Profilbild von raschke64

raschke64

Lesejury Star
offline

raschke64 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit raschke64 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.02.2025

Düster

Blutrote Grazien
0

Im Darknet wird die grausame Folterung und Ermordung einer Frau übertragen. Die Leiche dazu wird in der Nähe von Meran gefunden. Seit langem gab es kein so schweres Verbrechen mehr in der beschaulichen ...

Im Darknet wird die grausame Folterung und Ermordung einer Frau übertragen. Die Leiche dazu wird in der Nähe von Meran gefunden. Seit langem gab es kein so schweres Verbrechen mehr in der beschaulichen Stadt. Die Kommissare Aron und Marie beginnen die Ermittlungen. Doch es geht nur langsam vorwärts und es bleibt nicht die einzige Leiche …

Das Buch ist für mich zweigeteilt. Auf der einen Seite sehr gut und flüssig zu lesen und mit viel Spannung. Lange Zeit bleibt verborgen, was der Täter erreichen will. Und vor allem, wer es sein könnte. Selbst am Ende gibt es dann noch einmal eine Überraschung. Da Taten selbst sind sehr heftig, aber – wie ich glaube – hochaktuell in der heutigen Zeit, mit den technischen Möglichkeiten und den Psychopaten, die sich im Darknet tummeln.

Bei der Umsetzung der Geschichte hat mir einiges nicht so gut gefallen. Anfangs gab es kaum Privates zu den Ermittlern, was ich gut finde. Für mich stehen lieber die Ermittlungen im Vordergrund. Doch im Laufe des Buches änderte sich das und gefühlt ging es nicht mehr viel um Ermittlungen, sondern mehr um Whisky, viel Sex mit wechselnden Partnern oder Alkoholaussetzer allgemein. Vor allem die Figur das Aron war da für mich nicht immer schlüssig (für mehr Erklärungen müsste ich allerdings zu stark spoilern). Manchmal gab es aber auch eigenartige Zeitsprünge. So wurde ein Profiler aus Deutschland angekündigt. Während die Ermittler eine Nacht im Bett verbringen, taucht der Profiler aber plötzlich auf (Wann ist er angekommen? Wieso gab es keine entsprechenden Beratungen/Austausch mit den Kommissaren im Buch?) und hat vor Ort schon mehrere Tage ermittelt. Da war ich manchmal etwas irritiert.

Gut wiederum fand ich die Einbindung realer Orte in Meran und auch in der Umgebung. Da ich selbst erst vor wenigen Wochen dort war, konnte ich mir tatsächlich alles plastisch wieder vor Augen führen, was das Lesen sehr schön machte.

Mein Fazit: Wer auf düstere und auch brutale Thriller steht, wird mit dem Buch gut unterhalten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.10.2024

Deutscher Meister

Deutscher Meister
0

Johann (Heinrich Rukelie) Trollmann ist ein junger Boxer im Deutschland Anfang der 30er Jahre. Er kommt aus einfachen Verhältnissen und hat sich hochgearbeitet. Dabei sind seine Trainingsmethoden und sein ...

Johann (Heinrich Rukelie) Trollmann ist ein junger Boxer im Deutschland Anfang der 30er Jahre. Er kommt aus einfachen Verhältnissen und hat sich hochgearbeitet. Dabei sind seine Trainingsmethoden und sein Leben alles andere als das, was man heute mit einem Leistungssportler verbinden würde. Und er muss noch einen „Nachteil“ ausgleichen. Er und seine Familie gehören zu den Sinti und waren in Deutschland damit schon verpönt. Das wird noch schlimmer, als 1933 die Nazis an die Macht gekommen die Rassengesetze verabschieden. Inzwischen hat Trollmann einen professionellen Manager und auch Trainer. In mehreren Kämpfen wurde er um den Sieg betrogen. Jetzt hat Hitler den Boxsport sozusagen „geadelt“ und die Führung des Boxverbandes setzen als erstes radikal die Rassengesetze um und entfernen alle Juden aus dem Verband, bei den Trainern, Boxern, Boxställen und Managern. Damit fehlt aber auf einmal ein Herausforderer für den Kampf um den Deutschen Meister und Trollmann soll als Ersatz einspringen. Der Verband stellt sich ihn als Verlierer vor, doch Trollmann hat eigene Vorstellungen und trainiert hart…
Das Buch erzählt die Geschichte des Boxers Trollmann in einer kurzen Zeit und zwischen und über wenige Kämpfe. Ich bin kein Boxfan und wußte daher nicht, dass Trollmann eine reale Person war. Auch im Verlaufe des Buches hat sich mir dies nicht erschlossen. Trotzdem gefiel mir das Buch gut. Auch als Laie konnte ich dem Geschehen gut folgen, es wurde nicht wirkliches Fachwissen verlangt, die Beschreibung der Kämpfe war manchmal etwas zu lang für mich. Andererseits fand ich bewundernswert, wie man überhaupt einen Boxkampf über mehrere Runden beschreiben kann. Die schwierige Situation von Trollmann wurde gut beschrieben, auch die der anderen Boxer und der einfachen Leute und Boxfans. Nicht so gut gefallen hat mir der Stil, dass die beteiligten Personen fast ausschließlich mit dem Nachnamen benannt wurden und ganz wenige direkte Rede erfolgte bzw. es kaum Dialoge gab, sondern immer nur „über“ etwas berichtet wurde. Das schuf in meinen Augen eine ständige Distanz zu den Personen. Man kam auch Trollmann nicht „näher“. Das fand ich schade. Doch ansonsten ist es eine gut gelungene Zeitbeschreibung zu Beginn der Naziherrschaft aus dem Bereich des Sports.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.10.2024

Hartz IV

Ich hartz dann mal ab
0

Robert - die Hauptperson dieses Buches - ist ein Verlierer, aber ein selbst gewählter. Von Kind an schwerhörig, hasst er jegliche praktische Arbeit. Aus diese Grund entscheidet er sich für das Abitur und ...

