Profilbild von raschke64

raschke64

Lesejury Star
offline

raschke64 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit raschke64 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.10.2024

Sündenbock

Sündenbock
0

Der 2. Fall für die Schöffin Ruth Holländer: Der Angeklagte ist der Rentner Jürgen Dombroschke. Er soll seine schwerkranke Frau mit Rattengift umgebracht haben. Doch er schweigt zu allem und Ruth hat das ...

Der 2. Fall für die Schöffin Ruth Holländer: Der Angeklagte ist der Rentner Jürgen Dombroschke. Er soll seine schwerkranke Frau mit Rattengift umgebracht haben. Doch er schweigt zu allem und Ruth hat das komische Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Als ihr Mitschöffe nicht mehr unvoreingenommen handelt, wird die Verhandlung unterbrochen und Ruth von dem Fall abgezogen. Doch es lässt ihr keine Ruhe und so fährt sie in die Gartenkolonie zum Garten der Dombroschkes und zu dem des bestens Freundes. Wie sich herausstellt, begibt sie sich damit selbst in Gefahr.
Wie auch der Vorgängerband geht es in erster Linie um Ruth Holländer. Neben ihrer Schöffentätigkeit hat sie ein gut laufenden Bistro, das viel Arbeit macht, und zwei fast erwachsene Kinder, die aber auch noch ihre Mutter brauchen. Dazu ihr Freund Hannes, der Staatsanwalt ist und große familiäre Probleme hat, die auch Ruth belasten. Alles in allem ist sie also eine ganz normale Frau mit vielen Pflichten und wenig Freizeit. Das kommt in dem Buch auch sehr gut rüber. Man kann die Probleme von Ruth nachvollziehen, ihre Reaktionen verstehen. Wer einen spannenden Krimi erwartet, ist allerdings bei dem Buch eher fehl am Platz. Die Ermittlungen von Ruth laufen eher nebenher, Spannung gibt es dadurch kaum. Das schmälert das Lesevergnügen überhaupt nicht. Im Gegenteil, ich war sehr schnell mit dem Buch durch, es ist gut und flüssig lesbar. Der Stil ist einfach und direkt. Nur eben einen Krimi darf man nicht erwarten. Wie auch im 1. Band gibt es allerdings klare Bezüge zu aktuellen Problemen der Gesellschaft.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.10.2024

Die Königin der Orchard Street

Die Königin der Orchard Street
0

Mit ihrer russisch-jüdischen Familie wandert Malka nach Amerika aus. Eigentlich sollte es nach Südafrika gehen, doch der Vater tauscht die Schiffskarten ein und so landet die Familie in New York, sehr ...

