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Veröffentlicht am 20.10.2024

Spannender dritter Teil der Vier-Elemente-Reihe mit aktuellem Setting

In der Erde
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Lilly Hed und ihr Team müssen eine Explosion aufklären, bei der eine Familie ums Leben kam und das Haus völlig zerstört wurde. Lange steht die Frage im Raum, ob es sich um einen Unfall handelt oder um ...

Lilly Hed und ihr Team müssen eine Explosion aufklären, bei der eine Familie ums Leben kam und das Haus völlig zerstört wurde. Lange steht die Frage im Raum, ob es sich um einen Unfall handelt oder um einen Anschlag. Die Ermittler sind unterschiedlicher Meinung. Zu den mühsamen Untersuchungen kommt erschwerend hinzu, dass Lilly auch im sechsten Schwangerschaftsmonat immer noch unter dauernder Übelkeit leidet mit allen Begleiterscheinungen, so dass sie nach einigen Tagen von den Ermittlungen abgezogen und krankgeschrieben wird. Sie ermittelt von Zuhause aus allein weiter und kann ihren Kollegen hilfreiche Hinweise geben und bleibt trotz allem mit ihnen in engem Kontakt.

Der Leser weiß von Anfang an und durch eine zweite Erzählperspektive, dass das Kind der Familie entführt wurde und gefangen gehalten wird, doch das Motiv des Täters bleibt rätselhaft und erst komplexe und langwierige Recherchen bringen Lilly erste Erkenntnisse.

Die Figurenzeichnung ist gelungen, die Charaktere sind glaubhaft und Lilly ist mit Jesper an ihrer Seite wieder selbstsicher und kämpferischer geworden nach der schlimmen Zeit mit ihrem früheren Lebensgefährten. Hinweise auf die Ereignisse der Vergangenheit sorgen dafür, dass auch Neueinsteiger in die Vier-Elemente-Serie keine Verständnisschwierigkeiten haben. Nur die Beschreibung von Lillys dauernden Schwangerschaftsbeschwerden nahm mir zu viel Raum ein und ich halte es auch für wenig glaubwürdig, dass sie anfangs Ermittlungsleiterin ist und zu Beginn der Schwangerschaft nicht zu einer ruhigen Schreibtischtätigkeit versetzt worden ist. Lilly ist vor allem eine Ermittlerin und setzt sich mit ihrer bevorstehenden Rolle als Mutter nur zögernd auseinander und gefährdet im Laufe der Geschichte das Leben ihres Kindes.

Die anhaltende, für alle anstrengende Hitze und Trockenheit wird ebenso thematisiert wie die zunehmende Verzweiflung und Hilferufe der Landwirte. Pernilla Ericson, die Autorin und Journalistin ist, bringt die Auswirkungen des Klimawandels ebenso wie soziale Probleme gekonnt auch in diesen dritten Teil der Krimiserie ein.
Die Autorin schreibt bildhaft, packend und einfühlsam, die Ermittlungsarbeit wird realistisch beschrieben und der Spannungsbogen bleibt bis zum Ende hoch. Mir hat 'In der Erde' gut gefallen und ich freue mich auf den vierten Teil der Reihe.

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Veröffentlicht am 17.08.2024

Spannend und komplex

All das Böse, das wir tun
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Die junge Amala wird am Tor ihres Elternhauses entführt, es gibt keine Lösegeldforderung, keine Kontaktaufnahme des Entführers, keine Ermittlungsergebnisse. Ihre Tante Francesca, eine Anwältin, geht Prozesse ...

Die junge Amala wird am Tor ihres Elternhauses entführt, es gibt keine Lösegeldforderung, keine Kontaktaufnahme des Entführers, keine Ermittlungsergebnisse. Ihre Tante Francesca, eine Anwältin, geht Prozesse durch, an denen sie beteiligt war und stößt auf den Fall des 'Persers', den sie vor 30 Jahren erfolglos verteidigt hat. Der Mann soll mehrere Mädchen entführt und getötet haben, starb im Gefängnis und war wahrscheinlich unschuldig. Ist der wirkliche 'Perser' zurück? Francesca beginnt zu ermitteln und bekommt bei ihrer Suche nach Amala bald Hilfe von dem undurchsichtigen Gerry aus Israel.