Robert - die Hauptperson dieses Buches - ist ein Verlierer, aber ein selbst gewählter. Von Kind an schwerhörig, hasst er jegliche praktische Arbeit. Aus diese Grund entscheidet er sich für das Abitur und nach der Wende beginnt er ein Studium, welches er aber bald abbricht. Und dann beginnt seine "Karriere" als Schmarotzer. Er macht genau so viel, um in den "Genuss" von Arbeitslosengeld und später Hartz IV zu kommen. Und er macht möglichst viel, um in diesem Status zu bleiben und die soziale Hängematte so gut als möglich und so lange wie irgend möglich zu genießen. Irgendwie kommt er zu Frau und 2 Kindern, aber auch die Frau ist arbeitslos. Eine typische Klischeefamilie, ein typisches Klischee für einen Hartz-IV-Empfänger. Eigentlich ist Robert ein schmieriger stinkfauler Typ. Und eigentlich müsste man auf diesen Kerl eine unheimliche Wut bekommen. Aber Schock: genau das passiert mir nicht, mir ist der Kerl nicht mal unsympatisch und irgendwie kann ich ihn am Ende fast verstehen. Die Erlebnisse im Arbeitsamt, die sinnlosen Maßnahmen und die oft an Schikanen grenzende Forderungen (leider kaum Förderungen) durfte ich in meiner Familie auch erleben - Arbeit gefunden haben wir dann immer selbst, ohne auch nur die kleinste Hilfe vom Amt. Natürlich überzeichnet das Buch völlig und natürlich bedient es so ziemlich alle Vorstellungen, die über den typischen Hartz-IV-Empfänger kursieren. Und trotzdem: ich habe es in einem Zug ausgelesen, mich keine Sekunde gelangweilt (sicher auch dank der flüssig geschriebenen, recht kurzen Kapitel) und mich oft sogar amüsiert. Nur die Zeichnungen gefielen mir gar nicht - daher nur 4 Punkte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.03.2026

Nette Erinnerungen

Broiler, Wimpel, Westpaket
0

Der Autor, geboren im Jahr 1961 und aufgewachsen in Ostberlin beschreibt in dem Buch in 55 kurzen oder etwas längeren Episoden quasi sein Leben bis zur Wende. Mindestens die Hälfte der Geschichten hätten ...

Der Autor, geboren im Jahr 1961 und aufgewachsen in Ostberlin beschreibt in dem Buch in 55 kurzen oder etwas längeren Episoden quasi sein Leben bis zur Wende. Mindestens die Hälfte der Geschichten hätten auch in Westberlin spielen können, denn mit Streichhölzern gespielt oder einen Fahrradunfall gehabt, hatten wohl Jungs auf beiden Seiten der Mauer.

Einige Sachen gab es natürlich ausschließlich in Ostberlin. Bei anderen waren die Westberliner (da besser ausgestatte) einfach früher dran oder hatten eher Zugang. Erkennen werden sich Leute, die ebenfalls um diese Zeit herumgeboren wurden.

Die Geschichten lassen sich gut lesen und wecken zumindest teilweise Erinnerungen und manchmal auch ein Schmunzeln. Insgesamt allerdings hinterlässt das Buch bei mir keinen sehr bleibenden Eindruck. Es sind nette Erinnerungen und es ist nett geschrieben, für mich allerdings eher ein Buch für mal so zwischendurch oder auf Reisen zu lesen. Kann man machen, muss man nicht unbedingt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.03.2026

Durchgekämpft

Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl
0

Kurz vor Ostern geht in Neapel nicht mehr wirklich viel. Jeder bereitet sich auf die verschiedenen Osterriten vor und Commissario Gaetano fährt zu seiner Familie auf das Weingut. Dort ist er allerdings ...

Kurz vor Ostern geht in Neapel nicht mehr wirklich viel. Jeder bereitet sich auf die verschiedenen Osterriten vor und Commissario Gaetano fährt zu seiner Familie auf das Weingut. Dort ist er allerdings nicht lange, denn seine Kollegin Beppa ruft ihn an, weil im Hafenbecken ein toter Mann gefunden wurde.Sie glaubt an einen Mord, Gaetano denkt an Selbstmord. Doch es wird nicht der einzige Tote bleiben..

Das Buch ist der zweite Teil der Reihe. Schon bei dem ersten Teil war ich nicht wirklich glücklich, doch ich wollte der Reihe noch eine zweite Chance geben. Leider habe ich mich auch durch das zweite Buch regelrecht durchkämpfen müssen und konnte jederzeit mit dem Lesen aufhören, manchmal sogar mitten im Satz. Das bedeutet, dass mich das Buch nicht packen konnte. Am Anfang war ich vor allem genervt von dem Hin und Her zu Mord oder Selbstmord und dem eher uninspirierten Agieren der Polizei. Auch die sehr ausführlichen Beschreibungen der verschiedenen Osterbräuche waren zwar an sich interessant, für die Geschichte aber eher langatmig. Auch im weiteren Verlauf konnte ich es nicht fassen, dass man sozusagen einen „Polizeilehrling“ so oft allein ermitteln lässt und auch der Commissario selbst immer fröhlich allein loszieht ohne Rücksicht auf Verluste und Risiken. Auch wenn das Ende dann doch wenigstens noch einige Überraschungen bringt, konnte es in meinen Augen das Buch nicht retten, es kommt über unteren Durchschnitt für mich nicht hinaus und ich werde eher keine Fortsetzung lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere