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Veröffentlicht am 17.10.2024

Sie ging nie zurück

Sie ging nie zurück Die Geschichte eines Familiendramas
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Die Autorin Emma Brockes beschreibt die Geschichte ihrer Familie, speziell ihrer Mutter Paula, die aus Südafrika stammt. Diese ist 2, als ihr Mutter stirbt. Sie wächst bei ihrem Vater Jimmy auf, der bald ...

Die Autorin Emma Brockes beschreibt die Geschichte ihrer Familie, speziell ihrer Mutter Paula, die aus Südafrika stammt. Diese ist 2, als ihr Mutter stirbt. Sie wächst bei ihrem Vater Jimmy auf, der bald wieder heiratet und mit Paulas „Stiefmutter“ Majorie noch mehrere Kinder bekommt. Für Paula sind das ihre Schwestern und Brüder. Sie wachsen im Südafrika der Apartheid auf und es scheint eine normale Familie zu sein. Paula verlässt Ende 20 ihre Familie, zieht nach England, heiratet und bekommt ihr einziges Kind – Emma. Emma hat eine behütete normale englische Kindheit und empfindet die Mutter als etwas außergewöhnlich, schreibt das aber ihrer südafrikanischen Abstammung zu. Auch einige Andeutungen über eine problematische Kindheit der Mutter werden nicht wirklich für ganz Ernst genommen. Erst mit der Krebserkrankung erzählt ihr dann die Mutter, dass sie als Kind von ihrem eigenen Vater missbraucht wurde. Für ausführliche Gespräche ist es dann aber zu spät und so entschließt sich Emma, selbst nach Südafrika zu fahren, um die Hintergründe zu recherchieren und ihre Familie, vor allem die Geschwister ihrer Mutter, kennenzulernen. Doch es ist nicht einfach, über dieses „Familiengeheimnis“ zu sprechen.

Das Buch hat mich sehr berührt. Es ist nicht nur wunderbar geschrieben und ebenso wunderbar zu lesen. Es ist der Dank und die Hochachtung an Emmas Mutter, die trotz oder grade wegen der Kindheitserlebnisse eine unheimlich starke Frau wurde, die versuchte, das Beste aus ihrem Leben zu machen. Und vor allem, ihrer Tochter das Beste mitzugeben und sie zu beschützen, ohne sie allzu übermächtig einzuengen. Es ist ein Buch über Gewalt in der Familie, ohne dass diese Gewalt ausführlich und überdetailliert beschrieben wurde. Auch so weiß man genau, worum es geht und was die Autorin meint. Die Autorin hat meist sehr distanziert geschrieben. So hatte ich oft das Gefühl, dass die Geschichte vor vielen Jahren gespielt hat – bis am Beginn eines neuen Kapitels ein Foto zu sehen war und mir erschreckend klar wurde, wie nah das alles ist, wie weig Zeit vergangen ist, wie aktuell das Buch ist. Ich bewundere Emmas Mut, über diese furchtbaren Ereignisse zu schreiben. Noch mehr bewundere ich Paula, wie sie damit fertig geworden ist.

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Veröffentlicht am 17.10.2024

Deiner Seele Grab

Deiner Seele Grab (Dühnfort 6)
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Eine alte Frau wird ermordet aufgefunden. Eigentlich wäre ihr nicht natürlicher Tod niemandem aufgefallen, wenn der Mörder sie nicht ins Bett gelegt hätte mit Weintrauben und Apfel in den Händen. So beginnt ...