Auf einer zweiten Zeitebene, 30 Jahre früher, ist die Protagonistin Itala Corruso mit dem Fall des vermutlichen Serienmörders junger Mädchen beschäftigt, der 'der Perser' genannt wird. Itala, ihre Kollegen, eigentlich ihr gesamtes Umfeld sind korrupt, die beschriebenen Ereignisse und die derbe Sprache fand ich ziemlich abstoßend. Das Wissen um die Vergangenheit ist jedoch notwendig, um die Entwicklung in der Gegenwart zu verstehen.
Der immer deutlich gekennzeichnete Wechsel zwischen den Zeitebenen, verschiedene Perspektiven und Cliffhanger an den Kapitelenden tragen zur Spannung bei und erfordern auch Konzentration beim Lesen.

'All das Böse, das wir tun' überzeugt mit einer komplexen Handlung, wobei besonders die Szenen aus Amalas Gefangenschaft erschrecken und berühren. Die Figurenzeichnung lässt die Charaktere lebendig werden, außergewöhnlich ist Gerry mit seinen geistigen Fähigkeiten und anderen Besonderheiten, ein äußerst interessanter Protagonist.
Sandrone Dazieris Schreibstil ist bildhaft und angenehm zu lesen, gelegentlich empfand ich Beschreibungen jedoch als zu ausführlich und detailliert. Insgesamt hat mich der durchgehend spannende Thriller mit dem düsteren in Schwarz und Rot gehaltenen passenden Cover gut unterhalten, mir aber nicht so gefallen wie die Trilogie um Dante Torre und Colomba Caselli.

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Veröffentlicht am 29.07.2024

Mathematik macht keine Unterschiede

Pi mal Daumen
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In Alina Bronskys neuem Roman mit dem gelungenen augenzwinkernden Cover geht es um die ungewöhnliche Freundschaft zwischen der 53jährigen Moni, familiär sehr eingespannt, mit mehreren Enkeln und Nebenjobs, ...

In Alina Bronskys neuem Roman mit dem gelungenen augenzwinkernden Cover geht es um die ungewöhnliche Freundschaft zwischen der 53jährigen Moni, familiär sehr eingespannt, mit mehreren Enkeln und Nebenjobs, und dem 16jährigen Oscar, einem talentierten, ich-bezogenen Überflieger ohne soziale Kompetenz und mit autistischen Zügen.
Die Beiden lernen sich als unerfahrene und verwirrte Erstsemester beim Mathematikstudium kennen und Oscar, aus dessen nüchterner Ich-Perspektive erzählt wird, hilft Moni anfangs gönnerhaft, sich im Universitätsleben zurecht zu finden.

Die warmherzige, immer hilfsbereite Moni und der nie um mathematische Tipps und Empfehlungen zur besseren Strukturierung des Alltags verlegene Oscar profitieren voneinander und Oscar ist zunehmend fasziniert von Moni und ihrem Hintergrund. Beide Charaktere entwickeln sich und es macht Spaß, sie im Privatleben und beim Studium zu erleben. Die liebenswerte Moni habe ich schnell ins Herz geschlossen.

Alina Bronskys Schreibstil ist angenehm und leicht zu lesen, die Geschichte ist durch Oscars einerseits weltfremde und andererseits sachliche Erzählweise sehr humorvoll und unterhaltsam. Monis und Oscars Figurenzeichnung ist gelungen, während ich Nebenfiguren überspitzt dargestellt finde.
Mir gefällt, welche Rolle die Mathematik als Wissenschaft in der Geschichte spielt. Die Autorin weiß das Wesen der Mathematik gut zu vermitteln und auch wenn ich mit mathematischen Details manchmal nicht viel anzufangen wusste, hat das mein Lesevergnügen keineswegs beeinträchtigt. Diese Geschichte um die Freundschaft zweier Außenseiter hat mir gut gefallen und ich spreche gern eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 21.07.2024

Bedrückendes Familiendrama entwickelt sich zum Thriller

Tell Me Lies
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Nach einem Vertrauensbruch suchen Hannah und Sam nach der Möglichkeit eines gemeinsamen Neuanfangs und verbringen zusammen mit ihrer kleinen Tochter eine Woche im abgeschiedenen Owl Cottage in Cornwall.
Der ...

Nach einem Vertrauensbruch suchen Hannah und Sam nach der Möglichkeit eines gemeinsamen Neuanfangs und verbringen zusammen mit ihrer kleinen Tochter eine Woche im abgeschiedenen Owl Cottage in Cornwall.
Der spannende Prolog macht sehr neugierig und wirft viele Fragen auf. Schnell wird klar, dass die Protagonistin unter großem psychischem Stress steht. Die Erzählung aus ihrer Ehe und vom traumatischen Erlebnis in der Kindheit mit den häufigen Wiederholungen und oft nur Andeutungen weist auch Längen auf, aber in der zweiten Hälfte wird die Geschichte spannender und hat mich mit der Auflösung überrascht, die gern etwas detaillierter ausgearbeitet hätte sein können.
Teresa Driscolls Schreibstil ist packend, besonders die Figur der Protagonistin ist gut gezeichnet, kapitelweise unterschiedliche Erzählperspektiven und Zeitebenen lassen allmählich ein Gesamtbild der Familiensituation entstehen. Sympathisch war mir keiner der Charaktere, dennoch habe ich die atmosphärisch düstere Geschichte gern gelesen.

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Veröffentlicht am 06.07.2024

Kurzweilig und unterhaltsam

Richter sterben besser
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Mit Freundin Robin aus dem Urlaub auf Mallorca zurückgekehrt, sieht sich Richter Siggi Buckmann mit zwei Anschlägen auf sein Leben konfrontiert, die vom befreundeten Kommissar Hiller jedoch für Zufälle ...

Mit Freundin Robin aus dem Urlaub auf Mallorca zurückgekehrt, sieht sich Richter Siggi Buckmann mit zwei Anschlägen auf sein Leben konfrontiert, die vom befreundeten Kommissar Hiller jedoch für Zufälle gehalten werden. Aber Siggi Buckmann hat es sich in der Vergangenheit mit mehr als einem Widersacher verscherzt und so schmiedet er einen Plan.

Titel und Cover des dritten Bands haben einen hohen Wiedererkennungswert und lassen schon auf den ersten Blick schmunzeln. Es tauchen Figuren aus den Vorgängerbänden auf und auch auf vergangene Ereignisse wird Bezug genommen, so dass es hilfreich ist und sicher auch mehr Spaß macht, wenn 'Richter morden besser' und 'Richter jagen besser' bereits bekannt sind. Humorvoll geht Thorsten Schleif, selbst Richter und demzufolge mit dem deutschen Justizsystems vertraut, auf die schleppende Digitalisierung der Behörden ein und spart nicht an Seitenhieben auf Klüngelversuche zwischen den am jeweiligen Verfahren beteiligten Parteien oder den Arbeitseifer von Kollegen.
Mitunter sehr kurze Kapitel und häufige Perspektivwechsel sorgen für ein hohes Tempo der Geschichte und tragen zur Spannung bei. Siggi Buckmann tritt in seinen Kapiteln als Ich-Erzähler auf, während es ansonsten eine personale Erzählstimme gibt. Auch in diesem Band fehlen die amüsanten Gespräche mit Siggis Kater Grisu nicht.
Dank des lockeren, angenehmen Schreibstils war das Buch viel zu schnell gelesen und nun heißt es warten auf den nächsten Band um den sympathischen und gewieften Richter.

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