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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.10.2024

Boldt taucht auf

Fast verschwundene Fabelwesen. Die sagenhafte Expedition des Konstantin O. Boldt
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Konstantin O. Boldt ist ein Abenteurer, ein Entdecker, ein Forscher, der sich große Sorgen darum macht, dass die uns bekannten und unbekannten Fabelwesen vor dem Verschwinden stehen. Deshalb ruft er im ...

Konstantin O. Boldt ist ein Abenteurer, ein Entdecker, ein Forscher, der sich große Sorgen darum macht, dass die uns bekannten und unbekannten Fabelwesen vor dem Verschwinden stehen. Deshalb ruft er im Jahre 1862 eine Expedition ins Leben, um noch so viele wie möglich zu dokumentieren und zu erforschen. Sein ehrenwertes Ziel: sie zu retten und erhalten. Dabei wird er teilweise auch durchaus kritisch, was die Rolle der Menschen beim Verschwinden der unglaublichen Kreaturen angeht. Die Expedition geht über mehrere Jahre und führt sie durch ganz Europa.

Ich war ja schon von den Fabelwesen der Meere sehr begeistert, also war klar, dass ich auch dieses Buch lesen/anschauen/genießen musste. Gleich vorneweg: Ich empfehle, es wirklich als Print zu holen. Natürlich sind Ebooks praktisch, oft genug ist es einfach nervig, wenn man Seiten vergrößern und ranzoomen muss und dann trotzdem nicht alles erkennen kann. Auch dieses Buch ist wieder eine Mischung aus Reisebericht, Tagebucheinträgen, Illustrationen, Fotos und Dokumenten. Der Schreibstil ist herrlich altmodisch, ohne altbacken zu wirken und die Fabelwesen erschöpfen sich nicht mit denen, die fast alle kennen, sondern überraschen immer wieder mit Kreaturen, von denen ich noch nicht gehört hatte (und dabei bin ich ein Fantasyfreak!). Ich bin also auch von diesem Buch begeistert und hoffe, dass uns Boldt noch auf die ein oder andere Reise mitnehmen wird.

Veröffentlicht am 11.10.2024

Doyle in Baskerville

Baskerville Hall – Das geheimnisvolle Internat der besonderen Talente (Teil 1)
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Der junge Arthur Conan Doyle hat es nicht einfach. Er lebt unter schwierigen Verhältnissen in Edinburgh; sein Vater ist depressiv und dem Trinken zugeneigt, weshalb er nicht arbeitet und seine Mutter ist ...

Der junge Arthur Conan Doyle hat es nicht einfach. Er lebt unter schwierigen Verhältnissen in Edinburgh; sein Vater ist depressiv und dem Trinken zugeneigt, weshalb er nicht arbeitet und seine Mutter ist mit ihm und den vier kleinen Schwestern ausgelastet. Arthur beschließt, sich eine Arbeit zu suchen, um die Familie zu unterstützen - doch dann erhält er das Angebot, an der besonderen Akademie Baskerville Hall zu lernen. Wer dort seinen Abschluss macht, kann damit rechnen, im Leben erfolgreich zu sein, weshalb er nicht lange überlegt. Und plötzlich rutscht er per Ballon in ein Abenteuer mit Intrigen, Einbrüchen, Geheimnissen, faszinierenden Lehrern und ... den besten Freunden, die er jemals hatte.

Ich bin ein großer Fan der originalen Sherlock-Holmes-Geschichten von Arthur Conan Doyle, lasse mich jedoch auch ab und zu gern in seine Welten entführen, die von anderen AutorInnen erdacht wurden. Und jedes Mal freue ich mich, wenn es diesen gelingt, den ursprünglichen Charme zu erhalten, aber Neues hinzuzufügen. Das ist Ali Standish hier wirklich gut gelungen. Sie legt eine quasi Dark Academia im 19. Jahrhundert vor, schenkt uns Doyle'sche Charaktere wie Challenger (Lost World) oder Doktor Watson, James Moriarty, Irene Adler (Sherlock Holmes) und lässt den späteren Autor selbst als Hauptperson agieren. Manchmal ist es ein bisschen drüber (Challenger lässt den Jungen ohne Einweisung den Ballon fliegen und wundert sich dann, dass der beinahe krachen geht?), manchmal schmunzelt man (etwas Großes, Wolfsartiges in Baskerville Hall oder auch ein Dodo oder ein Saurierbaby?) und einmal fand ich den sonst so cleveren jungen Doyle etwas tumb (noch einmal die Sache mit dem Saurierbaby), aber eigentlich hat mich diese Geschichte einfach nur begeistert und gefesselt. Großen Anteil daran hatte auch der Sprecher, der nicht nur jeder Person eine eigene Stimme verlieh, sondern auch das Ganze mit seinem offensichtlich Spaß daran noch einmal ordentlich aufwertete. Besser geht's nicht.

