfahren, blockt sie ab. Erst nach und nach erzählt sie ihre Geschichte: diese beginnt vor dem 1. Weltkrieg und es ist die Geschichte von einigen Freunden, von Familie, von ganz viel Politik und dem Zeitgeschehen bis zur Machtergreifung der Nazis …

Die Autorin Charlotte Roth hat in dem Buch auch einen Teil der eigenen Familiengeschichte verarbeitet. Ich hatte bis ungefähr Mitte des Buches ein wenig Probleme damit. Mir erschienen die vielen politischen Ausführungen ein wenig zu lang und die Geschichte ging für mich etwas zäh vorwärts. So verlor ich etwas die Lust am Weiterlesen. Ab der Mitte des Buches änderte sich das aber. Die Handlung verlagerte sich mehr auf die vielen Familienmitglieder und auf die Freunde. Natürlich wurde die Politik auch mit einbezogen, aber sie war mehr in den Auswirkungen für die Menschen spürbar, nicht ganz so allgemein wie am Anfang. So begann mir das Buch mehr und mehr zu gefallen. Ich wollte wissen, wie es mit den Menschen weiterging und wie dann alles in der Wendezeit mit Alexandra und Oliver zusammenhing. Diese Wechsel zwischen Vergangenheit und relativer Gegenwart sind gut gelöst. Die Figuren des Buches sind zum größten Teil sehr gut beschrieben, die Handlungen nachvollziehbar. Gerade die auch hier beschriebenen 20er Jahre werden oft als die „goldenen“ gezeigt, doch hier werden auch die Auswirkungen auf die einfachen Leute und deren Schwierigkeiten beschrieben. Auch die Schwierigkeiten der damaligen Linke, die Trennung, das gegenseitige Nichtverstehen. Das Buch ist ein Teil guter Geschichte, gleichzeitig ist es aber auch Geschichte.

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Veröffentlicht am 17.10.2024

Celeste bedeutet Himmelblau

Celeste bedeutet Himmelblau
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In einem kleinen Ort im Odenwald wird auf einem Feld ein Bauer entdeckt. Er ist schon mehrere Tage tot und wurde nicht vermisst, denn er ist ein Einzelgänger ohne Familie. Zuerst sieht es wie ein tragischer ...

In einem kleinen Ort im Odenwald wird auf einem Feld ein Bauer entdeckt. Er ist schon mehrere Tage tot und wurde nicht vermisst, denn er ist ein Einzelgänger ohne Familie. Zuerst sieht es wie ein tragischer Unfall aus, doch die Polizei stellt bald fest, der Bauer wurde erstochen. Die üblichen Ermittlungen beginnen und die „Dorfpolizisten“ Brunhilde und Frank müssen den Fall bald an die übergeordnete Stelle abgeben. Brunhilde ist das ganz Recht, sie steht kurz vor der Rente. Frank ist neu im Ort, jung und ihm kommt vieles an dem Fall komisch vor. So ermittelt er auf eigene Faust und gerät bald in einen viel größeren Fall als nur einen „einfachen Mord“ …

Das Buch ist ein klassischer Krimi. Es gibt einen Toten, die Ermittlungen beginnen und man kann sie nachverfolgen. Die Spannung hält sich am Anfang doch in Grenzen, was für mich aber nicht schlimm war. Ich fand das Buch richtig gut lesbar, die Motive nachvollziehbar und die Figuren gut gezeichnet. Brunhilde – mit viel Erfahrung am Ende ihres Berufslebens – auf Ausgleich mit den Dorfbewohnern bedacht und für die Einhaltung der Gesetzes sorgend. Frank, dem als Neuer die Ablehnung der Alteingesessenen entgegenschlägt, der noch viele Ideale hat und unkonventionell denkt, der zudem unsicher ist und manchmal über das Ziel hinausschießt, ist trotz allem sehr sympathisch. Die Erweiterung des Falls über einen klassischen Mord hinaus ist gut gelungen. Das Ende birgt einige Überraschungen.

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Veröffentlicht am 17.10.2024

13 Tage

Dreizehn Tage
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Eine Familie – Vater, Mutter, 2 kleine Kinder – werden ermordet. Am Tatort findet man nur die Worte „13 Tage“. Alice Madison ist neu in der Mordkommission. Sie wird sozusagen von den Kollegen und ihrem ...

Eine Familie – Vater, Mutter, 2 kleine Kinder – werden ermordet. Am Tatort findet man nur die Worte „13 Tage“. Alice Madison ist neu in der Mordkommission. Sie wird sozusagen von den Kollegen und ihrem Partner getestet, ob sie für die Arbeit auch geeignet ist. Bei den Ermittlungen stoßen sie bald auf Cameron – in ihren Augen ein schon lange gesuchter Verbrecher. Alle Indizen deuten darauf, dass er auch dieses Verbrechen begangen hat. Doch da gibt es noch Quinn – anerkannter Anwalt, aber auch Freund und Anwalt von Cameron, der verhindert, dass die Beamten Kontakt zu Quinn bekommen. Doch im Laufe der Ermittlungen kommen Alison und ihrem Partner starke Zweifel an der Schuld von Cameron in diesem Fall …

Anfangs ist es mir schwer gefallen, in das Buch reinzufinden. Es lag sicher auch daran, dass ich wenig Zeit zum Lesen hatte. So waren die vielen neu vorgestellten Personen sehr verwirrend für mich und ich musste mich jedes Mal neu einlesen. Das fand ich nicht so glücklich. Als ich dann mehr Zeit hatte und das Buch richtig am Stück lesen konnte, war es wesentlich leichter, die Handlung zu verfolgen und die Personen richtig zuzuordnen. Das Buch war dann sehr gut lesbar. Ich vermisste ein wenig die Spannung beim Lösen des Falls. Auch die Rückblenden der verschiedenen Personen fand ich nicht immer sehr hilfreich. Dagegen gefielen mir Alison und ihr Partner sehr gut. Das Austesten ihrer Fähigkeiten gefiel mir gut. Die Klärung des Falls war nachvollziehbar, die Lösung verständlich. Insgesamt ein gut gelungenes Buch.

