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Veröffentlicht am 18.10.2024

Außergewöhnlicher Krimi

Spiegelberg
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Cora ist Journalistin und beobachtet während einer Feier, wie die ehemalige Botschafterin von Frankreich mit einem Mann in Streit gerät und wenig später hat die Frau einen Unfall. Sie bittet Cora, Camille ...

Cora ist Journalistin und beobachtet während einer Feier, wie die ehemalige Botschafterin von Frankreich mit einem Mann in Streit gerät und wenig später hat die Frau einen Unfall. Sie bittet Cora, Camille zu schützen. Cora hat keine Ahnung, wer das überhaupt ist. Als sie recherchiert, begegnet ihr überall nur Ablehnung bis Hass. Und je tiefer sie die Geheimnisse hinterfragt, desto gefährlicher wird es für sie.

Das Buch ist der dritte Teil der Reihe um die Journalistin Cora. Ich kannte die Vorgängerteile nicht, allerdings war das für das Verständnis dieses Buches kein Problem. Wichtige Sachen der Vergangenheit wurden zumindest kurz skizziert und ansonsten steht die Geschichte eigenständig für sich. Von Beginn an ist eine große Grundspannung vorhanden, die sich im Verlauf des Buches von Kapitel zu Kapitel immer mehr steigert. Die Geschichte hat viele, zum Teil völlig unvorhergesehene, Wendungen. Ganz nebenbei erfährt man viel zur Geschichte der Kantone Jura und Bern und die Probleme in den 1980er Jahren, von denen ich vorher nie etwas gehört hatte. Dieser historische Ausflug macht das Buch ebenfalls sehr interessant und zu einem ungewöhnlichen und aus der Masse herausstehenden Krimi, für den ich eine Leseempfehlung ausspreche

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Veröffentlicht am 17.10.2024

Der Totschläger

Der Totschläger (Ein Hunter-und-Garcia-Thriller 5)
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Detective Robert Hunter erhält einen Anruf. Er soll eine Internetseite aufrufen und dort sieht er gemeinsam mit seinem Kollegen Garcia einen Mann in einem Glaskasten. Der Anrufer fordert den Detektiv auf ...

Detective Robert Hunter erhält einen Anruf. Er soll eine Internetseite aufrufen und dort sieht er gemeinsam mit seinem Kollegen Garcia einen Mann in einem Glaskasten. Der Anrufer fordert den Detektiv auf zu entscheiden, wie der Mann sterben soll: ertrinken oder verbrennen. Ein perfides Spiel beginnt und die Detectivs müssen zusehen, wie der Mann auf bestialische Weise stirbt. Doch die Ermittlungen bringen keine Ergebnisse. Tage später wieder ein Anruf: dieses Mal sollen sie eine andere Webseite aufrufen und müssen den nächsten Mord beobachten – dieses Mal können die User entscheiden, wie getötet werden soll. Auch hier bringen die Ermittlungen nur wenige Fortschritte, statt dessen kommt der Täter näher und näher … und bald ist auch Garcias Frau betroffen. Für den Täter ist das alles ein Spiel – für die Ermittler leider blutiger Ernst und auch die Unterstützung des FBI bringt sie nicht wirklich weiter.

Das Buch ist Klasse. Wieder ein Chris Carter vom Feinsten. Wer den Autor kennt, weiß auch, dass die Todesarten und die Beschreibung oft sehr detailliert und hart sind. Aber von der ersten Seite an ist hier absolute Spannung da. Man kann die Ermittlungen direkt verfolgen. Es gibt nur kleine „Ablenkungen“, wie das Privatleben der Ermittler, aber immer die direkte „Sicht“ auf die Opfer. Gnadenlos geht es vorwärts. Dazu kommt, dass die Ermittlungen gut nachvollziehbar sind, nur ein Mindestmaß an technischen Erklärungen ist nötig. Die Lösung des Falls und damit die Motive des Täters sind verständlich. Für mich das einzige Manko ist der deutsche Titel, den ich überhaupt nicht verstanden habe. Das Original „One by one“ beschreibt den Inhalt um Längen besser. Trotzdem: absolut spannend für Leute, die auf „harte“ Thriller stehen, absolut empfehlenswert. Eigentlich sind 5 Punkte noch zu wenig.