Eine alte Frau wird ermordet aufgefunden. Eigentlich wäre ihr nicht natürlicher Tod niemandem aufgefallen, wenn der Mörder sie nicht ins Bett gelegt hätte mit Weintrauben und Apfel in den Händen. So beginnt Kommissar Dühnfort mit seinem Team die Suche nach dem Mörder. Schnell ins Visier gerät die vermeintliche polnische Putzfrau Elena. Ein weiterer Mord an einem Mann passiert auf gleiche Weise. Doch dieses Mal scheint Elena nicht dabei gewesen zu sein. Während die Untersuchungen fortlaufen, hat Kommissar Dühnfort noch mit einem ganz anderen Problem zu kämpfen. Während eines Verhöres in einer anderen Sache versucht die Frau, auf ihn loszugehen. Während des Gerangels fällt sie unglücklich und beschuldigt danach den Kommissar, sie geschlagen und verletzt zu haben. Ein Kollege von Dühnfort bezeugt dies und so wird er von dem Fall abgezogen und innerpolizeiliche Untersuchungen beginnen. Dann beginnt auch noch die Presse davon zu erfahren …

Das Buch ist in meinen Augen ein sehr gelungener Krimi. Viele Handlungsstränge verlaufen gleichzeitig. Trotzdem hat man nie das Gefühl, etwas durcheinanderzubringen oder zu verwechseln. Selbst die privaten Angelegenheiten der Polizisten, der Opfer oder beteiligten Personen und der Verdächtigen passen irgendwie immer sehr gut mit ins Geschehen und kommen immer wieder auf die eigentliche Handlung zurück. Am Anfang ist das Buch nicht direkt spannend, aber das tut dem Ganzen keinen Abbruch. Ich kam nicht eine Sekunde in Versuchung, den Krimi aus der Hand zu legen – im Gegenteil: letztendlich saß ich einige Stunden fest und las in einem Rutsch. Für mich immer ein Zeichen für ein sehr gutes Buch. Die Auflösung selbst im letzten Drittel hat mich dann zwar nicht direkt überrascht, ist aber in meinen Augen trotzdem sehr gelungen. Ein Buch – das ich auf jeden Fall sofort weiterempfehlen würde.

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Veröffentlicht am 17.10.2024

Mandela

Mandela
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Der weiße Südafrikaner Christo Brand hat eine unbeschwerte Kindheit. Er wächst auf dem Land in einer eher armen, aber toleranten Familie auf. So hat er auch in Zeiten der tiefsten Apartheid Kontakte zu ...

Der weiße Südafrikaner Christo Brand hat eine unbeschwerte Kindheit. Er wächst auf dem Land in einer eher armen, aber toleranten Familie auf. So hat er auch in Zeiten der tiefsten Apartheid Kontakte zu farbigen Südafrikanern und empfindet das als normal. Um nicht in die Armee zu müssen, entscheidet er sich für eine Ausbildung als Gefängniswärter und kommt mit 19 Jahren als Wärter in das berüchtigte Gefängnis Robben Island. Dort versieht er seinen Dienst genau nach Vorschrift und kommt bald auf einen Posten, bei dem er die Post der Gefangenen kontrollieren muss. Kurze Zeit später wird er direkter Wärter von Nelson Mandela und seinen miteingekerkerten Freiheitskämpfern. Obwohl diese politischen Häftlinge in ganz strenger Isolation gehalten werden, schafft es das Regime nicht, sie zu brechen. Sie bewahren sich über Jahre ihren Mut, Kampfgeist und ihre Menschenwürde. Anfangs ist Brand eher davon begeistert, wie „leicht“ diese Häftlinge zu bewachen sind, dass sie keine Probleme machen und immer freundlich zu den Wärtern sind. Umgekehrt versucht Brand dann auch, den politischen Häftlingen so menschlich wie möglich zu begegnen, sie nicht zu schikanieren und im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten zu unterstützen und ihnen die schweren Bedingungen zu erleichtern. Später wird er mehr und mehr in den Bann dieser so außergewöhnlichen Menschen – und gerade von Nelson Mandela – gezogen. Aus einer Wärter-Häftling-Beziehung entwickelt sich gegenseitige Hochachtung und spätere Freundschaft, die auch nach der Freilassung über Jahre anhält.
Das Buch erzählt in direktem einfachen Stil die Geschichte von Brand, angefangen über seine Jugend, seine Entwicklung und auch sein privates Leben. Dies allerdings nur in wenigen Worten . Hier hätte ich mir manchmal etwas mehr Ausführlichkeit gewünscht. Der überwiegende Teil des Buches handelt von der Haftzeit Mandelas und auch von der Zeit seiner Freilassung. Es ist beeindruckend, wie diese außergewöhnliche Persönlichkeit die Bedingungen der Haft überstanden hat, immer Mensch geblieben ist, trotzdem ganz normale Schwächen hatte. Aber noch viel mehr Stärken. Man kann ihn nur als Vorbild haben. Es ist auch interessant, über die wirklichen Zeiten und Bedingungen der Haft zu lesen – geschrieben von jemandem, der direkt dabei war, nicht von Hörensagen, sondern aus eigenem Erleben. Das Buch beschreibt gut die so außergewöhnliche und anrührende Beziehung zwischen zwei so unterschiedlichen Menschen. Ergänzend dazu gibt es 2 Blöcke mit Fotos – sowohl von Mandela wie auch von Brands Familie. Ich kann das Buch jederzeit weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 17.10.2024

