Platzhalter für Profilbild

Enzian

Lesejury Profi
offline

Enzian ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Enzian über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.03.2025

Konfliktreich

Haus Waldesruh
0

In einem Jagdhaus treffen sich nach 15 Jahren vier ehemalige Matura Absolventinnen und Absolventen wieder. Anna, Marco, Ferdinand und Lea hatten anscheinend länger keinen Kontakt mehr. Lea bringt zudem ...

In einem Jagdhaus treffen sich nach 15 Jahren vier ehemalige Matura Absolventinnen und Absolventen wieder. Anna, Marco, Ferdinand und Lea hatten anscheinend länger keinen Kontakt mehr. Lea bringt zudem Frank mit, einen weiteren Gast. Über das Wiedersehen herrscht nicht nur Freude, bald breitet sich auch Verstimmung aus. Zudem wird klar, dass jemand fehlt, Annas Ex-Freund Max. Er hat kurz nach der Matura Selbstmord begangen, wofür ein boshafter Lehrer verantwortlich gemacht wird.

Ein einsames Haus im Wald, alleine schon das Cover verbreitet eine etwas düstere Stimmung.
David Krems hat die Handlung seines Romans in einem alten Jagdhaus in der Steiermark angesiedelt. Marco hat zu diesem Treffen eingeladen und eigene Regeln für das Wochenende aufgestellt. Die vier Freunde sowie ein Gast treffen nacheinander ein. Nach der anfänglichen, teilweise überzogen wirkenden Freude über das Wiedersehen, treten Spannungen auf. Die Stimmung wechselt schnell, die Freunde reagieren mitunter sehr impulsiv. Es gelingt aber allen Beteiligten, Verstimmungen wieder abzubauen. Die Freunde haben unterschiedliche Lebenswege hinter sich und Geheimnisse, die sie nacheinander preisgeben. Dabei wird schnell klar, dass nichts so ist, wie es scheint.
Der Autor versteht es, von der ersten bis zur letzten Seite Spannung zu erzeugen. Die Erzählung ist klug durchdacht, die Dialoge punkten mit einem Hauch von Humor. David Krems hat vor allem einzelne Details sehr authentisch geschildert, ich habe das Jagdhaus mit seiner rustikalen Einrichtung vor mir gesehen. Knisternde Spannung, wechselhafte Ereignisse und ein überraschendes Ende – ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt. Daher vergebe ich für den Roman fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.01.2025

Die Vergangenheit ruht nicht

Dunkle Asche
0

Im Sommer des Jahres 1992 geht eine Partynacht im Badeort Kalifornien nahe Kiel mit einem schrecklichen Mord an einer jungen Frau zu Ende. Das Ferienhaus wird danach in Brand gesteckt, das achtzehnjährige ...

Im Sommer des Jahres 1992 geht eine Partynacht im Badeort Kalifornien nahe Kiel mit einem schrecklichen Mord an einer jungen Frau zu Ende. Das Ferienhaus wird danach in Brand gesteckt, das achtzehnjährige Opfer verbrennt mit. Der Mord kann nicht aufgeklärt werden.
Dreißig Jahre später nimmt eine Cold Case in Kiel die Ermittlungen in diesem Fall wieder auf. Im Team sind Gudrun Möller und Judith Engster, die in einem Hospiz einen Zeugen ohne Erfolg befragen. Es tauchen jedoch bald neue Spuren und Verdächtige auf. Der Täter von einst beobachtet die Vorgänge im Verborgenen genau, vor allem die Ermittlerinnen.

Bereits das düster gestaltete Cover stimmt auf den Krimi ein und passt perfekt zum Inhalt. Jona Thomsen erzeugt von der ersten bis zur letzten Seite fesselnde Spannung. In den kurzen Kapiteln erzählen die beiden Ermittlerinnen aus ihrer Sicht und in Kursivschrift verfassten Kapiteln kommt der Täter zu Wort. Der Krimi gewinnt sehr schnell an Tempo, die Ereignisse überschlagen sich geradezu. Mit vielen überraschenden Wendungen verwirrt der Autor den Leser und bis zum Schluss bleibt vieles unklar.

Gudrun kennt den Ort, in dem das Verbrechen geschah, sowie einige Tatverdächtige. Sie hat früher dort gelebt. Durch diesen Umstand gestalten sich die Ermittlungen für sie nicht einfacher, im Gegenteil. Als Gudrun dem wirklichen Täter nahe kommt, gerät sie selbst in Lebensgefahr. Der Krimi weist auch gesellschaftskritische Aspekte auf. Die jugendliche Clique rund um das Mordopfer setzt sich aus Kindern reicher Eltern sowie sogenannten Saisonarbeitern zusammen. Konflikte sind da vorprogrammiert.