Mit ihrer russisch-jüdischen Familie wandert Malka nach Amerika aus. Eigentlich sollte es nach Südafrika gehen, doch der Vater tauscht die Schiffskarten ein und so landet die Familie in New York, sehr zum Ärger und Entsetzen der Mutter. Sie kommen in einer typischen Einwanderermietskaserne unter und die die Eltern suchen sich Arbeit. Auch die Kinder sollen Geld verdienen. So beginnt Malka zusammen mit ihrer Schwester zu singen und kleine Arbeiten auf der Straße zu übernehmen. Auf der Straße hat Malka einen Unfall, sie wird von einem Pferdewagen überfahren. Der Fahrer ist Mr. Dinello – ein Eishersteller und –verkäufer. Der kümmert sich um Malka, die zuerst im Krankenhaus landet. Ihre Familie kümmert sich nicht um sie, denn Malkas Bein wird nie wieder in Ordnung kommen und Malka kann kein Geld verdienen. Inzwischen hat der Vater die Familie auch verlassen. So wächst Malka – die sich später katholisch taufen lässt und den Namen in Lillian ändert – bei der italienischen Familie Dinello auf und lernt das Eis machen von der Pieke auf. Doch trotz allem wird Lillian nie ein vollwertiges Familienmitglied bei den Dinellos und bleibt auf ihre Art immer eine Außenseiterin …
Das Buch hat mir richtig gut gefallen. Malka/Lillian erzählt in der Ich-Form über ihr Leben. Immer im Wechsel von ihrem „hohen“ Alter aus in Rückblenden von ihrer Kindheit, Jugend, später ihrer Heirat und dem Leben mit ihrem geliebten Mann Bert und natürlich vom Aufbau ihres Eis-Imperiums, mit dem sie zu Amerikas „Eis-Königin“ wird. Sie erzählt ehrlich über ihre Freuden, ihre Vorstellungen und ihre Kämpfe um Anerkennung, die sie als nicht hübsche und behinderte Frau hat, deren Arbeit lange nicht anerkannt wird und die es schwer hat, sich mit ihren guten Ideen durchzusetzen. Sie wird oft von den Geschäftsmännern nicht für voll genommen und muss einige Tricks einsetzen. Auch im privaten Leben ist sie nicht immer ganz ehrlich und macht einige mehr als nicht legale Sachen. Dabei hat sie einen herrlichen Humor und viel (Selbst)Ironie, so dass das Lesen zu einem richtigen Vergnügen wurde. Nebenbei erfährt man viel vom Leben in Amerika von der Einwanderung zum Anfang des 20. Jahrhunderts über den 1. und 2. Weltkrieg und vom Aufbau einer Firma, aber auch von dem möglichen schnellen Niedergang bei Fehlern. Malka ist eine starke Frau, die vor allem an Ende zu ihren Fehlern steht und die Konsequenzen zieht. Das ganze Buch durchzieht ein „Aroma“, man meint förmlich, das Eis zu riechen und zu schmecken – dabei ist es aber auch unheimlich warmherzig und witzig.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.10.2024

Eltern, die auf Schaukeln starren

Eltern, die auf Schaukeln starren
0

Das Buch ist in 7 „Kapitel“ nach den Wochentagen eingeteilt. Die Autoren haben auf dem Spielplatz die verschiedenen Elterntypen beobachtet und genau beschrieben: da ist die durchgestylte Mutter, die zu ...

Das Buch ist in 7 „Kapitel“ nach den Wochentagen eingeteilt. Die Autoren haben auf dem Spielplatz die verschiedenen Elterntypen beobachtet und genau beschrieben: da ist die durchgestylte Mutter, die zu Hause für alles eine Nanny hat, die Öko-Mama, der Business-Papa oder auch der ganz überzeugte Neodad. Die Aufzählung ließe sich fortsetzen. Jeder hat so seine eigenen Vorstellungen und Macken, wie die Kinder zu erziehen sind, was für sie gut und vor allem was ganz schlecht ist, wie sie sich auf dem Spielplatz verhalten sollen und wie sich die Kinder verhalten sollen. Das Ganze ist eigentlich überspitzt dargestellt – als neutraler Beobachter denke ich aber, so überspitzt ist das gar nicht. Diese Typen hat man selbst schon irgendwo beobachtet und entweder amüsiert oder genervt reagiert. Und bei dem ganzen Kult um die Kinder fragt man sich schon mal, wie die Generationen davor überhaupt aufwachsen konnten und doch zuallermeist schadenfrei groß geworden sind. Die Autoren erklären allerdings auch, warum sich das heute so rapide geändert hat – diverse Seitenhiebe auf Erziehungsratgeber inklusive. Das alles ist aber eher humorig geschrieben und lässt sich sehr leicht und flüssig lesen. Natürlich spielt hier der Wiedererkennungswert eine große Rolle – man kennt halt eben genau so eine Person. Die Autoren haben es auch verstanden, das Buch auf genau die Länge zu bringen, die verhindert, dass man sich durch allzu viele Wiederholungen langweilen könnte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.10.2024

Und morgen Du

Und morgen du (Ein Fabian-Risk-Krimi 1)
0

Kommissar Fabian Risk kehrt in seine Heimat zurück. Nicht ganz freiwillig, denn er hatte Probleme auf der Arbeit und auch familiär läuft es nicht wirklich gut. Beides will er ändern und so soll der Umzug ...