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Veröffentlicht am 17.10.2024

Sie ging nie zurück

Sie ging nie zurück Die Geschichte eines Familiendramas
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Die Autorin Emma Brockes beschreibt die Geschichte ihrer Familie, speziell ihrer Mutter Paula, die aus Südafrika stammt. Diese ist 2, als ihr Mutter stirbt. Sie wächst bei ihrem Vater Jimmy auf, der bald ...

Die Autorin Emma Brockes beschreibt die Geschichte ihrer Familie, speziell ihrer Mutter Paula, die aus Südafrika stammt. Diese ist 2, als ihr Mutter stirbt. Sie wächst bei ihrem Vater Jimmy auf, der bald wieder heiratet und mit Paulas „Stiefmutter“ Majorie noch mehrere Kinder bekommt. Für Paula sind das ihre Schwestern und Brüder. Sie wachsen im Südafrika der Apartheid auf und es scheint eine normale Familie zu sein. Paula verlässt Ende 20 ihre Familie, zieht nach England, heiratet und bekommt ihr einziges Kind – Emma. Emma hat eine behütete normale englische Kindheit und empfindet die Mutter als etwas außergewöhnlich, schreibt das aber ihrer südafrikanischen Abstammung zu. Auch einige Andeutungen über eine problematische Kindheit der Mutter werden nicht wirklich für ganz Ernst genommen. Erst mit der Krebserkrankung erzählt ihr dann die Mutter, dass sie als Kind von ihrem eigenen Vater missbraucht wurde. Für ausführliche Gespräche ist es dann aber zu spät und so entschließt sich Emma, selbst nach Südafrika zu fahren, um die Hintergründe zu recherchieren und ihre Familie, vor allem die Geschwister ihrer Mutter, kennenzulernen. Doch es ist nicht einfach, über dieses „Familiengeheimnis“ zu sprechen.

Das Buch hat mich sehr berührt. Es ist nicht nur wunderbar geschrieben und ebenso wunderbar zu lesen. Es ist der Dank und die Hochachtung an Emmas Mutter, die trotz oder grade wegen der Kindheitserlebnisse eine unheimlich starke Frau wurde, die versuchte, das Beste aus ihrem Leben zu machen. Und vor allem, ihrer Tochter das Beste mitzugeben und sie zu beschützen, ohne sie allzu übermächtig einzuengen. Es ist ein Buch über Gewalt in der Familie, ohne dass diese Gewalt ausführlich und überdetailliert beschrieben wurde. Auch so weiß man genau, worum es geht und was die Autorin meint. Die Autorin hat meist sehr distanziert geschrieben. So hatte ich oft das Gefühl, dass die Geschichte vor vielen Jahren gespielt hat – bis am Beginn eines neuen Kapitels ein Foto zu sehen war und mir erschreckend klar wurde, wie nah das alles ist, wie weig Zeit vergangen ist, wie aktuell das Buch ist. Ich bewundere Emmas Mut, über diese furchtbaren Ereignisse zu schreiben. Noch mehr bewundere ich Paula, wie sie damit fertig geworden ist.

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Veröffentlicht am 17.10.2024

Deiner Seele Grab

Deiner Seele Grab (Dühnfort 6)
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Eine alte Frau wird ermordet aufgefunden. Eigentlich wäre ihr nicht natürlicher Tod niemandem aufgefallen, wenn der Mörder sie nicht ins Bett gelegt hätte mit Weintrauben und Apfel in den Händen. So beginnt ...

Eine alte Frau wird ermordet aufgefunden. Eigentlich wäre ihr nicht natürlicher Tod niemandem aufgefallen, wenn der Mörder sie nicht ins Bett gelegt hätte mit Weintrauben und Apfel in den Händen. So beginnt Kommissar Dühnfort mit seinem Team die Suche nach dem Mörder. Schnell ins Visier gerät die vermeintliche polnische Putzfrau Elena. Ein weiterer Mord an einem Mann passiert auf gleiche Weise. Doch dieses Mal scheint Elena nicht dabei gewesen zu sein. Während die Untersuchungen fortlaufen, hat Kommissar Dühnfort noch mit einem ganz anderen Problem zu kämpfen. Während eines Verhöres in einer anderen Sache versucht die Frau, auf ihn loszugehen. Während des Gerangels fällt sie unglücklich und beschuldigt danach den Kommissar, sie geschlagen und verletzt zu haben. Ein Kollege von Dühnfort bezeugt dies und so wird er von dem Fall abgezogen und innerpolizeiliche Untersuchungen beginnen. Dann beginnt auch noch die Presse davon zu erfahren …

Das Buch ist in meinen Augen ein sehr gelungener Krimi. Viele Handlungsstränge verlaufen gleichzeitig. Trotzdem hat man nie das Gefühl, etwas durcheinanderzubringen oder zu verwechseln. Selbst die privaten Angelegenheiten der Polizisten, der Opfer oder beteiligten Personen und der Verdächtigen passen irgendwie immer sehr gut mit ins Geschehen und kommen immer wieder auf die eigentliche Handlung zurück. Am Anfang ist das Buch nicht direkt spannend, aber das tut dem Ganzen keinen Abbruch. Ich kam nicht eine Sekunde in Versuchung, den Krimi aus der Hand zu legen – im Gegenteil: letztendlich saß ich einige Stunden fest und las in einem Rutsch. Für mich immer ein Zeichen für ein sehr gutes Buch. Die Auflösung selbst im letzten Drittel hat mich dann zwar nicht direkt überrascht, ist aber in meinen Augen trotzdem sehr gelungen. Ein Buch – das ich auf jeden Fall sofort weiterempfehlen würde.

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Veröffentlicht am 17.10.2024

Mandela

Mandela
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Der weiße Südafrikaner Christo Brand hat eine unbeschwerte Kindheit. Er wächst auf dem Land in einer eher armen, aber toleranten Familie auf. So hat er auch in Zeiten der tiefsten Apartheid Kontakte zu ...

Der weiße Südafrikaner Christo Brand hat eine unbeschwerte Kindheit. Er wächst auf dem Land in einer eher armen, aber toleranten Familie auf. So hat er auch in Zeiten der tiefsten Apartheid Kontakte zu farbigen Südafrikanern und empfindet das als normal. Um nicht in die Armee zu müssen, entscheidet er sich für eine Ausbildung als Gefängniswärter und kommt mit 19 Jahren als Wärter in das berüchtigte Gefängnis Robben Island. Dort versieht er seinen Dienst genau nach Vorschrift und kommt bald auf einen Posten, bei dem er die Post der Gefangenen kontrollieren muss. Kurze Zeit später wird er direkter Wärter von Nelson Mandela und seinen miteingekerkerten Freiheitskämpfern. Obwohl diese politischen Häftlinge in ganz strenger Isolation gehalten werden, schafft es das Regime nicht, sie zu brechen. Sie bewahren sich über Jahre ihren Mut, Kampfgeist und ihre Menschenwürde. Anfangs ist Brand eher davon begeistert, wie „leicht“ diese Häftlinge zu bewachen sind, dass sie keine Probleme machen und immer freundlich zu den Wärtern sind. Umgekehrt versucht Brand dann auch, den politischen Häftlingen so menschlich wie möglich zu begegnen, sie nicht zu schikanieren und im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten zu unterstützen und ihnen die schweren Bedingungen zu erleichtern. Später wird er mehr und mehr in den Bann dieser so außergewöhnlichen Menschen – und gerade von Nelson Mandela – gezogen. Aus einer Wärter-Häftling-Beziehung entwickelt sich gegenseitige Hochachtung und spätere Freundschaft, die auch nach der Freilassung über Jahre anhält.
Das Buch erzählt in direktem einfachen Stil die Geschichte von Brand, angefangen über seine Jugend, seine Entwicklung und auch sein privates Leben. Dies allerdings nur in wenigen Worten . Hier hätte ich mir manchmal etwas mehr Ausführlichkeit gewünscht. Der überwiegende Teil des Buches handelt von der Haftzeit Mandelas und auch von der Zeit seiner Freilassung. Es ist beeindruckend, wie diese außergewöhnliche Persönlichkeit die Bedingungen der Haft überstanden hat, immer Mensch geblieben ist, trotzdem ganz normale Schwächen hatte. Aber noch viel mehr Stärken. Man kann ihn nur als Vorbild haben. Es ist auch interessant, über die wirklichen Zeiten und Bedingungen der Haft zu lesen – geschrieben von jemandem, der direkt dabei war, nicht von Hörensagen, sondern aus eigenem Erleben. Das Buch beschreibt gut die so außergewöhnliche und anrührende Beziehung zwischen zwei so unterschiedlichen Menschen. Ergänzend dazu gibt es 2 Blöcke mit Fotos – sowohl von Mandela wie auch von Brands Familie. Ich kann das Buch jederzeit weiterempfehlen.

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