Tribunal

Tribunal
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Jasna Brandic ist Ermittlerin des Tribunals in Den Haag. Sie sucht und findet Beweise für die Ankläger, bringt Zeugen nach den Haag und ist darin eine der Besten. Im Moment ist der Massenmörder Kovac angeklagt. ...

Jasna Brandic ist Ermittlerin des Tribunals in Den Haag. Sie sucht und findet Beweise für die Ankläger, bringt Zeugen nach den Haag und ist darin eine der Besten. Im Moment ist der Massenmörder Kovac angeklagt. Doch der Prozess zieht sich in die Länge, denn Kovac schafft es noch aus dem Hochsicherheitsgefängnis heraus, Nachrichten zu übermitteln und Befehle zu erteilen. Er war der Anführer der „Wölfe“ – eine der schlimmsten Banden im Krieg im Ex-Jugoslawien. Viele Verbrechen gehen auf sein Konto. Und auch jetzt gibt er Befehle, Zeuginnen einzuschüchtern, der Familien zu drangsalieren und sogar zu töten. Jasna hat es geschafft, einen Kronzeugen nach Den Haag zu bringen. Er war nach Kovac einer der führenden Köpfe der Wölfe, will aber mittels einer Kronzeugenregelung gegen Kovac aussagen. Doch dazu kommt es nicht, denn beim Transport ins Gericht wird er und seine Bewacher getötet. Jasna ist die einzige die überlebt … Doch ein weiterer Kriegsverbrecher und Vertreter von Kovac will gegen ihn aussagen und so fährt Jasna wieder nach ins Krisengebiet und ahnt nicht, was sie dort wirklich erwarten wird ..

„Tribunal“ ist ein starkes Buch. Anfangs gefiel mir der sehr direkte und oft militärisch kurze lakonische Stil nicht. Doch im Laufe des Buches gewöhnte ich mich nicht nur daran, sondern fand ihm auch dem Thema und der Umsetzung nach sehr angemessen. Auch wenn die Handlung schon einige Jahre zurückliegend spielt, ist das Buch hochaktuell – denn die grauenhaften Verbrechen finden auch heute noch in diversen Bürgerkriegen statt. Jede Seite hat eine Begründung dafür. Als Außenstehender fragt man sich aber entsetzt, ob es diese Begründung wirklich Wert sein kann, dass dafür so viele Menschen auf so grausame Art gefoltert und getötet werden müssen. Ich denke, kein Argument spricht dafür. Diese Kriegsverbrecher sind so abgrundtief schlecht, sie hätten auch immer einen Grund gefunden, diese Verbrechen zu begehen. Nur hatten sie während des Krieges mehr Zeit dafür und wurden nicht belangt. Erschreckend ist auch, wie lange diese Denkweisen noch nachwirken, wie lange solche Verbrecher noch Unterstützung und Hilfe finden, wie schwer es ist, sie wirklich zu belangen. Das Buch beschönigt nichts. Trotzdem ist es dem Autor gut gelungen, einen unterhaltsamen und spannenden Thriller zu verfassen. Jasna ist keine Überheldin, sie muss viele Niederlagen einstecken und auf vieles verzichten. Sie muss schwere Entscheidungen fällen, doch diese sind nachvollziehbar. Ich kann das Buch uneingeschränkt weiterempfehlen.
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Veröffentlicht am 14.10.2024

Der Stalker

Der Stalker (Ein Marina-Esposito-Thriller 2)
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Eine junge Frau liegt im Bett und hat einen Alptraum. Ein grässlicher Mann steht vor hier, zieht ihr das Hemd hoch, berührt sie überall. Sie hat Todesangst. Doch es ist ja nur ein Alptraum. Als sie am ...

Eine junge Frau liegt im Bett und hat einen Alptraum. Ein grässlicher Mann steht vor hier, zieht ihr das Hemd hoch, berührt sie überall. Sie hat Todesangst. Doch es ist ja nur ein Alptraum. Als sie am nächsten Morgen erwacht, findet sie am Fenster ein Foto von sich mit einer Widmung. Es war kein Alptraum, sondern brutale Realität. Sie geht zur Polizei. Doch bei der üblichen Überprüfung wird festgestellt, dass sie früher bereits einen Anzeige gegen einen Stalker – ihren Unilehrer – gemacht hat. Aber damals konnte nichts nachgewiesen werden. Lügt sie jetzt? Bildet sie sich das alles ein?
Ihre Freundin übernachtet bei ihr und die Nacht endet schrecklich. Ihre Freundin wird ermordet, sie selbst entführt.
Gleichzeitig ist Kommissar Phil Brennan mit einem anderen Fall beschäftigt. Eine junge Frau wird ermordet auf einem Boot gefunden. Sie kommen nicht richtig in dem Fall weiter. Denn auch Phil ist nicht völlig auf der Höhe der Aufgaben. Seine Beziehung ist nicht in Ordnung, ohne dass er den Grund weiß. Dann verlässt ihn seine Freundin mit seiner Tochter plötzlich und sein Schmerz darüber lässt ihn nicht immer konzentriert an seine dienstlichen Aufgaben gehen. Dazu kommt noch, dass er mehr als nur ein kleines Problem mit seinem dienstlichen Vorgesetzten hat, eine für ihn völlig unfähige Profilerin vor die Nase gesetzt bekommt und eine seine Untergebenen ein Verhältnis mit seinem Chef hat. Keine guten Voraussetzungen für vernünftige Ermittlungen.
Und es kommt noch schlimmer, denn die erste Leiche bleibt nicht die einzige …
Tania Carver ist mit „Der Stalker“ wieder ein sehr spannender Thriller gelungen. Man bekommt sehr schnell die Information, was der „Täter“ denkt. Doch die Hintergründe erfährt man dann erst im letzten Viertel des bis dahin sehr spannenden Buches. Die Vermischung von Dienst- und Privatleben der Ermittler ist glaubhaft und gut gelungen, ohne allzu sehr im Vordergrund zu sein. Die Figuren sind nicht nur einfach schwarz oder weiß, sondern haben oft Zwischentöne. Gerade bei den Ermittlern wirkt das sehr menschlich. Auch die Nebenfiguren sind sehr gut beschrieben. Insgesamt gelingt es über die ganze Zeit, die Spannung sehr hoch zu halten. Auf eine zu detaillierte Beschreibung der Ermittlungen wird verzichtet, man kann dem ganzen aber problemlos folgen. Das Ende ist dann interessant gelöst.

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