Sympathische Protagonisten und spannende Handlung
Hildur – Der Schatten des NordlichtsSeit einiger Zeit halte ich wieder Ausschau nach Kriminalromanen aus Europas Norden, die möglichst Teil einer Reihe sind. Warum Reihen? Natürlich sollte der Kriminalfall im Zentrum stehen, aber ich erfahre ...
Seit einiger Zeit halte ich wieder Ausschau nach Kriminalromanen aus Europas Norden, die möglichst Teil einer Reihe sind. Warum Reihen? Natürlich sollte der Kriminalfall im Zentrum stehen, aber ich erfahre gerne mehr über die Protagonisten, warum sie wie handeln, Details zu ihrer Biografie, aber auch zu den kulturellen Eigenheiten der Gesellschaft, in der sie ihren Beruf ausüben.
All das bietet die mittlerweile dreibändige Hildur-Reihe der gebürtigen Finnin Satu Rämö, die mit ihrer Familie in Ísafjörður, einer Kleinstadt im Nordwesten Islands lebt, also genau in der Gegend, für die die Polizistin Hildur Rúnarsdóttir mit ihrem finnischen Praktikanten Jakob verantwortlich ist. Die beiden sind keine unbeschriebenen Blätter, ihre Biografie nimmt deshalb auch fast genau so viel Raum ein wie die Krimihandlung. Deutlich wird das vor allem an den Originaltiteln: Hildur (Bd. 1), Rósa & Björk (Bd. 2) und Jakob (Bd. 3), was zeigt, dass in jedem der Bände eine Person ganz besonders ausgeleuchtet wird. Aber diese personalisierten Titel sind auch ein Hinweis auf die Übermittlung zusätzlicher Informationen, die zum einen Verbindungen zwischen den Einzelbänden schaffen, zum anderen uns die Protagonisten näher bringen. Für mich funktioniert dieses Konzept gut, auch wenn ab und zu die eigentliche Krimihandlung dadurch in den Hintergrund gedrängt wird.
Noch kurz zum Inhalt: Der Tote im Netz der Lachszucht ist erst der Anfang. Immer wieder tauchen Opfer auf, bei denen deren Zurschaustellung und/oder die Mordmethode Verbindungen zu der isländischen Sage von den 13 Weihnachtsgesellen aufweist. Gleichzeitig verschwinden auf den Pferdehöfen der Umgebung temporär immer wieder trächtige Stuten.
Es gibt also für Hildur einiges zu tun, zumal sie aktuell auf Jakob verzichten muss. Er ist zu einem Gerichtstermin nach Finnland gereist, damit die Torpedierungen des Sorgerechts durch seine geschiedene Frau endlich ein Ende haben. Aber es kommt ganz anders, denn es dauert nicht lange, bis er des Mordes verdächtigt wird. Hildur lässt alles stehen und liegen und macht sich auf den Weg, um Jakobs Unschuld zu beweisen.
Ein spannender, vielschichtiger Kriminalroman mit sympathischen Protagonisten und wunderschönen Landschaftsbeschreibungen, hervorragend von Gabriele Schrey-Vasara übersetzt, den ich ohne Einschränkung all denjenigen empfehlen kann, die auch an dem Privatleben der Ermittler Interesse haben.
Nachbemerkung: Ursprünglich war die Hildur-Reihe als Trilogie geplant, aber nach deren Erfolg wird sie glücklicherweise fortgesetzt. Band 4, Originaltitel „Rakel“ wird bei Heyne im August 2025 unter dem Titel „Hildur – Die Toten am Meer“ erscheinen.