Die Ermittlerinnen Gudrun Möller und Judith Engster sind erfrischend anders und müssen sich erst zusammenraufen. Gudrun lebt in einem Camper, spielt in einer Band und hat ein Verhältnis mit einer Frau. Ganz anders die elegante Judith, aus Rostock nach Kiel gezogen. Die beiden unterschiedlichen Charaktere haben mir sehr gefallen. Der gesamte Plot ist klug konstruiert, am Ende laufen die Fäden gekonnt zusammen. Ich habe mich mit dem Krimi bestens unterhalten gefühlt, vergebe fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.11.2024

Gefangen im Glaskäfig

Minus 22 Grad
0


Die Studentin Laura Gehler ist am späten Abend mit ihrem Fahrrad im verschneiten Wald Bayerns unterwegs, als sie von einem SUV abgedrängt wird. Der Fahrer überwältigt Laura, sie wacht später ...


Die Studentin Laura Gehler ist am späten Abend mit ihrem Fahrrad im verschneiten Wald Bayerns unterwegs, als sie von einem SUV abgedrängt wird. Der Fahrer überwältigt Laura, sie wacht später in einem Käfig aus Plexiglas auf. Ein tödliches Spiel beginnt: Laura muss herausfinden, weshalb ihr Entführer sie in den Käfig gesperrt hat, ansonsten soll sie sterben. Zur gleichen Zeit erhält Lauras Mutter eine Barbiepuppe mit dem Sterbedatum ihrer Tochter. Kommissar Lukas Johannsen vom Thüringer LKA übernimmt gemeinsam mit seiner Kollegin Berit die Ermittlungen.

Vorliegend handelt es sich um den ersten Psychothriller des Autors Quentin Peck, dem hoffentlich bald weitere folgen. Bereits das Cover mit dem zugefrorenen See im Vordergrund stimmt auf den Thriller ein. Der Autor erzeugt von der ersten bis zur letzten Seite derartig fesselnde Spannung, dass man das Buch gar nicht mehr zur Seite legen möchte. Vielschichtige Handlungen und spannende Charaktere zeichnen den Thriller aus. Das Grauen, das Laura erfasst, als sie brutal vom Weg abgedrängt wird und sich später in einem Glaskäfig wiederfindet, ist spürbar. Sämtliche Schauplätze sind so authentisch beschrieben, dass ich mich sofort in die jeweilige Situation hineinversetzen konnte. Auch die einsam lebende Ariane und der mysteriöse Tom sind interessante Protagonisten, die perfekt in das Geschehen eingebunden wurden. Lukas wird von einem alten Trauma verfolgt, einem von ihm nicht gefassten Mörder.
Die Entführung könnte dessen Handschrift tragen. Dennoch kommen Lukas nach und nach daran Zweifel und er muss seine Vorgehensweise neu überdenken. Der Plot ist psychologisch bestens konstruiert und überzeugt mit überraschenden, unvorhergesehenen Wendungen. Die Bewertung von Täter und Opfer sowie deren Rollen eröffnen menschliche Abgründe. Vor allem das Endes des Psychothrillers überrascht völlig. Ich bin überzeugt, dass vor Lukas und Berit noch jede Menge Ermittlungsarbeit liegen und bin gespannt darauf, bald wieder von den sympathischen Ermittlern zu lesen.Für diesen hervorragenden Psychothriller vergebe ich fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.10.2024

Trauma einer Kindheit

Im Namen der Barmherzigkeit
0

Die kleine, kaum dreijährige Steffi kommt in den Siebzigerjahren als Pflegekind zu der Bauernfamilie Kellerknecht in die Steiermark. Steffi ist nicht das einzige Pflegekind aus Kinderheimen, das diese ...

Die kleine, kaum dreijährige Steffi kommt in den Siebzigerjahren als Pflegekind zu der Bauernfamilie Kellerknecht in die Steiermark. Steffi ist nicht das einzige Pflegekind aus Kinderheimen, das diese Familie im Namen der Barmherzigkeit aufnimmt. Die Wirklichkeit sieht für die Kinder allerdings entsetzlich aus. Sie müssen bei jedem Wetter barfuß im Stall und auf den Feldern schuften. Die Mahlzeiten sind dürftig, die Unterbringung erfolgt in einer zugigen Dachkammer mit Etagenbett. Die Kinder werden regelmäßig vom Bauern und seiner Frau geschlagen. Später missbraucht der Bauer sogar wiederholt Steffi. Mit fünfzehn Jahren wird sie schwanger und bringt ihre Tochter in einem Kloster zur Welt. Es gelingt ihr mit viel Willenskraft, einen anderen Weg einzuschlagen.