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Veröffentlicht am 17.10.2024

Die Illusion des Getrenntseins

Die Illusion des Getrenntseins
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Das Buch beginnt in der Gegenwart in Los Angeles. Martin arbeitet in einem Altersheim als Hausmeister und führt ein zurückgezogenes Leben. Er weiß, dass er gegen Ende des II. Weltkrieges in Paris „abgegeben“ ...

Das Buch beginnt in der Gegenwart in Los Angeles. Martin arbeitet in einem Altersheim als Hausmeister und führt ein zurückgezogenes Leben. Er weiß, dass er gegen Ende des II. Weltkrieges in Paris „abgegeben“ wurde. Eine fremde Frau hat ihn in der Bäckerei abgegeben. Die Leute haben ihn später adoptiert und ihm auch erzählt, wie er zu ihnen kam. Sie sind mit Martin später nach Amerika ausgewandert, haben dort ein Cafe eröffnet, das heute seine Schwester führt. Martin weiß eigentlich nicht wirklich, wer er ist. Eines Tages kommt ein alter Herr aus England in das Heim, doch schon am ersten Tag stirbt er …
Und so geht das Buch Kapitel um Kapitel weiter. Es beginnt in der Gegenwart und die nächste Geschichte wird dann sozusagen eine Generation rückwärts erzählt – in England, Frankreich oder den USA. Anfangs ist es unklar, wie die Personen zusammenhängen. Doch mit jeder kleinen Geschichte wird immer mehr eine Verknüpfung erfolgen und die Personen kommen sich näher, als sie selbst denken. Es geht um Liebe, Freundschaft, selbstlose Hilfe und um ganz unerwartete Wendungen.
Das Buch ist leider sehr dünn. Es ist wunderbar poetisch geschrieben und die Verknüpfung der Menschen und der Geschichten ist traumhaft gelungen. Was ich sehr bedauere ist, dass die Geschichten nur so kurz sind. Hier hätte man daraus auch einen sehr schönen dicken Roman machen können und alles noch viel ausführlicher erzählen. Sehr gut gelungen ist wirklich die Übersetzung.

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Veröffentlicht am 17.10.2024

Sommerfreundinnen

Sommerfreundinnen
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„Sommerfreundinnen“ hat mich angenehm überrascht. Es geht um 4 Frauen Ende 40 bis Mitte 50, die schon lebenslang eng befreundet sind. Nun stirbt eine – Sonja – für die anderen 3 sehr überraschend und hinterlässt ...

„Sommerfreundinnen“ hat mich angenehm überrascht. Es geht um 4 Frauen Ende 40 bis Mitte 50, die schon lebenslang eng befreundet sind. Nun stirbt eine – Sonja – für die anderen 3 sehr überraschend und hinterlässt ein Testament, dass es in sich hat. Die drei verbleibenden Freundinnen Susanne, Maggan und Rebecka sollen innerhalb von 3 Monaten Aufgaben erfüllen. Susanne und Rebecke ihre Arbeit als Stewardess bzw. Geschäftsführerin aufgeben und 5 kg zunehmen, Maggan 5 abnehmen und weniger Zeit mit ihrer Familie, speziell dem Enkel, verbringen. Für diese Zeit erbt jede 500.000 Kronen. Doch richtig viel Geld gibt es erst nach einem weiteren Jahr. In dieser Zeit hat Sonja für jede etwas vorgesehen, worüber sie aber mit Fremden nicht sprechen dürfen. Und sie müssen die Bedingungen erfüllen, und zwar alle 3. Steigt eine aus, verlieren auch die beiden anderen. Und so beginnt für alle 3 eine sehr ungewöhnliche Zeit.
Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Es ist wunderbar leicht geschrieben. Man kann die Freundinnen verstehen, ihre Trauer am Anfang, ihre Angst vor den großen Veränderungen, ihre Freude, wenn etwas geschafft wird. Aber auch ihre Freundschaft untereinander, die allen Belastungen Stand hält, die oft das Wichtigste in dieser Zeit ist. Es zeigt, dass es auch in einem Alter – gar nicht so weit von der „Rente“ entfernt- möglich ist, Veränderungen vorzunehmen. Im Buch sind sie durch Sonja vorgegeben und auch finanziell abgesichert. Im wahren Leben ist das sicher nicht immer so leicht möglich, aber es gibt die Chance. Das Buch zeigt: man sollte sie nutzen, sich nicht scheuen, Hilfe anzunehmen, etwas riskieren.
Nicht so gut gefallen hat mir das Ende des Buches – hier wird leider wirklich alles zum wahren Glück „geregelt“. Für mich war es einfach zu viel des guten. Und dann die deutsche Titelübersetzung. Sommerfreundinnen klingt so nach Freundschaft für einen Sommer, nur für gute Zeiten. Gerade das ist im Buch eher das Gegenteil – Freundschaft auch in schlechten Zeiten. Das Cover ist sehr schön gelungen.

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