Kommissar Fabian Risk kehrt in seine Heimat zurück. Nicht ganz freiwillig, denn er hatte Probleme auf der Arbeit und auch familiär läuft es nicht wirklich gut. Beides will er ändern und so soll der Umzug ein Neuanfang sein. Doch er ist gerade angekommen, da wird in seiner alten Schule ein Toter gefunden – mit abgetrennten Händen. Daneben ein Foto, das Fabians alte Klasse zeigt. Während Fabian seinen Urlaub gar nicht erst antritt und bei den Ermittlungen hilft, wird ein weiteres Opfer gefunden. Wieder aus der gleichen Klasse. Wieder verstümmelt. Fabian klemmt sich hinter die Ermittlungen, hat erste Erfolge – macht aber so viele Alleingänge, dass seine neue Chefin in dann doch in den Urlaub zurück schickt, denn sie haben einen Verdächtigen ausgemacht – ebenfalls jemand aus Fabians alter Klasse. Doch die Morde gehen weiter und auch Fabian gerät in immer größere Gefahr.
Das Buch hat mir gut gefallen. Fabian ist ein sympathischer Ermittler, der aber auch Ecken und Kanten hat. Seine Ermittlungen sind nachvollziehbar, die Probleme mit den Kollegen und der Familie auch. Die Spannung des Buches trägt sich anfangs vor allem durch die unterschiedlichen Morde, einer nach dem anderen in der Klasse wird aus „nachvollziehbaren“ Gründen ermordet. In der Mitte des Buches lässt die Spannung etwas nach, hier wäre eine Straffung etwas günstiger gewesen. Aber das Ende birgt noch einige Überraschungen, die die Spannung dann wieder erhöhen.
Insgesamt ein guter Krimi, bei dem ich mir eine Fortsetzung wünschen würde.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.10.2024

Die Erfindung der Flügel

Die Erfindung der Flügel
0

Charleston, 1803: Sarah, Tochter des Richters und Plantagenbesitzers, wird 11 Jahre alt und bekommt zum Geburtstag „ihre“ persönliche Sklavin Hetty/Handful. Sie will das Geschenk ablehnen bzw. Handful ...

Charleston, 1803: Sarah, Tochter des Richters und Plantagenbesitzers, wird 11 Jahre alt und bekommt zum Geburtstag „ihre“ persönliche Sklavin Hetty/Handful. Sie will das Geschenk ablehnen bzw. Handful freilassen. Doch beides wird ihr nicht erlaubt. So wird Handful ihre Zofe und zwischen beiden entwickelt sich eine Art Freundschaft. Sarah ist sehr lernbegierig und liest gern und bringt Handful das Schreiben bei, was natürlich verboten ist. Beide werden dafür hart bestraft. Trotzdem versuchen sie immer wieder, die Grenzen ihrer Zeit und ihres Standes zu durchbrechen …
Das Buch ist sehr berührend. In ihm werden viele starke Frauen geschildert. Ob es Mauma, Handfuls Mutter ist, die auf ihre Art ihrer Herrin trotzt und versucht, genug Geld für ihren Freikauf zu bekommen. Oder Handful selbst, die sich ihre Freiheiten herausnimmt und später sogar einen geplanten Sklavenaufstand unterstützt. Aber auch auf der andere Seite Sarah und ihre Schwester Nina, die beide die Sklaverei verabscheuen und später über die Quäker zu Abolitionisten werden. Die Geschichte wird wechselseitig von Sarah und Handful erzählt. So hat man immer die Sicht von beiden Seiten – der reichen weißen Tochter aus gutem Hause und der Negersklavin. Man erkennt die vielen Quälereien – offen und subtil –, die den Sklaven angetan worden sind. Aber auch die Selbstverständlichkeit, mit der das passiert. Und obwohl Sarah ihrer Zeit weit voraus ist, ist es auch bei ihr ein langer Entwicklungsweg im Kampf gegen die Sklaverei.
Umso mehr war ich erstaunt, dass Sarah und Nina historische Persönlichkeiten waren und keine erfundenen Romanfiguren.
Ich habe nur bedauert, dass die Spannung der Geschichte für mich im Mittelteil des Buches nachgelassen hat. Und dass der Kampf der Schwestern am Ende des Buches relativ kurz abgehandelt wurde. Aber insgesamt war es für mich ein sehr gutes Buch, was ich immer weiter empfehlen würde.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere