Wir brauchen mehr Geschichten wie diese!
Yumi and the Nightmare Painter„Wir brauchen Geschichten!“
Wir brauchen Träume und Alpträume, die uns ängstigen und anspornen, Fantastereien und Geschichtenerzähler, die uns nahe zu sich rufen und mit uns die Faszination von Geschichten ...
„Wir brauchen Geschichten!“
Wir brauchen Träume und Alpträume, die uns ängstigen und anspornen, Fantastereien und Geschichtenerzähler, die uns nahe zu sich rufen und mit uns die Faszination von Geschichten teilen.
Wir brauchen solche Geschichten, von denen wir einfach nicht genug bekommen können und solche die uns mit verheulten Augen nach der letzten Seite nicht loslassen, selbst wenn wir das Buch zugeschlagen haben, selbst wenn wir das Ende kennen, weil wir das Buch schon einmal gelesen haben. Solche Geschichten brauchen wir. Und so eine Geschichte habe ich in „Yumi and the Nightmarepainter“ gefunden.
Yumi und Nikaro sind für mich vollkommen gegensätzlich. Nikaro lebt als Alptraummaler (ich find den Beruf ja total spannend!) in einem modernen japanischen Setting, in dem es keinen Sonnenschein, sondern nur leuchtende Energiekabel gibt - die Hion-Linien. Als Alptraummaler verdient er sein Geld und beschützt die Bürger der Stadt. Yumi beschwört Geister - ihr Leben ist streng reglementiert und traditionell und techniklos. Die beiden leben wortwörtlich in verschiedenen Welten. Umso entsetzter ist Nikaro, als er plötzlich in Yumis Welt und in ihrem Körper erwacht. Ihre Leben sind von nun an untrennbar miteinander verknüpft.
Ich habe einfach alles an diesem Buch geliebt - mit wehenden Fahnen führt das Feld aber die Alltäglichkeit an, die ich in beiden Welten erlebt habe. Wofür Brandon Sanderson in seinen großen epischen Fantasyromanen kaum Zeit hat, das lebt er in Yumi wirklich aus. Und für mich ist es wunderbar! Ich will mit Maler Nudeln essen gehen, mit der Shopbesitzerin quatschen und mit Yumi shoppen gehen. Ich will in Decken eingekuschelt Zuhause bei Nikaro KDramen schauen und mit Yumi baden und Steine stapeln. Allein, dass es Sanderson schafft, diese beinahe banalen Tätigkeiten so interessant zu schreiben, dass ich mich beinahe danach verzehre, spricht schon für sich. Dass die beiden Protagonisten so ganz nebenbei ihre jeweiligen Welten retten müssen vor düsteren Alpträumen, scheint da beinahe nebensächlich.
Nikaro hat den Glauben in seine Kunst verloren - es ist für ihn zur Arbeit geworden. Das genaue Gegenteil ist Yumi, die ihre Kunst sklavisch ernst nimmt und dadurch ihre Kreativität einbüßt. Der Austausch der beiden, die Dynamik und ihre Dialoge sind Sanderson so gut gelungen. In den ersten Kapiteln steckt so viel Humor, dass ich mich gekringelt habe!
Alte Kosmeer-Hasen werden den Erzähler kennen. Ich persönlich liebe Hoid sehr. Seinen Sarkasmus, seine Art, Situationen darzustellen - für mich war seine Perspektive eine Bereicherung! Für Neulinge ist er aber ebenso geeignet! Der Weltenhüpfer kann auch sehr gut in eine neue Welt des Kosmeers einführen, keine Sorge! Generell haben beide Leser-Gruppen ihren Spaß an dieser Geschichte. Der Einstieg in die Welt ist niederschwellig und gelingt mit den beiden Sympathieträgern leicht. Für die, die sich im Kosmeer auskennen, streut Hoid einige spannende Details über die Drei-Reiche-Lehre ein.
Aber das ist nicht das Außergewöhnliche an dem Buch - sondern die wunderschöne Beziehung zwischen Yumi und Nikaro. Von vorsichtigen Vertrauen, über Freundschaft bis hin zu einer zarten Liebe entfaltet sich die Seele des Buches so langsam mit einer so poetischen, leisen Sprache, dass Sanderson mein Herz mit der Romanze schmelzen hat lassen!
Einher geht dieses Buch mit Fragen über die Rolle von KI in Kunst, mit dem Kunstverständnis an sich und den vielen Nuancen dazwischen, die dem Lesenden natürlich nicht plump gestellt werden.
Mein liebstes Secret Project mit super vielen Themen, die mein Herz berührt haben! Allen voran Freundschaft und Vertrauen in die eigene Kraft aber auch in die Kraft der anderen.