Veröffentlicht am 11.10.2024

Boldt taucht ab

Verborgene Fabelwesen der Meere
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Konstantin O. Boldt, der bekannte (Er)Forscher verborgener Fabelwesen, taucht dieses Mal ab. Und zwar ganz im Stile von Jules Verne 20.000 Meilen unter dem Meer. Bismarck selbst hat ihm befohlen, sein ...

Konstantin O. Boldt, der bekannte (Er)Forscher verborgener Fabelwesen, taucht dieses Mal ab. Und zwar ganz im Stile von Jules Verne 20.000 Meilen unter dem Meer. Bismarck selbst hat ihm befohlen, sein Refugium für verborgene Wesen zu verlassen, und dem Eisernen Kanzler kann er sich natürlich nicht widersetzen. Obwohl er nicht der Leiter der Expedition ist, ist er natürlich die Hauptperson und er berichtet uns von seinen faszinierenden Begegnungen mit unbekannten, oftmals gefährlichen Kreaturen, die im Meer leben. Dass in der Crew so unterschiedliche Individuen aufeinandertreffen, sorgt ebenfalls für Spannung und Reibung, aber auch für romantische Anwandlungen.

Obwohl ich den Vorgänger nicht kenne (mir den aber jetzt auf jeden Fall besorgen werde), gab es für mich keine Verständigungsschwierigkeiten. Es handelt sich zwar um den Nachfolger, aber nicht so direkt, dass sie unbedingt aufeinander aufbauen müssen. Das Buch zeichnet sich nicht nur durch die unglaubliche Außengestaltung aus, die allein als Eye-Catcher dient, sondern auch dadurch, dass der Innenteil wie das Tagebuch eines Reisenden des 19. Jahrhunderts gestaltet ist. Dabei kommen Fotos, alt und zerknittert wirkend, ebenso Dokumente oder Karten zum Einsatz und allein das lässt schon innehalten. Ich habe wahnsinnig viel Zeit damit verbracht, über die Zeichnungen der verborgenen Fabelwesen zu grübeln und mir auszumalen, was wäre, wenn sie tatsächlich existierten und in der heutigen Zeit eine Rolle spielten. Das Buch ist also in sich selbst nicht nur ein Abenteuer, das einfach Spaß macht, sondern regt tatsächlich dazu an, selbst Abenteuer auszudenken. Und ich finde, das ist eines der größten Komplimente, die man einem Buch machen kann. Volle Empfehlung!

Veröffentlicht am 15.09.2024

Um die Welt

Earhart
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Wühlmäuse sind klein und leben unter der Erde. Sie haben klare Grenzen, zum Beispiel den Gartenzaun. Doch eine von ihnen ist anders. Sie baut Maschinen für ihre Wühlmauskollegen, um ihnen die Arbeit zu ...

Wühlmäuse sind klein und leben unter der Erde. Sie haben klare Grenzen, zum Beispiel den Gartenzaun. Doch eine von ihnen ist anders. Sie baut Maschinen für ihre Wühlmauskollegen, um ihnen die Arbeit zu erleichtern. Ihr Freund Humphrey, ein Mäuserich von oben, bringt ihr jede Menge Fundsachen aus der Menschenwelt, um damit zu arbeiten. Als sie eines Tages dabei Briefe entdeckt, auf denen Briefmarken mit einem Löwen sind, ist sie fasziniert. Gibt es wirklich so riesige Katzen? Und wo liegt eigentlich dieses Afrika? Und gibt es hinter den Grenzen des Gartenzauns noch mehr im Leben? Mit Humphreys Hilfe, viel Mut und Einfallsreichtum überwindet die kleine Wühlmaus mehr als nur die Grenzen des eigenen Denkens ...

Ach, das war wieder schön! Ich bin ja ein großer Fan der Mausabenteuer von Torben Kuhlmann und auch dieses hat mich nicht enttäuscht. Wie üblich verbindet er wunderschöne Illustrationen mit einem mega süßen Mäuschen, das anders ist als andere und Dinge schafft und erreicht, die normale Mäuse (oder Menschen) nie schaffen würden. Dabei bin ich ein Fan von Humphrey geworden, der sich als echter Freund entpuppt hat, und war richtig sauer auf die Wühlmauskolonie: Das muss eine Graphic Novel erst mal schaffen, dass man wütend wird auf fiese Mäuse! Gefreut hat mich auch das Wiedersehen mit Lindhberg, der tapferen Hamburger Maus, die unserer kleinen Wühlmaus sehr geholfen hat. Und mich hat die Geschichte auch wieder sehr neugierig auf das Leben der echten Amelia Earhart gemacht, die eine unglaubliche Pionierin war - nicht nur was die Luftfahrt anging. Fette Empfehlung für das Buch!

Veröffentlicht am 28.07.2024

Ey up?

Unser Buch der seltsamen Dinge
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Es ist Ende der Siebziger, Anfang der achtziger Jahre. Die zwölfjährige Miv lebt in Yorkshire, einer Gegend, die sich früher durch die vielen Fabriken ausgezeichnet hat, jetzt jedoch eher das Armenhaus ...

Es ist Ende der Siebziger, Anfang der achtziger Jahre. Die zwölfjährige Miv lebt in Yorkshire, einer Gegend, die sich früher durch die vielen Fabriken ausgezeichnet hat, jetzt jedoch eher das Armenhaus Englands ist. Ein Serienkiller treibt sein Unwesen, und der Schrecken, den er verbreitet, geht auch nicht spurlos an den Kindern vorbei. Als Miv mitbekommt, dass ihr Dad unter anderem auch wegen des Yorkshire Rippers umziehen will, ist sie entsetzt. Sie würde alles verlieren, was ihr etwas bedeutet, besonders jedoch ihre beste Freundin Sharon. Also beschließen die beiden jungen Mädchen, gemeinsam den Ripper zu jagen, damit ihre Heimat wieder sicherer wird. Dabei stoßen sie auf mehr schlimme Menschen als nur einen Mörder - und sie alle verstecken sich unter der Maske harmloser Mitbürger.

Oh, diese Geschichte hat mich mitgenommen. Zugegeben, nicht gerade von Seite 1, aber als ich dann mal drinnen war, konnte ich nicht mehr aufhören. Vom Yorkshire Ripper habe ich schon gehört - sogar eine Dokumentation gesehen, die wirklich wütend macht. Und auch dieses Buch macht an so vielen Stellen wütend: Wenn es darum geht, wie Frauen behandelt werden, wenn man sieht, welche Prioritäten gesetzt werden. Auch gab es noch absolut kein Bewusstsein für die Würde von Kindern. Hat sich ein Erwachsener ihnen gegenüber etwas herausgenommen, wurde das als harmlos abgetan und nicht ernst genommen. Die Autorin schafft es, die kindliche Stimme Mivs mit einer intensiven Sozialstudie zu verbinden, bei der es einem immer wieder kalt über den Rücken läuft. Es ist keine reine Coming-of-Age-Geschichte, auch wenn es vordergründig so scheint. Hier wird auf beste Weise eine Geschichte geschrieben, die gleichzeitig die Jagd auf einen Serienkiller und den Schrecken, den er in der Bevölkerung verbreitet, beinhaltet und tiefste Freundschaft dargelegt, wie sie fast nur in der Kindheit sein kann. Es gibt Drama und herzzerreißende Szenen, Rassismus, reine Bosheit und Gemeinheit, aber es gibt auch Zusammenhalt und das wachsende Bewusstsein für Recht und Unrecht. Dieses Buch wird noch lange nachhallen.