Bereits das Cover lässt das schwere Schicksal des kleinen Mädchens Steffi in der geflickten roten Jacke erahnen. Hera Lind ist für ihre sehr emotional geschriebenen Romane, denen wahre Begebenheiten zugrunde liegen, bekannt. Nachdem ich ihre ihre letzten Romane aus den Zeiten des zweiten Weltkrieges sowie aus dem geteilten Deutschland gelesen habe, hat mich das traurige Schicksal von Steffi, der Protagonistin des neuen Romans, wiederum sehr berührt.
Nach dem Lesen einiger Abschnitte des Buches konnte ich meine Tränen nicht zurückhalten. Ihre leiblichen Kinder, von den Kellerknechts echte Kinder genannt, bekamen reichlich zu essen und wurden gut gekleidet. Ganz im Gegensatz dazu die Pflegekinder, die immer Hunger hatten und Schwerstarbeit verrichten mussten. Unverständlich, wie Fürsorgerinnen das so gleichgültig hinnehmen konnten, für einen „Fresskorb“ den ihnen die Bauersfrau regelmäßig zukommen ließ. Besonders traurig war für mich neben dem Schicksal Steffis, dass sogar ein Kleinstkind dieser Familie überlassen wurde.
Mir war bislang das traurige Schicksal der Schwabenkinder bekannt, die bis Anfang der Zwanzigerjahre aus Tirol kamen und auf Bauernhöfen Schwerstarbeit verrichten mussten. Kaum vorstellbar, dass so etwas noch in den Siebzigerjahren in Österreich geschah.
Trotz aller schweren Schicksalsschläge, die Steffi hinnehmen musste, fand sie später zum Glück die Unterstützung ihr wohlgesinnter Menschen. Dazu zählte vor allem die Ärztin Karin Winkler. Berührend war die bedingungslose Liebe, die Steffi ihrer kleinen Tochter entgegenbrachte. Trotz der Zurückweisung durch ihrer leibliche Mutter und der eigenen, tragischen Kindheit.
Die Autorin beherrscht perfekt das Wechselspiel der kraftvollen und der leisen, behutsamen Worte. Ihr Schreibstil ist so fesselnd und bildhaft, dass ich die jeweilige Situation vor Augen hatte. Die Figuren ihres Romans sind authentisch und sie hat sie treffend charakterisiert.
Hera Lind ist wiederum ein sehr emotionaler Roman gelungen, der betroffen macht, aber zum Ende zugleich auch Hoffnung vermittelt.
Ich vergebe für das Buch fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.10.2024

Schatten der Vergangenheit

Blutbuße
1

Kurz vor Ostern befindet sich in dem kleinen, verschneiten Bergdorf Åre in Nordschweden eine große Anzahl an Urlaubern. Zudem hat die Stockholmer Immobilienentwicklerin Charlotte Wretlind eine Suite in ...

Kurz vor Ostern befindet sich in dem kleinen, verschneiten Bergdorf Åre in Nordschweden eine große Anzahl an Urlaubern. Zudem hat die Stockholmer Immobilienentwicklerin Charlotte Wretlind eine Suite in einem Luxushotel gebucht, wo sie bestialisch erstochen aufgefunden wird. Unter den Hotelgästen bricht Furcht aus, einige reisen ab. Hanna Ahlander und ihr Kollege Daniel Lindskog sowie ihre Kollegen Anton und Raffe übernehmen den Fall. Ihre Ermittlungen führen sie in ein altes, unbewohntes Hochgebirgshotel. Charlotte kannte es seit ihrer Kindheit, wollte es dennoch abreißen und durch ein mondänes Hotel ersetzen lassen. Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, als auch noch ein zweiter Mord geschieht.

Ein einsames Haus in einer kalten Winterlandschaft, bereits das Cover passt perfekt zum Krimi. Endlich ist er da, der dritte Band der skandinavischen Krimi-Queen Viveca Sten um das sympathische Ermittlerduo Hanna Ahlander und Daniel Lindskog. Wieder haben die beiden einen kniffligen Fall zu lösen. Der Tod einer Stockholmer Immobilienentwicklerin wirft viele Fragen auf. Angefangen von der besonderen Brutalität des Verbrechens über das Wirken der exzentrischen Unternehmerin bis hin zu ihrer Familie und ihrem Bekanntenkreis. Alles sehr undurchsichtig, nichts ist so wie es scheint.
Auf Hannah, Daniel, Anton und Ruffe kommen keine ruhigen Osterfeiertage zu. Schön, dem gesamten Team wieder zu begegnen und zu sehen, wie alle aufeinander eingespielt sind. Auch das Privatleben der sympathischen Ermittler kommt nicht zu kurz, ohne einen zu großen Rahmen einzunehmen.
Der Krimi ist in kurze Kapitel untergliedert, angenehm und flüssig zu lesen.
Zwischen den einzelnen Kapiteln hat die Autorin weitere Erzählstränge in Kursivschrift eingebaut, die zurück in das Jahr 1973 und in das Hochgebirgshotel führen. Neben überraschenden Wendungen und einem spannenden Schreibstil überzeugt die Viveca Sten durch viel Lokalkolorit, die Atmosphäre in der eisigen Landschaft am Polarkeis wird perfekt eingefangen. Ich habe mich mit dem Krimi bestens unterhalten gefühlt, vergebe fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere